19
Jun
2018

Tag 2 Choquequirao Trek nach Machu Picchu – Wir hängen fest in Playa Rosalina

Nun ist es passiert. Gleich am zweiten Tag, also noch ziemlich zu Beginn des Treks hängen wir krankheitsbedingt fest. Christian hat es erwischt und an ein Weiterkommen ist derzeit nicht zu denken…

Boah, war das warm die Nacht. Auf den Schlafsack konnte ich fast gänzlich verzichten. Irgendwann in der Nacht nahm ich ihn nur halbwegs als Zudecke. Kaum zu glauben, dass wir vor wenigen Tagen in Cusco noch so gefroren haben.

Die Nacht war glücklicherweise windstill und sternenklar. Unser mühsam auf dem steinigen Untergrund provisorisch abgespanntes Zelt hielt insofern. Dennoch war die Nacht unruhig. Ich bin zwar so gegen 21:30 Uhr eingeschlafen, hab mich aber ziemlich hin- und hergewälzt und bin immer wieder aufgewacht. Christian schien es ähnlich zu gehen. Er konnte offensichtlich auch kaum schlafen, ging mehrfach aus dem Zelt.

Am nächsten Morgen wusste ich auch warum Christian mehrfach das Zelt verlassen hatte. Er hat sich tatsächlich irgendwas eingefangen oder mit einer der Nebenwirkungen des Malariamedikaments zu kämpfen, welches wir vorsorglich aufgrund unseres Aufenthalts im Amazonasdschungel nehmen.

Tja, armer Kerl. Eine Besserung am Morgen war nicht wirklich in Sicht. Damit war unsere Planung für heute natürlich über den Haufen geworfen und wer weiß wie es in den kommenden Tagen wird. An ein Weiterlaufen in seinem Zustand und einen Aufstieg um über 1.500 Meter war heute jedenfalls nicht zu denken.

Viele Optionen hatten wir nicht. Option 1: Den Trek direkt abbrechen, indem wir wieder zurück nach Cachora gehen. Option 2: Ausharren bis es Christian hoffentlich besser geht, um dann den kürzeren viertägigen Trek nach Choquequirao hin und zurück zu wandern oder bestenfalls doch noch den kompletten Trek in Angriff zu nehmen

Wir entschieden uns dazu, erstmal abzuwarten. Genug Essen haben wir ja dabei. Und vielleicht würde es Christian morgen ja bereits besser gehen und wir können weiter. Wir würden uns ärgern, hätten wir den Trek dann direkt abgebrochen.

Während Christian sich ausruhte erkundete ich etwas die Gegend um Playa Rosalina, das nicht mehr als ein kleines Gehöft hier unten im Apurimac Canyon ist.

Einige wenige Steinbauten nebst ein paar Zeltmöglichkeiten nahe der Brücke über den Fluss. Dazwischen wuseln ein paar Enten und Hühner hin und her und einige Katzen betteln nach Streicheleinheiten und Futter, sofern sie nicht gerade faul im Schatten liegen und vor sich hindösen 🙂

Wirklich betrieben wird Playa Rosalina nicht mehr. Einige der Steinbauten werden von den Eselsführern und für die geführte Touren für Übernachtungen genutzt. Zwei weitere Bauten beherbergen ein paar Toiletten und Duschen. Die Duschen selbst funktionieren allerdings nicht mehr und die Toiletten wurden letztmals in einer Zeit gereinigt als Playa Rosalina wahrscheinlich seine Blüte erlebt hatte. Muss bestimmt zehn Jahre her sein… Da darf sich jetzt jeder selbst im Kopf ein Bild von den Toiletten machen. Aber die hygienischen Verhältnisse hier sind ja eh sehr… nunja… ich würde sagen, für den durchschnittlichen Westeuropäer sind sie zumindest gewöhnungsbedürftig.

Der einzige ständige Bewohner von Playa Rosalina – also neben den wenigen Tieren – ist übrigens ein älterer, selbst spanisch nur gebrochen sprechender Mann mit Hut und in zu großen Klamotten, der neben den 5 Soles, die er für die Übernachtung in Playa Rosalina erhebt – das entspricht 1,25 € und ist der Standardpreis fürs Zelten auf dem Trek – noch mehr oder weniger kühle Getränke zu Tagespreisen verkauft. Mal erhebt er für die 2,5-Literflasche Wasser 4 Soles, mal 10 Soles. Mal nimmt er für ne Powerade 9 Soles. Wenn man Glück hat bekommt man sie aber auch für 4 Soles. Er betreibt hier unten halt ein klassisches Monopol 😉

Übrigens gibt es hier auf dem Trek offensichtlich auf so gut wie jeder Campsite – meist ein einfaches Gehöft im Tal oder am Berghang – die Möglichkeit ein paar Getränke und/oder auch ein paar Kleinigkeiten zu essen einzukaufen. Später, so wir überhaupt so weit kommen, sollen wir wohl auch durchaus mal die Gelegenheit haben Brot, Eier, ein paar Früchte, Gemüse und Reis einzukaufen.

So, was gibt es sonst noch zu sagen an diesem zwangsläufig ereignislosen Tag? Ach ja, der Apurimac Canyon ist hier bei Playa Rosalina ziemlich tief eingeschnitten. Steil ragen zu beiden Seiten die Felswände der umliegenden Berge in den Himmel hinauf. So wir morgen weitergehen, würden wir damit auch die erste Hälfte des Tages im Schatten laufen, denn die auf der anderen Flußseite liegende Felswand, an denen der Pfad in steilen Serpentinen hinaufführt, liegt bis zum frühen Vormittag komplett im Schatten.

Den weiteren Tag schlugen wir uns übrigens so ziemlich um die Ohren oder versuchten dies zumindest. Denn viel zu machen gab es hier in Playa Rosalina nicht wirklich. Die meiste Zeit harrten wir im Schatten eines der Gebäude aus, da die ab dem frühen Vormittag auf den Grund des Canyons scheinende Sonne wie bereits am Vortag einfach nur verrückt brannte. Ansonsten brachten uns zwei Spielfilme vom Tablet noch etwas Abwechslung: der ziemlich trashige „Tucker und Dale vs. Evil“ und „Cobbler“ mit Adam Sandler.

Schauen wir mal, ob und wie es morgen weitergeht. So wir laufen können, laufen wir vermutlich nicht ganz allein. Eine geführte Tour ist am heutigen Abend noch in Playa Rosalina angekommen. Vier Touristen aus den USA, mit denen wie uns direkt gut verstanden. Dabei war dann noch ein Tourguide, sechs Mulis, ein paar Muliführer und Köche. Da konnten wir direkt mal sehen wie komfortabel eine geführte Tour ist. Denn die Amerikaner bekamen die Zelte ebenso komplett aufgebaut wie ihre Isomatten aufgeblasen und die Schlafsäcke ausgeschlagen. Sie bekamen ihr Gepäck ins Zelt geräumt, das Abendessen gekocht, den Cocatee gebracht und so weiter und so fort. All Inclusive halt 🙂 aber dafür zahlt man halt auch mit um die 1.500 US$ pro Person ne ganze Menge…

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