6
Apr
2018
4

Tag 133 Birchwood Station bis Merriview Hut (27 Kilometer)

Dieser Tag ist echt mal ins Wasser gefallen. Das bedeutet jetzt nicht, dass ich einen Restday eingelegt habe. Es hat schlichtweg den halben Tag lang stark geregnet und ich bin völlig durchnässt am Nachmittag an der Merriview Hut angekommen. Der Start war noch richtig schön. Durch Farmland ging es knappe 300 Höhenmeter hinauf bis zum Woodlaw Forest, einige schöne Aussichten inklusive. Danach fing der Dauerregen an und das Ziel des Tages änderte sich beim heutigen Hike, der dann unspektakulär durch Wald und auf Straßen verlief in „einfach nur noch ankommen und raus aus den nassen Sachen“…

Hey das war mal eine überraschend warme Nacht im Zelt. Ich hab kein Stück gefroren im Schlafsack. Der starke unablässige Wind mit seinen kräftigen Böen hatte zwar die ganze Nacht an meinem Zelt gerüttelt und mich einige Male aufgeweckt, aber ich lag nicht wie in der vorherigen Nacht ständig wach, weil mir kalt war.

Die Windböen in der Nacht waren teils ziemlich deftig. Bis wir am Tage auf dem Track im Wald wären, würde ich mit Anna vermutlich ordentlich gegen den Wind anzukämpfen haben. So dachte ich zumindest jedes mal, wenn ich in der Nacht von den heftigen Böen wach wurde.

Um kurz nach 6 Uhr packte ich meine ganzen Sachen zusammen. Frühstück würde es windgeschützt danach in der Hütte geben. Da es wärmer als zuletzt war, vermutete ich, dass ich mein Frühstück heute mal zur Abwechslung mit streichfähiger Nutella genießen durfte 🙂 Und so war es auch. Dazu gab es dann noch einen Vanillejoghurtdrink aus diesem Instantpulver, die wie ein Vanillemilchshake schmecken, wenn man sie nur mit Wasser anrührt und fertig war meine heile Hikerwelt.

Um kurz nach acht Uhr brachen wir auf. Die anfängliche Straße bis zum Beginn des Woodlaw Forest Track war schnell abgelaufen. Anschließend sollten wir eigentlich am Rand eines Eukalyptuswaldes entlangwandern. Dieser wurde jedoch beinahe vollständig abgeholzt. Die Arbeiten, um auch die letzten Reste des zugegeben künstlich angelegten Waldes abzuholzen, waren gerade im Gange.

Über hügeliges Farmland stiegen wir um die 350 Höhenmeter in die Twinlaw Range mit ihrem Gipfelplateau auf etwa 550 Metern auf.

Einige Teilstücke des Aufstiegs waren durchaus steiler als erwartet und in dem höheren Gras auf einem nicht mehr genutzten 4WD-Track kam nicht nur ich, sondern auch Anna nochmal richtig ins Schwitzen. Der Schweiß perlte mir trotz der nicht gerade sommerlichen Temperaturen hier im neuseeländischen Herbst in Tropfen von der Stirn aufgrund des Anstiegs und des steten Ankämpfens gegen den heftigen Wind im Aufstieg. Der schien überhaupt mal wieder von allen Seiten zu kommen.

Trotzdessen, dass ich schwitzte, fühlte ich mich wieder deutlich besser als noch gestern bei Ankunft an der Birchwood Station. Dort hatten mir ja Füße und insbesondere auch mein Nacken echt weh getan. Ich hatte mich beinahe zurückversetzt gefühlt in die Zeit zu Anfang des Trails als ich am Tagesende kaum noch einen vernünftigen Schritt tun konnte. Heute morgen jedoch war das wieder verflogen. Selbst meine Knie haben mir übrigens seit einigen Tagen keine Schmerzen mehr bereitet, auch wenn mein rechtes Knie ab und an so ein merkwürdiges knackendes Geräusch abgibt.

Oben auf dem Hochplateau angelangt, begann der Wald, der zunächst nur aus künstlicher Tannenbepflanzung bestand, die wir über eine Forststraße durchquerten. Der Wind ließ nach, dafür schwebten über uns dunkle Regenwolken.

Nach der künstlichen Tannenbepflanzung folgte der Abstieg vom Plateau der Twinlaw Range durch den eigentlichen Woodlaw Forest mit seinem Laubbäumen. Hier verließen wir auch die Forststraße und es ging auf einem schmalen, wurzeligem und sich hin- und herwindenden Pfad weiter.

Der Wald, den Anna den bislang rumpeligsten Wald des Te Araroa aufgrund der Unmengen herumliegenden Geästs auf dem verwurzelten Track nannte, kam ziemlich düster daher. Die dunkelgrauen Regenwolken, aus denen es leicht zu regnen begonnen hatte, ließen nur wenig Licht in den Wald und durch dessen Blätterdach scheinen. Irgendwann begann es stärker zu regnen und die Regenjacke wurde selbst im Wald zur Notwendigkeit.

Ab hier fiel der Tag heute so ziemlich ins Wasser und Track und Forststraßen wurden zu einer ziemlich matschigen Angelegenheit. Der Regen wurde stärker und stärker und bereits nach wenigen Kilometern war ich trotz Regenklamotten ziemlich durchnässt.

Nachdem wir den Woodlaw Forest über eine Forststraße wieder verlassen hatten, spulten wir in den niedrig hängenden Wolken ohne Sicht einige Kilometer auf einer Schotterstraße ab. In einer offenen Scheune legten wir eine knappe Lunchpause ein. Anna fror und brach dann bereits ein paar Minuten vor mir wieder auf.

Nach einigen weiteren Kilometern Straße gelangte ich zum Island Bush Track, der nochmals auf einer Forststraße und einem kurzen Track durch einen Tannenwald führte. Hier wurde es so richtig schön matschig. Der Regen hatte die Forststraße teils auf der gesamten Breite in ein rutschiges Schlammbett verwandelt. Egal, einfach durch. Es ging sowieso längst nur noch ums Ankommen und darum aus den kalten, nassen Klamotten herauszukommen. Der Dauerregen hatte mittlerweile selbst meine Regenjacke durchnässt und ich spürte die Feuchtigkeit bereits meinen Hoodie und das Merinoshirt, welches ich unter der Jacke trug, durchnässen.

Ich gab einfach Gas. Anna ebenso. Ich sah sie nach dem Island Bush Track vielleicht einige Minuten vor mir auf der recht befahrenen Straße Richtung Merrivale zur Merriview Hut hiken.

Kurz nach Anna kam ich irgendwann kurz vor 15 Uhr an der Hütte, bei der es sich wie gestern um keine der Hütten des DOC handelt, an. Die Merriview Hut wird aufgrund der mangelnden erlaubten Campspots hier in der Gegend ebenfalls von Farmern für Hiker bereitgestellt und für 10 Neuseeländische Dollar darf man darin übernachten.

Die Hütte war total willkommen, denn es regnete weiterhin unentwegt. Beinahe den ganzen Nachmittag und Abend. Mit heißem Kakao mit Marshmallows, die Anna sponsorte, wärmten wir uns erstmal auf. Ich schmiss dazu noch eine Packung Schokokekse in den Ring. Später kochten wir dann ein einfaches, aber ebenfalls wärmendes Abendessen mit frischen Eiern von der Farm und ein paar Paketen Instantnudeln.

Hoffentlich regnet es sich heute Nacht aus. Morgen geht es für zwei Tage in den Longwood Forest, den letzten Wald des Te Araroa. Hoffentlich nicht mit dem allerletzten Wetter und hoffentlich mit einigermaßen trockenen Klamotten. Bislang sieht es nicht so aus als würde irgendwas von den nassen Klamotten bis morgen trocken sein.

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