14
Jan
2018

Tag 51 Whakahoro bis John Coull Hut (38 Kilometer)

Der erste Tag auf der Whanganui River Journey! Wahnsinn, was für eine spektakuläre Flusswanderung. Am Vomittag habe ich mich in Wakahoro mit dem Kayak auf den Whanganui River begeben, der in vielen Schleifen durch die atemberaubend schöne Landschaft des Whanganui Nationalpark führt. Heute bin ich bis zur John Coull Campsite, einer Campsite und Hütte des DOC mitten im Nationalpark, gekommen. Was meine Arme morgen nach 38 Kilometern mit dem Kayak sagen weiß ich noch nicht so recht, aber meine Beine sind definitiv tiefenentspannt…

Am gestrigen Abend ist die zunächst nur von Simone und mir bezogene Hütte des DOC in Whakahoro doch tatsächlich noch voll geworden. Eine Familie aus der Ukraine und Russland kam am Abend noch nach langer Fahrt von Tauramunui aus mit ihren Booten an. Simone und ich halfen ihnen noch die schweren wasserdichten Fässer vom knapp 400 Meter entfernten Ausstiegspunkt zur Hütte hochzutragen und zum Dank bekamen wir reichlich frisches Obst zum Abendessen spendiert. Verdammt lecker 😉

Die anschließende Nacht war dann ziemlich unruhig. Erstens war es elendig warm in der vollen Hütte, zumal die Sonne ja auch den ganzen Tag wie wild daraufgeknallt hat, und daneben haben zwei von unseren Mitbewohnern in der Nacht dermaßen viel Holz gesägt, dass in Neuseeland kein Baum mehr stehen dürfte. Meine Ohrenstöpsel schafften es allenfalls, dies etwas abzudämpfen. Irgendwann war ich dann aber doch so kaputt vom Tag oder vielmehr vom Nichtstun, dass ich dann doch eingeschlafen bin.

Raus bin ich zur üblichen Zeit: wieder mal 6:45 Uhr. Das scheint sich im neuen Jahr wohl irgendwie auf diese Zeit einzupendeln. Mal schauen wie es nach der River Journey ist.

Zunächst habe ich gemütlich in der Sonne, die bereits in das Tal hineinschien, gefrühstückt. Es war eine schöne Szenerie. Stellenweise hing noch der Morgennebel im Tal und an den Bergen, wiederum an anderer Stelle war es schon schön sonnig. Insgesamt versprach es ein guter Tag zu werden. Also ordentlich Sonnencremé aufgetragen. Das Wasser des Whanganui River würde die Sonne später nur noch zusätzlich reflektieren und auch wenn ich mittlerweile etwas Farbe bekommen habe, bin ich wahrscheinlich immer noch ein Hochrisikokandidat für einen deftigen Sonnenbrand.

Nach dem Frühstück – ich sagte noch zu Simone, dass jetzt ein magischer Moment käme – baute ich meine Trekkingstöcke auseinander und entleerte meinen Rucksack vollends. Ich verstaute meine Sachen allesamt in meinen Drybags. Nun hieß es erstmal Abwarten und weiter Faulenzen: es war erst 8:30 Uhr und unser Tourorganisator würde hier erst gegen 10 Uhr mit den Kanus und Kayaks eintreffen. Also habe ich etwas im Schatten gechillt und damit die Zeit bis dahin überbrückt.

Um kurz nach 10 Uhr polterte dann auch einer der Busse von Tauramunui Canoe Hires mit einem mit Kanus und einem Kayak vollbeladenen Trailer die staubige Straße durch das Tal nach Whakahoro hinunter. Im Bus selbst saßen einige Leute, die die Flusswanderung hier von Whakahoro aus antreten würden. Mit dabei war auch der Neuseeländer Lyndon, ein guter Freund von Simone, der mit uns die River Journey antreten würde. Sehr sympathischer Typ auf jeden Fall!

Wir verstauten noch Simones und meine restlichen Sachen und Rucksäcke in wasserdichten Tonnen und ich nahm meine bereits vor einer Woche in Tauramunui gepackten Tonnen mit Lebensmitteln in Empfang. Dann verschnürten wir unsere Tonnen in dem Zweierkanu, welches Simone und Lyndon nehmen würden. Auf dem Einerkayak, mit welchem ich die Flussreise antreten würde, bekamen wir letztlich nur eines der Fässer unter. Kurze Zeit später ging es auch direkt aufs Wasser hinaus.

Der Whanganui River bzw. die Landschaft, in die er eingebettet war, war heute am ersten Tag der Flussjourney bereits unglaublich schön anzuschauen. Ich hatte auf dem Te Araroa bislang zwar bereits unzählige Wälder durchlaufen, aber hier vom Fluss aus bot sich nochmal eine ganze neue Perspektive.

Der Fluss hat sich hier ein tiefes Tal in die umliegenden, nahezu vollständig bewaldeten Hügel und Berge eingeschnitten. An seinen Ufern fanden sich steile Wände, entweder aus blankem oder bemoostem Fels oder dichtem Wald aus Farnen, Ranken, Palmen und verschiedenen Bäumen. Ein wahnsinnig schönes Grün war das hier, was das Wasser des Flusses selbst auch noch mal wiederspiegelte. Kleine und größere Wasserfälle strömten und plätscherten von den steilen Wänden am Flussufer in den Fluss herab.

Riesige Wurzeln und Bäume lagen am Uferrand teils dicht übereinander oder knapp unter der Wasseroberfläche. Bei schwereren Fluten musste es diese hierhin gespült haben. Das erschien mir leicht vorstellbar, als ich bedachte, dass es nicht unüblich ist, dass der Wasserpegel des Whanganui River bei Regenfällen innerhalb einer Stunde um einen Meter ansteigen kann. Allein die Niederschläge des subtropischen Sturmes von vergangener Woche hatten aus dem Flusslauf binnen Stunden einen reißenden Strom gemacht. Nun lag der Wasserspiegel wieder deutlich niedriger. Dennoch strömte der Whanganui River auch jetzt teilweise wirklich schnell dahin. Alle paar Hundert Meter verlief das Wasser in Stromschnellen, die die gesamte Flussbreite erfassten, manchmal mehrere hundert Meter stromabwärts anhielten und deren Wellen mein Kayak mit seinen niedrigen Bordwänden nicht nur einmal überspülten. Einmal hat es mich während einer dieser Stromschnellen direkt gegen einen größeren Felsen im Wasser gedrückt, aber glücklicherweise schrammte mein Kayak dann unbeschädigt und ohne zu Kentern an diesem vorbei.

Unterwegs machten wir zwei Pausen. Die erste nach knapp zwei Stunden: Zeit für Lunch 😉 Lyndon hatte frisches Brot mitgebracht, Käse und Salami. Die zweite Pause nach weiteren zwei Stunden nutzten wir dann, um an einer seichteren Stelle des Whanganui River baden zu gehen.

Gegen 18:30 Uhr erreichte ich mit meinem Kayak die John Coull Campsite, eine der einfachen Hütte und Campsite des DOC im Nationalpark. Simone und Lyndon kamen etwa eine halbe Stunde nach mir an. Ich hatte zwischenzeitlich ziemlich ordentlich gepaddelt und ich schätze, ein deftiger Muskelkater, der sich jetzt bereits ankündigt, wird mich morgen daran erinnern… aber mal sehen. Ich hoffe dem mit Magnesium noch entgegenwirken zu können.

Die Campsite hier ist sehr schön gelegen. Mitten im Nirgendwo. Nur über den Fluss zu erreichen und schön ausgestattet mit schönen Zeltplätzen, Picknicktischen und einfachen Kochunterständen. Am Abend habe ich mich hier erstmal richtig sattgefuttert aus meinen Einkäufen von vergangener Woche. Anschließend haben wir bis eben noch beim Kartenspielen und ein paar Flaschen Cider zusammengesessen während der Fluss unter uns dahinplätscherte, über uns die Sterne anfingen zu leuchten und im Wald hinter uns die Glühwürmer. Tolle Campsite wie gesagt!

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