4
Apr
2018
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Tag 131 Aparima Hut bis Telford Range Summit (17 Kilometer)

Wenn die offizielle Trailbeschreibung für acht Kilometer vier Stunden ausschreibt, auf dem Schild vor dem Track jedoch acht Stunden für diese acht Kilometer veranschlagt sind, wird es wie in am gestrigen Tag irgendwie spannend. Am frühen Nachmittag hatten Anna und ich wie geplant die Lower Wairaki Hut erreicht. Bis zum nächsten möglichen Campspot sollten es nun diese vier oder acht Stunden sein. Schwierige Entscheidung, ob wir den Climb über den letzten hohen Berg des Te Araroa noch in Angriff nehmen sollten, aber wir haben es gewagt. Normalerweise sind wir ja doch schneller unterwegs als die Trailbeschreibung. Am Ende hatten wir eine Wahnsinnsaussicht, sind aber nicht bis zum vorgesehenen Campspot gelangt…

Ich war wie Anna verdammt müde gestern. Ich wollte am Abend mal wieder gemütlich ein Hörbuch hören, aber nach wenigen Minuten bin ich doch echt noch vor 22 Uhr weggeknackt.

Nachts bin ich dann ein paar mal von der Party wach geworden, die eine mehrköpfige Mäusefamilie in der Hütte veranstaltete. Gut, dass wir diesmal oben in der Hütte auf dem zweistöckigen Matratzenlager geschlafen haben. Auf den Matten unten liefen zumindest die Mäuse herum, piepsten aufgeregt und stritten sich um die Essenskrümel, die sie vermutlich auch von uns in der Hütte fanden.

Es war richtig schön mal „lange“ zu schlafen. Wir sind letztlich erst im Hellen gegen 7 Uhr aufgestanden und zogen dann ganz gemütlich unser Morgenprogramm ab.

Draußen hatte es ein paar schnell vorüberziehende Wolken vor einem blauen Himmel. Es blies wieder ein starker Wind. Aber wir würden heute weitestgehend durch den Takitimu Forest laufen. Zwischen den Bäumen würden wir den Wind wohl kaum merken.

Nach dem zwei Kilometer langen Anfangsprogramm durch einen überraschend weniger matschigen Sumpf als gestern in den Tussockgräsern – ich fand nur ein Sumpfloch 😉 – gelangten wir wieder in den Bergwald, dem wir im steten Auf und Ab auf weiteren elf Kilometern bis zur Hütte folgen würden.

Der Track war vom Start weg schmal, aber überraschend gut. Hieß es in den Trailnotes noch, dass teilweise garkein Track vorhanden wäre, konnten wir das nicht feststellen. Wir kamen mit etwa drei Kilometern die Stunde deutlich schneller voran als gedacht. Vermutlich würden wir um kurz nach 13 Uhr an der Hütte sein.

Nach etwa anderthalb Stunden begann es leicht zu regnen. Ich zog wie Anna mein Raincover auf den Rucksack. Für meine Regenjacke war keine Not. Das Blätterdach des Waldes schirmte den Regen zumindest einigermaßen ab.

Über zwei kleine Kuppen, die um die 250 Meter im Aufstieg bedeuteten, ging es nach etwa acht Kilometern weiter in Richtung Hütte. Es regnete noch immer, dies aber nur leicht.

Die letzten zwei Kilometer vor der Hütte ging es nochmal schön matschig im Wald neben dem Wairaki River lang. Irgendwie hab ich mich hier bis zu den Knien eingesaut, aber auf Neuseelands Tracks sind die nächsten Flussfurtungen ja nicht weit. Und kurz vor der Hütte furteten wir den Wairaki River auch. Ich nutzte die Gelegenheit direkt mal mir den ganzen Modder von den Beinen zu spülen. Dann war erstmal Zeit fürs späte Lunch und zum Überlegen wie es weitergehen sollte an diesem Tag.

Das Schild vor der Hütte gab acht Stunden für die acht Kilometer über den letzten über 1.000 Meter hohen Berg des Te Araroa bis zu einem Campspot an dessen Fuß auf der anderen Seite an. Die Trailnotes hingegen sprachen von vier Stunden. Wir überlegten ziemlich Hin und Her. Auch wegen des Wetters und einiger dunkler Wolken in der Ferne. Es war nun 14 Uhr und ab 18:30 Uhr würde die Abenddämmerung einsetzen.

Anna war sehr unentschlossen. Sie wollte weder den Tag so früh beenden noch gingen wir davon aus, morgen die 34 Kilometer bis zu einer Farm namens Birchwood Station laufen zu können, auf der man campen durfte. Dies wäre nämlich aufgrund des 26 Kilometer langen Hikes zwischen Birchwood Station und dem Campspot in acht Kilometern, der quer über die größte Farm Neuseelands, die Mount Linton Station, führen würde, die einzige Möglichkeit sofern wir morgen nicht nur acht Kilometer bis zu dem Campspot am Anfang des Farmtracks laufen wollten. Die Mount Linton Station durfte letztlich nur im Tageslicht unter verschiedenen Auflagen (Gruppengröße, Verhalten im Farmbetrieb usw.) betreten werden. Die gesamte Wanderung über die Farm sollte acht bis neun Stunden dauern.

Ich war dafür weiterzulaufen. Ich ging davon aus, dass wir notfalls in drei Kilometern im Anstieg zum Berg auf halber Strecke an einer auf der Karte verzeichneten etwas flacheren Stelle zelten könnten. Die Entscheidung, ob wir weiterlaufen oder nicht, wollte ich an sich Anna überlassen, aber sie konnte sich zu keiner durchringen. Also sagte ich letztlich, dass ich guter Dinge wäre und wir dann gleich aufbrechen. Und das taten wir auch. Um 14:30 Uhr liefen wir von der Lower Wairaki Hut los.

Wir kamen auf dem Berg deutlich schneller voran als selbst die Trailbeschreibung vorgab und so standen wir trotz rechtschaffen steilem Anstieg und dem Umstand, dass Anna sich nicht ganz fit fühlte, bereits um 16:15 Uhr auf dem Gipfel. Ich hatte zehn Höhenmeter vor dem Gipfel auf sie gewartet. Die letzten Schritte auf den letzten hohen Berg des Te Araroa sollten wir schließlich gemeinsam machen.

Und wow, der Gipfel selbst war nochmal richtig alpin bewachsen und bot eine fantastische Aussicht auf die sich bis zum Meer hin erstreckende Hügel- und Waldlandschaft. Damit hatten wir nicht gerechnet, denn nur knapp unterhalb des Gipfels befand sich noch dichter Wald. Zudem hatten wir richtig Glück mit dem Wetter. Während es um uns herum regnete, war über uns ein großes Loch blauen Himmels. Ein halber, wenn auch schwacher Regenbogen zeigte sich über den Hügeln im Süden während wir einige Fotos schossen.

Das Beste am Gipfel: vielleicht zehn Meter unterhalb des Summits war in dem Wald eine etwas breitere, trockene Stelle, in der sich genügend Platz für unsere beiden Zelte fand. Vielleicht könnten wir morgen auch den Sonnenaufgang vom letzten hohen Gipfel des Te Araroa genießen. Den Wecker würden wir uns jedenfalls frühzeitig genug stellen. Und falls kein Sonnenaufgang zu sehen wäre, würden wir aufgrund unseres hochgelegenen Campspots wenigstens statt den ganzen Tag nur durch Farmland zu laufen nochmal einen spannenden Abstieg über den Grat des Berges vor uns haben und so etwas mehr Abwechslung im Hike am morgigen Tag 🙂

Just als wir die Zelte aufgestellt hatten, zog es sich übrigens zu und begann auch über uns leicht zu regnen. Das beste Wetter für eine Tüte Gummibären im Zelt während ich meinen Blog schreibe 🙂

So und nun noch ein paar Gipfelshots 😉

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