20
Feb
2018

Tag 88 St. Arnaud (Zeroday)

Der heutige Tag verkam zu einem Warten auf den Tropensturm. Bis zum Nachmittag war es ziemlich ruhig. Es regnete zwar den lieben langen Tag, aber vom Sturm gab es keine Spur. Es wehte kaum ein Lüftchen draußen. Ich wäre gerne auf den Track gestartet und zur nur neun Kilometer entfernten Lakehead Hut am Südende des Lake Rotoiti gehikt, aber in dem Wissen, dass der Sturm jederzeit losbrechen konnte und ich mein Zimmer für die Nacht bereits bezahlt hatte, sparte ich mir das und zwang mich zu einem weiteren Restday…

Irgendwie habe ich heute ziemlich versucht die Zeit totzuschlagen. Ich frühstückte richtig ausgiebig, indem ich mir mehrere Eier und knapp zehn Scheiben Speck in die Pfanne schlug, dazu noch eine Paprika aufschnitt und das Ganze auf zwei Scheiben Toast anrichtete. Im Anschluss gab es zwei weitere Scheiben Toast mit Marmelade, einen Fruchtjoghurt und eine Birne. Nach den letzten Tagen ist mein Appetit ganz unverkennbar auf einem Höchststand angelangt.

Draußen war derweil vom Sturm noch nicht viel zu sehen. Es regnete zwar unentwegt, dies aber auch nicht wie angekündigt heftig. Ich entschloss mich daher am frühen Vormittag mit den anderen zunächst in das kleine Café am St. Arnaud Grocery Store hinüberzuwechseln, zumal die dort nebenan stehende Telefonzelle des Anbieters Spark ein WLAN-Hotspot für Spark-Mobilfunkkunden war. Und genau so einer war ich. Freies WLAN also, dazu ein Milchshake, ein Stück Kuchen und später ein Korb Potatoe Wedges mit Sour Cream. Derweil wartete ich auf den Umschwung des Wetters draußen, lud mir noch etwas Musik sowie ein paar weitere Hörbücher als kommende Trailunterhaltung aus dem Netz und suchte mir ein App, mit der ich eine schöne Slideshow meiner Querung der Nordinsel zusammenstellen konnte. Erfolglos. Ich werde dies auf die Zeit verschieben, wenn ich wieder in Deutschland bin. Nach zwei Stunden des Ausprobierens mehrerer Videoapps, die irgendwie alle nicht meinen Ansprüchen genügten, gab ich das Experiment auf.

Die Livenachrichten zum Zyklon Gita, die anschließend aufrief, sprachen davon, dass sich Gita zwar fortlaufend auf Neuseeland zubewege, aber vermutlich nun doch erst am Dienstagabend eintreffen würde. Auch wenn das Wetter also am heutigen Nachmittag bei Weitem nicht so schlimm aussah wie gestern befürchtet, hieß das noch nicht, dass es glimpflich ausgehen würde. Der Sturm war einfach entgegen der Erwartungen von gestern noch nicht auf dem Festland angekommen. Hier sollte er nun am heutigen Abend und in der Nacht wüten und mittlerweile wurden sogar Schneefälle für Höhen ab 1.200 Meter erwartet, also weit unter jenen Höhen, in denen ich mich vor wenigen Tagen noch in den Richmond Ranges befunden hatte und in die ich in den kommenden Tagen wieder aufsteigen will. Für die Höhe von 2.000 Metern wurde bis zu einem Meter Schnee erwartet. Ansich wollte ich dem Te Araroa in den nächsten Tagen über dessen zweithöchsten Punkt auf über 1.800 Meter folgen, aber wenn dies für meine Ecke hier eintrifft, wird der Pass zunächst unpassierbar sein und ich werde mir etwas neues ausdenken müssen.

Tja, da Gita auf sich warten ließ, verschob sich natürlich auch die gute Wetterprognose für morgen. Bis Donnerstag Morgen sollte es nun schlechtes Wetter haben. Eine weitere Nacht im Hostel würde ich nicht bleiben wollen. Könnte ich aber auch nicht, denn das Hostel war ausgebucht. Die diskutierten Alternativen waren entweder nach Nelson zu trampen, um dort unterzukommen, oder, sofern der Zyklon mit seinen Sturmböen morgen hoffentlich vorübergezogen ist und es „nur“ noch heftig schauert, bis zur Lakehead Hut zu hiken und dort solange auszuharren, bis die nach der Lakehead Hut zu querenden Flüsse wieder einen normalen Wasserstand haben.

Wir verfolgten allesamt die Wetternachrichten. Am späten Abend traf Gita dann ein, doch während um uns herum alles im ziemlichen Chaos versank mit Regenfällen von bis zu 270 mm, abgeschnittenen Orten, Sturzfluten in den Flüssen und Überschwemmungen, Schneefällen bis hinunter auf 1.000 Höhenmeter und heftigen Sturmböen blieb es bei uns unerwartet ruhig. Es hatte zwar ein paar heftigere Böen, aber als die Dunkelheit hereinbrach regnete es nicht mal mehr. Vielleicht würden wir Glück haben. Den neuesten Berechnungen entstanden die meisten Wetterextreme knapp südlich von uns.

Wir vertrieben uns den Abend mit den olympischen Winterspielen, einer aus unseren gesammelten Essensvorräten gekochten Suppe, jeder Menge Bier und den gestern schon ins Auge gefassten Hikerlympics. Spaßiger Abend: in Disziplinen wie „Hiker Trash“, „Sockwrestling“, „Schönster Hikerhaarpracht“ und „Nächtliches Schleichen in der Schutzhütte“ traten wir gegeneinander an und kürten den Gewinner. Japp, es floß einiges an Bier am heutigen Abend 😉

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