15
Sep
2018
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Wandern auf dem Heidschnuckenweg durch die Lüneburger Heide

4 Tage auf dem Heidschnuckenweg durch die Lüneburger Heide. Angeblich eine von Deutschlands schönsten Wanderrouten. Zumindest erhielt der Heidschnuckenweg vor einigen Jahren die Auszeichnung als drittschönste Mehrtageswanderroute Deutschlands. Seine zweite Etappe wurde sogar zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt. So ganz ohne Berge und Bergpanoramen? Ich war ziemlich skeptisch ehe ich gestartet bin. Immerhin verläuft der Weg von Hamburg bis Celle quer durch die Norddeutsche Tiefebene und für gewöhnlich sehe ich mich doch recht schnell an Flachlandpanoramen satt. Dennoch wollte ich dem Weg eine Chance geben und machte mich auf, in vier Tagen von Hamburg Fischbek aus die ersten sechs Etappen des Heidschnuckenwegs bis nach Soltau zu laufen…

Insgesamt führt der Weg auf 13 Etappen und 223 Kilometern von Hamburg über Buchholz i.d. Nordheide, Wilsede, Soltau und Müden bis hinunter nach Celle. Er verbindet dabei unzählige große und kleine Heideflächen der Nord- und Südheide miteinander. Dazwischen führt der als leicht eingestufte und technisch wenig anspruchsvolle Wanderweg durch abwechslungsreiche Waldgebiete sowie sich teils bis zum Horizont erstreckende Feld- und Wiesenlandschaften. Immer wieder quert der Weg typische kleine Heidedörfer, deren alte Fachwerkhäuser und Gehöfte sich oftmals recht lose und zwischen alten Eichen stehend um einen noch älteren Dorfplatz herum gruppieren.

Die beste Zeit zum Wandern auf dem Heidschnuckenweg? Na klar, das dürfte wohl die Zeit der Heideblüte sein. Also genau jetzt im August und September. Das Heidekraut leuchtet dann farbintensiv in lilanen Tönen, so dass sich oftmals ein regelrechter Farbteppich über die flachgewellte Heidelandschaft ausbreitet.

Dieses Mal war ich übrigens nicht alleine unterwegs, denn meine Hündin Finja hat mich begleitet. Gemeinsam quetschten wir uns in mein kompaktes Einmannzelt. Ich war anfangs ziemlich gespannt, ob mein Zelt genügend Platz bietet, neben mir auch eine zwar schlanke, aber platzbedürftige 15-Kilo-Hündin aufzunehmen. Finja ist schließlich nen ziemlicher Meister im „Sich-Ausstrecken“ und „Platz-Einnehmen“. Manchmal glaube ich glatt, die Kleine transformiert sich im Liegen auf das Doppelte ihrer Standgröße. Steht sie aus der ausgestreckten Liegeposition wieder auf, bildet sie sich augenblicklich in das kompaktere Format zurück 😉

So, bevor es nun losgeht mit dem eigentlichenBericht der vier Tage auf dem Trail hier noch für alle, die das Bedürfnis nach ein paar mehr Informationen zum Weg haben, der Link zur offiziellen Internetseite des Wegs: https://www.heidschnuckenweg.de

Tag 1 – Hamburg Fischbek bis Höllenschlucht bei Buchholz i.d. Nordheide (29 Kilometer)

Ein früher Start für Finja und mich! Die vergangene Nacht haben wir bei Freunden in Visselhövede übernachtet – einer Kleinstadt nicht unweit von Soltau am Westrand der Lüneburger Heide. Von hier fahren wir um halb acht morgens mit dem Auto Richtung Hamburg Fischbek, dem Startpunkt des Heidschnuckenwegs.

Ein Kaffee und ein knappes Frühstück beim Bäcker und dann stehen wir gegen halb zehn auch bereits am Rande der Fischbeker Heide. Kurzer Wettercheck: die Aussicht ist hervorragend, zumindest auf dem Smartphone. Vier Tage lang sollen es angenehme 25 Grad bei viel Sonnenschein und 13 Grad in der Nacht werden. Gefrorene Wasserflaschen wie zuletzt in Südamerika wird es damit also nicht geben 😛 Beim Blick in den Himmel und zurück aufs Smartphone frage mich jedoch direkt, inwieweit der Wetterapp meines Telefons überhaupt zu trauen ist. Während über mir eindeutig eine dichte graue Wolkendecke schwebt, gauckelt mir die App einen strahlend-blauen Himmel vor. Vielleicht schau ich aber auch einfach nicht genau genug nach oben und bilde mir die sich bis zum Horizont erstreckende Wolkendecke ein. Kann ja sein…

Ich freue mich wahnsinnig darauf, ein paar Tage mit Finja draußen zu sein! Nach meiner Rückkehr aus Südamerika habe ich bislang keine Mehrtagestouren draußen unternommen. Ich hab die Zeit schlichtweg genutzt, Familie und Freunde zu besuchen, meine Wohnung und meinen Blog auf Vordermann zu bringen und etwas Sport zu treiben. Nun werde ich mit Finja vier Tage in der Natur verbringen und die ersten sechs Etappen des Heidschnuckenwegs durch die im Vergleich zur Südheide angeblich schönere Nordheide laufen. Insgesamt entspricht das ungefähr der Hälfte der gesamten Wegstrecke des Heidschnuckenwegs.

Auf feinem Sand – die Heidelandschaft liegt letztlich auf an sich unfruchtbaren Sandebenen – geht es durch die Fischbeker Heide. Ich bin direkt überrascht: die Landschaft ist halt nicht komplett flach sondern ziemlich wellig geformt. Der Weg verläuft inmitten blühender Heide und später im Wald im steten Auf und Ab und schlägt eine Biegung nach der anderen.

Trotz blühende Heide: so richtig farbenfroh ist es hier noch nicht. Vermutlich haben auch die Heidebüsche mit der Dürre des diesjährigen Sommers zu kämpfen gehabt. Daneben trägt die graue Wolkendecke zum eher trüben Farbeindruck bei. Entgegen meiner Wetterapp gelangt zumindest am Morgen hier noch kein Sonnenstrahl zu Boden und lässt das Lila der Heideblüten so richtig erstrahlen.

Finja und ich haben dennoch Spaß. Die Kleine läuft die ersten Kilometer voller Neugier vorneweg auf dem schmalen Pfad, der bald aus der Heidefläche heraus und durch einen Kiefernwald hinauf zu einem Segelflugplatz und in eine offenere Landschaft führt.

Weiter verläuft der Weg durch einige hügelige Kiefern- und Mischwälder. Der sandige Boden ist nun meist von Kiefernnadeln bedeckt. Irgendwie ist diese Hügellandschaft total unerwartet für mich, aber es gefällt mir. Der Wald ist schön anzuschauen.

Am sagenumwobenen Karlsstein, einem großen Findling, der auf einem niedrigen Kamm in einem Buchenwald liegt, machen wir nach zwei Stunden und den ersten acht gelaufenen Kilometern eine Pause. Ich ziehe einen Apfel aus dem Rucksack, von dem ich Finja einige Stücke abgebe. Das Geräusch, was sie verursacht, wenn sie auf einem Apfelstück herum kaut, ist irgendwie total süß. Kennen vermutlich alle, die einen Hund haben 😉

Kurz bevor wir weiterlaufen kommt die Sonne heraus und scheint durch das Blätterdach des Waldes. Ich frage mich, ob meine Wetterapp nun einen wolkenverhangenen Himmel zeigt, letztlich widerstehe ich aber der Versuchung, nachzuschauen. Über mir ist die Wolkendecke jedenfalls eindeutig aufgerissen und nur das zählt.

Bei Langenrehm, einem dieser kleinen, romantischen Heidedörfer verlässt der Heidschnuckenweg zunächst den Wald. Es geht über unzählige Felder und Wiesen, an deren Rändern ich mit Finja weitere Heidedörfer wie Nenndorf und Dibbersen mit seiner historischen Mühle passiere.

Auch wenn sich das Wetter gebessert hat, der Weg selbst erscheint mir nicht mehr so schön wie in der ersten Hälfte des Tages. Teils führt der Weg direkt an der Autobahn A1 entlang, zudem an einer stark bewirtschafteten Kies- und Sandgrube. Schöner wird das Flachlandpanorama damit jedenfalls nicht in meinen Augen.

Einige Kilometer vor Buchholz i.d. Nordheide legen wir vor einem Waldstück eine lange Pause ein. Finja ist ziemlich geplättet und schläft direkt im Schatten eines Baumes ein. Ich lege mich dahingegen ins Gras lege und blicke ganz entspannt in das Blau des Himmels und die langsam vorüberziehenden Wolken. Und während ich so daliege frage ich mich doch irgendwie, wann ich das das letzte Mal gemacht habe. Bei euch ist’s bestimmt auch schon länger her. Also: unbedingt machen 😉

So gegen 17 Uhr laufen wir in Buchholz i.d. Nordheide ein, einem kleinen Städtchen, welches das Ziel der ersten Etappe markiert. An sich wollte ich irgendwo vor Buchholz i.d. Nordheide das Nachtlager aufschlagen, aber es ist noch recht früh und den rechten Spot zum Campen hab ich auf dem Weg bislang nicht gefunden. Tja und nun sind wir auch schon mittendrin in der kleinen Stadt und haben diese eben noch über den Stadtwald und den Bahnhof zu queren. Vorher bleiben wir jedoch auf der Terrasse eines Café-Restaurants stecken. Ich bestelle mir einen wahnsinnig guten BBQ-Cheeseburger und genieße ein Radler. Finja pooft derweil tief und fest unter dem Tisch. Die Kleine ist echt platt und kann die lange Pause gut vertragen. Mir selbst geht’s aber genauso. Ich bin zum Laufen wohl nur noch richtige Bergstiefel gewohnt. Mit diesen Flachlandtretern, mit denen ich gerade unterwegs bin, schmerzen meine Füße nach nicht ganz 25 Kilometern doch schon ordentlich.

Nach zwei Stunden Pause laufen wir weiter. Über den Bahnhof hinweg und am Stadtteich von Buchholz vorbei geht es noch für eine Stunde in Richtung Naturpark Lüneburger Heide, wo ich im Wald nahe der sogenannten Höllenschlucht das Zelt aufschlage.

Finja ist zunächst ziemlich unruhig im Zelt. Es ist recht schnell dunkel geworden draußen und die Geräusche des Waldes passen ihr offensichtlich nicht so recht in den Kram. Ständig fallen Tannenzapfen lautstark durch das Geäst auf den Waldboden hinunter. Nach einer halben Stunde schläft sie vor lauter Müdigkeit dann aber doch schnell ein und streckt sich in dem kleinen Zelt auf das Doppelte ihrer Normalgröße aus. Das macht sie nur wenn sie sich wohlfühlt, insofern können die Geräusche aus dem Wald gar nicht mehr so schlimm sein 😉

Tag 2 – Höllenschlucht bei Buchholz i.d. Nordheide bis Radenbachtal (34 Kilometer)

Um 6 Uhr klingelt mein Wecker. Puh, was für eine Nacht. Ich hab echt bescheiden geschlafen. Während Finja seelenruhig dalag, wälzte ich mich auf der Suche nach einer bequemen Schlafposition hin- und her. Entsprechend gerädert stehe ich heute morgen auf und packe das Zelt zusammen. Ich wär gern noch liegengeblieben, doch mag ich die Bekanntschaft mit einem Förster, der mein Nachtlager womöglich nicht so gut heißt wie ich, gerne verzichten 😉

Der Himmel ist ziemlich dunkel verhangen. Es regnet leicht und im Wald stehen zuweilen dünne Fetzen eines Morgennebels flach über dem Boden. Irgendwie sorgt das hier im dichten Wald schon für eine mystische Szenerie.

Mein Plan für heute: ganz gemütlich sowohl die zweite als auch die dritte Etappe des Heidschnuckenwegs laufen. Das wären etwas über 30 Kilometer. Der Weg führt dabei von meinen Startpunkt nahe Buchholz i. d. Nordheide über Handeloh bis ins beschauliche Undeloh. Irgendwo hinter Undeloh würde ich dann gerne wieder das Zelt aufschlagen.

Das Frühstück fällt aufgrund des Nieselregens erst mal aus. Ich will zunächst ein paar Kilometer mit Finja zurücklegen und dann irgendwo an einem schönen und vorzugsweise trockenem Spot im Wald frühstücken.

So erreichen wir auch schon ziemlich früh am Tag die sogenannte „Höllenschlucht“, ein „tief eingeschnittenes Trockental mit steil abfallenden Rändern“. So beschreibt es jedenfalls der Prospekt vom Heidschnuckenweg. Da drängen sich ja unweigerlich Bilder von tiefen Felsschluchten in den Alpen auf oder auch die Fotos, die ich beim Trekking durch den Colca Canyon gemacht habe – immerhin die zweittiefste Schlucht der Welt. STOP! Ich bin hier in der Lüneburger Heide und wenn die Lüneburger Heide etwas ist, dann ist sie flach oder maximal flachgewellt. Hier findet sich natürlich keine solch imposante Schlucht. Was sich hier aber findet, ist kleine, schön anzuschauende Talsenke, welche Finja die Gelegenheit bietet, auf wenigen hundert Wegmetern und vielleicht einem knappen dutzend Höhenmetern in rasantem Tempo auf sandigem Boden hin- und her zu flitzen. Mehr ist die Höllenschlucht halt auch trotz des imposanten Namens nicht 😉

Kurze Zeit später gelangen wir aus dem Wald heraus und in eine blühende Heidefläche hinein. Auf einem sandigen Pfad geht es zwischen dem Heidekraut gemächlich auf den Brunsberg hinauf, einer 129 Meter hohen Erhebung. Trotz der dichtgrauen Wolkendecke über uns bietet der kleine Hügel – Berg wage ich das jetzt nicht zu nennen – eine schöne Aussicht über die Heidelandschaft.

Lange genießen tun wir die allerdings nicht. Der Regen nimmt zu und tatsächlich pfeift hier oben ein kalter Wind. Immer wieder bläst er niedrighängende Nebel- und Wolkenfetzen über die Anhöhe.

Durch Wald geht es dann hin zum Büsenbachtal. Am Büsenbach, einem kleinen Bachlauf, legen wir nun vom Blätterdach des Waldes vor dem Nieselregen geschützt unsere Frühstückspause ein. Finja schicke ich sehr zu ihrer Freude direkt auch ein paar Mal ins Wasser. Die Kleine ist dermaßen dreckig, dass ihre weißen Läufe dunkelbraun von Matsch und Erde sind. Die Spülung im klaren Wasser des Baches verschafft da doch etwas Abhilfe.

Durch blühende Heide und anschließend abermals durch Wald geht es aus dem Büsenbachtal heraus und entlang der Bahnschienen der Heidebahn in Richtung Handeloh weiter.

Eine kurze Rast am Bahnhof der Heidebahn. Dann setzen wir unseren Weg über grüne Wiesen und Felder ins bewaldete Seevetal fort. Die Seeve mäandert hier ruhig in unzähligen Kehren durch ein ziemlich sumpfiges Tal, das im üppigen Grün erstrahlt. Tatsächlich ist das hier einer der schönsten Waldabschnitte bislang. Umgestürzte, teilweise mit dichtem Moos überzogene Bäume liegen quer über dem Weg und daneben. Farne sprießen zwischen den Bäumen aus dem hügeligen Boden. Die Ruhe ist unbeschreiblich. Allenfalls das leichte Gluckern der Seeve, die ein paar Kilometer weiter südlich aus ihrer Quelle entspringt, ist hier im Wald zu hören.

Bei einer hölzernen Brücke über die Seeve machen wir in einem Pavillon eine längere Rast. Ich koche etwas Risotto mit getrockneten Tomaten, Zwiebeln und Salami. Finja schläft derweil tatsächlich ein. Verwundert mich irgendwie nicht. Knapp 20 Kilometer hat die Kleine heute ja auch schon wieder in den Beinen.

Als wir weiterlaufen treffen wir am Fluß auf einen 82 Jahre alten Hamburger, der gerade ein paar Tage Radurlaub in der Lüneburger Heide macht. Wir kommen für eine Weile ins Gespräch. Als er von meinen Reisen hört, bedauert er ehrlich, dass er sich in seinem Leben nur selten dafür die Zeit genommen hat. Irgendwie tut mir das schon ein wenig Leid. Nur zwei größere Reisen hat er offenbar in seinem Leben unternommen.

Die Sonne ist zwischenzeitlich herausgekommen. Ich habe mich entschieden den alternativen Weg über Wehlen und durch die Wehlener Heide weiter zu gehen. Richtige Entscheidung! Die Wehlener Heide ist tatsächlich das schönste Stück Heide, was ich bislang hier gesehen habe. Mag aber auch an der Sonne liegen, die die lila blühende Heide und die kontrastreich grün herausragenden Wacholderbüsche nun so richtig zur Geltung bringt.

Über das Heidedörfchen Wesel und die dahinter idyllisch im Wald liegenden Pastorenteiche geht es in die flachhügelige Weseler Heide. Wir folgen einem schmalen, aussichtsreichen Pfad durch die Heidelandschaft und später erhöht am Waldrand neben der Heide entlang. Die weite Aussicht ist echt fantastisch.

Die letzten Kilometer vor Undeloh geht es dann noch mal durch Wald und an einigen Feldern vorbei. Auf diesem Stück quält mich doch tatsächlich eine Blase. Unglaublich. Ich habe fest damit gerechnet, dass ich nach Neuseeland nie wieder Blasen bekomme. Wäre vermutlich auch so gewesen, wenn ich mit meinen Bergstiefeln gelaufen wäre, aber mit den leichten Trekkingschuhen bin ich offensichtlich nicht vor Blasen gefeit. Blasenpflaster hab ich natürlich nicht dabei, dennoch mache ich kurzen Prozess. Irgendwie nervt das Ding bei jedem Schritt. Das ist danach zwar auch noch so, aber irgendwie fühle ich mich etwas besser jetzt.

Das kleine Undeloh kommt aufgrund seiner Nähe zum Heidedorf Wilsede zwar ein wenig touristisch daher, ist aber echt schön anzuschauen. Zudem bietet es die Gelegenheit für eine lange Pause und ein vernünftiges Abendessen. Ich entscheide mich für einen Italiener. Klar, ich hab ja meist auch immer Japp auf Pizza wenn ich auf Tour bin. Und genau die bestell ich auch zusammen mit einem Radler. Für Finja frage ich auch etwas zu trinken in einem Napf an. Ernsthaft fragt mich der Kellner doch, was es für den Hund sein darf. Ich bin versucht zu sagen, dass mein Hund natürlich nur Rotwein oder ein gutes englisches Ale zu würdigen weiß, letztlich antworte ich aber doch, dass Wasser völlig ausreichen dürfte.

Irgendwann so gegen 19 Uhr schultere ich wieder den Rucksack. Die Pizza war okay, das Radler war gut. Finja’s Wasser war… naja Wasser halt. Dann geht es direkt hinter Undeloh ins Radenbachtal und damit direkt wieder in die Heide hinein. Finja hat neue Kraft getankt und nach anfänglichen Startschwierigkeiten komme ich selbst auch wieder in Tritt. Anderthalb Stunden wollen wir noch laufen.

Dem Radenbachtal wird nachgesagt, dass es eines der schönsten und idyllischsten Heidetäler sein soll. Und das kann ich nachempfinden. Das Tal ist sanft geschwungen und kommt gerade im goldenen Licht der untergehenden Abendsonne wunderschön daher. Etwas oberhalb des Radenbaches laufen wir mit der untergehenden Sonne im Rücken erneut auf sandigen Böden mitten durch die Heide während in der Ferne einige Pferde auf einer Weide grasen.

Irgendwann queren wir den Radenbach über eine Brücke. Es ist schon merklich dunkler geworden. Seit einer knappen halben Stunde habe ich Ausschau nach einem Schlafplatz gehalten. Irgendwie bin ich jedoch nicht fündig geworden. Es kommt für mich nicht in Frage mitten in der Heide zu zelten. Da erreichen wir doch tatsächlich einen ungenutzten, zu drei Seiten offenen Bienenzaun. Letztlich ist das nicht mehr wie ein kleiner Unterstand. Aber für uns perfekt zum Draußen Schlafen. Ich wäre jetzt auch ungern noch weiter bis nach Wilsede gelaufen.

Bald schon leuchten die Sterne und der Mond über uns. Traumhaft schön. Ich bin mir sicher, das wir hier den schönsten Spot zum Übernachten gefunden haben. Und entgegen meiner Befürchtungen ist Finja trotzdessen, dass wir draußen unter nahezu offenem Himmel schlafen, ziemlich ruhig. Die Kleine hat sich zwischen der Rückwand des Bienenzauns und mir auf ihrer Decke eingemummelt.

Tag 3 – Radenbachtal bis Timmerloher Heide (28 Kilometer)

Wow, was für ein wunderschöner Morgen! Ein dichter Nebel steht über dem Boden der Heide, während darüber der Morgen dämmert und für ein atmosphärisches Licht sorgt, welches den fantastisch-mystischen Eindruck der Landschaft um mich herum noch verstärkt. Beinahe magisch und kaum zu beschreiben.

Bis zum Heidedorf Wilsede, mit dem nahegelegenen Wilseder Berg das touristische Highlight der Nordheide, bleibt die mystische Szenerie erhalten. Erst dann vermag die höher steigende Sonne den Morgennebel nach und nach aufzulösen und aus dem diffusen Licht wird ein hell-strahlendes.

Wilsede erreichen wir über einen alten gepflasterten Weg. Hohe Eichen stehen zur Seite des Weges, der mitten in das beschaulich-kleine Dorf hineinführt. Normalerweise drängen sich hier in Wildsede die Massen, doch wir sind so früh unterwegs, dass wir ganz alleine durch das Dorf spazieren. Noch nicht einmal die typischen Pferdekutschen, mit denen die vielen Tagesausflügler in das autofreie Dorf gekarrt werden, sind zu sehen.

Ich hätte hier gern gehalten für ein schönes Frühstück am Dorfplatz, doch um die Zeit hat hier noch kein Café geöffnet. Nunja, nicht verwunderlich. Bislang bin ich ja auch der einzige Touri hier.

Ich mache mich mit Finja daher direkt weiter auf zum Wilseder Berg: mit seinen 169 Metern ein wahrhaftiger Riese in der Norddeutschen Tiefebene. Er ist der größte von allen Bergen… ähm… Hügeln bzw. „Wiesen in Schräghanglange“ hier. So hat ihn zumindest eine Freundin aus Tirol bezeichnet 😉

Die Aussicht von oben ist trotz der niedrigen Höhe schon irgendwie fantastisch. Schließlich ergibt sich ein Rundumblick zu allen Seiten in die umliegende Heide- und Forstlandschaft. Und im Gegensatz zu einer späteren Stunde kann ich die Aussicht auch noch ganz allein genießen und in Ruhe dabei frühstücken.

Vom Wilseder Berg geht es durch Heideflächen weiter südlich hinab und durch das Tal der Haverbeeke bis nach Niederhaverbeck. Wir kommen an unzähligen Gasthäusern vorbei ehe es Richtung Süden wieder leicht bergan in die nächste Heidefläche und ein sich seit ausbreitendes Tal geht.

Waldabschnitte gibt es hier keine und die stetig höher steigende Spätsommersonne brennt schon fast erbarmungslos auf uns hinunter. Einige niedrige Sanddünen am Wegesrand, die noch nicht von der Heide bedeckt sind, vermitteln einem in der Kombination mit der Hitze des Tages ja schon von fast wüstenähnlichen Eindruck 😉 Ich stoppe auch immer wieder, um Finja mit etwas Wasser zu versorgen.

Durch die schöne Behringrer Heide gelangen Finja und ich nach Behringen, ein weiteres kleines Heidedorf. Hier kehren wir schließlich ein. Die schattige Terasse eines Gasthauses ist ein willkommener Platz für eine längere Pause am Nachmittag.

Ich unterhalte mich lange mit der Kellnerin. Ihr Lebensmotto: „Das Leben beginnt dort, wo die Komfortzone endet!“. Ein schöner Spruch. Kann ich mich sehr gut mit identifizieren.

Nach zweieinhalb Stunden – Finja hat die ganze Zeit geschlafen und ich habe mich eine geraume Weile mit einem älteren Paar unterhalten, die ganz stolz von der Erklimmung des Wilseder Berges berichteten – fühle ich mich bereit wieder aufzubrechen. Ich verlasse mit Finja allerdings nun den Heidschnuckenweg und laufe für ein paar Kilometer auf dem E1 weiter. Irgendwie habe ich wenig Lust durch das recht große Bispingen zu laufen und bin mir sicher, Finjas Wunsch nach Wald und Wiesen statt Asphalt komme ich damit auch entgegen. Also lieber durch Heide, durch Felder, über Wiesen und durch Wälder. Schnell noch die Wasservorräte aufgefüllt und dann geht es los.

Wir passieren einige idyllisch gelegene, kleine Dörfchen und Hofstellen, um die sich hohe Bäume, meist alte Eichen, gruppieren. Ab und an steht ein Apfelbaum am Wegesrand, von dessen Früchten ich mich gern bediene.

Letztlich laufen wir noch acht Kilometer. Das meiste davon an Feldern entlang und durch einige unspektakuläre Wälder. Dann stoppt uns schließlich früh ein aufziehendes Gewitter. Es ist gerade mal 18 Uhr als es beginnt zu regnen. Ich schätze, dass es länger dauern wird. Die Wolkenwand, die sich da von Süden kommend ausgebreitet hat, ist nicht nur grau, sondern regelrecht dunkelgrau. So suche ich schnell im Schutz des Waldes, den wir gerade passieren, einen halbwegs passablen Spot für das Zelt.

Just als ich fertig bin mit dem Zeltaufbau schüttet es wie aus Kübeln. Drei Stunden später immer noch und natürlich beginnt es in diesem Moment vom Zeltdach her ins Zeltinnere zu tropfen. Großartig denke ich. Da wirkt das Prasseln des Regens gar nicht mehr so schön. Wenigstens liegt aber Finja im Trockenen. Die Tropfen fallen schön in der Zeltmitte herunter und werden von meinem Schlafsack aufgesogen. Vielleicht hätte ich das Zelt nach den fünf Monaten in Neuseeland mal wieder imprägnieren sollen…

Tag 4 – Timmerloher Heide bis Soltau (16 Kilometer)

Wohoo, ich hab geschlafen wie ein Stein. Erster Griff an dem Schlafsack, so auf Beckenhöhe. Okay, völlig durchnässt fühlt sich anders an. Für alle, die jetzt erst bei Tag 4 anfangen zu lesen: nein, es ist nicht das was ihr womöglich denkt. Es hat gestern schlichtweg wie verrückt gepladdert und irgendwann tropfte es durch mein seit Neuseeland nicht mehr imprägniertes Zeltdach ins Zeltinnere. Thank God, irgendwann in der Nacht hat es aber offensichtlich aufgehört zu pladdern und damit hat dann auch das elendige Getropfe vom Zeltdach geendet. Finja ist übrigens auch trocken geblieben 😉

Mein Blick aufs Smartphone verrät es ist bereits halb acht. Schnell packe ich zusammen, versorge Finja mit einem hundegerechten Frühstück und schultere dann meinen Rucksack.

Am Himmel hängt eine niedrig stehende, ziemlich dichte tiefgraue Wolkendecke. Nur schwach lassen sich ein paar Wolkenkonturen in dem Einheitsgrau erkennen. Mal sehen, ob auf unseren letzten 16 Kilometern auf dem Heidschnuckenweg bis Soltau noch mal Regen fällt.

Wir befinden uns hier hinter Bispingen übrigens in einem der Wolfsgebiete Norddeutschlands. Explizit wird hier vor den Wolfen gewarnt. Entsprechend gebe ich etwas mehr Acht auf Finja und unsere Umgebung. Die Nacht war allerdings schon mal ruhig. Gehört hab ich jedenfalls keine Wölfe.

Auf recht gerade verlaufenden Feldwegen laufen wir am Rande von Kiefernwäldern und zwischen Maisfeldern entlang gen Soltau und gelangen wieder auf den Heidschnuckenweg. Links und rechts vom Weg immer wieder etwas blühendes Heidekraut.

Recht früh erreichen wir dann bereits den Heide Park Soltau und queren dessen Großparkplatz. Über die Ahlener Teiche gelangen wir anschließend auf schönen Waldwegen ins Böhmetal. Das monotone Gelaufe vom Morgen auf gefühlt kilometerlang gerade verlaufenden Forstwirtschaftswegen hätte ich allerdings auch nicht mehr sehen können 😉

Als wir die Böhme erreichen, kommt die Sonne heraus! Badezeit! Allerdings nur für Finja. Nicht, weil ich keinen Mut habe mich in die „wilden Springfluten“ der Böhme zu werfen. Das Problem ist, der Fluss führt nur etwa zehn Zentimeter Wasser. Für Finja reicht das gerade noch für ein halbwegs ordentliches Badeerlebnis, bei mir… naja…

Im Auf und Ab geht es auf schmalem Weg nun durch hügeligen Wald entlang der Böhme weiter nach Soltau. Den Böhmepark mit seinen Teichen und die schöne Innenstadt von Soltau erreichen wir am späten Vormittag. Unsere Wandertage in der Lüneburger Heide auf dem Heidschnuckenweg beenden wir damit früh am vierten Tag!

Schön war es auf jeden Fall! Unter der Woche war kaum etwas los und Finja und ich liefen die meiste Zeit auf dem Heidschnuckenweg allein. Ob der Heidschnuckenweg nun Deutschlands schönster Wanderweg bzw. eine von Deutschlands schönsten Mehrtageswanderungen ist? Nunja, das ist schon sehr subjektiv. Mir persönlich haben manche Abschnitte wahnsinnig gut gefallen, aber es gab auch Abschnitte, die ich nicht als schön bezeichnen würde. Der Heidschnuckenweg führt halt doch auch mal nahe der vielbefahrenen Autobahn entlang und für meinen Geschmack durch einige Heidedörfer zuviel. Was ich natürlich auch vermisst habe: echte Berge. Aber das ist nun wirklich richtig subjektiv;) Ich liebe halt die Berge und nach meinem Südamerikatrip habe ich nun immerhin schon vier Wochen lang keine solchen mehr gesehen. Der Wilseder Berg und all die anderen hügeligen Erhebungen konnten da natürlich nicht die rechte Abhilfe schaffen. Mein persönliches Highlight war übrigens der Morgen am dritten Tag des Trips. Die Heidelandschaft im Morgennebel während der aufgehenden Sonne zu sehen und zu erleben war einfach nur magisch und wunderschön. Das hatte schon etwas von einer anderen Welt…

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