12
Feb
2018

Tag 80 Pelorus Bridge Campground bis Middy Creek Hut (27 Kilometer)

Into the wild. Superfilm, ein noch besseres Buch und mein Motto des Tages. Mit dem Pelorus River Track ging es nun hinein in die mehrtägige Wildnis Neuseelands. Und nach den anfänglichen Straßenkilometern bis zum Beginn des River Tracks ging es auf dem Track selbst auch direkt anspruchsvoll los: mit der Querung eines an sich schmalen Zuflusses zum Pelorus River, aus dem aufgrund der Regenfälle am vergangenen Tag ein ziemlich reißender Strom geworden war…

Die Nacht in meiner Notunterkunft war ziemlich unruhig. Nach der Evakuierung der Campsite am Vortag war ich ja mit einigen anderen im Schuppen des Campsiteverwalters untergekommen und hatte hier auf einer Bank unter dem Fenster geschlafen. In der Nacht war es einfach elendig warm gewesen. Zudem hatten mich die unzähligen Sandflybisse, die ich mittlerweile an den unmöglichsten Stellen aufwies, nicht richtig schlafen lassen. Der Juckreiz ließ mich echt wieder aufwachen mitten in der Nacht. Am Morgen bin ich daher auch erst spät aufgestanden und vergleichsweise noch später als gewöhnlich auf den Track gekommen.

Erst um 9.30 Uhr war ich unterwegs auf die 46 Kilometer lange Sektion des Pelorus River Track, für die drei bis vier Tage in den Trailbeschreibungen veranschlagt sind. Das konnte ich mir allerdings nur bei Schlechtwetter und infolgedessen unpassierbaren Flüssen vorstellen. Heute machte ich in gutem Wetter immerhin 27 Kilometer dieser Sektion. Der River Track war nach den anfänglichen Roadwalkingkilometern stellenweise zwar durchaus anspruchsvoll und ging langsamer vonstatten als gedacht, aber ich schätze, dass ich ihn morgen bereits abschließen könnte.

Das Wetter war wie angekündigt richtig gut heute. Es hatte nur einige Wolken am ansonsten blauen Himmel und die Sonne schien. Beim Verlassen der Campsite hoffte ich noch, dass meine Schuhe und Socken auf den ersten 14 Roadwalkingkilometern dieses Tages etwas trocknen und dann auch trocken bleiben würden. Als ich die Pelorus Bridge passierte, stellte ich zunächst fest, dass der Fluss wieder ordentlich an Pegel verloren hatte. Dennoch führte er immer noch deutliches Hochwasser. Vor einer Woche noch, als ich die Pelorus Bridge mit dem Bus Richtung Nelson passiert hatte, war das Wasser des Flusses glasklar gewesen und der Fluss hatte vielleicht die Hälfte des Wassers geführt, welches er nun mit sich führte und welches in solch schnellem Tempo und trübbraun gefärbt stromabwärts schoss.

Von der Pelorus Bridge aus folgte ich für 14 Kilometer der Maungatapu Road, einer Schotterstraße, die durch eine reizvolle Landschaft führte. Sie verlief im zunächst breiten, dann sich verjüngendem Flusstal des Pelorus River mit seinen neben dem Fluss liegenden grünen Wiesen und bewaldeten Hängen.

Es war warm unter der Sonne heute und ich spürte das Gewicht meines Rucksacks, dessen Schulterriemen richtig in meine Schultern einschnitten. Erstmals seit Tagen kam ich auch wieder ordentlich ins Schwitzen. Eine Pause wollte ich dennoch erst am Ende des Roadwalks einlegen.

Nach knapp zehn Kilometer trockenen Roadwalkings waren auch endlich meine Schuhe wieder getrocknet. Ich freute mich richtig darüber. Trockene Schuhe waren ein Luxus, den ich nicht so häufig genießen konnte. Leider auch heute nicht, denn auf den letzten Kilometern der Straße fluteten doch gleich an mehreren Stellen regelrechte Wasserfälle, die in dieser Größe wohl noch auf den Regen vom Vortag zurückzuführen sein dürften, die Straße. Ich verabschiedete mich von meinem trockenen Schuhen. Das war tatsächlich ein sehr kurzes Vergnügen heute.

Am Ende der Schotterstraße wechselte ich dann mit dem Pelorus River Track endlich wieder auf einen Track. Dieser verlief zunächst im Wald auf wurzeligem und steinigem, schmalen Pfad im Hang neben dem reißenden Pelorus River. Immer wieder wurde er geflutet von kleinen und größeren Bachläufen. So bekamen meine Schuhe wenigstens keine Chance zu trocknen 😉

Dann kam die erste Herausforderung des Tages. Der Track führte mitten über einen schmalen, etwa über die Knie reichenden reißenden Strom, der linksseits über einige Felsen in den Pelorus River stürzte während er rechtsseits aus einer kleinen nicht querbaren Schlucht herabdonnerte.

Ich stoppte zunächst, machte eine längere Pause und überlegte wie ich den Strom am besten querte. Die Idee direkt auf der anderen Seite an den Track zu gelangen, verwarf ich nachdem ich dies ohne Rucksack getestet hatte. Die Strömung war an einer Engstelle viel zu stark. Dort würde es mich definitiv von den Beinen reißen. Ich würde vermutlich etwas über die Felsen klettern müssen an der anderen Seite des Stroms.

Ich trank noch was, verpackte Handy und Kamera wasserdicht im Rucksack und dann machte ich mich mit Dylan, der zwischenzeitlich aufgeschlossen hatte, auf den Weg. Der Strom war zwar schmal, hatte es aber in sich. Ich gelangte wie Dylan rüber auf die andere Seite aber ehrlich gesagt, mehr Wasser hätte es hier nicht haben dürfen. Das war schon abenteuerlich.

Wir querten eine einfache, aus Drahtgeflecht bestehende Hängebrücke, die über einen Zufluss des Pelorus River führte, dann gelangten wir zu den Emerald Pools. Dem Namen nach sehen diese Pools sicherlich wunderschön aus. Davon bekamen wie allerdings nichts zu sehen. Der Wasserstand war viel zu hoch, die Emerald Pools lagen unter Wasser.

Nach einer Pause an den Emerald Pools, brachen wir zur nur fünf Kilometer entfernten Captains Hut auf. Dylan und ich brauchten für diese fünf Kilometer geschlagene zweieinhalb Stunden. Der Track war alles andere als einfach zu hiken: viele An- und Abstiege, verwurzelte Böden, quer liegende Bäume, glitschige Steine und reißende kleine Bäche, die es zu furten galt und die immer wieder dafür sorgten, dass meine Schuhe und Füße triefendnass blieben.

An der Captains Hut angelangt trafen wir auch Terry wieder, der recht früh am Morgen aufgebrochen war und nun die Nacht hier in der Hütte verbringen wollte. Zudem trafen wir hier einen holländischen Hiker namens Wietse, der letzte Nacht mit Karima und Foxy zu Beginn des Tracks gezeltet hatte. Im Visitorsbook fanden wir dann auch eine Nachricht von Karima und Foxy „Catch us if you can“. Sie hatten sie am heutigen Vormittag hier hinterlassen. Sie waren also nicht so weit voraus und vielleicht könnten wir sie heute noch einholen.

Wir entschieden noch die weiteren fünf Kilometer bis zur Middy Creek Hut zu hiken. Es war schon 17.30 Uhr und vermutlich würden wir dort erst gegen 19.30 Uhr ankommen bei der langsamen Geschwindigkeit, die der Track zuließ. Aber wir wollten die beiden gegebenenfalls noch heute einholen. Der Track führte nochmal schön am Pelorus River entlang, den wir aussichtsreich an einer ziemlich wackligen Hängebrücke querten. Ansonsten verblieb der Track wie zuvor. Das war teils schon anstrengendes Hiken und wir beide waren froh als wir die Middy Creek Hut gegen 19.30 Uhr dann auch tatsächlich erreichten.

Foxy und Karima waren auch noch hier, zudem noch Ethan, ein amerikanischer Hiker, und Danelle, eine Neuseeländerin, die zuletzt auch ein paar Tage mit Simone auf der Nordinsel gehikt hatte und mir berichtete, dass Simone den Trail offensichtlich abbrechen musste.

Ich nahm noch ein erfrischendes Bad im Fluss oder vielmehr am Rande des Flusses zwischen den Felsen, wo der Strom mich nicht wegzureißen drohte. Dann aß ich noch etwas und verquatschte mit den anderen den Abend. Für morgen sehe ich derzeit 19 Kilometer bis zur Hacket’s Hut und dem Start des Richmond Alpine Track vor. Klingt nicht viel, aber wenn der Track wird wie heute, dann werden es anstrengende 19 Kilometer 😉

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