18
Jun
2018

Tag 1 Choquequirao Trek nach Machu Picchu – Von Capuliyoc 1.500 Höhenmeter hinab in den Apurimac Canyon

Unser Trekking beginnt! Mindestens neun Tage werden wir für den Choquequirao Trek nach Machu Picchu brauchen – neben dem Ausangate Trek, den wir später angehen wollen, so ziemlich der härteste Trek, den man sich rund um Cusco stellen kann. Spannend, ob wir das hinbekommen. Es wird sicher wahnsinnig herausfordernd…

Nach den vergangenen ziemlich entspannten Tagen konnten wir den Beginn des Treks ja kaum abwarten. Insofern machte es uns auch nicht aus früh in den Tag zu starten und um 5 Uhr morgens in ein Taxi zu steigen.

Um 5:30 Uhr mussten wir am Busbahnhof Terminal Terrestre in Cusco sein. Eine halbe Stunde später fuhr unser Bus dann in Richtung Abancay ab. Knappe vier Stunden später sollte uns der Busfahrer bei Ramal mitten im Bergland der Anden rauslassen. Von hier würden wir ein erstes Taxi nach Cachora nehmen und später ein zweites zum Trailhead.

Die etwa vier Stunden Busfahrt gingen schnell vorüber und so befanden wir uns gegen 10 Uhr bereits in Ramal. Mit einer Chilenin und einer Mexikanerin, die in den kommenden vier Tagen den Choquequirao Round Trek laufen wollten, teilten wir uns das Taxi nach Cachora. Wir hatten gedacht, die beiden später auf dem Trail wiederzusehen, aber irgendwie scheinen wir uns verpasst zu haben.

Im Gegensatz zu Cusco, in dem wir beinahe beständig froren, waren hier in Cachora, obwohl dieses auf ähnlicher Höhe wie Cusco lag, deutlich angenehmere Temperaturen. In der Sonne geriet ich regelrecht ins Schwitzen, weshalb ich mich schnell meiner Polartecjacke entledigte und ebenso meines Hoodies.

Vor dem Trailstart gönnten Christian und ich uns in Cachora zunächst noch ein Frühstück für gerade mal 8 Soles pro Person – das entspricht etwa 2 €. Wir hatten Patatas Fritas, also frittierte Kartoffelstreifen bzw. Pommes, Rührei, jeder zwei Marmeladenbrötchen und Zimttee. Ich weiß, merkwürdige Kombination. Aber das war uns egal.

Nach dem Frühstück füllten wir unsere Wasservorräte und sprangen in das Taxi, das uns der Besitzer der Pollería, in der wir gefrühstückt hatten, bestellt hatte.

Das war mal eine aussichtsreiche Taxifahrt. Von Cachora ging es stetig bergab in Richtung Mirador Capuliyoc, einer Aussichtsklippe am Rande des Apurimac Canyon, in den wir hinabsteigen würden.

Die Fahrt führte eng am Hang eines Seitencanyons entlang, der gut und gerne über 1.000 Meter tief sein dürfte. In den Anden hier haben die Schluchten und Berge irgendwie alle eine andere Größenordnung. Oben hat es schneebedeckte Gipfel, die weit jenseits der 5.000 Meter aufragen, viele davon mit großen Hängegletschern an ihren Flanken. Dazwischen finden sich eng eingeschnittene Täler, die bis auf unter 1.500 Höhenmeter hinabreichen. Unterhalb der Schneegrenze findet sich das Andenhochland, ein gräsernes sowie alpin-felsiges Terrain, gefolgt von entweder wüstenähnlicher Vegetation mit trockenen Bäumen, knorrigen Sträuchern und riesigen Kakteen oder – je nach Ausrichtung des Hangs – feuchtem Bergnebelwald.

Für uns hieß es heute knappe 1.500 Höhenmeter in den Apurimac Canyon hinabzusteigen. Wir würden uns dann nur noch auf einer Höhe von 1.350 Metern befinden und damit auf dem tiefsten Punkt des gesamten Treks über die Inkastadt Choquequirao nach Machu Picchu. Der Trek verläuft zwischen eben diesen 1.350 Metern im Apurimac Canyon und bis zu 4.678 Metern beim Yanama Pass.

Gegen 12.30 Uhr kamen wir am Mirador Capuliyoc, dem Trailstart auf ungefähr 2.750 Metern, an. Die Sonne brannte hier um die Mittagszeit unerbittlich und auf dem Trail, den man vom Aussichtsfelsen gut verfolgen konnte, war nirgends Schatten zu sehen.

Der Mirador Capuliyoc selbst bot eine spektakuläre Aussicht in den Canyon wie auch der gesamte Trail später. Einige Alpacas tummelten sich tatsächlich direkt oben auf dem Felsen und dienten als Fotomotiv 😉

Ich hab keine Ahnung, was los war, aber der Trail zermürbte uns direkt etwas. Die Rucksäcke wogen schwer, die Sonne brannte wie verrückt und der stete steile Abstieg in den Canyon ging unheimlich in die Knie. Meine Knie zumindest zitterten bereits nach wenigen Kilometern in jeder Pause nach.

Christian hatte auch zu kämpfen. Er schleppte sich schon früh ab einem Aussichtspunkt namens Cocamasana nur noch recht kraftlos vorran. Die Wahnsinnsaussicht in die Bergwelt der Anden und die tiefe Schlucht konnte er gar nicht richtig genießen, wie er sagte. Zu groß die Anstrengung und die Vorsicht, die er bei den Schritten im steilen Abstieg walten lassen musste.

Ich war froh, dass ich die spektakuläre Landschaft trotz zitternder Knie immerhin genießen konnte. Zwar war der Abstieg mit dem schweren Gepäck in der Hitze richtig fordernd, doch führte dies bei mir zumindest nicht dazu, dass ich die Schönheit dieser Natur nicht erkannte. Vielleicht halfen mir dabei aber auch einfach die Cocabonbons, die ich mir ab und an im Abstieg gönnte.

Mehrere Male kamen uns auf dem breiten Trek übrigens Eselskarawanen, manches Mal vollbeladen mit Gepäck, entgegen. Der Choquequirao Trek wird aufgrund der Höhe und der steilen An- und Abstiege in der Regel nur geführt bzw. organisiert begangen. Die Esel und auch Mulis, die wir sahen, dienen dann als Lastentiere.

Kurz vor Chiquisqa, unserem geplanten Übernachtungsplatz, fanden wir übrigens eines der wenigen Schattenstücke auf dem Trek. Der Weg nach Chiquisqa führte um eine Bergflanke herum und lag damit vollends im Schatten. Das Beste aber: ein kleiner Bachlauf strömte genau hier mit einem kleinen Wasserfall über den Trek hinweg. Da die Hitze noch immer kaum zu ertragen war, tauchte ich, während ich auf Christian, der etwas zurückgeblieben war, meinen Kopf direkt gleich mehrere Male in den Wasserfall ein. Was für eine Erfrischung. Den aufziehenden Kopfschmerzen, die ich aufgrund der unentwegten Sonneneinstrahlung bekam, wirkte das auch entgegen.

Chiquisqa, ein winziger Ort aus ein paar Steingebäuden und einer flachen Fläche zum zelten, ließen wir im weiteren Trailverlauf dann übrigens doch links liegen. Wir hatten vor dem Sonnenuntergang, der hier im peruanischen Winter derzeit so gegen 17 Uhr einsetzt, noch knappe anderthalb Stunden Zeit und wollten noch weitere 550 Höhenmeter bis hinunter nach Playa Rosalina hiken. Dort befindet sich neben einer Brücke über den Apurimac Fluss ebenfalls eine Zeltmöglichkeit und der zusätzliche Abstieg am heutigen Tag dürfte uns den harten morgigen Tag etwas erleichtern.

Ich hoffe, dass der morgige Tag dann insgesamt etwas besser läuft, so dass wir beide den Trek dann auch richtig genießen können. Auch wenn das verbleibende Programm von über 1.500 Metern im Aufstieg und die Wanderung zu den Ruinen der Inkastadt Choquequirao sicher richtig fordernd wird.

Unser Zeltplatz in Playa Rosalina ist übrigens schön neben dem Apurimac Fluss gelegen. Leider auf kargem Steinboden. Die Heringe haben wir da mal so gar nicht reingetrieben bekommen, zumindest nicht mehr als 5 Milimeter. Aber mithilfe dutzender großer und kleiner Steine, die wir über die Spannseile des Zeltes und um die Heringe legten haben wir das Zelt dann doch einigermaßen abgespannt bekommen. Hauptsache es kommt kein Wind und Regen die Nacht.

Übrigens hat mich eine Sache hier auf dem Hike doch sehr an Neuseeland erinnert. Die Landschaft war es weniger und auch nicht die Leute, die wir trafen. Leider – ja ich muss „leider“ sagen – waren es unzählige kleine Mückenbiester, die offensichtlich wie die neuseeländischen Sandflies zubeißen und direkt mal eine blutende Stelle auf der Haut hinterlassen. Dabei sind die Viecher gerade mal so groß wie die neuseeländischen Sandflies…

So, Schlafenszeit ist heute ziemlich früh. Christian schläft tatsächlich schon seit 19 Uhr. Ich werde hingegen gleich nochmal die Fotos vom heutigen Tag sichten und dann geht es für mich gegen 21 Uhr wohl auch in den Schlafsack. Wobei, vielleicht auch einfach oben drauf. Es ist immer noch echt warm hier…

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