24
Feb
2018
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Tag 92 Blue Lake Hut bis Waiau Hut (16 Kilometer)

Noch so ein fantastischer Tag wie gestern! Der Trek über den Traverse Saddle gestern und den Waiau Pass heute ist für mich mit seiner alpin-schroffen Landschaft und seinen majestätischen Bergipfeln definitiv eines der schönsten Stücke des Te Araroa. Das Wetter hat fantastisch mitgespielt. Die Sonne schien unentwegt und ließ mich die atemberaubende Landschaft bei meinem Hike heute über den Waiau Pass und damit den zweithöchsten Punkt des Te Araroa absolut genießen…

Nach dem frühen Aufstehen am gestrigen Tag war ich gestern Abend zwar ziemlich platt, in meinen Schlafsack bin ich dennoch recht spät gekommen und geschlafen habe ich noch später. Ich bin dennoch heute morgen um 7 Uhr aufgestanden und hab keine wirkliche Zeit verstreichen lassen beim Packen meiner Sachen und beim Frühstück. Nachdem ich mich zuvor von Tina und von Catherine verabschiedet hatte, bin ich dann um 7:45 Uhr auf den Trail gestartet. Tina wollte in der Blue Lake Hut einen Restday einlegen und würde ihren Trail dann in Boyle, welches ich vermutlich in zwei Tagen erreiche, beenden. Catherine wollte von der Blue Lake Hut den Circuit nach St. Arnaud weiterhiken.

Mein rechtes Knie fühlte sich etwas besser an heute morgen, dennoch war der Schmerz nicht komplett verschwunden. Davon abgesehen fühlte ich mich aber gut heute morgen. Ich fror nur beim Start. Es war eisig kalt draußen und bereits nach kurzer Zeit stoppte ich, um ein paar wärmere Sachen aus dem Rucksack herauszukramen.

Von der Blue Lake Hut führte der Track zunächst am Blue Lake entlang und stieg dann durch Wald etwa 200 Höhenmeter bis zu einem dem Lake Constance vorgelagerten Moränenfeld hinauf. Auf der ebenen, von den schroffen Berggipfeln der Spenser Mountains und der Franklin Range eingerahmten Fläche vor dem Lake Constance lagen riesige Felsbrocken in beeindruckender Landschaft kreuz und quer übereinander.

Als ich den See erreichte, der wie der deutlich kleinere Blue Lake von steilen Berghängen um ihn herum eingeschlossen ist, führte der Track durch ein Blockfeld weitere 100 Meter steil hinauf und dann in dieser Höhe über dem See am Ostufer des Sees entlang Richtung Süden. Ich querte in dieser Höhe und im steilen Hang weitere Geröllfelder und stieg durch vom Morgentau noch feuchte, kniehohe Gräser den Hang entlang. Währenddessen stieg die Sonne langsam über die Bergkuppen der Franklin Range auf der andere Seite des Sees hinweg und tauchte die Spenser Mountains und meinen weiteren Pfad in goldenes Licht.

Ungefähr auf halber Höhe des Lake Constance ging es dann im Hang extrem steil und auf weitestgehend losem Geröllgrund zwischen den Felsen und entlang von Wasserfällen wieder zum Seeufer hinab. Ich prüfte im Abstieg beinahe jeden meiner Schritte zweimal auf sicheren Stand. Gefühlt war dieses kurze Stück hier zusammen mit einem Stück des späteren Abstiegs vom Waiau Pass für mich bislang eines der herausfordernsten Stücke des Te Araroa.

Als ich am südlichen Ende des Sees an dem aus den Spenser Mountains strömenden Fluss ankam, der den See weitestgehend speist, querte ich einen von schroffen Hängen und Berggipfeln eingeschlossene grasige Ebene, an deren Ende der Anstieg zum Waiau Pass auf mich wartete. „Das wird ein gutes Stück Arbeit“, dachte ich mir, als ich den steilen Hang, den ich gleich knappe 530 Meter hochsteigen und -klettern würde, betrachtete.

Ich machte noch eine Viertelstunde Pause, aß einen Müsliriegel als Stärkung und schmiss mir zwei Ibuprofen für mein rechtes Knie rein. Dann begann ich den Aufstieg, der mich zunächst auf losem Geröll, ab und an zwischen Gräsern, steil hinaufführte. Der Anstieg war schwierig zu gehen. Dafür sorgte nicht nur der steile Grad. Der Untergrund war oftmals einfach lose und Staub und kleine Steine rieselten hinter mir den Hang hinab, als ich meine Schritte, zwischen denen immer wieder unzählige Heuschrecken und Grashüpfer hin- und hersprangen, setzte.

Je höher ich stieg, desto atemberaubender wurde die Aussicht zurück auf den Lake Constance und die ihn umgebende Bergwelt. Ich hielt kurz inne und schoss eine Menge Bilder ehe ich meinen Anstieg fortsetzte.

Nach den ersten 350 Metern des Anstiegs erreichte ich eine kurze ebene Fläche, die von unterhalb nicht einsehbar war. Ich dachte, ich wäre vielleicht schon oben, doch wartete ein weiterer steiler Anstieg von 180 Metern über ein Moränenfeld auf mich ehe ich die Passhöhe von 1.870 Metern und damit den zweithöchsten Punkt des Te Araroa-Trails schließlich nach anderthalb Stunden des Hinaufsteigens erreichte.

Hier oben war eine fantastische Aussicht, nicht nur zurück auf den Lake Constance und die Franklin Range, auch auf die andere Seite des Passes mit weiteren Bergen der Spenser Mountains und jenen der Saint James Range. Ich erkletterte noch einen kleinen schroffen Gipfel, dessen gezacktes Gestein etwa 50 Meter über die Passhöhe hinausragte und genoss die Aussicht. Karima und Eric kamen später auch noch dazu.

Mit der Wahnsinnaussicht von der Passhöhe genossen wir dann noch Lunch, zu dem später auch Wietse dazukam. Ich kochte mir Mashed Potatoes mit Thunfisch und zum Nachtisch gab es ein paar saure Gummischlangen und einen Riegel meiner Whittakers-Schokolade. Anschließend machte ich mich an den steilen Teil des Abstiegs vom Waiau Pass: 800 Höhenmeter in knapp zwei Kilometern Wegstrecke. Anschließend würde es zwar noch weiter hinuntergehen, aber der Abstieg verflachte dann zunehmends und folgte dem Flusslauf des Waiau River.

Die geschluckten Iboprofen wirkten. Ich hatte auch im Abstieg keine Schmerzen im Knie und ich bin mir sicher, ich hätte hier definitiv welche gehabt. Manche Teile des Abstiegs, der anfangs durch eine Rinne in der Flanke des Berges erfolgte, waren unheimlich steil und hatten einige Kletteranteile im blanken Fels des Berges.

Am Ende des Abstiegs erreichte ich zunächst eine ebenere Fläche und den Waiau River, den ich furtete und nun stromabwärts folgte. Anfangs querte ich hier auf den ersten Kilometern unzählige Geröllfelder und Moränenhänge, die nur für kurze Passagen im Wald oder durch grasige Abschnitte unterbrochen wurden. Auf diesen Hängen ist das Hiken mitunter richtig unangenehm. Da gibt es diese Blockfelder mit großen Felsbrocken, auf denen man vergleichsweise einfach und schnell entlangbalancieren und regelrecht zwischen den Felsen hin- und herspringen kann. Dann gibt es jedoch auch diese Geröllhänge mit losem kleinen Gestein, in dem man ständig wegrutscht und oftmals auf die Klappe fliegt, und zuletzt gibt es noch diese Felder mit mittelgroßen Brocken, die nur den Eindruck vermitteln, dass man sich schnell und vor allem sicher auf ihnen bewegen kann. In Wirklichkeit sind sie, da die Steine sich nicht „gesetzt“ haben, die unsichersten von allen und genau dort legte ich mich im Hang auch gleich schmerzhaft hin und rutschte einige Meter auf den Felsen herab. Was habe ich erst geflucht. Naja, letztlich hab ich mich ja doch wieder aufgerappelt und weiter ging es 😉

Später weitete sich dann das Tal. Der Weg ließ sich deutlich leichter und schneller hiken und es ging vermehrt durch kleine Wälder und offene Graslandschaften, durch die einige kleinere und mittlere Flüsse in den Waiau River strömten. Ich hatte hier einige wild dahinrauschenden Ströme zu queren und trotz des guten Wetters der vergangenen Tage waren das bislang doch welche der anspruchsvolleren Flussfurtungen. Das schnell strömende Wasser, dass sich vor meinen Beinen zu einer Welle aufstaute, spülte mir bei mehreren Furtungen deutlich über die Knie und ich hatte in den tieferen Stellen aufgrund der starken Strömung zumindest Mühe mich auf den Beinen zu halten.

Um 16:15 Uhr – ich hatte zwischenzeitlich ordentlich Gas gegeben und keine Pause eingelegt – erreichte ich die gerade erst vor zwei Monaten eröffnete Waiau Hut: eine der kleineren DOC-Hütten mit nur sechs Matratzen. Ich war trotz der langen Pause von knapp anderthalb Stunden oben auf dem Waiau Pass schnell unterwegs gewesen und konnte so noch den Nachmittag genießen. Ich bin gespannt, wann die anderen eintreffen und ob wir es vielleicht tatsächlich schon übermorgen bis nach Boyle schaffen. Der Track bis nach Boyle soll weitestgehend leicht zu laufen sein. Es müsste nur gutes Wetter ohne starken Regen für die Querung des Ada River haben.

Davon ab gibt es auch heute zum Abschluss des Artikels noch ein paar weitere Bilder:

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