24
Mrz
2022

Es wird tough! Eine Winterquerung der größten Hochebene Europas: der Hardangervidda in Norwegen

Etwa sieben Wochen ist es her, dass Chris – ein guter Freund, den ich 2017 auf dem Te Araroa, einem Long Distance Trail in Neuseeland, habe kennenlernen dürfen – mir eine WhatsApp mit einem Link schickte. Der Link führte zu einem norwegischen Expeditionsreisen-Veranstalter, der verschiedene Polarexpeditionen anbot. Darunter die Querung der Eiskappe Grönlands oder aber auch der Nordwestpassage – beides mit Backcountry Ski, einer sogenannten Pulka (das ist eine Schlittenwanne) und natürlich entsprechender Expeditionsausrüstung. Ganz so weit wird es für Chris und mich zunächst noch nicht gehen, doch im Portfolio des Veranstalters befand sich auch eine herausfordernde Winterdurchquerung der größten Hochebene Europas: der Hardangervidda in Norwegen. Im Winter eine Wüste aus Schnee und Eis mit Temperaturen von bis zu minus 30 Grad. Die nächste Nachricht, die Chris schickte, war, dass er überlegte, „ob man sowas nicht selbst ohne Guide auf die Beine stellen kann“. Tja, was soll ich sagen… nun sind die Planungen so weit fortgeschritten, dass wir in wenigen Tagen aufbrechen werden. Welche Route wir nehmen werden, wie die Vorbereitung lief und was uns im arktischen Klima der Hardangervidda erwarten wird, lest ihr nun hier…


Inhalt


  1. Von der Idee zur Entscheidung
  2. Die größte Hochebene Europas im Winter
  3. Unsere Route über die Hardangervidda
  4. Notwendiges Equipment und Verpflegung
  5. Körperliche wie auch mentale Vorbereitung

Von der Idee zur Entscheidung


Als Chris mir geschrieben hat, habe ich nicht lange überlegen müssen. Schlussendlich hat eine simple Fotografie den Ausschlag gegeben, um meine Abenteuerlust zu wecken und mich wie Chris auf etwas völlig Neues einzulassen. Etwas, zu dem wir zugegeben beide noch keine wirklichen Erfahrungen aufzuweisen hatten, aber nach dem wir beide ein Verlangen spürten. Auf dem Foto war von schräg hinten fotografiert ein Skiläufer zu sehen, der sich in recht stürmischen Verhältnissen über ein Plateau aus Schnee und Eis kämpfte. Er zog eine große Schlittenwanne, die sogenannte Pulka, mit seiner Ausrüstung hinter sich her und versuchte, den Oberkörper gegen den Wind angestemmt, mit den Ski einen leichten Hang hinaufzugelangen. Im Hintergrund, verschleiert durch aufgewirbelten Schnee und Eiskristalle, eine tiefstehende Sonne vor flachen Bergen.

Dieses Bild war es, welches mich an die faszinierenden Geschichten der Polarexpeditionen erinnerte und die Art von Abenteuerlust in mir weckte, bei der ich mittlerweile nicht mehr in der Lage bin, „Nein“ zu sagen oder vorhandene Bedenken über dem denkbar Möglichen einzuordnen.

Erst vor kurzem hatte ich noch das Buch „635 Tage im Eis: die Shackleton-Expedition“ von Alfred Lansing gelesen: eine packende und spannende Erzählung über die Antarktisexpedition des Polarforschers Sir Ernest Shackleton in den Jahren 1914 bis 1917. Eine Expedition, die in ihrem Plan der erstmaligen Durchquerung des weißen Kontinents zwar gescheitert ist, aber als einer der größten Überlebenskämpfe und eine der beeindruckendsten menschlichen Leistungen, die es im vergangenen Jahrhundert wohl gegeben haben dürfte, bekannt wurde. Neben einem Zeugnis von Abenteuer- wie auch Forschergeist ist die Expedition von Sir Ernest Shackleton, der sich kurz nach Beginn derselben bereits zum Ziel gesetzt hatte, seine gesamte Mannschaft wieder lebend in die Zivilisation zu bringen, vor allem ein Zeugnis ungebrochenen Überlebenswillens.

Reinhold Messner beschrieb die Expedition Shackletons einmal als „das kühnste Abenteuer des 20. Jahrhunderts“ und dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Es ist eine Geschichte, die mich auch aufgrund dessen, dass es sich um ein wahres Ereignis handelt, tief beeindruckt hat und trotz ihrer Tragik und des erlittenen Leids meine Abenteuerlust nicht erlöschen lässt. Im Gegenteil, denn neben Tragik, Leid und Schmerz bewies die Mannschaft von Sir Ernest Shackleton auf sehr eindrückliche Weise, wozu der Mensch in den aussichtslosesten Situationen doch in der Lage sein kann und zeugte damit von grenzenlosem Mut, ungebrochenem Willen und ausgesprochener Stärke.

Nicht zuletzt haben sich übrigens auch einige meiner Idole aus den alten Tagen der Polarforschung, darunter der norwegische Polarforscher Roald Amundsen, in der Hardangervidda auf die großen Aktis- wie auch Antarktisexpeditionen vorbereitet. Nun über 100 Jahre danach selbst die Hardangervidda im Winter queren zu können, wenn auch mit zugegeben deutlich besserer Ausrüstung als zu jenen ruhmreichen Forscher- und Entdeckertagen, ließ mich zumindest in der Vorstellung ein Stück weit in bedeutenden historischen Spuren wandeln.

Schon tags auf seine Nachricht kam ich also wieder auf Chris zu. Wir sollten das Unterfangen angehen. Ich war mir sicher, dass wir die Querung der Hardangervidda bei entsprechender Vorbereitung durchführen könnten. Auch wenn anfangs noch viele Fragezeichen im Raum standen. Wie navigiert man in einer Wüste aus Schnee und Eis? Welche Ausrüstung brauchen wir für das arktische Klima mit ihren Temperaturen von bis zu minus 30 Grad? Wie gehen wir mit der anhaltenden Kälte um? Wo bekommen wir die benötigte Ausrüstung? Wie viele Tage haben wir einzuplanen? Welche Menge an Essen mitzunehmen? Wie können wir für uns für eventuelle Notfälle wappnen? Und schlussendlich auch die Frage danach, wie wir uns mental aber auch körperlich vorbereiten können.

Einige Wochen später, Mitte Februar, waren viele dieser Fragen gelöst und die vermeintlichen Unwägbarkeiten schienen gar nicht mehr so unwägbar. Unsere Entscheidung stand daher fest. Wir hatten so viele Informationen zusammengetragen, so viele Erfahrungsberichte gelesen und den ein oder anderen Kontakt geknüpft, dass wir uns die Tour zutrauten. Auch wenn wir mangels praktischer Erfahrungen nach wie vor einen großen Respekt vor dem hatten, was uns jenseits einer durch einen erfahrenen Veranstalter organisierten Tour erwarten würde.


Die größte Hochebene Europas


Die Hardangervidda ist eine gewaltige Hochebene im Süden Norwegens mit einer Fläche von über 8.000 km². Als größte Hochebene Europas erstreckt sie sich über beinahe mehr als 100 Kilometer in sämtliche Richtungen. Im Mittel weist sie dabei eine Höhe von 1.200 bis 1.400 Metern auf.

Rein geologisch ist die Hardangervidda der in den letzten Eiszeiten durch Gletscher abgeschliffene Rest einer Gebirgslandschaft. Die Gletscher haben das ehemalige Gebirge gemahlen und ihm seine heutige Form gegeben, die durch weite Ebenen, tausende von flachen Seen und sanft ansteigende Gipfel geprägt ist. Einzig im Westen der vollkommen baumlosen Hardangervidda gibt es schroffere Abschnitte mit einem deutlich gebirgigeren Charakter. Das Plateau fällt an dieser Stelle auch jäh über 1.000 Höhenmeter zu den Fjorden hin ab.

Während die Hardangervidda im Sommer ein wahres Trekkingparadies ist, bietet sie im Winter mit ihren arktischen Verhältnissen denjenigen, die sie queren wollen, eine echte Herausforderung und ein wahres Abenteuer. Bereits 1896 hat in diesem Teil Norwegens der Polarforscher Roald Amundsen mit seinem Team für eine bevorstehende Expedition in die Arktis trainiert. Seinerzeit hat er die arktischen Bedingungen der Hardangervidda beinahe mit seinem Leben bezahlt. Nicht umsonst wird die Hardangervidda aufgrund der im Winter herrschenden Temperaturen von bis zu minus 30 Grad daher auch als Kühlkammer Europas bezeichnet.

Auch wenn Chris und ich die Tour Ende März unternehmen und damit zu einer Zeit des Winters, in der das Tageslicht deutlich länger scheint und die Temperaturen tagsüber etwas „milder“ sein sollten, so haben wir uns dennoch auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Zumindest nachts werden die Bedingungen in der Hardangervidda denen in einem 4-Sterne-Gefrierfach gleichkommen.

Wir haben zu beachten, dass starke Winterstürme und wechselhaftes Wetter zu dieser Jahreszeit eine Querung der Hardangervidda prägen und zu ernsthaften Herausforderungen führen können, die nicht alleine nur mit dem Abbruch der geplanten Tour enden können. Den teils im Internet vorhandenen Tour- und Erfahrungsberichten zu Querungen des Hochplateaus in winterlichen Konditionen ist häufig zu entnehmen, dass starke Gegenwinde und/oder mangelnde Sichtverhältnisse ein Vorankommen zeitweise unmöglich gemacht haben. Auch die sogenannten Whiteouts – ein meteorologisches Phänomen in Polargebieten und Hochgebirgen, in welchem Himmel und Landschaft für den Betrachter miteinander verschmelzen und in dem jede Orientierung verloren gehen kann, können ein ernsthaftes Problem darstellen. Aus diesem Grunde planen wir neben den sieben Tagen für die reine Überquerung daher auch mehrere Reservetage ein.

Das arktische Klima wird für uns auf der Tour sicher mit die größte Herausforderung werden. Nicht zuletzt betrifft derartige Verhältnisse ja auch die so vermeintlich banale Frage, wo wir genügend Trinkwasser herbekommen. Durch die eisigen Temperaturen fließen weder Flüsse noch Bäche. Die Seen werden zugefroren sein und von uns voraussichtlich auf meterhohen Schneeschichten überquert werden. Wir werden daher fortlaufend Schnee schmelzen müssen, um unsere Trinkwasservorräte aufzufüllen und nicht zuletzt auch kochen zu können. Nach den vorliegenden Erfahrungsberichten wird uns das etwa drei bis vier Stunden am Tag beschäftigen. Hinzu kommt, dass wir aufgrund dessen genügend Brennstoff für unseren Kocher sowie den Ersatzkocher benötigen.


Unsere Route über die Hardangervidda


Die insgesamt von uns zurückzulegende Strecke beträgt knapp über 120 Kilometer. Dafür werden wir bei guten Wetterbedingungen etwa sieben Tage auf den Ski benötigen. Bei einer angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 2 Kilometern pro Stunde stehen wir damit jeden Tag etwa 8 bis 10 Stunden auf den Ski. Anschließend folgt der Aufbau unseres Lager, was insbesondere in stürmischen Bedingungen eine Herausforderung werden wird. Daran anschließend gilt vor allem fortlaufend genügend Schnee für Trinkwasser zu schmelzen.

Die von uns gewählte Strecke ist in Süd-/Nordrichtung ausgearbeitet und folgt den Winterrouten des Norwegischen Wandervereins (DNT). Wir rechnen damit, dass diese auf einigen Teilabschnitten durch in den Schnee gesteckte Birkenzweige markiert sind, was uns die Orientierung insbesondere in Schlechtwetterverhältnissen durchaus erleichtern dürfte. Üblicherweise erfolgen derartige Markierungen auf den Hauptrouten durch die Hardangervidda während der norwegischen Osterferien, die in diesem Jahr am 11. April beginnen.

Ausgangspunkt unserer Tour ist die bewirtschaftete DNT-Hütte von Haukeliseter am Südrand der Hardangervidda, die wir von Oslo aus mit dem Bus (Norway Bussekspress) erreichen werden. Von hier aus versuchen wir über Hellevasbu, Litlos, Sandhaug, Dyranut und Kjeldebu auf folgender Route über die Hochebene in Richtung Norden zu wandern:

Zielort ist der winzige Ort Finse am Nordrand der Hardangervidda mit der Finsehytta, ebenfalls eine bewirtschaftete DNT-Hütte. Falls wir es bis dahin schaffen, werden wir die Annehmlichkeiten einer norwegischen Berghütte und die dortige Sauna sicher zu schätzen wissen. Weiterhin findet sich in Finse mit der höchstgelegenen Bahnstation Norwegens ein Haltepunkt der Bergenbahn. Mit dieser werden wir nach Abschluss der Tour wieder zurück nach Oslo gelangen (Bergenbansen).

Unsere Routenführung ist so gewählt, dass wir an einigen, vermutlich bis zum Schornstein eingeschneiten, Hütten des DNT vorbeikommen. Zwar werden diese nicht bewirtschaftet sein, doch haben wir uns den Winterschlüssel für diese Hütten besorgt und damit die Möglichkeit geschaffen, im Notfall in diesen unterkommen zu können. Wir haben das Risiko einer solchen Tour und die Möglichkeiten zur Begrenzung dieser damit in unsere Routenplanung einfließen lassen.


Notwendiges Equipment und Verpflegung


Für eine Winterquerung der Hardangervidda bedarf es neben der entsprechenden Backcountry-Langlaufausrüstung mit Ski, Aufstiegsfellen, Stöcken und Tourenschuhen, natürlich den Pulkas für den Materialtransport, entsprechender Expeditionsausrüstung für arktische Verhältnisse wie geeignete Expeditionszelte und -schlafsäcke, der notwendigen Sicherheitsausrüstung bestehend aus PLB und Biwaksack, dem zur Navigation erforderlichen Equipment bestehend aus Kompass, Karte und GPS wie natürlich auch genügend energiereicher Nahrung, einem leistungsfähigen Kocher nebst Ersatz und hinreichend Brennstoff.

Eine gute Vorbereitung und Ausrüstungswahl ist an dieser Stelle unerlässlich. Probleme, die aufgrund nicht sachgemäßer Ausrüstung oder mangelnder Vorbereitung entstehen, werden sich während der Tour nur schwer oder gar nicht mehr beheben lassen. Aufgrund der anspruchsvollen Witterungsbedingungen und der lang anhaltenden Kälte ist es schlichtweg lebensbedrohlich sich nicht genügend mit der Ausrüstung auseinandergesetzt und möglicherweise die falsche Kleidung gewählt oder den Brennstoffbedarf fehlerhaft kalkuliert zu haben.

Im Anschluss an unsere Tour werde ich unsere Ausrüstungsliste hier in meinem Blog veröffentlichen. Allen unter euch, die ein ähnliches Abenteuer wagen wollen, kann sie sicher einen guten Überblick über die benötigte Ausrüstung geben. Wenn alles auf der Pulka verstaut ist, wird diese um die 30 bis 35 Kilogramm wiegen.

Ich freue mich übrigens riesig, die Tour als Ambassador der oberbayerischen Marke Grüezi Bag, nicht einer, sondern der Schlafsackmarke aus den Alpen, beschreiten zu können und eines der Top-Produkte von Grüezi Bag einem ausgiebigem Test unterziehen zu dürfen. Markus Wiesböck, Gründer und CEO von Grüezi Bag, hat mir sein „Baby“, den Biopod Down Hybrid Ice Extreme 190 W zur Verfügung gestellt.

Ich habe das Paket von Markus erst vor wenigen Tagen erhalten und selten hat ein Produkt bereits auf Anhieb einen so guten ersten Eindruck bei mir hinterlassen. Da für einen ausführlichen Test und eine vernünftige Produktbewertung aber nicht nur der erste Eindruck maßgeblich ist, sondern die Praxiserfahrung, will ich an dieser Stelle nicht mit vollem Lob vorweggreifen. Aber falls ihr schon mal reinschauen wollt, mit welchem Schlafsack ich auf Tour unterwegs bin, wer mein Ausstatter ist und vor allem welch nachhaltige Philosophie Grüezi Bag in Bezug auf das Tierwohl und den Naturschutz verfolgt, klickt hier:

Ich kann zumindest schon mal versprechen, dass es sich lohnt, bei Grüezi Bag vorbeizuschauen.

Bei der Verpflegungsfrage darf es leicht und voller Energie sein. Bei anspruchsvollen Touren steigt der Energiebedarf letztlich drastisch an. Eine ausgewogene und vor allem nahrhafte Nahrung, die genügend Energiezufuhr bietet, muss es da schon sein. Und schmecken darf sie möglichst auch noch.

Auf meinen bisherigen Abenteuertouren habe ich häufig auf gefriergetrocknete Outdoor-Fertigmahlzeiten zurückgegriffen, d.h. solche Nahrung, der in einem schonenden Trocknungsverfahren der Wassergehalt nahezu vollständig entzogen wurde und die später leicht wieder aufgekocht werden kann. Durch die Gefriertrocknung wird die Nahrung auf der einen Seite konserviert und auf der anderen Seite deutlich leichter. Mittlerweile mische ich mir meine Nahrung, sowohl fürs Frühstück als auch für die weiteren Mahlzeiten nach diesem Prinzip selbst zusammen und ergänze diese dann um verschiedene weitere Snacks. Der fleißige Leser weiß ja bereits, dass jegliche Sorten von Fruchtgummis bei mir ganz hoch im Kurs stehen und ich ohne ausreichenden Vorrat nahezu unerträglich werde. Die sind entsprechend natürlich auch dabei 😉

Was ich insgesamt alles an Essen für die Tour zusammengestellt habe, werde ich auch noch mal in einem gesonderten Artikel berichten bzw. diesen gegebenenfalls mit dem Artikel über die Ausrüstung für die Tour verknüpfen. Ihr dürft also gespannt sein. Vorweg verraten ich, dass ich mit einem Kalorienbedarf von 3.500 bis 3.800 Kalorien je Tag kalkuliert habe, mir dabei aber auch wohl bewusst bin, dass ich mit zwei drei Kilo weniger auf den Rippen von der Tour zurückkommen werde…


Körperliche wie auch mentale Vorbereitung


Eine Winterüberquerung der Hardangervidda ist körperlich wie auch mental eine besondere Herausforderung. Da machen Chris und ich uns nichts vor. Und die Herausforderung wird sicher umso größer je weniger das Wetter mitspielt und unser Vorankommen durch die Temperaturen, starke Winde oder gar Winterstürme erschwert wird.

Glücklicherweise haben Chris und ich bereits das ein und andere Abenteuer durchlebt. Wir haben daher die Gewissheit, dass wir durchaus dazu in der Lage sind, die eigenen persönlichen Grenzen, die sich jeder von uns bewusst oder unterbewusst setzt, auch mal überschreiten zu können, wenn es darauf ankommt. Dennoch entbindet uns diese Erfahrung natürlich nicht von einer gewissenhaften Vorbereitung mentaler Art. Im Gegenteil: es ist stets notwendig, sich frühzeitig mit den Situationen auseinanderzusetzen, denen man sich auf der Tour konfrontiert sehen kann. Alles andere wäre verantwortungslos.

Ich persönlich habe in den vergangenen Wochen vor allem versucht, mich mental auf die Kälte einzustellen. Davon hat auch die ein oder andere kalte Dusche in letzter Zeit gekündet. Ganz bewusst hab ich mir auch Situationen vorgestellt, die wir am Rande jedweder Komfortzone erleben können, bspw. wenn wir in einen Schneesturm geraten oder aber auch in einem solchen das Lager aufbauen müssen. Es kann sehr hilfreich sein, diese Situationen einmal durchgespielt zu haben, um ihnen mit mehr Gelassenheit begegnen zu können sollten sie uns tatsächlich auf der Tour passieren.

Körperlich haben Chris und ich vor allem versucht, uns mit Konditionstraining vorzubereiten. Die letzten Wochen habe ich z.B. an sechs von sieben Tagen Sport gemacht – zumeist in Form von Trail Runs und Laufeinheiten, die ich nach und nach von der Länge, aber auch von der Geschwindigkeit her gesteigert habe.

Manch ein Abenteurer hat sich auf eine solche Tour vorbereitet, indem er Autoreifen über den Boden hinter sich hergezogen und so das Ziehen der Pulka simuliert hat. Ziel war es, die Bauch- und Rumpfmuskulatur zu trainieren. Hierauf haben Chris und ich durchaus bewusst verzichtet. Ob das nun eine schlechte Idee war, werden wir sicher in wenigen Tagen erfahren. Von dieser Unsicherheit abgesehen fühle ich mich allerdings bestens vorbereitet. Ich habe gerade die letzten beiden Wochen gemerkt, wie sich meine Kondition kontinuierlich aufgebaut hat. Ein gutes Gefühl! Die Vorsätze sind vorhanden, an dieser Stelle nach der Tour weiterzumachen und die Kondition aufrecht zu erhalten. Ob das klappt darf angesichts meiner ausgeprägten Liebschaft zu allen möglichen Sorten von Fruchtgummis, speziell den sauren übrigens, mal dahingestellt bleiben…

So weit erst mal von der Vorbereitung! Übermorgen geht es Richtung Oslo, wo Chris bereits wartet! Ich freue mich riesig und werde hier gerne nach unserer Rückkehr berichten!

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