28
Mrz
2018

Tag 124 Routeburn North Branch bis Greenstone Saddle (29 Kilometer)

Puh, das war härter als gedacht und ein langer Tag bei meinem Sidetrip auf dem Routeburn Track, einem der neun Great Walks von Neuseeland. Ich hab zwischenzeitlich schon überlegt, ob mir womöglich zum Ende meines Abenteuers und nach der letzten langen Bergsektion mit dem Motatapu Track etwas die Luft oder die Motivation ausgeht. Andererseits ging es Anna ganz genauso. Womöglich hat uns der Motatapu Track und das viele Frieren auf diesem aber auch einfach mehr Kraft gekostet als gedacht. Egal, wir hatten unser Tagesziel, den Routeburn Track abzuschließen, erreicht. Und dieser hatte wirklich einige Highlights…

Erstes Aufwachen um 4 Uhr. Und ich fror. Zweites Aufwachen so eine Stunde später. Ich fror wieder, womöglich auch weiterhin. Um 6:30 Uhr war es immer noch dasselbe. So langsam stößt mein Schlafsack hier im neuseeländischen Herbst in den Bergen wohl mehr und mehr an seine Grenzen. Ich werde die nächsten Nächte mal probieren, ein paar mehr Klamotten im Schlafsack zu tragen als Shorts und T-Shirt. Davon ab: was für eine Feuchtigkeit am Morgen. Das ganze Zelt war nicht nur außen mit dicken Tropfen bedeckt, sondern auch innen. Vollends beschlagen.

Klar, die Bodenfeuchte nach dem gestrigen Starkregen war in der Nacht aufgestiegen und mein kondensierender Atem tat sein übriges dazu. Mein Zelt würde ich heute definitiv nur pitschnass eingepackt bekommen. Das wiederum passte aber auch wieder zu meiner Hose, meinen Socken und Schuhen. Die dürfte ich pitschnass zwar nicht in meinen Rucksack stopfen, aber anplünnen. Welch Freude 😉 Auch wenn es ohnehin nach dem Start wieder knietief durch den Routeburn River gehen würde, ist das Anziehen solch nasser Sachen dennoch eine Überwindung.

Nachdem ich im Zelt zwei Wraps mit Käse und Salami gegessen hatte, packte ich wie üblich meine Sachen und baute mein Zelt ab. Anna ebenso. Witzig war, dass sich dabei zwei dieser schwarzen Vögel mit dem gelben Bauch zu unseren Füßen minutenlang um unsere Aufmerksamkeit stritten. Drollige kleine Viecher.

Nach dem Crossing des Routeburn River machten wir uns auf in Richtung Routeburn Falls. Es ging hierbei abermals durch moosigen Wald. Gesamthöhenmeter im Anstieg: passable 250 Meter.

Zunächst erreichten wir die Routeburn Falls Hut und Lodge. Die Wasserfälle lagen direkt dahinter. Die DOC-Hut selbst lag schön mit Blick über das Tal. Die Lodge, die für Gäste geführter Touren ist, lag dahinter. Das war schon ein ziemlich großer Komplex an Gebäuden, der hier aufgebaut war. Auf mich vermittelte das irgendwie fast den Eindruck eines Resorts.

Wir stoppten nur kurz an der Hut und stiegen dann neben den beeindruckenden Routeburn Falls weiter auf. Irgendwie hatten wir beide das Gefühl, dass wir Anlaufschwierigkeiten auf dem Weg zur Hütte hatten, dabei waren wir deutlich schneller unterwegs als die angegebenen Zeiten. Wir benötigten gerade mal die Hälfte der auf den Wegweisern angegebenen Zeit und das sollte auch bei den weiteren Angaben zu den Zeiten zwischen den übrigen Spots des Routeburn Track so bleiben. Dennoch: für in bester Verfassung hielten wir uns nicht.

Hinter den Wasserfällen ging es in ein ebenso beeindruckendes Hochtal. Hohe, richtig schroffe Gipfel schlossen das enge Tal, durch das sich der Routeburn River zwischen riesigen Felsbrocken zu den Falls hin windete, zu drei Seiten ein. Die Berge hier erinnerten mich doch sehr an die Black Cuillins auf der Isle of Skye, das Tal selbst irgendwie auch an das Gap of Dunloe in Irland. Das war hier schon beeindruckend schön, selbst mit den vielen Wolken, die es hatte. Glücklicherweise kam ab und an die Sonne heraus und schaffte das für die Magie solcher Landschaften notwendige Spiel aus Licht und Schatten.

Am Ende des Tals, nach einigen weiteren hundert Metern im Aufstieg, ging es oberhalb eines spektakulär eingeschlossenen Gebirgssees, der den Routeburn River speist, zum Harris Saddle auf 1.277 Metern und zum dortgelegenen Shelter. Hier ließen wir zunächst unsere Rucksäcke zurück. Wir wollten als kleinen Sidetrip vom Sidetrip den schroffen Conical Hill besteigen, der sich auf der einen Seite des Sattels nochmal um 250 Meter höher erhebt.

Befreit um den Rucksack hatte ich echt das Gefühl auf dem steil ansteigenden alpinen, zuweilen ziemlich ausgesetzten Track zu fliegen. Bislang war ich seit über vier Monaten immer mit meinem Backpack unterwegs gewesen. Die seltenen Male, in denen ich diesen nicht trug, hatte ich mein Daypack dabei. Aber so ganz ohne Rucksack war ich glaub noch gar nicht auf einem Track und im Anstieg unterwegs. Was für ein Gefühl. Der Aufstieg schien, zumindest für einige Minuten, so wahnsinnig leicht. Anna hatte derweil übrigens ein ähnliches Gefühl. Als würde sie jemand von hinten anschieben 😉

Wir hatten unheimliches Glück. Nach vielleicht 20 bis 25 Minuten waren wir oben auf dem Conical Hill und konnten für einige Minuten die überragende Aussicht auf den unterhalb des Sattels liegenden See und das schmale Tal, durch das sich der Routeburn River windet, sehen. Anschließend zogen von der anderen Sattelseite dichte Wolken über den Berg hinweg und nahmen entweder jede Sicht oder legten einen mal mehr mal weniger dichten Dunst vor den Blick in die Tiefe und Ferne.

Wieder unten am Shelter angekommen, legten wir nun eine Lunchpause ein. Ich hatte in meinen Essensvorräten einige mit karamellisierten Zwiebeln gebackene Wraps. Zudem hatte ich mir beim Resupply in Frankton vor zwei Tagen eine richtig gute, luftgetrocknete Chorizo Salami gegönnt. Beides zusammen mit einigen Scheiben Käse war einfach nur richtig gut.

Während wir im Shelter noch zu Mittag aßen, kamen die Wolken draußen immer tiefer und tiefer bis schließlich jegliche Sicht vor einer dichten Wolkenbank verborgen war. So sollte es auch fast den gesamten restlichen Hike bleiben. Nur selten erhielten wir mal einen Blick in die Ferne oder die Tiefe wie später auf den Lake Mackenzie und die Mackenzie Hut.

Der Track zum Lake Mackenzie und zur Mackenzie Hut verlief vom Shelter über einige Kilometer in der steilen Flanke der Bergkette, in der wir uns befanden. Das war richtig schönes alpines Terrain in einer offenen, felsigen Landschaft. Da wir leider jedoch kaum bis keinerlei Sicht von diesem Track in das tief unter uns liegende Tal und die Berge auf der anderen Talseite erhielten, zog sich dieser Part des Tracks für uns etwas. Aber unsere Gesamtverfassung heute spielte dabei vermutlich auch eine Rolle.

Über dichten, vor lauter Moos regelrecht grün leuchtenden Wald ging es zum Lake Mackenzie hinab. Ich lief meist eine kurze Weile vor Anna. Gerade wenn man sich irgendwie nicht topfit fühlt, ist es umso wichtiger die eigene Hikinggeschwindigkeit beizubehalten und bereits vor Auckland war ich meist ein wenig schneller als Anna. Dafür legte ich meist, so auch heute, ein zwei kurze Pausen mehr als sie ein, so dass sie in diesen meist aufschließen konnte.

Der Lake Mackenzie war für mich ein weiteres Highlight des Routeburn Track. Der See hatte auch eine dieser ungewöhnlich türkisen Färbungen. Nicht so wie jene Seen in South Canterbury, es war irgendwie noch anders. Vermutlich auch wegen der Berge drumherum und des Gesamteindrucks mit den aus dem Wasser ragenden Felsbrocken, aber seht selbst:

Vom Lake Mackenzie und der richtig schönen Mackenzie Hut hatten wir noch etwa sechs bis sieben Kilometer bis zum Lake Howden und dem Ende des Routeburn Great Walks. Ich war noch ganz verwundert über die Zeitangabe auf dem Wegweiser für den weiteren Track, der vier Stunden ausgab. An sich gingen wir davon aus, dass der Track sich nun nach dem Abstieg vom Harris Saddle vereinfachen würde, doch darin hatten wir gefehlt. Der Track lief im hochgelegenen Wald. Er war oftmals verwurzelt, immer wieder von Bachläufen geflutet und zu Beginn nochmals mit einigem Anstieg im Fels und auf Stein. Es war natürlich immer noch ein Great Walk und die Trackkonditionen keineswegs zu vergleichen mit dem, was wir auf dem Te Araroa mittlerweile als schwierig erachten, aber er war einfach anspruchsvoller als erwartet.

Das Highlight des Parts zwischen dem Lake Mackenzie und dem Trailende war ohne Frage der über 170 Meter hohe Wasserfall Earland Falls. Als wir dem Track unterhalb des Wasserfalls auf großen Felsbrocken entlangstiegen, sprühte uns die Gischt so regelrecht nur entgegen. Das war schon beinahe eine unfreiwillige Dusche 😉

Nach einem weiteren Abstieg durch vollends bemoosten und aufgrund dessen beinahe unnatürlich grün leuchtenden Wald kamen wir kurz vor 19 Uhr am Lake Howden und dem Trailende an. Von hier aus würden wir dem Greenstone-Caples-Track bis zum Abzweig des Caples Track folgen.

Unser Tagesziel, den Routeburn Track heute abzuschließen, hatten wir erreicht. Es galt nun nur noch eine Stelle zum wild campen zu finden. Wir waren ziemlich groggy und verdammt froh als wir einen Kilometer weiter die Lake Howden Campsite kurz nach dem Lake Howden und dem Greenstone Saddle erreichten. Diese DOC Campsite bestand lediglich aus einigen grünen Spots Rasen im freien Feld und einer Toilette. Da es hier weder Wasser noch ein Shelter gab, war das Campen umsonst.

Überraschend trafen wir hier tatsächlich auch noch auf Hannah, Simon und Justin. Die drei waren heute morgen doch fast vom selben Fleck gestartet wie wir. Sie hatten auf der Campsite der Routeburn Flats Hut gezeltet, wir hingegen ja nur etwa einen Kilometer entfernt im Routeburn North Branch River Valley. Sie hatten sogar noch gesehen, wie am gestrigen Nachmittag zwei Hiker den Routeburn River gefurtet hatten. Sie hatten uns jedoch nicht erkannt. Als wir dann heute auf den Conical Hill gestiegen sind, haben sie uns offensichtlich passiert, denn sie begannen direkt den Abstieg vom Harris Saddle.

Eigentlich hatten wir gedacht, dass sie nachdem sie auf dem Motatapu Track umgekehrt waren, viel weiter voraus auf dem Te Araroa wären. Umso schöner war es natürlich sie bereits hier wiederzusehen.

Für morgen ist unsere Planung übrigens etwas unsicher gerade. Die Wettervorhersage, die in der Lake Howden Hut ausging, kündete von viel Regen für die nächsten Tage. Mit all den nassen Klamotten würden wir gerne in eine Hütte hinein, aber die „nur“ 20 Kilometer entfernte Mid Caples Hut erscheint uns etwas zu nah, die 34 Kilometer entfernte Slip Flat Hut möglicherweise zu weit, zumal wir nach heute doch etwas zweifeln, wie es morgen um unsere Kondition bestellt steht. Aber das werden wir morgen ja sehen.

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