29
Mrz
2018

Tag 125 Greenstone Saddle bis Slip Flat Hut (34 Kilometer)

Okay, die Luft ist doch nicht raus und ich bin nach meinem Sidetrip über den Routeburn Track gestern und den Caples Track heute wieder zurück auf dem Te Araroa. Ich hatte nach gestern nicht gedacht, die 34 Kilometer bis zur ersten Hütte, der ziemlich versteckten, rustikalen Slip Flat Hut, auf dem Te Araroa zu schaffen, aber es lief heute tatsächlich richtig gut. Die Motivation war wieder da, die Knieschmerzen den Tag über verschwunden und selbst das Wetter spielte heute mit. Es sind noch 320 Kilometer bis Bluff…

Anna und ich wollten heute morgen wieder richtig früh los. Unser Plan war es um 6:30 Uhr aufzustehen. Nachdem wir gestern beide völlig platt gewesen waren, hatten wir keine Ahnung, ob wir es heute schaffen den Caples Track zu hiken und dann bis zur ersten Hut nach dem Track zu gelangen. Aber wir wollten uns mit einem frühen Start wenigstens die Chance darauf wahren. Doch wie das bei solchen Planungen manchmal ist: wir haben beide verschlafen. Ich sogar noch länger als Anna. Ich bin erst um 7:30 Uhr aufgewacht. Offensichtlich waren wir beide todmüde gestern.

Wir versuchten dennoch einigermaßen früh loszukommen und befanden uns schließlich eine Stunde später – die pitschnassen Zelte wieder im Rucksack verstaut – um 8:30 Uhr auf dem Track. Im Gegensatz zu den meisten Te Araroa-Hikern, die den Routeburn als Sidetrip einschieben, haben wir uns für die Verknüpfung mit dem Te Araroa für den Caples Track statt für den Greenstone Track entschieden. Der Caples Track würde uns nämlich nochmal über einen Sattel und damit zumlndest anfangs über die Berge statt „nur“ stets durch ein Flusstal führen. Zudem würden wir dann nicht zwölf Kilometer des Te Araroa überspringen, sondern maximal drei. Der Greenstone Track führt nämlich deutlich später auf den Te Araroa als der Caples Track.

Eine Viertelstunde nach dem Start befanden wir uns auf dem Caples Track und direkt im bewaldeten Anstieg um etwa 300 Meter auf den Mackellar Saddle.

Die grasbewachsene, teils sumpfige Sattelhöhe erreichten wir nach einer Stunde. Lange hölzerne Stege führten über den Sumpf und hin in Richtung Abstieg, der zunächst abermals auf unzähligen Kilometern durch Wald und an der Seite des noch jungen Caples River erfolgte.

Es lief gut heute für mich. Meine Knie machten keine Probleme. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, in denen ich im steilen Auf- und Abstieg meist eine Schonhaltung beim Aufsetzen meines linken Fußes annehmen musste, um keine Schmerzen darin zu haben, das Knie damit wiederum jedoch versteifte, konnte ich heute doch tatsächlich meinen linken Fuß wieder abrollen und mein Knie vernünftig benutzen. Entsprechend gut war meine Laune. Das tolle Wetter tat sein übriges dazu. Die Sonne kam nämlich heraus und es wurde endlich mal wieder so warm, dass ich Hoodie und Polartecjacke im Rucksack verstaute und im T-Shirt hiken konnte.

Zur Musik meines Trailmixes mit Songs von Billy Ray Cyrus, Of Monsters and Men, Ed Sheeran und anderen hikte ich guter Laune und voll motiviert, es heute bis zur Slip Flat Hut zu schaffen. Es machte richtig Spaß heute bei dem langen Walk auf dem guten Track durch schöne bemooste Wälder und durch das gräserne Tal entlang dem Caples River.

Nach 20 Kilometern erreichte ich um 13:30 Uhr die Mid Caples Hut. Ich war heute etwas vorausgeilt vor Anna und hängte schonmal mein Zelt vor der modernen, recht großen Hütte zum Trocknen auf und machte mir dann zum Lunch zwei Salami-Käse-Wraps. Anna kam etwa eine halbe Stunde später. Wir quatschen noch etwas über den weiteren Track heute und den Plan zur Slip Flat Hut zu gelangen. Zumindest so es diese denn tatsächlich noch geben würde, denn sie war auf den meisten Karten nicht oder nicht mehr verzeichnet und selbst in der Te Araroa-App und auf dem offiziellen Kartenmaterial fand sich außer einem Hüttensymbol an der Stelle, wo die Hütte sein sollte, nicht die sonst übliche Erläuterung.

Wir überlegten zudem noch kurz, ob wir die drei Kilometer vom Te Araroa, die vor dem Aufeinandertreffen mit dem Caples Track liegen, noch ablaufen sollten. Ich entschied mich, die drei Kilometer nicht in die eine Richtung hoch- und dann wieder zurückzulaufen, zumal die Hälfte davon nur aus einer Schotterstraße bestand. Stattdessen war ich in den vergangenen zweieinhalb Tagen schließlich auch über 60 zusätzliche Kilometer gehikt. Das ist ein fairer Deal denk ich 😉 Anna wollte das Stück erst noch laufen, entschied sich später aber auch dagegen und so gelangten wir später sogar fast gemeinsam an der Slip Flat Hut an.

Bevor ich wieder startete, nahm ich aus einer Freefoodbox, die es in der Hütte gab, noch eine Dose Thunfisch und eine Dose Brechbohnen mit. So könnten wir uns nachher in der Hütte eine Doppelportion Mashed Potatoes mit den Bohnen und ein paar angebratenen Salamistücken gönnen. Ein richtiges Hikerfestmahl 😉

Der restliche Caples Track führte weiter am Caples River entlang. Dieser ergoss sich zunächst in einer tiefen schmalen Schlucht, die ich über eine Brücke passierte, weiter zu Tale. Für weitere sieben Kilometer folgten dann weitere Abschnitte durch Wald und über gräserne Wiesen.

Über eine Hängebrücke gelangte ich am Ende des Caples Track auf das erste Teilstück des Greenstone Track und war damit ab sofort wieder auf dem Te Araroa. Ich fühlte mich immer noch gut, auch wenn meine Füße nun auf den weiteren, jedoch letzten Kilometern langsam zu schmerzen begannen.

Nun stieg ich wieder aufwärts, diesmal im Hang neben dem Greenstone River. Der gute, meist breite Track wand sich mit einem gemächlichem Anstieg am Hang des Berges über dem Fluss entlang. Ich passierte anfangs eine tiefe Schlucht, in der die Wassermassen des Flusses hinabdonnerten, später ging es abermals durch Wald und über hügeliges Grasterrain.

Gegen 18 Uhr erreichte ich die Slip Flat Emergency Bridge, eine Notfallbrücke für den Fall der Flutung eines Zuflusses des Greenstone River bei Starkregen. An sich sollte hier die Hütte sein. Doch weder sah ich eine solche, noch gab es dem üblichen Wegweiser. Hmm… Sollte die Hütte vielleicht wirklich nicht mehr vorhanden sein? Sinn würde es schon machen. Nur dreieinhalb Kilometer weiter befindet sich immerhin die mit 20 Matratzen ausgestattete, moderne Greenstone Hut.

Ich stieg weiter an dem Zufluss des Greenstone River auf. Ich war überzeugt, die Hütte musste irgendwo sein und diese Überzeugung wuchs als ich auf einen, wenn auch etwas überwucherten Track gelangte. Nach einigen Minuten wollte ich kehrt machen. Ich hätte die Hütte längst erreicht haben müssen, aber hier war einfach nichts. Über die nächste Anhöhe wollte ich noch schauen und da erkannte ich dann tatsächlich doch ein kleines rotes Blechdach zwischen den Bäumen. Die Hütte oder vielmehr ein Biwak. Völlig versteckt abgelegen vom Track, nicht ausgeschildert und entsprechend auch seltenst besucht. Der letzte Eintrag im Visitorsbook war mittlerweile drei Wochen her.

Sie war total klein mit ihren nur drei Matratzen und mit ihrer offenen Feuerstelle sowie dem völlig einfachen Inneren sehr rustikal. Irgendwie war sie aber auch total gemütlich. Ich mag diese Art von Hütten und war unheimlich froh sie erreicht zu haben.

Etwa zehn Minuten nach mir kam auch Anna an der Hütte an. Und nachdem wir uns eingerichtet hatten, genossen wir unser Abendessen. So gut mit den Bohnen und der angebratenen Salami. Heute Abend hat alles gepasst: erfolgreicher Tag, gutes Essen, eine richtig schöne alte Jägerhütte mit offener Feuerstelle, in der wir abends auch lange ein Feuer brennen ließen.

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