13
Dez
2017

Tag 19 Manaia bis Waipu (27 Kilometer)

Nachdem mich am Vorabend Grant und seine Familie für die Nacht aufgenommen hatten, stand heute die Überfahrt über die Meerenge nach Marsden Point an. Auf der anderen Seite waren zunächst unzählige Strand- und Straßenkilometer abzulaufen, weswegen ich früh raus und auf den Track wollte. Das hab ich zunächst auch geschafft. Doch wirklich weit gekommen bin ich in den ersten Stunden (glücklicherweise) nicht…

Verrückt. Das war die erste Nacht in einem richtigen Bett seit über zweieinhalb Wochen für mich. Man sollte denken, ich hätte geschlafen wie ein Murmeltier. Stattdessen bin ich aber mehrfach in der Nacht wegen einer Mischung aus Muskelkater in den Waden und nicht übermäßig starken, aber vor sich hinpochenden Schmerzen in den Fußsohlen aufgewacht. Die sind zwar den Tag über auch meist da, aber da blende ich sie unbewusst tatsächlich aus. Wenn ich jedoch zur völligen Ruhe komme, konzentriert sich irgendwie alles im Körper darauf und bei mir sorgt es nun mal dafür, dass ich tatsächlich nachts wach werde davon und nicht mehr richtig einschlafen kann. Wenn das jetzt noch ein paar Nächte anhält, werde ich vielleicht mal ne Ibuprofen schlucken, um durchschlafen zu können.

Aufgestanden bin ich recht zeitig um kurz nach 6 Uhr in der Früh. Nach allem, was er und seine Familie bereits getan hatten, machte Grant mir am Morgen sogar noch ein Frühstück. Um 7:30 Uhr machte ich mich dann schließlich auf. Ich bin Grant und seiner Familie unheimlich dankbar. Gestern hätte ich wohl mit allem gerechnet, aber nicht damit, so herzlich aufgenommen zu werden. Das tat wirklich gut nach dem anstrengenden Tag gestern.

Ich hatte etwa einen weiteren Kilometer Roadwalking geschafft, als ich die Nummer von Peter aus den Trailnotizen zum Te Araroa wählte. Dort stand, dass Peter Te Araroa-ThruHiker mit seinem Boot über die Meerenge nach Marsden Point bringen könnte. Ich verabredete mit Peter, dass ich mich nochmal melden würde, sobald ich die Reotahi Bay erreicht hätte – den Punkt, von dem aus er mich nach Marsden Point übersetzen würde. Ich hatte gerade aufgelegt, da hielt neben mir ein Auto auf der Straße und zu meiner großen Überraschung saß darin Don mit seiner Tochter, die ich beide am ersten Trailtag an der Campsite am Twilight Beach kennengelernt hatte und bei denen Anna vorletzte Nacht untergekommen war. Don fragte mich direkt, ob ich bereits eine Bootspassage und vorab Lust auf ein Frühstück hätte. Anna war letzte Nacht bei seiner Schwester zwei Häuser weiter von hier untergekommen, sie waren heute morgen fischen gewesen, es gäbe genug Fisch zum Frühstück für uns alle und nachher könne er uns gemeinsam mit seinem Boot übersetzen. Wahnsinn, kaum einen Kilometer gelaufen und schon wieder wurde ich total überrascht. Ich kam mit zu seiner Schwester Rose, wo ich auch auf Anna traf. Peter sagte ich wieder ab. Er setzte dann jedoch noch Christian und Jarkko und die beiden Amerikanerinnen nach Marsden Point über.

Es folgte ein wahnsinnig tolles Frühstück. Don und Anna hatten beim Fischen am Morgen einen Kingfish an Bord gezogen und mehrere Snapper, die Don zunächst filettierte. Rose dann briet sie dann an und servierte die Filets mit Bratkartoffeln zum (für mich dann sogar zweiten) Frühstück. Wahnsinn. Soviel Gastfreundlichkeit. Erneut. Und zu guter Letzt setzte Don Anna und mich dann gegen 11 Uhr mit seinem kleinen Boot nach Marsden Point über. Uns beiden gab er jeweils für das Abendessen noch zwei Beutel filettierten Kingfish mit. Großartig. Den würden wir uns schmecken lassen.

Von Marsden Point aus verlief der Te Araroa dann auf dem Bream Bay Walk für zunächst knapp 16 Kilometer und über Trailkilometer 400 hinweg entlang des breiten Sandstrandes in Richtung Süden. Glücklicherweise war erneut Low Tide, so dass wir im nassen Sand gehen konnten und nicht auf die trockeneren Abschnitte nahe der Dünen ausweichen mussten, die sich weit schwieriger laufen lassen.

Die einzige Schwierigkeit stellte neben den Erinnerungen an die Strapazen des Ninety-Mile-Beach, die ein so langer Beachwalk mit sich bringt, die nach ungefähr der Hälfte des Strandabschnittes erfolgte Querung der Mündung des Ruakaka River dar. Etwas weiter im Landesinnern ließ sich die Flussmündung in der Low Tide jedoch gut passieren. Eher unbewusst hatten wir das gut abgepasst. Das Wasser des Flusses ging gerade bis knapp über die Knie hinweg.

Das Ende des Strandes erreichten Anna und ich erst gegen 14:30 Uhr. Wir kehrten ins Landesinnere und machten zunächst Rast unter einem schattenspendenden Baum. Den ganzen Tag über hatte die Sonne bereits auf uns niedergebrannt und uns verbrannt, die Kühle des Schattens tat unglaublich gut. Dann ging es auf Asphalt über einige Roadwalkingkilometer in das offensichtlich schottischen Ursprungs stammende Dorf Waipu, gelegen am gleichnamigen River. Dort trafen wir vorm Four-Square-Supermarkt auch wieder auf Christian und Jaaeko. Von Axel hatten wir allerdings seit gestern keine Spur mehr.

Gegen späten Nachmittag verließen wir Waipu wieder und machten uns an die nächsten Roadwalkingkilometer und die Zeltplatzsuche. Als es nach und nach später wurde und weit und breit keine Wildcampingmöglichkeit in Sicht war, fragten wir eine Einheimische namens Joe, ob wir auf dem neben ihrem Haus gelegenen Farmland zelten dürften. Leider gehörte das Farmland nicht Joe. Sie lud uns jedoch dazu ein, hinter ihrem Haus im Garten zu zelten und uns wie zuhause zu fühlen. Wir durften eines ihrer Bäder benutzen und später brachten uns Joe und ihr Buder Nick noch ein Bier vorbei. Toll. Mir scheint das hier gerade eine der gastfreundlichsten Ecken Neuseelands zu sein. Die Kiwis (so nennt man die Neuseeländer auch) sind superzuvorkommend und offen Fremden gegenüber. Insbesondere scheint aber auch die Hilfsbereitschaft gegenüber den Te Araroa-ThruHikern hier keine Grenzen zu kennen.

Nachdem Anna und ich unsere Zelte bei Joe im Garten aufgeschlagen hatten, während Christian und Jarkko noch weiterzogen waren, kochten wir noch den Kingfish, den wir von Don am Morgen erhalten hatten. Unglaublich lecker…

Weitere Fotos nun hier:

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