18
Feb
2018

Tag 86 Porters Creek Hut bis St. Arnaud (32 Kilometer)

Mit dem Walk nach St. Arnaud habe ich heute die Querung der Richmond Ranges abgeschlossen und damit eine der anspruchsvollsten und längsten Bergetappen des Te Araroa. Das war ein hartes Stück Arbeit. Es ging über solch eine Vielzahl an Berggipfeln auf alpinen Pfaden, ferner hikte ich durch geisterhafte Wälder und hatte unzählige wild dahinrauschende Flüsse zu queren oder kletterte im Steilhang an deren Ufern. Ein tolles Abenteuer, bei dem ich vom wahnsinnig guten Wetter profitiert habe, denn die Richmond Ranges in dieser Kürze der Zeit abzuschließen ist alles andere als selbstverständlich. Und auch die Ankunft in St. Arnaud noch vor dem Zyklon ist geglückt. Das mittlerweile in die Kategorie 4 eingestufte Monster wird derzeit für Dienstagabend erwartet…

Ich bin am Vorabend recht zeitig schlafen gegangen, denn ich wollte angesichts der 32 Kilometer, die ich heute bis St. Arnaud bei abermals an den 1.500 Höhenmetern im Auf- und Abstieg hiken wollte, am Morgen früh raus. Das hat auch ganz gut geklappt. Um 6:30 Uhr saß ich bereits mit meinem Frühstück vor der Porters Creek Hut. Um 7:15 Uhr bin ich schließlich aufgebrochen – mal wieder in nassen Schuhen und Socken, aber heute war das relativ lachs, denn bereits kurz nach meinem Aufbruch musste ich nach dem Abstieg um 200 Höhenmeter in ein Tal, ein- und denselben Fluss mehrere Male queren und der Track war gerade in der ersten Hälfte des Tages durchaus wieder matschig. Bei Weitem nicht so schlimm wie in den Tararua Ranges oder in den Northland Forests, aber es genügte, dass meine Schuhe, Socken und Füße eine ununterbrochene Feuchtigkeitszufuhr erhielten 😉

Das Wetter spielte heute erneut mit. Als ich loslief beschien die Sonne bereits die ersten Bergspitzen der Red Hills und tauchte diese in ein leuchtendes Orange. Wahnsinn, was ich damit für ein Glück hatte. So gut wie alle anderen Hiker stecken wenigstens einen, wenn nicht gar mehrere Tage in den Richmond Ranges fest, da sich die Flüsse bei Regenfällen einfach nicht überqueren lassen oder die Tracks zu gefährlich sind. Dies blieb mir offensichtlich erspart. Zwar würde ich vermutlich aufgrund des Zyklons in St. Arnaud festhängen, aber hier versprach es zumindest ein Café, eine Bar oder dergleichen zu geben, in der sich die Zeit sicher irgendwie totschlagen lassen würde während draußen der Sturm tobte.

Nach den wenig anspruchsvollen Flussdurchquerungen im Tal ging es im Wiederaufstieg auf eine Sattelhöhe von 900 Metern durch Wald hindurch. Im Anstieg folgten mir gleich fünf Fantails für mehrere hundert Meter und piepsten um mich herum um die Wette. Diese kleinen Vögel, die äußerst neugierig sind und einen großen schwarz-weißen Fächer als Schwanz tragen, machten in ihrer Aufregung und Neugier eine schiere Vielzahl an piepsigen Tönen und flogen immer wieder nur einen oder zwei Meter von mir entfernt um mich herum. Als ich meine Trekkingstöcke in die Luft hielt und mich ruhig verhielt, landete auch einer der putzigen Vögel direkt vor mir auf dem Trekkingstock und piepste mich munter an.

Von der Sattelhöhe ging es zunächst nicht ins Tal hinab, sondern aussichtsreich im Hang auf einem felsigem Pfad an der von Sträuchern und kleinen Bäumen bewachsenen Flanke des Berges entlang. Die Aussicht von hier auf das vor mir liegende Tal mit seinen bewaldeten Berghängen und einem sich kurvig durch das Tal ziehenden Fluss war einfach atemberaubend schön. Ich nutzte dies direkt, um ein paar Videomessages zu drehen und in die Heimat zu schicken, sobald ich am Abend Empfang hatte.

Später fiel der Pfad dann doch steil um 300 Meter ins Tal hinab ab, wo ich einige weitere Flussüberquerungen zu bewältigen hatte ehe abermals ein stellenweise steiler Anstieg über mehrere Kilometer auf die Höhe von 900 Metern bis zur Red Hills Hut anstand. In den flachen Parten dieses Stücks Trails ging es oftmals durch matschig-sumpfiges Gelände und später vor der Hütte durch eine Grasebene.

Die Hütte hatte ich nach insgesamt vier Stunden erreicht. Damit war ich ganz gut unterwegs gewesen. Die ersten elf Kilometer des Tages waren geschafft und ich war mir sicher, noch vor 18 Uhr in St. Arnaud ankommen zu können, selbst wenn ich mir eine längere Pause gönnte. Ich relaxte also eine knappe dreiviertel Stunde, kochte mir ein paar Nudeln und schulterte dann wieder meinen Rucksack.

Nun wurde es unerwartet nochmal echt mühsam. Der Track verlief nun in meist dichtem Wald, ab und an unterbrochen durch offenes Gelände, über 13 Kilometer auf einem Mountainbiketrail über die Berge.

Im Anstieg auf einen 1.200 Meter hohen Gipfel erwischte es mich dann auch: eine Wespe, vor denen es hier im Wald nur so wimmelt, stach mir in die Wade. Vermutlich hat sie es gut gemeint und wollte mich für die zweite Hälfte meiner letzten Etappe in den Richmonds nur etwas anstacheln. Hat so mäßig geklappt. Anfangs stachelte mich das tatsächlich an, da im Laufen der leichte stechende Schmerz etwas unterdrückt schien, später jedoch gelangte ich irgendwie an den Punkt, dass ich die Etappe einfach nur noch abschließen wollte.

Oben auf dem Gipfel angekommen, kühlte ich den Wespenstich etwas mit Wasser und desinfizierte ihn. Dann begann ich den nächsten Abstieg um zunächst 200 Meter.

Der letzte Anstieg der Richmond Ranges, der nochmal komplett durch Wald um 300 Höhenmeter auf eine Höhe von 1.300 Metern erfolgte, zog sich für mich und schlauchte mich. Der Anstachelungseffekt des Wespenstichs war verflogen und ich sehnte mehrfach die letzte Höhe und den 600 Höhenmeter umfassenden Abstieg zur Straße nach St. Arnaud herbei. Die letzten Tage waren einfach hart gewesen und das bekam ich nun vielleicht zu spüren.

Endlich oben angekommen, machte ich eine längere Verschnaufpause. Der Wald hatte mich hier oben auf einem alten 4WD-Track ausgespuckt, dem ich nun auf knapp drei Kilometern hinunter auf die Höhe von 700 Metern bis zur nach St. Arnaud führenden Straße folgen würde. Das war kräftezehrend, aber ich verschaffte mir etwas Ablenkung durch mein Hörbuch „Die Schatzinsel“.

Die Straße unten führte mich dann letztlich auf weiteren acht Kilometern durch das Wairau Valley bis in das am Nordende des Lake Rotoiti gelegene Bergdorf. Hier checkte ich für zunächst zwei Nächte in der Travers Sabine-Lodge ein: einer Backpackersunterkunft mit gemischten Schlafräumen. Für 32 Neuseeländische Dollar die Nacht erhielt ich hier ein gemütliches Bett in einem sauberen Zimmer und, Oh mein Gott, die beste Dusche, die ich bisher in Neuseeland hatte. Mit richtigem, echten Wasserdruck 😉

Am Abend bin ich dann noch mit Troy, Karima, Tina, Eric, Danelle und ihrer Großmutter – Danelle kam ja aus dem nicht weit entfernten Nelson – in die Alpine Lodge aufgebrochen: eine recht noble Unterkunft, an die eine Bar und ein Restaurant angeschlossen ist. An sich wollte ich hier neben einem Bier unbedingt eine Pizza bestellen – da hatte ich seit Tagen Japp drauf -, aber sie hatten tatsächlich diesen wahnsinnig guten Red Berry Cider und das Beste: es gab ein Sunday-Evening-BBQ-Buffet. Boah, wie geil bitte…

Ich schlug mir so den Bauch voll mit Salaten, Bratkartoffeln und wahnsinnig gut gegrilltem Fleisch. Anschließend genehmigte ich mir noch das beste Eis, das ich in Neuseeland bislang hatte. Und nun nach alledem bin ich mir beim Schreiben meines Blogs ziemlich sicher: ich habe mich überfressen 🙂 aber egal, das musste mal sein.

Als ich mit Troy am Abend aus der Alpine Lodge Richtung Hostel aufgebrochen bin, gab es übrigens noch eine Riesenüberraschung: Anna stand im Foyer der Lodge. Wie cool war das denn? Wir hatten uns zuletzt vor knapp zwei Monaten und 1.400 Kilometern gesehen…

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