20
Okt
2021

Über die Nordseite auf den Elbrus! Eine Bergexpedition auf den spektakulären Kaukasus-Gipfel

Bergsteigen ist eines der reinsten und intensivsten Dinge, die ich mir im Leben vorstellen kann! Und den Elbrus in Russland vor einem knappen Monat in einer neuntägigen Bergexpedition über dessen Nordseite zu besteigen, war neben all dem für mich auch ein riesengroßer Traum, der wahr geworden ist! 5.642 Meter ragt der Gigant als höchster Berg Russlands wie auch Europas mit seinen beiden Spitzen in den Himmel – damit zählt er zu einer der Seven Summits – den sieben höchsten Berge der Kontinente und ist ein begehrtes Ziel vieler Bergsteiger. Eine knappe Beschreibung der Expedition sowie eine Vielzahl an tollen Fotos findet ihr hier in meinem Bericht…

Nachdem Alexej, eines meiner Teammitglieder, den Elbrus vor einigen Jahren von der Südseite aus über den Normalweg bestiegen hatte, war er auf der Suche nach einer anspruchsvolleren, abgelegeneren Besteigung des höchsten Gipfels Europas – weiter jenseits von der Komfortzone als bei seiner ursprünglichen Besteigung.

– Der Doppelgipfel des Elbrus bei Nacht vom zweiten Hochlager aus gesehen –

Er war derjenige, der die Idee hatte, gemeinsam mit anderen Bergbegeisterten im Team, organisiert über den Veranstalter Wandermut, den Elbrus über die rauhere, wildere und ursprünglichere Nordseite anzugehen und dabei noch mehr aus dem Berg herauszuholen. Statt in Hütten sollte in Zelten übernachtet, sämtliches Material und jedwede Ausrüstung selbst den Berg hinaufgetragen und natürlich auch im Schlechtwetter am Berg ausgeharrt werden. Schritt für Schritt hinauf in der Hoffnung auf ein günstiges Wetterfenster für den Gipfelsturm. Oder eben wieder hinab, um neues Material aus dem Basislager ins Hochlager zu tragen, oder weil die notwendige Akklimatisation einen tiefer gelegenen Schlaf erforderte.

Vielen Dank an Alexej für diese Idee und Herausforderung. Und vielen Dank an ihn und den gesamten Rest meines Teams für das großartige Abenteuer. Der größte Teil von uns erreichte den Gipfel des Elbrus am 18. September 2021, nachdem wir zuvor einige Tage im Höhenlager am Rande des Gletschers auf ein günstiges Wetterfenster für den Gipfelsturm ausgeharrt hatten! Ein riesengroßes Danke an Anne, Jessy, Kathrin, Julien, Thomas, Artjom, Raffael, Fredy, Philipp, Max, Vale, Viktor und Sergej für eure Begleitung, die wertvolle Erfahrung und tolle Gemeinschaft!

– Geschafft! Wir sind oben! –

Schlussendlich ist es niemals das Abenteuer alleine, welches bedeutend ist, sondern es sind ganz maßgeblich die Menschen, mit denen man dieses sowie die vielen großartigen und einzigartigen Momente und Herausforderungen teilt! Und die besten Leute, mit denen man sich letztlich dabei umgeben kann, sind die, die wirklich inspiriert und begeistert sind! Und dazu zähle ich jeden aus meinem Team. Jeder von ihnen hat gekämpft und sein Bestes gegeben. Auch wenn nicht alle den Gipfel des Elbrus erreicht haben, so haben doch alle während unserer Besteigung ihre eigenen persönlichen Grenzen überschritten. Etwas, was ich unheimlich beeindruckend finde. Und das gilt ehrlich gesagt umso mehr, je häufiger ich das auf meinen Reisen sehe!

Unser Aufstieg erfolgte über zwei Lager: ein auf einer Höhe von etwa 2.600 Metern gelegenes Basislager sowie ein auf einer Höhe von etwa 3.800 Metern gelegenes Hochlager – das sog. Sturmlager – am Rande des Gletschers. Die größte Herausforderung auf unserer Tour stellte dabei die Höhe und die notwendige Akklimatisation dar, die einige Akklimatisationstouren erforderte während der wir die Berge zunächst aufstiegen, nur im Anschluss wieder abzusteigen und tiefer zu schlafen. Nach diesem System wird der Körper nach und nach an den geringeren Sauerstoffgehalt in der Höhe gewöhnt, um letztlich weiter aufzusteigen und später in einer größeren Höhe schlafen zu können. Hinzu kam das Gewicht unseres eigenes Gepäcks. Auf der Nordroute trägt man letztlich sämtliches Material selbst den Berg hinauf. Da kommen schon an die 60 bis 70 Kilo an Ausrüstung und Lebensmitteln je Person zusammen, die wir alleine in zweite Hochlager am Rande des Gletschers transportieren mussten.

Einen ganzen Schwung weiterer Bilder vom Elbrus, von den beiden Lagern, unseren Akklimatisationstouren und unserer erfolgreichen Besteigung bekommt ihr nun hier einer Diashow zu sehen! Es war großartig! Oder anders ausgedrückt: es war gollytastisch!

Ein Hinweis zur Schwierigkeit einer Besteigung des Elbrus: der Elbrus ist aus technischer Sicht kein anspruchsvoller Berg, dafür ist die konditionelle Anforderung nicht zu unterschätzen und eine gute Akklimatisation wie auch entsprechende Erfahrung im Höhenbergsteigen nebst dem notwendigen Equipment unabdingbar. Die Wetterverhältnisse am Elbrus sind teils unberechenbar, was sich leider auch keine Woche nach unserer Rückkehr nach Deutschland auf tragische Weise gezeigt hat. In einer der größten Tragödien der vergangenen Jahre sind in einem heftigen Schneesturm fünf Bergsteiger ums Lebens gekommen. Weitere 14 konnten nur den widrigsten Bedingungen, d.h. starkem Wind, schlechter Sicht und einer Temperatur von -20 Grad gerettet werden.

You may also like

Mit dem Grüezi Bag Biopod Down Hybrid Ice Extreme 190 W auf Backcountry-Skitour durch die größte Hochebene Europas
Im Winter durch die Hardangervidda – Eine Backcountry-Skiexpedition mit Pulkas Teil 2
Im Winter durch die Hardangervidda – Eine Backcountry-Skiexpedition mit Pulkas Teil 1
Es wird tough! Eine Winterquerung der größten Hochebene Europas: der Hardangervidda in Norwegen

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.