14
Feb
2018

Tag 82 Hacket’s Hut bis Slaty Hut (11 Kilometer)

Heute ging es ans Eingemachte: knapp 1.500 Höhenmeter im Aufstieg über den 1.512 Meter hohen Mount Starveall bis zur Slaty Hut. Das waren zwar nur elf Kilometer und so um die acht Stunden Hikens aber es war definitiv mit dem schweren Rucksack anspruchsvoll…

Ich hab lang geschlafen heute. Am Vorabend hatte ich noch bis kurz vor Mitternacht den ersten von vier Teilen meines Krabat-Hörbuchs gehört und so bin ich am Morgen erst um 8 Uhr aufgestanden und auch erst gegen 9 Uhr von der Hütte aufgebrochen. Aber ich wollte ja auch „nur“ zur zweiten Hütte in den Ranges gelangen, der knapp elf Kilometer entfernten Slaty Hut. Der Weg dahin würde beschwerlich genug werden. Mein Backpack wog immer noch schwer, auch wenn ich nun schon drei Tage von dem Essen darin gezehrt hatte, und immerhin standen über 1.500 Höhenmeter im Aufstieg heute an.

Dylan war gestern nicht mehr zur Hütte gekommen. Ich vermute dass er in der Browning Hut übernachtet hatte und hinterließ ihm einen Kommentar im Gästebuch der Hacket’s Hut. Danelle blieb in der Hütte. Sie war gestern auf eine Wespe getreten und trotz dessen, dass sie ihren Fuß gestern den halben Abend im Fluss gekühlt hatte, war dieser am Morgen stark geschwollen. Sie wollte eine weitere Nacht bleiben und wenn es dann nicht ging würde sie die Ranges abbrechen.

Direkt am Aufstieg passierte ich zunächst einige Warnschilder, die wie die Trailbeschreibungen des Te Araroa davon kündeten, dass der Richmond Alpine Track anspruchsvoll wäre und nur von erfahrenen Hikern begangen werden sollte, u.a. wegen der vielen River Crossings.

Die ersten Flussquerungen standen dann auch bereits nach gerade mal 15 Minuten an. Der Track, der schon zu Anfang schwierig war und auf glitschigen Felsen die volle Aufmerksamkeit erforderte, querte den Hacket Creek River unzählige Male. An einer Flussquerung hab ich mich doch glatt verirrt und bin weiter in dem Hang seitlich des Flusses hinaufgestiegen als der Track an sich vorsah. Irgendwann endete ich in ziemlich steilen Gelände, in dem ich nur so wegrutschte solange ich mich nicht mehr an den Bäumen festhielt und war ab diesem Moment ziemlich sicher, dass dies nicht der Track sein könnte. Ich kehrte um und fand nach einer Viertelstunde den eigentlichen Track wieder.

Nach anderthalb Kilometern, einer Stunde und acht oder neun Flussquerungen des Hacket Creek River machte ich eine erste Pause. Ich war schon ziemlich durchgeschwitzt, dabei war ich noch nicht mal wirklich im steilen Anstieg auf den Mount Starveall. Dieser sollte nun erst beginnen.

Der Pfad verlief im Anschluss an meine Pause zunächst durch den Wald in Richtung Pyramid Rock, einer steinernen Erhebung auf 686 Metern. Für diesen Punkt nahm ich mir die nächste Pause vor.

Der Anstieg vollzog sich steil. Das war wieder einer dieser wahnsinnig steilen Anstiege des Te Araroa, die über verwurzelte Tracks und blanken Fels mit Steigungen zwischen 20 und 30 Prozent gingen. Diese zogen sich unheimlich, da jeder Schritt zum Kraftakt wurde und ich nur elendig langsam vorankam. Es würde hier ohne Frage abermals Durchhaltevermögen brauchen.

Nach einer Stunde ununterbrochenen Anstiegs verschnaufte ich auf 700 Höhenmetern kurz hinter dem Pyramid Rock, dessen pyramidenförmige Spitze ich durch das Blätterdach des Waldes nur ab und an sehen konnte. Der Track verlief ab hier nun in Richtung der noch zweieinhalb Kilometer entfernten und 500 Höhenmeter über mir liegenden Starvealls Hut.

Es ging nun über einige reißende Bäche, die ich auf den im Bachbett liegenden Felsen überquerte, sowie unter steilen Felswänden entlang und durch märchenhaft anmutenden Wald immer weiter aufwärts. Nach wieder einer Stunde machte ich im höhergelegenen, offeneren Waldgelände erneut eine Verschnaufpause. Diesmal nur eine kurze. Die Hütte war nur noch rund 500 Meter und 150 Höhenmeter entfernt. Oben wollte ich dann eine längere Mittagspause einlegen und vor allem mal die nassen Schuhe ausziehen ehe ich mich dann an den weiteren Anstieg des Mount Starveall machen würde.

Die Hütte erreichte ich um kurz nach 13 Uhr. Ich hatte vier Stunden für den Aufstieg gebraucht. Hier oben traf ich auch wieder auf Karima und Foxy. Während ich Lunch machte, kam auch Wietse hier oben an. Er hatte zusammen mit Dylan in der Browning Hut übernachtet. Wietse berichtete, daas Dylan sich gestern den Knöchel verdreht hatte und das ganze gestern noch ziemlich geschwollen war. Gestern hatte Dylan daher wohl noch geplant den Alpine Track nicht zu starten. Als Wietse heute morgen die Browning Hut verließ, fühlte sich Dylan wohl aber etwas besser und wollte, je nachdem wie der Track zur Hacket’s Hut verlief, eventuell doch in die Ranges einsteigen.

Erst um 15 Uhr brach ich von der Starveall Hut Richtung Slaty Hut auf. Ich genoss es den Tag heute entspannt angehen zu können und da ich hier oben an der Starveall Hut tatsächlich Handyempfang hatte, nutzte ich dies nach dem Mittagessen noch aus.

Nach ungefähr einer Stunde war ich oben. Das war hier endlich mal wieder richtig alpin. Loses Geröll, schroffe Felsen, alpine Vegetation. Das machte Spaß. Die Aussicht von oben war großartig: auf der einen Seite bis zum Abel Tasman Nationalpark und dem Meer, auf der anderen Seite bis hin zum Mount Rintoul sowie auf den weiteren Weg.

Zunächst folgten 300 Meter Abstieg auf einen Sattel auf etwa 1.200 Höhenmetern. Es ging in einen Wald, der mit seinen fleckig hellgrün und weiß bemoosten Bäumen irgendwie ziemlich spooky daherkam. Ein Kauz, Uhu, Eule, was auch immer (bin ja schließlich kein Ornithologe), der mich neugierig beäugte, passte großartig in diese Szenerie.

Zum Schluss folgte nochmal ein kurzer, gefühlt aber kräftezehrender Anstieg zur auf 1.400 Höhenmetern gelegenen Hütte. Als ich diese um 17 Uhr erreichte, war ich doch ziemlich froh. Viel weiter hätte ich heute nicht laufen wollen.

Am Abend machte ich mir Couscous mit einer Gemüsesuppe und Thunfisch. Zudem verhaftete ich ne ganze Tüte Haribo. Tja und ansonsten versuchte ich noch meinen Squeeze Bag vom Wasserfilter zu reparieren, da dieser undicht geworden war und das Filtern so nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Allerdings erfolgslos. Ich werde mir bei nächster Gelegenheit einen neuen Squeeze Bag besorgen müssen und kann bis dahin auf Karimas mit zurückgreifen.

Spät am Abend kam dann tatsächlich Dylan noch an. Sein Fuß fühlte sich offensichtlich besser an und er hatte es geschafft auf uns aufzuschließen. Sehr cool!

Für morgen ist laut Wettervorhersage gutes Wetter angekündigt. Ich werde daher versuchen, morgen mindestens bis zur Mount Rintoul Hut zu gelangen. Das sind zwar „nur“ 13 Kilometer, diese sollen es aber in sich haben. Der Hike bis zur Hütte soll knappe zehn Stunden dauern und beinhaltet in der zweiten Hälfte den schwierigsten Part des Richmond Alpine Track mit der Besteigung des Little Rintoul Summit sowie des Mount Rintoul mit seinem 1731 Metern auf ausgesetzten felsigen Pfaden mit einigen Kletterpassagen.

Am Tag darauf soll es regnen. Ich werde vermutlich dennoch versuchen weiter voranzukommen, denn für Montag ist ein Zyklon der Kategorie 3 angekündigt, der gerade im Anmarsch auf Neuseeland ist. Wenn es dabei bleibt könnte ich am Samstag noch die Sektion zwischen Mid und Top Waiora Hut der Richmond Ranges hiken, welche die bislang schwersten Flussquerungen beinhalten soll. Gegebenenfalls könnte ich so dem Umstand aus dem Weg gehen nicht nur einen, sondern gleich mehrere Tage in einer Hütte festzuhängen.

Heute war ich mal wieder viel mit der Kamera unterwegs, daher hier noch ein paar weitere Bilder meines Tages:

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