31
Mrz
2018

Tag 127 Boundary Hut bis Kiwi Burn Hut (34 Kilometer)

Nach spätem Start war das ein richtiger Gewaltmarsch heute. Es hatte die Nacht und den Morgen richtig gestürmt und heftig geregnet, so dass Anna und ich erst um 10:30 Uhr auf den Track gestartet sind. Aber wir haben dennoch durchgezogen. Bis zur Kiwi Burn Hut und vielleicht gelangen wir morgen wie geplant nach Te Anau. Dann beginnt die letzte große Sektion des Te Araroa vor Bluff. Wahnsinn, das Ende des Trails ist so nah…

Nun war er doch da: der angekündigte Starkregen und Sturm. Irgendwann um 1 Uhr in der Nacht begann es und es schüttete wie aus Eimern. Die Sturmböen rüttelten so heftig an der Hütte, dass dessen blechernes Dach ab und an richtig laut zu vibrieren und zu scheppern begann. Bis um kurz vor 6 Uhr ging das ganze Spektakel.

Als ich um 6:30 Uhr aufstand, herrschte dann Windstille. Kein Regen. Während Anna und ich frühstückten – die anderen schliefen derweil noch seelenruhig – begann sich das Wetter jedoch wieder zu verschlechtern. Heftige Böen aus der Richtung, in die wir laufen wollten, umtosten abermals die Hütte und immer wieder setzte ein starker Regen ein. Es hatte keinen Sinn so loszulaufen und die 34 Kilometer bis zur Kiwi Burn Hut abzureißen. Bei diesen Konditionen heute morgen würden wir bereits nach wenigen Kilometern völlig durchnässt vom Regen und abgekämpft vom Laufen gegen den Sturm sein.

Ich legte mich nochmal hin und kümmerte mich weiter um die vielen in den letzten Tagen geschossenen Fotos. Ich hatte gestern ja bereits begonnen diese auszusortieren und so konnte ich das heute am Morgen dann abschließen.

Um 9 Uhr hatte sich das Wetter immer noch nicht gebessert. Die dunklen Wolken rasten nur so über den Himmel dahin. Ich hatte wenig Lust den Tag hier in der Boundary Hut zu verbringen und überlegte, ob ich einfach zunächst bis zur nur sechs Kilometer entfernten Careys Hut weiterhiken sollte. Dort sollte es immerhin auch eine gemütliche Feuerstelle haben. Dagegen sprach, dass ich hier ein Bett sicher hatte falls sich das Wetter nicht besserte. Es wäre also ein wenig ein Glücksspiel. Aber notfalls hätte ich das Zelt. Sturmfest ist es ja.

Eine Stunde später packte ich meine Sachen zusammen. Ich würde es darauf ankommen lassen. Ich würde sicher einen Platz in der Hütte bekommen für den Fall, dass sich das Wetter nicht besserte. Ich bin immer optimistisch was sowas angeht 😉

Anna startete ebenfalls. Überraschend besserte sich das Wetter mit dem Start um 10:30 Uhr. Es regnete nicht mehr, war nur noch leicht windig und am Horizont zogen deutliche hellere Wolken vor einem teils blauen Himmel auf. Die Sonne kam heraus und die sechs Kilometer bis zu der am Nordende des North Mavora Lake gelegenen Taipo Hut waren auf dem 4WD-Track, dem von der Boundary Hut zu folgen war, schnell in nur etwas mehr als einer Stunde gelaufen.

Landschaftlich war das hier wie gestern bereits echt schön anzuschauen. Das weite Tal mit dem Fluss und später dem See, der helle Tussock- und Strauchbewuchs im Tal und an den Hängen der umliegenden Berge. Das war abermals solch eine Weite, in die ich blickte. Echt schön.

Ich legte in der Taipo Hut eine frühe Lunchpause ein. Japp, eine Lunchpause. Es sollte weitergehen. Das Wetter war nun so gut. Ich wollte direkt nach dem Lunch weiterhiken und zwar trotz des späten Starts möglichst bis zur Kiwi Burn Hut. Anna selbst hielt auch nur kurz in der Taipo Hut. Sie wollte später irgendwo am See Lunch machen und dann würden wir uns irgendwo auf dem Track wiedertreffen.

Von der Taipo Hut aus gab ich nach dem Lunch direkt Gas und nahm die „Verfolgung“ von Anna auf. Ich lief dem 4WD-Track bei einem Mix aus Sonne, Wolken und Nieselregen am Seeufer Richtung Süden entlang. Der Track war leicht zu hiken, wenn ich auch immer wieder große Schlamm- und Wasserlöcher am Rande umgehen musste.

Was mir bis gestern gar nicht richtig bewusst war: das Osterwochenende war mit Karfreitag ja bereits eingeläutet und die Campsite am Südende des Sees vermutlich relativ voll. Darauf ließen zumindest auch die immer wieder auftauchenden Quads, Jeeps und Crossmotorräder schließen, die mir auf dem 4WD-Track in überraschend hoher Zahl entgegenkamen.

Irgendwann führte der 4WD-Track in Wald hinein, blieb jedoch stets am Seeufer, das hier einen hübschen Steinstrand aufwies. Ich stoppte jedoch nicht. Zum Baden war es zu frisch und das Ziel Kiwi Burn Hut lag noch weit entfernt. Heute würde es aufgrund des richtig späten Tages ein Gewaltmarsch und Speedhiking werden. Ich würde keine längeren Pausen mehr einlegen.

16 Kilometer nach meinem Start von der Boundary Hut passierte ich die DOC Campsite Mavora Lakes. Ich zog mir hier nur schnell ein Snickers aus meinem Rucksack rein, füllte nochmal meine Wasservorräte und weiter ging es. Die Hälfte des Tages hatte ich beinahe geschafft.

Auf dem folgenden Track, der zunächst am Südende des Northern Mavora Lake eine Hängebrücke passierte und dann durch Wald bis zum Southern Mavora Lake und an dessen Ufer entlangführte, holte ich am See dann auch Anna ein. Ich war schnell unterwegs und überholte sie recht zügig.

Es ging von nun an fortlaufend durch abermals schön moosigen, in allen möglichen Grüntönen leuchtenden Wald. Zunächst weiter dem Seeufer folgend und dann stromabwärts dem Mararoa River. Irgendwo hier in der Nähe wurden auch die Szenen aus den Herr-der-Ringe-Filmen für den Fangorn-Wald gedreht. Ich konnte die Bäume zwar nicht sprechen hören aber schön anzuschauen war das hier allemal 😉 Dennoch: für eine Pause nahm ich mir weiter keine Zeit und zog durch.

Erst vier Kilometer vor der Kiwi Burn Hut stoppte ich an einer Hängebrücke über den Mararoa River nochmal. Statt eines Snickers gab es ein Kitkat als Stärkung. Währenddessen schaute ich mir den Maraora River an. Denn der Fluss musste später gefurtet werden und so er Hochwasser führte wäre dies nicht möglich und ich müsste ihn hier über die Hängebrücke queren. Da die Flussquerung erst morgen anstehen würde, könnte ich dann jedoch nicht in der Kiwi Burn Hut, die auf meiner Seite des Flusslaufes lag, übernachten.

Bereits während des Hikens am Fluss entlang habe ich gedacht, dass der Fluss ziemlich reißend ist und nicht querbar erscheint. Und als ich auf der Hängebrücke stand und mir die tosenden Wassermassen von näherem betrachtete, verfestigte sich dieser Eindruck. Nach kurzem Überlegen blieb ich dennoch auf dieser Flussseite und brach zur Kiwi Burn Hut auf. Der hohe Wasserstand musste noch immer auf dem Starkregen des Morgens und Vormittags beruhen. Sofern es nicht weiteren Starkregen geben würde, ständen die Chancen gut, dass der Fluss morgen querbar ist. Notfalls müssten Anna und ich dann halt am Morgen den Rückweg zur Hängebrücke und einen größeren Umweg in Kauf nehmen.

Ich schrieb für Anna noch etwas in den Waldboden, damit sie erkannte, welchen Weg ich eingeschlagen hatte, dann eilte ich weiter durch den Wald und bis zum Kiwi Burn Creek, einem Zustrom des Maraora River. Von hier war es nur noch ein Kilometer bis zur Hütte und tatsächlich habe ich diese aufgrund meines hohen Tempos dann bereits um 18 Uhr erreicht.

Das war wirklich ein Gewaltmarsch und meine Füße und Knie schmerzten am Abend, als ich etwas Ruhe fand. Aber ich war echt froh die Hütte erreicht zu haben und Anna selbst kam auch etwa eine halbe Stunde später an.

Glücklicherweise bekamen wir trotz des Osterwochenendes auch beide noch ein Bett hier. Eine Familie mit mehreren Kindern war bereits hier sowie einige weitere Kiwis. Wir unterhielten uns echt gut mit ihnen am Abend. Aber wir waren echt kaputt nach dem zwar flachen, aber anstrengenden Marsch, so dass wir früh irgendwann so um 22 Uhr zu Bett gingen.

Morgen wollen wir richtig früh durchstarten. 5:30 Uhr ist Aufstehen. Hier in Neuseeland ist ebenfalls Zeitumstellung. Um 6:30 Uhr geht die Sonne bereits auf und wir wollen am späten Nachmittag in Te Anau sein. Hoffentlich gibt es einen Dominos 😉

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