6
Nov
2017

Schottland im Campervan – Highlands und Küste im Spätsommer 2016 Teil 2

Hier nun der zweite Teil des Reiseberichts aus Schottland im Campervan. Mit unserem gemieteten Camper namens Little Miss Sunshine ging es zunächst hoch hinaus auf den Bealach na Ba, den steilsten Pass Schottlands. Anschließend ging es zum Eilean Donan Castle und auf die magisch-schöne Isle of Skye. Unsere Reise führte uns dann weiter über Fort William und durch Glen Coe, das Tal der Tränen, bis hin zum Loch Lomond. Wie genau wir die zweite Woche unseres Trips erlebten, könnt ihr hier nun ganz in Ruhe nachlesen…

Über den Loch Maree zum Bealach na Ba, dem steilsten Pass Schottlands

Nachdem wir die Nacht auf einem wahnsinnig schön gelegenen Platz in den Dünen direkt am Strand verbracht und Finja am nächsten Morgen nur mit ganz viel Mühe von diesem Flecken an der Westküste Schottlands losgeeist hatten, fuhren wir mit Little Miss Sunshine durch die schottische Küsten- und Berglandschaft zum Loch Maree, einem langgezogenem Süßwassersee inmitten der Northwestern Highlands, der sich in einem eng eingeschnittenen Tal befindet. Direkt am See befindet sich auch das Beinn Eighe Naturreservat mit gleich mehreren Wandermöglichkeiten. Wir wanderten hier auf einem Nature Trail, der uns direkt vom südlichen Seeufer aus durch die Reste alten Wälder aus schottischer Pinie an der Flanke eines Berges entlang führte. Unzählige traumhafte Aussichten auf den Loch Maree, der übrigens als einer der schönsten Seen von ganz Schottland bekannt ist, und die umliegende Bergwelt waren da natürlich inklusive.

Anschließend fuhren wir durch die Northwestern Highlands weiter Richtung Applecross zum Bealach na Ba, dem steilsten Pass Schottlands. Der Weg dorthin führte und zunächst durch eine traumhaft einsame Bergregion. Sehr empfehlenswert. Dann erreichten wir die steil hinaufführende Gebirgsstraße. Beim ersten Anstieg wurden wir dann doch etwas skeptisch, zumal die Warnschilder kaum größer hätten ausfallen können. Ob unser immerhin 45 Jahre alter VW Bulli mit seinem luftgekühlten Motor das schaffen würde…? Wir waren gespannt. Das anfangs noch volle Vertrauen in Little Miss Sunhsine, das ehrlicherweise auch nur bei mir und nicht bei Steffi vorherrschte, schwand doch nach und nach zunehmends… später rechnete auch ich in beinahe jeder Haarnadelkurve der steilen Straße damit, dass der Motor von Little Miss Sunshine überfordert war und wir unseren Camper unfreiwillig stehenlassen würden müssen.

Letzten Endes ging dann aber noch mal alles gut. Es hatte zwar eine gefühlte Ewigkeit gedauert bis wir oben waren, aber hey, wir waren oben. Nur von der ansich tollen Aussicht sahen wir nicht viel. Die Passhöhe lag völlig in den Wolken. Entsprechend hielten wir uns auch nicht lange auf, sondern machten wieder kehrt und fuhren weiter in südöstlicher Richtung zum Eilean Donan Castle. Dort verbrachten wir die Nacht auf einem typischen Standard-Campingplatz.

Eilean Donan Castle – Die Bilderbuchburg

Beim Eilean Donan Castle handelt es sich vermutlich um das bekannteste Fotomotiv ganz Schottlands und ganz sicher auch den Inbegriff schottischer Burgenromantik. Die Highlanderburg thront auf einer kleinen Insel, die sich am Treffpunkt dreier Meeresarme befindet. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg beinahe vollständig von den Kanonen englischer Kriegsschiffe vernichtet. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Burg, die einst der Stammsitz des Clans der McRae war, originalgetreu wieder von John McRae aufgebaut. Die Burg lohnt wirklich den Besuch. Es ist zwar wahnsinnig voll auf Eilean Donan Castle, aber sowohl die Außenanlagen als auch die Innenräume sind wirklich sehenswert. Wir haben schon unzählige Burgen gesehen, aber ganz selten eine so schöne. Hunde darf man übrigens leider nicht mit hineinnehmen.

Die Isle of Skye, Insel des Nebels – Black Cuilins und Loch Coruisk

Gegen Mittag ging es dann rüber auf die die größte Insel der inneren Hebriden, die Isle of Skye, die auch die Nebelinsel genannt wird. Auf dieser Insel, auf der sich Bonnie Prince Charlie nach der Niederlage bei Culloden in verschiedenen Höhlen versteckt gehalten haben soll, verbrachten wir gleich vier Tage und drei Nächte. Aber auch dieser Zeitraum reicht bei weitem nicht aus. Die Isle of Skye hat wirklich unglaublich viel zu bieten. Allein die Fahrt auf den teils engverschlungenen Küstenstraßen der Isle of Skye eröffnet eine fantastische Aussicht nach der anderen. Hinzu kommen durch das Wolkenspiel einzigartige Lichtstimmungen, welche die Landschaft mit ihren teils unwirklich bizarren Felsformationen zuweilen magisch schön oder märchenhaft erscheinen lassen. Kein Wunder, dass viele der Landschaften der Isle of Skye bereits als Kulisse für Film & TV gedient haben. Wäre Peter Jackson nicht in Neuseeland für seine Herr der Ringe-Filme fündig geworden, die Isle of Skye wäre sicher auch in die engere Wahl gekommen.

Einige der schönsten Plätze kannten wir glücklicherweise bereits. Entweder aus Film & TV, daneben aus der Trekkingtour, die ich im April unternommen hatte und die mich zusammen mit Christian auf dem Skye Trail, einem knapp 128 km langen inoffiziellem Wanderweg, von Norden nach Süden quer über die Insel geführt hatte.

Wir erreichten die Isle of Skye über die Skyebrücke, die über die Meerenge von Kyle Akin führt. Auf der Insel angekommen fuhren wir mit Little Miss Sunshine zunächst Richtung Elgol, einem malerischen Fischerdörfchen an der Südwestküste der Isle of Skye mit atemberaubender Aussicht auf die weiteren vorgelagerten Inseln. Von hier aus starten kleine Ausflugsboote entlang von meist sonnenbeschienenen Felsen, auf denen sich unzählige Seehunde räkeln, hinüber zum Loch Coruisk, dessen dunkle Wasser eingefasst werden von den schroff gezackten Berggipfeln der Bergkette der Black Cuilins.

Beim Loch Coruisk handelt sich ganz unzweifelhaft um einen der schönsten und auch entlegensten Seen ganz Schottlands. Er ist nur über zwei Wege erreichbar: entweder wie beschrieben mit dem Boot von Elgol aus oder über einen mehrstündigen Trekkingpfad, der ebenfalls von Elgol aus entlang der Küste in das Bergmassiv der Black Cuillins führt. Dieser Pfad kann allerdings nur absolut geübten Wanderern empfohlen werden, da er unter anderem über den Bad Step führt, eine schräg zum Meer abfallende Basaltplatte, die über einen Riss im Fels überwunden werden muss. Das ist zwar machbar, nach der Erfahrung im April auch mit schweren Trekkingrucksäcken, aber nicht unbedingt zu empfehlen, da ein Fehlgriff oder Abrutschen hier böse enden kann. Straßen führen nicht zum Loch Coruisk und so handelt es sich um einen sehr einsamen, stillen und auch magischen Ort. Die schönste Aussicht, vermeintlich ganz Großbritanniens, genießt man übrigens vom 494 Meter hohen Gipfel des östlich vom See gelegenen Sgurr na Stri. Diesen kann man vom Loch Coruisk aus in wenigen Stunden besteigen. Das Foto hier, welches ich im April gemacht habe, zeigt die Aussicht vom Sgurr na Stri auf den Loch Coruisk, die Black Cullins und die Bucht, in der man mit dem Boot anlandet.

Nach einem knapp zweistündigen Aufenthalt fuhren wir mit dem Boot wieder Richtung Elgol. Den Abend verbrachten wir dann freistehend am Loch Slapin direkt am Weg des Syke Trail Richtung Torrin. Der Platz war unheimlich schön gelegen, wenn da nur nicht am späten Abend die unzähligen, fiesen Midges gewesen wären. Bei diesen kleinen Quälgeistern handelt es sich um winzig kleine Stechmücken. So klein, dass sie selbst durch die normalen Mückennetze durchgelangen. An Entkommen war gar nicht zu denken, nicht mal an Schadensbegrenzung. Die kleinen Plagegeister schafften es doch tatsächlich, sobald wir auch nur eine Sekunde lang eine Tür von Little Miss Sunhsine öffneten, den Innenraum gleich zu Hunderten zu entern. Aber auch so eine Erfahrung darf man mal machen…

Der Old Man of Storr – Das Wahrzeichen der Isle of Skye

Am nächsten Morgen schien glücklicherweise die Sonne und es wehte ein wenig Wind vom Meer hinauf. Auf beides stehen die Midges so garnicht. Insofern war von ihnen kaum mehr eine Spur und wir waren wieder alle deutlich entspannter. Nach dem Frühstück fuhren wir mit Little Miss Sunshine zunächst über Sligachan mit der bekannten Sligachan Bridge und über Portree auf die Trotternish Halbinsel zum Old Man of Storr, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Isle of Skye. Dabei handelt es sich um einen knapp 50 Meter hohen, exponiert gelegenen Basaltmonolithen, der umsäumt ist von mehreren weiter, bizarr wirkenden Felsnadeln. Der Old Man liegt einige hundert Meter über Meeresniveau unterhalb der steilen Klippen- und Abbruchkante des über 700 Meter hohen Gipfels des The Storr. Noch Meilen entfernt kann man den Old Man of Storr als einprägsame Landmarke wahrnehmen.

Während der Trekkingtour im April hatte ich mit Christian oberhalb des Old Man of Storr bei Regen und Schnee gezeltet. Damals war es völlig einsam gewesen. Nun im September drängten sich trotz des Umstandes, dass die Hauptsaison schon längst vorüber war, unterhalb des Old Man auf der darunter liegenden Straße unzählige geparkte Autos. Wir reihten uns mit Little Miss Sunshine ein und begannen den etwa halbstündigen, recht beschwerlichen Aufstigeg. Unglaublich, was hier in der Nachsaison noch los war. Unzählige Leute kamen uns von oben entgegen und eine weitere schiere Unzahl stieg mit uns hinauf. Ohne Frage ist der Old Man einer der Hotspots auf der Isle of Skye.

Glücklicherweise sollte sich der Andrang noch auflösen. Während wir den Aufstieg nämlich bei strahlendem Sonnenschein begonnen hatten, zog mittlerweile eine ziemlich große Regenfront von Süden zu uns herüber und setzte sich am Hang des Storr fest. All die, die auf dem Abstieg waren, eilten sich umso mehr hinunterzugelangen, und fast alle von denen, die auf dem Aufstieg waren, machten schlichtweg wieder kehrt. So hatten wir am Ende des Aufstiegs den Old Man of Storr dann doch fast für uns alleine. Wir waren was unsere Klamotten angeht zwar völlig durch, hätten wir den Rückweg angetreten, wären wir das aber auch gewesen. Davon ab offenbaren einige der Landschaften auf der Isle of Skye, insbesondere solch zerklüftete Felsformationen wie der Old Man of Storr ihre wahre Schönheit auch erst dann, wenn eine gespenstische, beinahe mystische Szenerie herrscht. Dazu gehört nun mal eher schlechteres, teils dunkel wolkenverhangenes Wetter, Ruhe und Einsamkeit. Und all das hatten wir dann doch. Insoweit haben wir instinktiv vielleicht doch alles richtig gemacht.

Gegen Mittag stiegen wir vom Old Man of Storr wieder ab, ziemlich durchnässt und durchgefroren, aber glücklich. Der Vorteil vom Camper: schnell umziehen, einen heißen Kaffee aufbrühen, all das ist kein Problem. Perfekt!

Die Trotternish Ridge und The Quiraing

Am frühen Nachmittag fuhren wir weiter in Richtung Norden der Trotternish Halbinsel, immer mit Blick auf die Trotternish Ridge. Dabei handelt es sich um eine im größten Teil der Halbinsel verlaufende, deutlich sichtbare Abbruchkante in der Gebirgskette, die im Süden einige Kilometer vor dem Old Man of Storr beginnt und sich dann über knapp 35 Kilometer entlang mehrerer Berggipfel gegen Norden hin erstreckt. Gebildet hat sie sich durch enorme Erdrutsche, was auch zu diesen bizarr-einzigartigen Felsstrukturen wie dem Old Man of Storr oder weiter nördlich, dem gesamten Gebiet namens Quiraing geführt hat.

Das Wetter an dem Tag war perfekt. Sonne, Wolken und Regen wechselten sich beinahe im Fünf-Minuten-Takt ab und sorgten für diese wahnsinnig schönen Lichtstimmungen, in der die Landschaften der Isle of Skye und der Trotternish Halbinsel einfach noch atemberaubender erscheinen als sie es ohnehin bereits sind.

Als nächstes unternahmen wir eine Wanderung durch die Landschaft des Quiraing, die auch schon als Kulisse für mehrere Filme (u.a. Sternenwanderer) gedient hat. Um das Gebiet zu erreichen, zweigten wir bei Brogaig auf die kleine Passstraße, die westlich in Richtung der Abbruchkante nach Uig führt, ab. Oben auf der Passhöhe angelangt, gibt es neben einer fantastischen Aussicht auf die Bucht von Staffin und das Quirainggebiet auch einige Parkmöglichkeiten. In südlicher Richtung kann man von hier als Teil des Skye-Trail die gesamte Trotternish Ridge nahe der Abbruchkante begehen. In nördlicher Richtung kann man weiter ins Quiraing-Gebiet wandern. Dabei handelt es sich ohne Frage um eine der schönsten Landschaften und Aussichten der gesamten Isle of Skye und mit Sicherheit auch Schottlands.

Am frühen Abend fuhren wir die Passtraße weiter in Richtung des kleinen Hafendorfes Uig. Ursprünglich hatten wir vor, dort in der Nähe des Hafens zu übernachten, um am nächsten Tag in aller Früh von dort aus auf die äußeren Hebriden zur Isle of Lewis überzusetzen. Ganze dreihundert Meter vom Hafen entfernt, machte uns dann der Motor von Little Miss Sunhsine einen völligen Strich durch die Rechnung. Es lief nichts mehr. Erst dachten wir, der Motor wäre überhitzt, aber nachdem sich auch nach einer knappen Stunde Abkühlung nichts mehr tat, gaben wir diese vage Hoffnung auf. Um zehn Uhr abends wurden wir schließlich Richtung Portree abgeschleppt, wo wir die Nacht in Little Miss Sunhsine auf einem Werkstatthof verbrachten… Unsere Stimmung war ziemlich getrübt. Der Plan mit den äußeren Hebriden war geplatzt. Zudem kam hinzu, dass uns um die Uhrzeit auch schon erst recht keiner mehr sagen konnte, ob wir am nächsten Tag überhaupt weiterfahren würden können.

Portree, die Hauptstadt der Isle of Skye, die Fairy Pools

Am nächsten Morgen gab es auch nicht viel neues. Die erste Überprüfung des Motors ergab aber zumindest eine Ahnung, welches Teil defekt sein könnte. Sowohl die Werkstatt als auch unser Vermieter von Little Miss Sunhsine, der immerhin einige hundert Kilometer entfernt war, zeigten sich sehr bemüht, das defekte Teil zu besorgen, versprechen konnte man uns natürlich aber nichts. Erst am Nachmittag würden wir mehr erfahren, hieß es. So nutzten wir den verregneten Vormittag zumindest für eine längere Besichtigung von Portree, der Hauptstadt der Isle of Skye mit ihrem verträumten kleinen Hafen, der von hübschen bunten Häusern umsäumt ist.

Am frühen Nachmittag dann zum Glück die Entwarnung: wir mussten den Urlaub im Campervan nicht abbrechen. Das defekte Teil konnte ausgetauscht werden und der Motor lief wieder. Wir waren wirklich erleichtert, zumal wir beim Frühstück mit Fish & Chips in Portree bereits Überlegungen angestellt hatten, unser eigenes Auto von der Ostküste zu holen und die Rundreise mit Übernachtung in B&B’s und Hotels fortzusetzen. Wirklich länger als nun noch notwendig hielten wir uns in Portree nicht auf, sondern brachen gleich wieder auf. Den Trip auf die äußeren Hebriden ließen wir allerdings sausen. Dafür hatten wir mit dem Tag Unterbrechnung dann doch zuviel Zeit verloren. Stattdessen fuhren wir zu den sogenannten Fairy Pools, die sich auf der Westseite der Bergkette der Black Cuillins befinden.

Bei den Fairy Pools handelt es sich um die Badebassins der Feen. Hier fließt das kristallklare Wasser eines Baches, der von den Black Cuillins talwärts strömt, in vielen kleinen Felsstufen und Wasserfällen in natürliche Steinbecken, die als Pools genutzt werden können. Teilweise ist das Wasser dabei unglaublich türkis. Im Zusammenhang mit der Sonne wird sich hier ganz sicher ein tolles Schauspiel und der Eindruck von märchenhaften Badestellen ergeben. Uns war dieser Eindruck jedoch nicht vergönnt, denn es regnete seit Stunden in Strömen und aus dem vermutlich eher gemächlich dahinfließenden Bach war ein ziemlich reißerischer Strom geworden. Ich war mir ziemlich sicher, am heutigen Tag könnten die Feen hier sicher eine waghalsige Wildwasser-Raftingtour unternehmen, aber märchenhaft baden ganz sicher nicht.

 

Von Armadale nach Mallaig und Richtung Glencoe

Nach einer Nacht auf Camingplatz einem an der Küste suchten wir am nächsten Vormittag noch mal die Trotternish Ridge und das Quiraing-Gebiet auf. Nachdem wir die Landschaft hier zwei Tage zuvor bereits im späten Lichte und Schatten des Nachmittags gesehen hatten, wollten wir sie nun nochmal bei anderer Stimmung erleben. Es hat sich gelohnt. An diesem wunderschönen Ort hätten wir sicher auch noch länger bleiben können.

 

Am Nachmittag fuhren wir dann Richtung Süden nach Armadale. Von dort aus verließen wir die Isle of Skye mit der Fähre und setzten nach Mallaig auf dem schottischen Festland über. Dort an der Westküste befinden sich unzählige kleine Buchten mit unglaublich schönen Sandstränden. An einem dieser Strände parkten wir Little Miss Sunshine und genossen den Abend. Wir hatten etwas zum Grillen eingekauft und der Cider stand auch kalt. Perfekt, und auch Finja zeigte sich, wie üblich wenn Wasser in der Nähe war, überglücklich. Die Kleine tollte den ganzen Abend mit uns am Strand herum.

Am nächsten Tag zeigte sich das Wetter dauerhaft schlechter. Während es die Tage zuvor meist einen steten Wechsel zwischen Sonne und Regen gab, überwog der Regen nun. Aufgrund der niedrig hängenden Wolken sahen wir von dem kommenden Part der Highlands leider nicht so viel wie erhofft.

Einen ersten Zwischenstop legten wir bei Glenfinnan ein, einem kleinen Dorf am Nordrand des Loch Shiel und am Fuße des Glen Finnan. Hier passiert man auch das Glenfinnan Monument. Dieses markiert den Platz, an dem Bonnie Prince Charlie im August 1745 die schottischen Highlander zum Kampf gegen die Engländer vereint hat. Dies war der Beginn des Jakobitenaufstandes gegen die Engländer, der mit der Schlacht von Culloden nur acht Monate später im April 1746 auf grausame Weise blutig beendet wurde. Weitere Bekanntheit erlangte Glenfinann übrigens durch das aus den Harry-Potter-Filmen bekannte Glenfinnan Viaduct, über welches im Film der Hogwarts Express fährt. Auch heute kann man mit der Dampfeisenbahn von Fort William nach Mallaig und zurück fahren. Landschaftlich soll es sich um eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt handeln. Leider haben wir nicht erlebt, wie der Zug über das Viaduct fuhr.

Gegen Mittag passierten wir dann Fort William, legten allerdings nur einen kurzen Stop ein. Wir wollten schließlich noch durch das Tal von Glen Coe. Diese Landschaft war uns noch von unserer Trekkingtour vor etwa zwölf Jahren auf dem West Highland Way bekannt. Wir waren daher auch sehr gespannt, alles wiederzusehen.

Bekannt ist das Tal von Glen Coe durch seine überwältigende Bergszenerie. Hier wurden entsprechend ebenfalls mehrere Filme gedreht, darunter Highlander, Braveheart oder auch Harry Potter. Weit zuvor hat das Tal von Glen Coe allerdings traurige Berühmtheit aufgrund des dort am 13. Februar 1692 erfolgten Massakers am Clan der MacDonalds erlangt. Im Jahr 1688 hatte das englische Parlament zuvor gegen König Jakob II, der zugleich auch König von Schottland war, revoltiert und die englische Krone auf Wilhelm von Oranien als Wilhelm II. übertragen. Das schottische Hochland rebellierte gegen diese Entscheidung und unterstütze weiterhin den abgesetzten König Jakob II. Letztlich wurde der Aufstand jedoch in verschiedenen Schlachten blutig niedergeschlagen und beendet. Den Clanoberhäuptern wurde seitens der Engländer zugesichert, dass sie Amnestie erhalten, sofern sie Wilhelm II. bis zum 01.01.1692 den Treueeid schwören würden. Andernfalls würde man sie als Hochverräter behandeln. Während einige Clanoberhäupter sofort den Eid leisteten, zögerten andere. Alastair MacDonald, Clanoberhaupt der MacDonalds von Glen Coe, machte sich erst am letzten Tag nach Inverary auf, den Eid abzulegen. Aufgrund winterlicher Bedingungen erreichte er Inverary erst einige Tage nach dem festgesetzten Datum. Dennoch gewährte man ihm Gastfreundschaft und ließ ihn den Eid leisten. Am 01.02.1962 schließlich trafen englische Truppen unter der Führung von Robert Campbell von Gleynloyn in Glen Coe ein. Sie begehrten ebenfalls Gastfreundschaft und bekamen diese auch gewährt. Die wahre Absicht lautete jedoch, alle Mitglieder des Clans der MacDonalds unter 70 Jahren zu töten. Der tatsächliche Befehl hierzu erging am 12. Februar. Am 13. Februar schlugen die englischen Truppen los und töteten eine Vielzahl derer, die nicht fliehen konnten. Diese Geschehnisse haben dem Tal von Glen Coe auch den Beinamen „Tal der Tränen“ eingebracht.

Im Tal unternahmen wir nur eine kurze Wanderung. Für wirklich mehr blieb leider nicht die Zeit. Wir wollten den Tag noch weiter bis in die Nähe von Oban, wo wir schlussendlich auf einem kleinen Campingplatz nahe dem Meer übernachteten.

Vom Kilchurn Castle zum Loch Lomond – Ein Wiedersehen

Am nächsten Morgen fuhren wir zunächst auf einigen dieser typisch schmalen Nebenstraßen zur Clachan Bridge, auch Brücke über den Altantik genannt. Die steinerne Brücke aus dem 18. Jahrhundert verbindet das schottische Festland an einem äußerst schmalen Meeresarm mit der Hebreideninsel Seil. Danach verließen wir die schottische Westküste endgültig. Wir fuhren vom Südende des Loch Awe bis zu dessen Nordende, wo wir die verlassenen, malerisch auf einer Halbinsel gelegenen Ruinen von Kilchurn Castle besuchten. Diese können ohne Weiteres besichtigt werden. Da sie etwas abgelegen liegen, hat man die Ruinen auch ziemlich für sich alleine. Falls man ohnehin in der Nähe ist lohnt der Abstecher unbedingt.

Dann ging es weiter in Richtung Loch Lomond. Diesen See kannten wir noch von unserem Trekking auf dem West Highland Way vor über 12 Jahren. Der West Highland Way führte uns seinerzeit am kompletten Westufer des Loch Lomond entlang. Besonders Steffi freute sich unglaublich auf dieses Wiedersehen. Sie empfand die Etappen am Loch Lomond als unheimlich schön. Daher nutzten wir den Abend dann auch direkt, um von dem Pub, in dem wir vor zwölf Jahren für eine Nacht untergekommen sind, zum Nordende des Sees zu laufen. Ganz so lang wie das dann doch dauerte, hatten wir es allerdings nicht in Erinnerung… Hin und zurück dauerte es dann doch knapp zwei Stunden. Erst kurz vor Sonnenuntergang waren wir wieder beim Pub und genossen Ale, Cider und Pub Food. Die Nacht stellten wir uns dann in der Nähe auf einem Parkplatz gegenüber eines rauschenden Wasserfalles ab.

Über Doune Castle zurück nach Forfar

Auf dem Weg zurück in den Osten Schottlands schlugen wir noch einen Abstecher nach Doune Castle ein, einer spätmittelalterlichen, sehr gut erhaltenen Burganlage, die sich nordwestlich von Stirling befindet. Doune Castle steht auf einem kleinen Felssporn über dem Fluss Teith, der die Burg zusammen mit einem seiner Zuflüsse von drei Seiten abschirmt. Bekannt ist Doune Castle vor allem durch mehrere Serien. Unter anderem wurden hier Teile von Game of Thrones gedreht. Daneben handelt es sich um die Burg Leoch aus der Verfilmung der Outlander-Romane von Diana Gabaldon. Die Burg war wirklich sehr sehenswert. Unheimlich interessant waren vor allem auch die Ausführungen zu den Dreharbeiten der jeweiligen Serien.

Den Nachmittag fuhren wir dann weiter gen Osten, wo wir schließlich am Abend auf demselben Campingplatz an der schottischen Ostküste landeten, an dem wir auch die erste Nacht in Little Miss Sunshine verbracht hatten. So schloss sich am Ende der Kreis ehe wir tags darauf doch recht wehmütig Little Miss Sunshine wieder bei unserem Vermieter abgaben und den Heimweg Richtung Deutschland mit einer ersten Zwischenstation im Lake District National Park und ein weiteren in Englands Süden in Folkestone antraten.

Schottland im Campervan? Definitiv eine Reise wert!

Insgesamt verbrachten wir zwei aufregende Wochen mit Little Miss Sunshine. Dabei fuhren wir vom Osten Schottlands quer durch die Highlands bis hinüber in den rauhen Westen auf die Isle of Skye und zurück. Das Ganze eher gemächlich. Wir wollten und konnten Little Miss Sunshine schließlich nicht allzu sehr strapazieren.

Am Ende unserer Reise angelangt wollten wir Little Miss Sunshine tatsächlich gar nicht mehr hergeben. Wir haben die Zeit im Campervan unheimlich genossen und trotz aller Pannen, die wir mit der alten Dame hatten, war es letztlich ohne jede Frage ein großartiges Abenteuer. Wir können euch daher auch nur empfehlen, Schottland auch mal im Campervan zu erkunden. Ihr solltet dazu allerdings definitiv ein klein wenig Abenteuerlust mitbringen und darüber hinaus etwas Zeit. Gerade bei der Reise in einem so alten, dafür aber umso liebenswerteren Campingbus, läuft halt nicht alles wie geplant.

Unsere gesammelten Fotos von unserem Trip durch Schottland mit Little Miss Sunshine – auch einige mehr als hier im Beitrag – findet ihr übrigens in unserer Fotogalerie.

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