23
Jun
2018

Tag 6 Choquequirao Trek nach Machu Picchu – Was für ein Tag! Von Maizal auf dem bislang schönsten Trek über 4.000 Meter bis nach Yanama

Wow, was für ein Tag! Nach echten Startschwierigkeiten zu Beginn haben wir uns durch traumhaften Bergnebelwald und an alten Silberminen der Inka entlang auf den San Juan Pass und damit ins Andenhochland hinaufgekämpft. Erstmals in unserer Südamerikatour sind wir damit auf über 4.000 Meter aufgestiegen. Der Weg auf alten Inkapfaden mit ihren charakteristischen Steinen war fantastisch schön, die Aussicht von der Passhöhe hinüber zum gletscherbedeckten Mount Choquetakarpo spektakulär. Der Abstieg hinab nach Yanama war landschaftlich dann vollkommen verschieden zum Aufstieg auf der anderen Seite des Passes. Ein wahnsinnig guter Tag!

Nach dem anstrengenden Tag gestern hatten wir uns etwas mehr Schlaf gegönnt. Es war irgendwann kurz vor 7 Uhr als wir uns dann aufmachten, den ersten Schwung Sachen zusammenpackten und zum Frühstück zu der Peruanerin gingen, die uns gestern bereits unser Abendessen bereitet hatte. Sie hatte uns angeboten, uns für 10 Soles pro Person auch am nächsten Morgen ein Frühstück zu bereiten und darauf waren wir gern eingegangen.

Ganz untypisch zu unserem gewohnten Frühstück gab es eine Riesenportion Nudeln mit Kartoffeln, etwas Käse und hierzu einen Cocatee. Hatte also mehr etwas von einem Lunch, war aber dennoch gut 😉

Anschließend packten wir den Rest unseres Zeugs zusammen und machten uns recht spät um 8:45 Uhr auf den Trek. Den größten Teil des Tages sollten wir durch Bergnebelwald in Richtung San Juan Pass hinaufsteigen. Ein Pass, der immerhin eine Höhe von 4.150 Metern vorzuweisen hat. Für uns bedeutete das in der dünner werdenden Höhenluft einen Anstieg um immerhin 1.150 Meter.

Der Trek ging von Maizal direkt steil in Serpentinen hinauf. Nach wenigen Minuten überholte uns von hinten eine Mulikarawane von sieben Tieren. Eine zeitlang lief ich zwischen den schwerbeladenen Tieren mit. Irgendwie fühlte ich mich mit meinem schweren Rucksack da ganz passend eingeordnet – das beziehe ich aber ausdrücklich nur auf das schwere Gepäck 🙂

Irgendwann hatte mich auch das letzte Muli überholt und ich war mit Christian, der etwas hinter mir in den Serpentinen unterwegs war, wieder allein im Anstieg. Holla die Waldfee. Ich hab keinen rechten Plan was da los war. Denn obwohl Christian das Gepäck, das ich gestern für ihn heraufgetragen hatte, wieder an sich genommen hatte, fühlte ich mich richtig platt und kämpfte echt hart mit dem Anstieg und jedem Schritt.

Zwischenzeitlich festigte sich etwas der Glaube, ich würde hier auf dem Choquequirao Trek nach Machu Picchu an meine Grenzen stoßen. Der Start heute bzw. vielmehr die erste Stunde des Tages war hammerhart und Christian ging es komplett genauso. Glücklicherweise handelte es sich aber nur um ein paar Startschwierigkeiten, denn nach der ersten Stunde und einem kurzen flacheren Teilstück des Tracks lief es doch irgendwie deutlich besser. Selbst in dem späteren erneut steilen Anstiegen fühlte ich mich richtig gut und konnte den Track so richtig genießen. Christian kämpfte etwas mehr, meisterte aber auch den Anstieg und fühlte sich deutlich besser als noch am Morgen und vor allem als am gestrigen Tag.

Nach ungefähr anderthalb Stunden legten wir an einer alten Mine eine Pause ein. Wir sollten heute mehrere alte Silberminen passieren, die bereits von den Inka genutzt worden waren. Da die Mine nicht verschlossen, sondern sich als dunkle Öffnung im Fels auftat, bewaffneten wir uns kurzerhand mit der Stirnlampe, ließen unsere Rucksäcke draußen liegen und drangen vielleicht 100 bis 150 Meter in die Mine vor.

Deren einer Schacht endete irgendwann als Sackgasse. Einen zweiten Schacht ließen wir dann doch einfach Schacht sein, da er steil nach unten in den Berg führte und wir nicht vorhatten in der Mine bergab zu kriechen. So viel Abenteuersinn musste dann doch nicht sein. Immerhin lagen noch knappe 800 bis 900 Meter Aufstieg vor uns, denen wir den Vorrang einräumten.

Der Aufstieg erfolgte immer weiter durch dichten Bergnebelwald. Es gab hier vollkommen bemooste Bäume, hohen Bambus, einige Gräser und Farne, verschiedenste grüne Sträucher und Stauden sowie unzählige Moose und Flechten. Selbst Orchideen wuchsen hier.

Merkwürdig war der Umstand, dass je höher wir stiegen, desto größer und höher wuchsen auch die Pflanzen. Der Bambus erreichte im weiteren Aufstieg immer größere Höhen von geschätzt bis zu zehn Metern und auch die Größe der Bäume und Stauden schien zuzunehmen.

Immer wieder zogen leichte Nebelschwaden durch den Wald, in dem es trotz der seit Tagen heiß brennenden Sonne angenehm kühl war. Wahrscheinlich war das auch der Grund, weshalb wir uns deutlich frischer als in der ersten Stunde des Tages fühlten. Hier waren wir noch unter sengender Sonne aufgestiegen. Nun jedoch war es angenehm kühl.

Der Trek hier im Nebelwald war natürlich voller Matsch und Schlamm. Nicht zu vergleichen mit Neuseeland aber es war schon gut matschig. Es reichte jedenfalls für das schlürfend-schmatzende Geräusch bei jedem Schritt. Neben der Geräuschkulisse sorgte der Matsch vereinzelt auch für Nervenkitzel. Denn irgendwie ist es ja schon etwas abenteuerlich am steilen, teils hunderte Meter abfallenden Hang auf rutschigen Pfaden zu wandern.

Die Sicht aus dem Bergnebelwald war übrigens die meiste Zeit des Aufstiegs atemberaubend. Oftmals rückte direkt die vergletscherte Kuppe eines knapp 5.000 Meter hohen Berges in unser Blickfeld. Der Aufstieg durch den schönen Bergnebelwald war insoweit ein echtes Highlight.

Später erfolgte der Aufstieg in engen Serpentinen nicht mehr auf schlammigem Pfad, sondern führte hunderte von Höhenmetern über unregelmäßige steinerne Stufen steil hinauf, die charakteristisch für die alten Pfade der Inka sind. Wir bewegten uns hier halt auf alten Inkawegen.

So langsam erreichten wir im Aufstieg über die steinernen Treppen auch jene Höhe, ab der es nachts gefriert, denn vielfach war der Tau auf den Steinen trotzdessen, dass es schon fast Mittag war, gefroren.

Ansonsten erinnerte ich mich ganz Neuseelandlike übrigens während des nicht enden wollenden Aufstiegs über die steinernen Stufen mal wieder an die Herr-der-Ringe-Filme 😉 Wie hatte Gollum doch gleich gesagt als er die Hobbits den Cirith Ungol hinaufführte? „Rauf rauf rauf. Immer schön die Treppe rauf.“ Ja klar, und oben wartet dann Kankra, die Megaspinne aus Herr der Ringe. Aber Halt, ich war ja gar nicht mehr in Neuseeland und Mittelerde. Also verwarf ich alle diesbezüglichen Bedenken und stieg mit etwas Vorsprung auf Christian weiter auf… 😉

Im weiteren Aufstieg schloss ich auf einen Teil einer geführte Gruppe auf und überholte diesen. Ein Paar mit Tagesrucksäcken und ihrem Guide. Sie schienen ordentlich Probleme mit dem Anstieg und der Höhe zu haben. Wenig später überholte mich einer der beiden wieder, diesmal allerdings auf einem Pferd sitzend, welches der Guide per Funkkontakt von dem Rest der schon weiter aufgestiegenen Gruppe angefordert hatte.

Gefühlt fast schon ein wenig plötzlich tauchte ich dann übrigens aus dem Bergnebelwald hervor. Christian folgte wenig später. Die Vegetation wurde hier deutlich karger, der Grund deutlich felsiger. Es dominierten nun Gräser und Fels. Wir waren im Andenhochland angekommen und befanden uns vielleicht noch wenige hundert Meter unterhalb der Passhöhe.

Wir passierten einige weitere alte Silberminen, die ebenfalls alle zugänglich waren. An einer davon legten wir unsere Lunchpause ein. Ein paar Wraps mit Käse und Salami bzw. Nutella. Den Aufstieg setzten wir dann anschließend nach einer weiteren Minenexkursion fort.

Langsam kam dann auch die Höhe dazu. Gefühlt ein schnellerer Atem und ein erhöhter Puls. Christian bekam etwas Kopfschmerzen. Alles in allem ging es uns aber gut. Ich blickte hinauf zum Pass, der nicht mehr weit entfernt schien, es in unserem Tempo jedoch noch war. Nur hier mussten wir uns heute noch hinaufkämpfen. Danach würde nur noch ein zweistündiger Abstieg um etwa 600 Meter bis ins Bergdorf Yanama erfolgen.

Um 13:30 Uhr erreichten wir den San Juan Pass auf 4.150 Meter! Wahnsinn. We did it! Und wir haben hier oben auch tatsächlich wieder auf die US-Amerikaner, die heute morgen bereits um 6:30 Uhr gestartet sind, aufgeschlossen. Mit den vieren sowie ihrem Guide verstehen wir uns immer besser. Wir haben ja nun auch die letzten drei Nächte bereits dieselben Campsites geteilt und da kommt man doch immer wieder ins Gespräch 🙂

Die Passhöhe hätte kaum eine grandiosere Aussicht bieten können. Von einer Kuppe auf dem Pass selbst bot sich nämlich ein Wahnsinnrundumblick. In alle vier Himmelsrichtungen waren die gigantischen Berge und Schluchten der Anden zu erblicken. Insbesondere der Blick hinüber zum gletscherbedeckten Mount Choquetakarpo war spektakulär.

Wir verweilten eine ganze Weile hier oben und legten eine wohlverdiente Pause ein während über uns ein majestätischer Kondor, der König der Anden, hinwegflog.

Der Abstieg vom San Juan Pass nach Yanama bot zu dem Aufstieg auf der anderen Passseite mit seinem Bergnebelwald und dem Andenhochland nochmal viel Abwechslung.

Zunächst bot sich eine wahre Blütenpracht im Abstieg, der anfangs in den bekannten Serpentinen erfolgte. Zwischen dem Gras und dem Fels neben dem Pfad standen unzählige blühende Büsche. Überall leuchtete es, vor allem in fliedernen und gelben Tönen. Wunderschön.

Der nächste, ein recht großer Teil des Weges ging spektakulär an einer senkrecht abfallenden wie auch aufsteigenden Felswand auf einem vielleicht einen Meter breiten, oftmals von im Sonnenlicht funkelndem Quarzsand bedeckten Pfad nach unten. Abermals passierten wir hier auch einige der Silberminen der Inka, die als breite Öffnung im Fels ersichtlich und, sofern gewollt, ebenfalls in Teilen begehbar waren.

Kurz vor Yanama, dessen Gehöfte bereits aus der Höhe gut ersichtlich waren, wurde die Vegetation wieder dichter. Und abermals blühten am Wegesrand des nach unten führenden Pfades überall Blumen und Sträucher.

Christian und ich hatten ziemlich Gas gegeben im Abstieg und waren kurz nacheinander und vielleicht gerade mal eine knappe Stunde nach Aufbruch von der Passhöhe in Yanama angelangt. Es war 15 Uhr. Wir hatten die geführte Tour um einiges hinter uns gelassen, trafen später jedoch auf der Campsite, die uns Ruben, der Guide der geführten Tour empfohlen hatte, wieder alle zusammen.

Christian und ich waren echt froh heute recht früh angekommen zu sein und planten heute mal etwas vernünftiger zu kochen. Wir kauften in dem kleinen, einfachen Laden des Hofes, auf dem wir campten, noch ein paar Eier und eine Zwiebel ein.

Zum Abendessen brieten wir dann jede Menge Salamistückchen mit der kleingewürfelten roten Zwiebel an, machten noch etwas Rührei und das Ganze gab es dann serviert auf ein paar Instantnudeln. Klingt jetzt so beschrieben vielleicht nicht so großartig wie es war, aber es war verdammt lecker 🙂

Morgen geht es auf dem weiteren Weg nach Machu Picchu über den höchsten Pass des Treks. Es geht auf 4.678 Meter hinauf. Ich bin gespannt ob und wie wir das bewältigen…

So, zum Abschluss gibt es heute noch ein Bild von unseren Amis und ihrem Guide auf der Passhöhe:

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