30
Mrz
2018

Tag 126 Slip Flat Hut bis Boundary Hut (25 Kilometer)

An Tag 126 wurde es auf dem Te Araroa, dem ich nun auf dem Mavora Walkway folgte, mal wieder richtig matschig. Ich querte zunächst schlammigen Wald und später ein zuweilen ziemlich versumpftes Tal, das Passburn Valley. Und die dortige Kombination aus Schlamm und Kuhfladen in der zweiten Tageshälfte war doch schon irgendwie was ganz spezielles. Das Gute aber: das angekündigte Regenwetter ist (für heute noch) ausgeblieben. An sich sollte es schweren Regen geben, stattdessen war es die eine Hälfte des Tages nur bewölkt, die andere hingegen schien die Sonne. Ich will gar nicht wissen, welche Schlammschlacht das heute im Regen geworden wäre…

Die für mich schönste Hütte auf dem Te Araroa, die Slip Flat Hut, war nicht nur gestern abend richtig gemütlich sondern auch am heutigen Morgen. Ich stand um 6:30 Uhr auf und frühstückte ganz gemütlich zwei Nutellawraps. Seit langer Zeit mal nicht mit nahezu tiefgekühlter Nutella. Das Zeug war heute morgen tatsächlich streichfähig. Vermutlich, weil wir die Feuerstelle in der Hütte gestern Abend noch ziemlich befeuert haben. Und das beinahe milde Wetter heute morgen spielte sicher auch seine Rolle. Es war keineswegs so eisig kalt wie an manchem Morgen zuvor und ich konnte später erstmals seit langem mal wieder ohne meine Polartecjacke am Morgen starten.

Zu meinem Frühstück bekam ich von Anna noch etwas Kakaopulver, das ich mir mit einem griechischen Joghurtpulver, das mit Honig gesüßt war, heiß anrührte. War echt gut.

Aufgebrochen sind wir dann um kurz vor 8 Uhr bei bewölktem Himmel. Auf dem gut zu hikenden Greenstone Track ging es zunächst für eine Stunde Richtung Greenstone Hut. In dem engen Tal war es trotzdessen, dass der Morgen längst hereingebrochen war, noch ziemlich duster. Aber es war entspannt, hier am Morgen leicht ansteigend durch den Bergwald und über plätschernde Bäche zu wandern während die vielen Vögel im Wald munter zu zwitschern begannen. Ein schöner Start in den Tag.

An der Greenstone Hut trafen wir auf Hannah, Simon und Justin. Sie hatten nach dem kürzeren Greenstone Track gestern hier übernachtet und wollten wie wir auch für den Tag die Boundary Hut im weiten Tal des Maraora River anpeilen. Mit Justin sind wir später auch da angekommen. Hannah und Simon haben vermutlich dann doch irgendwo vor der Hütte ihr Lager aufgeschlagen. Zumindest haben wir sie nach dem Morgen nicht mehr wiedergesehen.

Nach der Greenstone Hut versprach der Track nun schlechter zu werden, da wir den recht populären Greenstone-Caples-Track nun verließen und auf dem Mavora Walkway weiterhikten. Einem Track, der hauptsächlich wohl nur von Te Araroa-Hikern begangen wird. Auf diesen Tracks sind die Konditionen erfahrungsgemäß doch deutlich schlechter.

Und der Track wurde auch schlechter. Es gab alles, was das Hikerherz begehrt: ein meist nur schmal ausgetretener Pfad, der sich auf zuweilen steinigen und elendig verwurzelten Böden hangauf und hangab durch den Wald wand, jede Menge umgestürzter Bäume, die quer über den Track lagen, und Matsch hatte es auch ohne Ende. Jeder Stein und jede Wurzel war glitschiger als eine Bananenschale bei Mariokart und so rutschte ich ein ums andere mal auf dem Track aus. Nach all der Übung aus nun über 2.700 Kilometern Hikens am Stück auf teils ebensolchen Pfaden konnte ich mich jedoch jedes Mal noch abfangen und den Sturz in die regelrechten Schlammbetten so vermeiden.

Die Trailbeschreibung sah vor, dass wir für die 10 Kilometer bis zur nächsten DOC-Hütte, der Taipo Hut, vier bis fünf Stunden brauchen würden. Entsprechend erwarteten wir, dass wir nur ziemlich langsam vorankommen würden. So slow-going wie gedacht war das ganze dann aber doch nicht. Trotz der schwierigen Trackkonditionen kamen wir recht schnell vorwärts und rechneten damit die Hütte nach maximal drei Stunden zu erreichen.

Über einen kleineren Sattel – wir waren bis hierhin etwa 350 Höhenmeter aufgestiegen – gelangten wir in das Passburn Valley und überschritten die Grenze vom Bezirk Otago zu den Southlands, zu denen auch das Ziel meiner Reise, Bluff, gehört. Zudem brachen wir hier auf der Sattelhöhe auch aus dem Wald heraus. Es ging in das von teils schulterhohen Tussockgräsern bewachsene Tal hinab. Justin, der kurz nach uns von der Greenstone Hut gestartet war, hatte bereits im Wald zu uns aufgeschlossen. Nun im hohen Tussock verlief es sich wieder etwas zwischen uns und ich ging von uns dreien voraus.

Die Tussockebene, der wir nun für mehrere Kilometer folgten, war nicht nur von dem hohen Gras bewachsen. Das ganze war teils ein einziger Sumpf. Da das Tussockgras stellenweise so dermaßen hoch stand, verlor ich oftmals den schmalen, kaum gezeichneten Track aus den Augen. Oftmals glaubte ich mich zwischen den dichten Gräsern noch darauf zu befinden, dann kam oder trat ich jedoch in ein Sumpfloch oder die Tussockgräser lichteten sich etwas und ich hatte keinen Track mehr unter den Füßen. Ich konnte mich jedoch bei meinem Weg zurück zum Track immerhin an den Markierungsstangen orientieren. Das passierte mir bestimmt ein Dutzend Mal ehe ich die Taipo Hut schließlich wirklich drei Stunden nach Aufbruch von der Greenstone Hut und unzählige Schlammpfützen und Sumpflöcher später erreichte. Justin und Anna kamen dann wenige Minuten nach mir an.

Nach einer Lunchpause in der Hütte starteten wir gemeinsam wieder auf den Track. Es verlief sich zwischen uns jedoch in dem zehn Kilometer langen Hike zur Boundary Hut in dem weiten Tal recht schnell. Meist eilte ich wieder etwas vor Anna und sie wiederum etwas vor Justin voraus.

Mittlerweile war auch die Sonne herausgekommen und es bot sich eine tolle Aussicht in die Ferne und auf das vor mir liegende, wunderschöne und schon irgendwie spektakulär anzuschauende Tal. Ein toller Hike durch diese Landschaft.

Nicht so wunderschön und spektakulär hingegen war teils der Track. Immer wieder wurde es versumpft. Auf manchen Grassoden sackte man regelrecht richtig ein in den Modder. Als man diese wieder verließ, ploppte das Gras so wieder hoch als wäre nichts geschehen und als ob es nun auf den nächsten Hiker warten würde, den es veralbern könnte. Das schönste an allem jedoch: der teils sumpfige Track war nun auch immer wieder kombiniert und garniert mit einer beträchtlichen Menge teils frischer Kuhfladen. Dabei hatte es gar nicht so viele Kühe hier im Tal 🙂

Die Boundary Hut, eine weniger schöne Hütte mit vier ungewöhnlich breiten Matratzen, erreichte ich um 16 Uhr, Anna kurz nach mir und dann Justin. Zwei junge Kiwis namens Reagan und Jack, die das Osterwochende für eine Tour mit ihren Crossmotorrädern nutzten, waren bereits hier, boten jedoch an, gemeinsam auf einer der breiten Matratzen zu schlafen. So war für uns alle ein Bett gesichert.

Den restlichen Nachmittag – es war ja noch viel Zeit vom Tag über – verbrachte ich damit, die ersten Fotos für meine vorherigen Blogartikel auszusortieren. Ich hatte die letzten Tage echt viele Fotos geschossen und freute mich bereits auf diese „Arbeit“.

Daneben haben Anna und ich noch den Plan gefasst, frühzeitig in zwei Tagen Te Anau zu erreichen. An sich planten wir mit drei Tagen. Mal sehen, ob wir es schaffen. Es dürften zwei lange Tage werden. Die werde ich allerdings auch nur angehen können, wenn die Kopfschmerzen, die mich heute seit dem frühen Abend plagen, morgen weg sind. Ich vermute ich habe heute zu wenig getrunken und bin etwas dehydriert oder habe die Sonne unterschätzt und einen leichten Sonnenstich abbekommen.

Last but not least ein Update zu meinen Schuhen: ja, auch diese zerlegt es langsam. Einige Einrisse im Meshmaterial, viele mit Schuhkleber gefixte Punkte, an denen sich die Sohle löst. Ich werde dieses Paar ziemlich sicher am Ende der Südinsel oder nach meinem eventuellen Anschlusshike auf Stewart Island entsorgen. Die Treter haben dann definitiv ausgedient. Aber: wenn sie wirklich noch den Rest der Südinsel halten sollten, hätte ich den Te Araroa mit nur zwei Paar Trailrunners abgeschlossen. Das könnte sich auf jeden Fall sehen lassen. Es sind nun noch weniger als 300 Kilometer bis Bluff…

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