26
Jun
2018
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Tag 9 Choquequirao Trek nach Machu Picchu – Auf ins Machu Picchu Pueblo, dem Tal unterhalb der Inkastadt

Wir haben es (fast) geschafft. Nach dem heutigen Tag stehen wir unterhalb von Machu Picchu und haben den Choquequirao Trek nach Machu Picchu beinahe abgeschlossen. Nur der Aufstieg nach Machu Picchu fehlt noch. Ich kann es noch gar nicht so recht glauben, dass wir damit den so ziemlich schwersten Trek, den man zu der vergessenen Ruinenstadt der Inka laufen kann, bewältigt haben. Der Tag heute war durchaus noch mal kräftezehrend. Es ging nochmal 800 Meter hinauf über den Lucmabamba Pass. Über die Inkaruinen von Llacatapata stiegen wir anschließend steil wieder knappe 1.000 Höhenmeter hinab und gelangten bis ins Machu Picchu Pueblo…

Endlich mal wieder eine warme Nacht. Auf knapp 2.000 Metern in La Playa herrschten dann eben doch andere Temperaturen als in den Nächten zuvor, die wir um die 3.500 Höhenmeter gecampt haben. Ich konnte meinen Schlafsack damit mal wieder nur als Zudecke benutzen. Und da der Campsitehund unser Zelt auch nicht weiterhin als Toilette benutzt hat und die Beschallung mit Modern Talking und Haddaway auch irgendwann in der Nacht endete, habe ich sogar noch einen ziemlich erholsamen Schlaf gefunden.

Wir starteten heute so gegen 7:30 Uhr. Diesmal mit einigermaßen trockenem Zelt. Auf 2.000 Metern war die Kondensationsfeuchte dann doch weniger ein Problem 😉

La Playa verlassend führte uns der Trek zunächst ein Stück weiter auf der Straße talabwärts Richtung Lucmabamba. Am Rande des Dorfes ging es dann zum Aufstieg in die Flanke des letzten Berges, den wir vor Machu Picchu zu queren hätten, hinein. Ein zunächst breiter Inkapfad führte in Stufen aus den charakteristischen Steinen durch das teils im Hang gelegene Dorf hinauf.

Das war echt schön hier in Lucmabamba. Gar nicht zu vergleichen mit dem staubigen, wenig schönen La Playa, in dem wir ab dem gestrigen Nachmittag gewesen waren. Hier in Lucmabamba fanden sich kleine, sehr schön in Wald und Garten eingebettete Campsites mit einfachen, aber gemütlichen Restaurants. Daneben querten wir kleine Bananen- und Kafeeplantagen, in denen unter kleinen Verkaufsständen frisch gekochter Kaffee nach Art der Einheimischen über einem offenen Feuer köchelte und angeboten wurde.

Ich war ganz überrascht, dass sich viele der Kaffeeplantagen doch im Halbdunkel des Waldes dumherum befanden. Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass Kaffeebohnen die pralle Sonne brauchen würden. Offensichtlich aber nicht, oder zumindest nicht alle Sorten. Die Kaffeesträucher, die wir auf den Plantagen, durch die der Trek lief, querten, hingen trotz ihrer Lage im Schatten allesamt voll.

Nach vielleicht 150 bis 200 Höhenmetern ließen wir Lucmabamba hinter uns. Der Pfad verengte sich etwas und führte durch Bergwald weiter an der Flanke des Berges auf dem alten Inkapfad hinauf. Insgesamt war das ein angenehmer Aufstieg. Zwar war erneut ein Tag, an dem die Sonne brannte, aber im Bergwald war es stellenweise angenehm schattig und kühl. Zudem wechselten sich zunächst steile Passagen des Aufstiegs mit flacheren Stücken ab. Eine zwischenzeitliche Erholung war also drin 😉

Wir zogen die 800 Höhenmeter in eins durch. Drei Stunden sollte der Aufstieg bis zum Lucmabamba Pass dauern. Nach knapp zwei Stunden hatten wir ihn bewältigt.

Gerade das letzte Drittel des Weges hatte noch mal steil die letzten paar hundert Meter hinaufgeführt. Wir waren doch völlig durchgeschwitzt als wir oben auf der Passhöhe, die im dichten Bergnebelwald lag, ankamen. Ein wenig erinnerte mich der Wald hier oben an die Wälder in Neuseeland, denn die Bäume waren über und über bemoost. Nicht so sehr wie in Teilen der neuseeländischen Wälder, doch rief dies zumindest Erinnerungen hervor.

Der Abstieg, der über die Inkaruinen von Llacatapata erfolgte, bot zur anderen Passseite hin bereits einige schöne Aussichten auf das vielleicht noch 15 Kilometer entfernte Machu Picchu und vor allem auf die spektakuläre Bergwelt um die alte Inkastätte und das Urumbambatal. Steile Felswände, dichter Bergnebelwald, eine Vielzahl an spitz aufragenden Berggipfeln gab es dort in der Ferne bereits zu sehen. Das Urumbambatal, oberhalb dessen Machu Picchu liegt, musste wahnsinnig steil eingeschnitten sein.

Von den Inkaruinen von Llacatapata, bei denen wir übrigens mal wieder unsere amerikanischen Freunde trafen, erfolgte der Abstieg üerraschend steil in kurzen, eng gezogenen Serpentinen. Christian maulte sich doch tatsächlich einmal, aber ihm war dabei glücklicherweise nichts weiter passiert.

Nach vielleicht zwei Stunden Abstieg erreichten wir Hydroelectrica, ein Wasserkraftwerk im Urumbambatal und die Eingangspforte ins Machu Picchu Pueblo sowie nach Aguas Calientes, jenem Ort, der Ausgangspunkt für die Besichtigung von Machu Picchu ist.

Der Río Urumbamba windet sich hier in den Anden mäanderförmig durch eine tief und eng eingezogene Schlucht bis hin zum Regenwald. Aguas Calientes ist dementsprechend von Steilwänden aus Fels und Nebelwald umgeben und nur über eine Schmalspurbahn von Cusco sowie von Hydroelectrica erreichbar. Es gibt keine Straßenverbindung in den etwa 2.000 Einwohner zählenden Ort.

Alternativ zum recht teuren Touristenzug gibt es die Möglichkeit auf den Bahngleisen die restlichen zwei bis zweieinhalb Stunden nach Aguas Calientes am Rìo Urumbamba entlang zu laufen. Diese Möglichkeit haben wir natürlich gewählt. Wenn schon, dann wollten wir auch jeden Schritt des Treks machen.

Irgendwie hatte das was, mit den vielen Touristen und Einheimischen entlang der Bahngleise im Gleisbett oder daneben im Schotter zu laufen und den herannahenden, in gemächlichem Tempo fahrenden und lautstark pfeifenden Zügen auszuweichen. In Deutschland wäre es wohl unvorstellbar, dass das Bahngleis gleichzeitig ein Fußweg ist und Einheimische direkt am Gleis Getränke und Essen feilbieten. Zudem war die Landschaft mit ihren steilen, hunderte von Metern senkrecht in den Himmel ragenden und teils von Bergnebelwald bedeckten Felswänden atemberaubend schön. Rauschend bahnte sich der Fluß neben den Gleisen seinen Weg durch das enge Tal. Riesige Felsbrocken, die im Laufe der Jahrhunderte von den Felswänden abgebrochen und zu Tale gedonnert sein mussten, lagen zuhauf in seinem Flußbett.

Trotz des interessanten Weges und der atemberaubenden Bergwelt: nach anderthalb Stunden hatte uns das Laufen auf dem Schotter doch sehr geplättet. Meine Füße schmerzten von dem harten, unebenen Grund und obwohl wir ordentlich Tempo machten zog sich der Weg nach Aguas Calientes deutlich. Zudem war ich ordentlich durchgeschwitzt. Was freute ich mich daher auf eine warme Dusche nachher. Das letzte Bad im Fluß war immerhin fünf Tage her, die letzte Dusche, die dann noch eiskalt gewesen war, sogar zehn Tage.

Zweieinhalb Stunden waren es letztlich, die wir auf den Gleisen bis Aguas Calientes brauchten. Dort bezogen wir ein Zimmer in dem Hostel der Tochter der Bäuerin, die so herzlich für uns in Maizal gekocht hatte. Gutes Zimmer! Und vor allem eine warme Dusche! Oh man, tat das gut…

Wir checkten uns zwei Nächte in dem Hostel ein. Der Trek war anstrengend und wir benötigten dringend einen Restday. Zudem bekamen wir neue Tickets für Machu Picchu erst für den übermorgigen Tag. Unsere ursprünglichen Tickets für den heutigen Tag waren leider verfallen, da wir aufgrund Christians Krankheit den Trekablauf etwas umgestalten mussten.

Viel zu sehen gibt es neben Machu Picchu im touristisch geprägten Aguas Calientes übrigens nicht. Es gibt unzählige Restaurants, deren Mitarbeiter allesamt bei einem um Kundschaft werben sowie jede Menge kleiner Kiosks und Einkaufsläden. Daneben besteht der Ort hauptsächlich aus einer Vielzahl an Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Hostels und Hotels für jede Preislage. Ansonsten gibt es einen größeren Souvenirmarkt sowie die heißen Quellen, die Aguas Calientes seinen Namen gaben.

Den Abend verbrachten wir in einem der vielen kleinen Restaurants nahe dem Hauptplatz. Wir gönnten uns Pisco Sour – das Nationalgetränk Perus, Bier, Pizza und Burger. Leider haben sie Pizza und Burger hier in Peru jedoch nicht so richtig drauf. Beides war okay, hat uns aber auch nicht wirklich umgehauen. Da wurden also keine Erinnerungen an Neuseeland wach 😉

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