28
Feb
2018

Tag 96 Hope Kiwi Lodge bis Hurunui No. 3 Hut (27 Kilometer)

Kennt ihr noch die Zeichentrickserie „Die Gummibärenbande“ und den Titelopener? „Guuuummmiibären, hüpfen hier und dort und überall. Sie sind für dich da, wenn du sie brauchst. Das sind die Gummibären!“ So oder so ähnlich ging die Titelmelodie und die darin getroffene Aussage trifft auch mich auch zu! Yeeeees! Seit meiner Resupplybox in Boyle bin ich wieder mit zwei Tüten Gummibären ausgestattet und damit nicht mehr der Gummibärendürre ausgesetzt, die ich in den Tagen zuvor manches Mal erlitten habe. Gerade jetzt liegt eine geöffnete Tüte Gummibären neben mir und ich verspreche euch, sie wird den Abend nach einem eher unspektakulären Tag nicht mehr erleben…

Die ganze letzte Nacht hatte es gepladdert. Trotzdessen, dass sich am Vorabend in der Hope Kiwi Lodge, mich eingeschlossen, gerade mal fünf Hiker zum Übernachten eingefunden hatten und ich daher einen ganzen Raum für mich alleine zum Schlafen hatte, habe ich kaum vernünftig geschlafen und mehrfach dem Regen, der auf das Hüttendach trommelte, gelauscht. viel wach gelegen. Heute Morgen, als ich dann irgendwann um 8 Uhr herum aufgebrochen bin, hatte es dann glücklicherweise zwar aufgehört zu regnen, aber die Gräser waren natürlich nicht nur tau- sondern regenfeucht und der Track an vielen Stellen überschwemmt. Also wieder einen Strich auf der Wet-Feet-Day-Seite.

Die Wolken hingen noch niedrig im Tal und zogen mystisch an den Flanken der Berge hinauf während ich in aller Früh zunächst für einige Kilometer durch die teils geflutete Graslandschaft im Tal Richtung Kiwi Saddle und Lake Sumner stapfte. Der Hike selbst war gerade anfangs ziemlich unspektakulär. Die niedrig hängenden Wolken sahen zwar mystisch aus, ließen aber kaum eine Sicht zu und irgendwie erschien heute in dem trüben Wetter alles grau in grau. Selbst der Wald, in dem ich später dem Track viele Kilometer an der Flanke des politisch heute sicher nicht mehr ganz korrekt bezeichneten Niggerhead Mountain entlang in einigen An- und Abstiegen bis zum Westufer des Lake Sumner folgte, war für mich heute wenig erwähnenswert.

Vom Westufer des Lake Sumner verlief der Track kurz über Farmland und tauchte dann wieder in den Wald hinein. Ronja und Jürgen, zwei deutsche Te Araroa-Hiker, welche die Südinsel von Süden nach Norden durchqueren und die gestern ebenfalls in der Hope Kiwi Lodge übernachtet hatten, hatten mir davon abgeraten, diesen Track zu nehmen, da der Wald durch die Sturmschäden, die Zyklon Gita verursacht hat, an vielen Stellen unpassierbar ist. So versuchte ich mein Glück auf dem Farmland und lief immer direkt am Waldrand über die grasige Ebene. Das Problem hier waren weniger umgestürzte Bäume, dafür kämpfte ich mich immer wieder durch sumpfiges Gelände durch und musste seit langer Zeit mal wieder einigen Kuhherden mit Jungtieren aus dem Weg gehen. Keine Ahnung, ob dies die bessere Entscheidung war. Zeit habe ich dabei jedenfalls nicht gespart, so schien es mir.

Gut vier Stunden nach Aufbruch querte ich eine Hängebrücke über den Hurunui River. Dann gelangte ich nach einem kurzen Anstieg und einer weiteren halben Stunde endlich zur Hurunui Hut. Die ersten 17 Kilometer des Tages waren damit geschafft. Irgendwie war heute mal wieder einer dieser Tage, an denen ich mich recht kaputt und müde fühlte. Ganz ungewöhnlich für die letzten Tage hatte ich auch auf dem Weg zur Hütte bereits eine Pause eingelegt. Ich war gar nicht wirklich langsam unterwegs. Ich war einfach nur müde und das trübe Wetter – es war immer noch die ganze Zeit bewölkt und ab und an nieselte es – erhellte meine Stimmung auch nicht gerade. Zeit also für meine Trailmischung… Nein, damit meine ich keine Studentenfutter-Nuss-Mischung. Damit meine ich meinen Trailmusikmix. Der vermochte zumindest immer mal wieder meine Stimmung wieder anzuheben und so auch während meiner Lunchpause in der Hurunui Hut und für die zweite Hälfte des Tages. Mit Musik geht eben doch alles viel besser 🙂

Nachdem ich mit warmem Essen meinen Magen gefüllt und mit guter Musik meiner Motivation einen ordentlichen Anschub gegeben hatte, machte ich mich nach einer guten Stunde Pause wieder auf den Trail. Die Motivation blieb auch trotz des tristen Wetters auf hohem Level, denn ich hatte meine Kopfhörer herausgeholt und hörte nun während des Laufens meine Musik. Nur um das klarzustellen: das Titellied der Gummibären gehört nicht zu meinem Trailmix 😉 Auch wenn ihr das vielleicht gerade als Bild im Kopf habt: ich hike nicht zum Gummibärensong durch Neuseelands Wildnis.

Zurück zum Track: nach einer guten Stunde erreichte ich einen natürlichen Hot Pool. Wie geil! Ein Warnschild wies daraufhin, dass in diesem Wasser Amöben leben, die Meningitis verursachen, sofern das Wasser die Nasalgänge erreicht. Man solle also keinesfalls den Kopf untertauchen. Diese Warnung hielt mich allerdings nicht davon ab, in den Hot Pool zu steigen und das heiße Wasser zu genießen, wenn auch nur maximal bis zum Nacken 😉

Eine halbe Stunde später war ich ziemlich tiefenentspannt. Zwei Stunden Hikens hatte ich nun noch vor mir, denn ich wollte heute noch bis zur Hurunui No. 3 Hut gelangen, deren Name daher herrührt, dass es ursprünglich vier Hurunui Hütten hier im Tal gab. Diese zwei Stunden lief ich nochmals im Regen, entweder auf grasigem Farmland oder im bewaldeten Hang neben dem Tal.

Die recht alte, aber gemütliche Hütte erreichte ich dann irgendwann kurz vor 17 Uhr. Die große Hütte teile ich mir hier tatsächlich nur mit Jeremey, einem nordwärts die Südinsel durchquerenden Te Araroa-Hiker aus den Vereinigten Staaten.

Nach dem Abendessen – ich hatte Couscous mit einer Hühnchenfertigsauce – enztündete ich ein wärmendes Feuer im Ofen und machte mich dann bei meiner Tüte Gummibären, die nun übrigens wirklich leer ist, an meinen Blogartikel 😉

Ach so, falls ihr euch fragt, wann und ob ich denn noch auf Anna aufhole… tja, gute Frage. Anna ist nach ihren Hüttenbucheinträgen tatsächlich seit St. Arnaud stets genau einen Tag vor mir voraus. Wir laufen tatsächlich immer genau dieselben Strecken. Ich schätze, dass ich irgendwann mal richtig durchziehen muss und sie dann vielleicht einhole. Das spare ich mir aber ganz sicher für einen Tag auf, an dem mein Rucksack weniger wiegt 🙂

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