10
Apr
2018
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Tag 137 Oreti Beach bis Invercargill (22 Kilometer)

The last day before Bluff. Langsam wird das Ende des Trails immer greifbarer und irgendwie auch das Grinsen im Gesicht immer breiter. Und das trotz des Sonne-Wind-Regen-Hagel-Mixes, der den lieben langen Tag über anhielt. Heute bin ich wetterbedingt nur bis Invercargill gelaufen. Damit steht für morgen noch eine volle letzte Tagesetappe von über 30 Kilometern an und anschließend… ich hab ehrlich gesagt noch keine Ahnung, aber es werden sicher einige Drinks dabei sein 😉

Keine Sturmflut in der Nacht! Zum Glück. Der Campspot zwischen einigen Bäumen hinter den Dünen war sicher einigermaßen windgeschützt und höher gelegen, aber ob er bei einer Sturmflut nicht doch überschwemmt werden würde, ist ja ne ganz andere Frage. Gestürmt hat es. Das sogar ziemlich heftig. Und die Temperatur ist gefühlt auch deutlich abgesunken, aber die Kälte ist in den letzten Tagen des Trails ja auch irgendwie ein Dauerzustand. Ich nehm sie mal so hin und mache weiter das Beste daraus.

Aufgrund der Eiseskälte und eines immer wieder eisig wehenden Windes bin ich heute morgen mal direkt in kompletter „Winter“-Montur los. Zusätzlich zu Shirt, Hoodie, beiden Jacken und sonstigem Gedöns wie Handschuhen kamen dann auch noch die Thermosachen dazu. Und das war gut so. Auf den anfänglichen 13 Kilometern Strand kämpften Anna und ich teils mit einem heftigen kalten Gegenwind. Regen gab es nur ab und an. Es war ein ziemliches Wechselspiel. Mal schien kurzzeitig die Sonne und es war beinahe Windstille, dann zogen um uns herum wieder echt düstere Wolken auf und manchmal brachten diese Regen mit sich.

Wir liefen bei Flut, aber es ließ sich vom Wetter abgesehen dennoch auf dem Strand gut hiken. Der Sand war bis zu den Dünen hin feucht und entsprechend fest. Die Flut hingegen gereichte nicht bis dahin und so konnten wir den Strand recht mühelos entlanglaufen ohne ständig in trockenem Sand einzusinken. Noch am Morgen hatten wir überlegt, ob und wann wir starten sollten wegen der Flut. Die anfänglichen Überlegungen erst nach 10 Uhr zu starten, um nicht im trockenen Sand oder den Dünen zu laufen, waren dann doch unnötig.

Nach etwa vier Kilometern stand für uns die letzte Flussfurtung des Trails an. Wir mussten die Flussmündung des Waimatuku Stream queren. Die Bezeichnung Flussfurtung hatte diese allerdings schon gar nicht mehr verdient. Das Wasser ging gerade mal knapp über meine Schuhe. Klar, die waren natürlich wieder völlig durchweicht und bei der Kälte und dem Wind bedeutete das im Anschluss für lange Zeit richtige Eisfüße, aber das war auch schon das einzig schwierige an dem Fluss. Die Querung selbst war technisch völlig problemlos.

Nach 13 Kilometern ließen wir den Strand, ebenfalls den letzten des Te Araroa, hinter uns. Von nun an würden fast nur noch Straßenkilometer bis Bluff folgen. Zunächst legten wir jedoch windgeschützt an der Seite der Straße unter einigen Bäumen eine Pause ein, bei Trailkilometer 2.999,0 😉 Kurze Zeit später passierten wir also die 3.000-Kilometermarke des Trails. Mit meinen Sidetrips war ich da schon vorher drüber, aber dennoch, auch diese Marke war nun geknackt. Von nun an waren es nur noch 41 Kilometer bis Bluff. Das Ziel kam näher und näher. Bluff ist mittlerweile wirklich greifbar, auch wenn ich es immer noch gar nicht fassen kann.

Auf halbem Wege nach Invercargill passierten wir Ziffs Café und Bar. Anna hatte in den Trailnotes gelesen, dass es hier einen Kaffee umsonst für Te Araroa-Hiker geben würde. Perfekt, irgendwie mussten wir uns auch aufwärmen. Den Kaffee gab es leider nicht umsonst, aber wir gönnten uns dennoch ein heißes Getränk vor dem Kamin. Mich lachte zudem ein wahnsinnig gutes Stück Chocolate-Brownie-Kuchen an. Und das war echt der beste Chocolate-Brownie-Kuchen, den ich auf dem Trail gegessen habe 😉

Draußen war derweil dieser verrückte Wettermix. Meine Kamera blieb daher auch fast den ganzen Tag eingepackt. Just als wir dann von Ziffs Café und Bar wieder starten wollten fing es dann abermals an heftig zu regnen. Dabei hatte eine Minute vorher noch die Sonne geschienen. Anschließend gab es Hagel, dann wieder Regen, dann wieder Sonne. Und in der brachen wir auf. Zunächst zum Supermarkt. Es war Zeit schonmal eine Flasche Sekt für morgen zu besorgen 😉

Dann aber ab nach Invercargill. Die 50.000-Einwohnerstadt kommt nicht wirklich hübsch daher, aber wir hatten hier einiges zu erledigen. Ich musste Bargeld besorgen. Zudem brauchte ich noch was aus der Apotheke und neue Socken. Mein letztes Paar Hikingsocken hatte es in den vergangenen beiden Tagen ungewöhnlich schnell zerlegt. Sie bestanden mal wieder mehr aus Löchern als aus Stoff. Das wichtigste aber in Invercargill: Dominos!!! Da hatten wir ja schon seit Frankton wieder drauf hingefiebert. Drei Pizzen, ein Knoblauchbaguette, ein Chocolatelavacake und 1,5 Liter Pepsi. Natürlich nicht für mich alleine. Das war unsere gemeinsame Bestellung. Sie dürfte dennoch vom Hikerhunger zeugen, der deutlich größer ist als der Hunger, mit dem man normalerweise gesegnet ist 😉

Wir blieben recht lang bei Dominos. Auf dem Straßenabschnitt nach Invercargill hatte uns erst ein Regen- und anschließend ein Hagelpart ziemlich erwischt. Mal wieder durchnässt und durchgefroren. Alles beim alten also in den letzten Tagen. Und während wir bei Dominos saßen wechselte das Wetter weiterhin im 5-Minuten-Takt.

Gegen 16:30 Uhr wollten wir an sich wieder aufbrechen. Erst wieder zwei Kilometer von unserem off-trail gelegenen Standort in Invercargill zurück zum Track und dann standen zehn Kilometer auf dem Deich an der Bucht vor Bluff an. Wir hatten maximal noch etwa zwei Stunden Tageslicht und die Wettervorhersage sprach für den Rest des Nachmittags von noch mehr Wind, noch mehr Hagel und noch mehr Regen. Da sondierten wir um. Wir würden in Invercargill bleiben und dann am nächsten Morgen eine lange Etappe nach Bluff laufen. Ich quartierte mich in der Tuatara Backpackerslodge ein. Anna wollte an sich dasselbe machen, wurden aber vermutlich beim Einkaufen von einem Trailangel aufgelesen. So sehen wir uns dann halt morgen für den letzten Hikingtag wieder.

Während draußen das Wetter weiter verrückt spielte, trank ich gemütlich erstmal in der neben meiner Unterkunft liegenden Bar einen Cider. Anschließend traf ich mich mit Wietse, der zufällig auch heute in Invercargill angekommen war. Er hatte den Part zwischen Te Anau und Invercargill geskippt. Das war echt eine Überraschung. Total cool, ihn hier wiederzusehen. Zuletzt hatte ich ihn ja in der Anne Hut kurz vor Boyle auf der Sektion über den Waiau Pass gesehen. Das war schon hunderte von Kilometern her. Im Irish Pub tranken wir gemütlich ein Bier. Es war echt schön mit ihm einige Trailstories auszutauschen. Er wird ein paar Tage in Invercargill bleiben und währenddessen vermutlich den letzten Part nach Bluff laufen. Gerade geh ich davon aus, dass ich ihn dann sicher dort am Trailende begrüßen kann. Ich plane ja zumindest ein paar Tage in Bluff zu bleiben.

Der Rest des Abends war spontan sehr entspannt für mich. Ich ging ins Kino, Popcorn, Getränk und nen paar Fruchtgummis inklusive. Gezeigt haben sie unter anderem „A Quiet Place“, für den ich mich aufgrund der guten Kritiken entschieden habe. Ein Film ist aus dem Horror/Thrillergenre. Die Handlung ist knapp erzählt. Die Erde wurde von mysteriösen und tödlichen Alienkreaturen überrannt, die blind sind, aber durch die leisesten Geräusche angelockt werden und jagen. Der Film erzählt nun wahnsinnig spannend und dramatisch wie eine mehrköpfige Familie auf einer Farm zu überleben versucht, indem sie sich absolut leise verhält. Ich fand den Film definitiv sehenswert und absolut fesselnd. Die Spannungskurve wird von Anfang an direkt hochgehalten und das nicht allein durch subtilen Horror, sondern bereits dadurch, dass der Film beinahe „lautlos“ daherkommt.

So, nun aber zurück zum Trail. Um 7 Uhr geht es morgen los. Die letzte Etappe…

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