24
Jun
2018

Tag 7 Choquequirao Trek nach Machu Picchu – Über den Yanama Pass, den höchsten Punkt des Treks, nach Totora

Heute stand uns der vermutlich härteste Tag des Treks von Choquequirao nach Machu Picchu bevor. Über den Yanama Pass, immerhin stattliche 4.678 Meter hoch, wollten wir nach Totora und vielleicht auch noch darüber hinaus hiken. Entsprechend früh wollten wir heute durchstarten…

Mit dem ersten Hahnenschrei um 5:30 Uhr sind wir raus aus den Schlafsäcken. Es war schweinekalt hier auf 3.600 Metern in Yanama. Unser Zelt war von außen gefroren. Von innen war alles nass aufgrund unseres kondensierten Atems. Ich ging direkt mal in fast volle Montur: Shirt, Hoodie, Polartecjacke, Handschuhe, Bufftuch als Schal und Mütze.

Um 6 Uhr ging die Sonne langsam hinter den Bergen auf und es wurde heller. Dennoch kamen wir erst um 6:45 Uhr los. Egal, das war immer noch ein früher Start.

Zwei mal mussten wir direkt nach knappen hundert Metern umkehren. Einer der Hunde des Hofes, auf dem wir gecampt hatten, lief uns doch direkt in unseren ersten beiden Startversuchen hinterher und wollte die Passbesteigung offensichtlich mit uns angehen. Zuvor hatte er zitternd vor Kälte mit uns draußen beim Frühstück gesessen und sich ein paar Streicheleinheiten abgeholt. Wäre er ein drittes Mal mit auf den Trek gekommen, hätte ich ihn vermutlich irgendwie mit nach Deutschland genommen, aber diesen Versuch wagte er (leider) nicht.

Der Trek in Richtung Yanama Pass verlief von Yanama aus über eine staubige Schotterstraße, die zunächst gemächlich am Flusslauf entlang führte und in einigen wenigen Serpentinen anstieg. In westlicher Richtung führte sie in den Talkessel hinein. Einige Shortcuts ersparten uns ein paar der deutlich längeren Serpentinen.

Der Weg am Fluss entlang war echt schön zu laufen. Das lange Tal mit seinem Talkessel am Ende, welcher von schnee- und gletscherbedeckten Bergen eingerahmt einem riesigen natürlichen Amphitheater gleich kam, war echt schön anzuschauen. Von der teils deutlich über dem Fluss verlaufenden Straße hatten wir einen schönen Blick das gesamte Tal hinunter, auf dessen Grasflächen Kühe weideten.

Anfangs liefen wir eine gute Stunde im Schatten. Die Sonne stand noch hinter der Bergkette, die sich linksseits von uns erhob und deren Gipfel ebenfalls vergletschert waren. Kühl war es hier im Schatten und wir liefen weiterhin in warmen Klamotten. Als die Sonne dann jedoch über die Berge stieg und ihre Strahlen in das enge Tal hinabschickte, wurde es direkt deutlich wärmer. Nun war wieder T-Shirt-Wetter angesagt. Die beiden Extreme im peruanischrn Winter halt. Sobald die Sonne da ist, wird es ordentlich warm 😉

Auf dem weiteren Weg passierten wir mehrere Bachläufe und Wasserfälle, die über die Straße strömten ehe wir absvhließend nach einigen Kilometern den Talkessel erreichten. Unser Blick fiel teils auf mächtigen Eisriesen um die 5.900 Meter. Ein Wahnsinnspanorama.

Und nun im Talkessel angekommen zeigte sich auch wohin unser Weg uns als nächstes führen würde. Die Straße schlug nach Süden ein, führte steiler den Hang hinauf und in Richtung des vergletscherten, knapp über 5.600 Meter hohen Mount Padrejoy.

Von hier unten konnten wir die mächtigen Felszinnen des Berges sowie den massigen Hängegletscher, der sich zwischen den Felsen an den Hang klammerte, bereits gut erkennen. Ebenso sahen wir die Passhöhe selbst, die sich linksseits des Gletschers befand, jedoch noch immer knappe 600 Meter über uns war.

Etwa 500 Meter waren wir damit in den ersten 2,5 Stunden des Tages bereits aufgestiegen. Zeit für eine Pause. Erst danach gingen wir die restlichen Höhenmeter an und verließen die staubige und nun in endlosen Serpentinen hinaufführende Schotterstraße zugunsten eines steiler hinaufführenden Pfades.

Der Anstieg auf dem Pfad war wahnsinnig kräftezehrend. Die dünne Höhenluft machte sich mittlerweile mehr als bemerkbar. Auf Meeresniveau wären wir hier vermutlich vergleichsweise einfach aufgestiegen, aber so verkam jeder Schritt und jedes Hochwuchten in steileren Passagen zu einer Kraftanstrengung. Schnaufend schleppten wir uns den Hang hinauf. Eine weitere Stunde, dann noch eine. Die Aussicht nach vorn, aber auch zurück, wurde währenddessen immer großartiger.

Knapp 150 Meter unter der Passhöhe, unser steiler Pfad kreuzte mal wieder die in endlosen Serpentinen hinaufführende Straße, überholten uns übrigens unsere amerikanischen Freunde von der geführten Tour. Sie waren heute deutlich später als wir gestartet und hatten uns nun eingeholt. Hupend fuhren sie in einem Van an uns vorbei 😉

Okay, zur Erklärung: der Tag gestern steckte ihnen total in den Beinen und den Knien. Daher hatten sie sich dazu entschlossen, die heutige schwerste Etappe des Trails nach Machu Picchu nicht anzugehen. Ihr Tourorganisator hatte ihnen angeboten, sie mit dem Auto nach Totora, dem Endpunkt der heutigen Etappe zu bringen. Hier trafen wir sie später auch wieder. Als wir am Nachmittag Totora erreichten, standen die Amis doch direkt als Begrüßungskomitee auf der Straße und übten sich im Kniefall uns gegenüber. Sie waren immer noch jeden Tag aufs Neue begeistert, dass wir diesen Trek alleine meisterten 🙂

Hatte ich im Anstieg zuvor noch ziemlich geschnauft und mich den Hang hinaufgekämpft, liefen die letzten 150 Höhenmeter bei mir irgendwie runder. Vielleicht lag es daran, dass das Ziel so nahe schien. Vielleicht war es auch das Cocabonbon, das ich mir in den Mund gestopft hatte. Wer weiß. Jedenfalls war ich noch vor 12 Uhr oben am Pass auf 4.678 Metern angelangt und fühlte mich nach kurzer Verschnaufpause tatsächlich wieder bereit zu neuen Taten.

Kalt war es auf der Passhöhe. Hier oben lag einiges an Schnee und der Wind blies eiskalt. Bereits im Aufstieg hatte ich daher wieder einige wärmere Klamotten angezogen. Nun kamen ein paar noch wärmere dazu.

4.678 Meter. Damit war ich auch höher aufgestiegen als bei meinen Hochtouren in den Alpen – wobei das Trekking in den Anden und die Hochtouren in den Alpen sich natürlich auch schwerlich miteinander vergleichen lassen. Dennoch fühlte es sich natürlich wahnsinnig gut an, hier oben mit dem schweren Rucksack angelangt zu sein und auf dieser Höhe zu stehen.

Christian kam wenig später auch auf der Passhöhe an. Wahnsinn. Total beeindruckend. Er hat sich auch richtig hochgekämpft und nicht aufgegeben. Auch wenn er wenig später im Abstieg ziemlich hinüber und fertig schien, er hatte es geschafft. Er hat den hohen Pass trotz der dünnen Luft und trotz des schweren Rucksacks aus eigener Kraft erreicht.

Auf der anderen Seite des Passes war es ziemlich bewölkt. Seit sechs Tagen hatten wir kaum eine Wolke am Himmel und nun hatte es sich auf der anderen Bergseite beinahe vollkommen zugezogen. Einige graue Regenwolken waren darunter. Ich war gespannt, ob wir es noch vor dem Regen nach Totora schaffen würden.

Da Christian ziemlich entkräftet schien und mit der Höhe zu kämpfen hatte, stiegen wir zunächst eine knappe halbe Stunde und ein paar hundert Höhenmeter ab. Vor dem weiteren Abstieg legten wir dann eine Mittagspause ein. An einer aussichtsreichen Stelle kochten wir ein paar Instantnudeln mit Thunfisch bzw. Salami. Erst danach machten wir uns an den weiteren Abstieg.

Der Abstieg erfolgte wie der Aufstieg über einen steilen Pfad, der vielfach die in vielen Serpentinen verlaufende, vom Pass kommende Schotterstraße querte. Insgesamt brauchten wir bis ins Bergdorf Totora, das auf etwa 3.450 Metern und damit gute 1.200 Meter unterhalb der Passhöhe lag, weitere zwei Stunden. Der Regen blieb dabei zum Glück aus. Zwischenzeitlich hagelte es nur ein wenig.

Unser Zelt schlugen wir dann in Totora im Garten einer peruanischen Familie neben den US-Amerikanern auf.

Bis zum Sonnenuntergang blieben uns noch etwa zwei Stunden. Abermals nutzten wir diese, um ein wenig was vernünftiges zu kochen. Vorweg gab es eine Spargelcremésuppe und anschließend in Anlehnung an das gestrige Dinner abermals angeröstete Salami mit roten Zwiebeln und Rührei. Statt der Instantnudeln von gestern gab es heute jedoch Kartoffelbrei dazu.

Mit Einbruch der Dunkelheit wurde es übrigens wieder lausig kalt. Die Temperatur fiel wieder auf knapp null Grad ab. Heute Nacht dürfte es damit abermals Minusgrade geben. Wir schauen mal wie wir die Kondensationsfeuchte die Nacht über aus dem Zelt bekommen. Wir haben die beiden Eingänge teils offen gelassen. Dadurch wird es im Zelt zwar deutlich kälter aber vielleicht kriegen wir die Feuchtigkeit dadurch etwas raus. Ich berichte morgen mal, wie das geklappt hat.

Soweit vom heutigen Tag. Es ist jetzt knapp 21 Uhr. Ich versuche jetzt auch mal etwas Schlaf zu finden. Zumindest sofern meine unzähligen Mückenstiche mich lassen. Die knapp 100 Stiche jucken einfach wie verrückt sobald ich zur Ruhe komme…

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