9
Feb
2018
1

Tag 77 Abel Tasman Nationalpark (Off-Trail)

Nach dem heutigen Tag schätz ich mich wieder als fit genug ein, übermorgen erneut auf den Te Araroa zu starten. 36 Kilometer im Abel Tasman Nationalpark. Damit hab ich einen Großteil des Coastal Walks im Park in einem Tag durchlaufen. Und dabei hatte ich noch Zeit für ein ausgiebiges Lunch und ein Bad in den Cleopatra’s Pools: einigen natürlichen, von einem wild dahinrauschenden Fluß mit kristallklarem und nebenbei schweinekaltem Wasser gefüllten Felsenbecken. Der größte Spaß heute trotz blauer Flecken: eine 10 Meter lange, im Fels geformte natürliche Wildwasserrutsche mitten in einen der Pools hinein…

Heute stand für mich der einzige wirklich lange Tag des Abel Tasman Coastal Walk an. Knappe 32 Kilometer bis zur Observation Beach Campsite. Aus 32 Kilometern sind dann dank geplanter und ungeplanter kleiner Sidetrips zwar 36 Kilometer geworden, aber dazu später. Ansich war die geplante Distanz zum Hiken heute durchaus etwas für einen frühen Aufbruch, zumal ich mit Karima, Foxy und Dylan auch noch in die Awaroa Lodge zum zweiten Frühstück einkehren wollte. Nach wie vor gilt für mich immerhin: ich lasse kein zusätzliches Essen aus solange ich noch halbwegs in der Zivilisation stecke. Und ganz konkret bedeutet das bei meinem mittlerweile wiedergewonnenem Appetit: ich nehme jeden Burger mit 😉

Zurück zum eigentlichen Thema, der Aufbruchszeit. Da wir den Awaroa Inlet nur bei Low Tide überqueren konnten, brachen wir erst um 9 Uhr von unserer Campsite an der Waiharakeke Bay auf. Zuvor hatte ich zum Frühstück wieder Beerenmüsli mit einem Apfel. Ich denke ich werd das auf meine Einkaufsliste für die Richmond Ranges setzen. Wraps hab ich trotz wiedergewonnenem Appetit immer noch über.

Das Crossing des Awaroa Inlet, das wir bereits eine halbe Stunde nach Aufbruch zu bewältigen hatten, verlief komplett problemlos. Das kristallklare Wasser, in dem kleinere Fische schwammen, stand mir nur bis zu den Knien und so ließ sich der Inlet gut passieren. Das Wasser war angenehm frisch und unter den Sohlen meiner Schuhe knackten die hunderten von Muscheln, auf die ich trat.

Nach der Querung ging es zunächst aussichtsreich am Hang eines Hügels an der Küste hinauf. Bis zur Lodge mit angeschlossenem Café sollte es noch etwa eine halbe Stunde sein, aber irgendwie verpassten Karima und ich – Dylan und Foxy waren etwas hinter uns geblieben – die Abzweigung und brauchten dann gute anderthalb Stunden und einige Extrakilometer bis wir endlich an der Lodge angelangt waren.

Mit der späten Ankunft an der Lodge war es direkt schon Zeit für Lunch. Ich bestellte mir entsprechend einen Burger mit Pommes, eine Coke sowie eine Eisschokolade 🙂 Der Burger, auf dem sich Coleslaw statt Salat fand, war extrem gut. Der Burgerpattie war richtig gut und wahnsinnig lecker gewürzt. Bislang einer der besten Burger, die ich in Neuseeland hatte und wer fleißig mitgelesen hat weiß: das waren so einige 😉 Meine Burgerfotosammlung erhält nun ein weiteres Pic:

Erst um kurz vor 13 Uhr brachen wir wieder auf. Bislang hatten wir vielleicht sechs Kilometer geschafft und so wirklich sicher, ob wir es an diesem Tag jeweils bis zu unseren Campsites schaffen, waren wir irgendwie nicht. Ich gab aber direkt etwas Gas. Ich fühlte mich gut. Der Track war angenehm. Und die kleine Campsite am Observation Beach, die Dylan und ich gebucht hatten, versprach richtig schön zu sein. Ich wollte diese daher auf jeden Fall gern erreichen.

Zunächst führte der Track steil über der Küste an kleinen Buchten mit traumhaften Sandstränden entlang ehe er im Landesinneren durch hügeliges und bewaldetes Gelände bis hin zur Bark Bay verlief. Hier wartete ein weiteres Inletcrossing. Die Flut hatte mittlerweile zwar eingesetzt, dennoch war es unproblematisch. An einer der Übernachtungshütten des DOC legte ich nach dem Crossing zunächst eine Pause ein, befreite meine Schuhe vom Schlick und füllte meine Wasservorräte.

Dylan und Foxy kamen kurz nach mir an. Ehe ich aufbrach redete ich noch ein paar Worte mit dem hier stationierten Parkranger, der mir über den Weg lief. Während heute die Sonne brannte, war für morgen Starkregen angekündigt, erzählte er. Tja, morgen wollten wir eigentlich zu den Cleopatra’s Pools aufbrechen – einigen vom Torrent River gespeisten Felsenbecken, in denen man baden kann. Da der Track bislang gut war und wir die angegebenen Wanderzeiten zwischen den einzelnen Buchten deutlich unterschritten, entschieden wir umzuplanen. Wenn wir die Zeit hätten, würden wir die Cleopatra’s Pools, die nur einen kurzen Sidetrip vom eigentlichen Coastal Walk bedeuteten, heute noch direkt aufsuchen.

Ich brach als erster von uns wieder auf. Auf dem weiteren Weg, der zunächst abermals traumhaft schön an der Küste verlief und dann ins Landesinnere kehrte, passierte ich eine schöne Hängebrücke über den breiten Falls River, dessen kristallklares Wasser auf den Felsen darunter aus dem subtropischen Busch heraus und in Richtung Küste hinwegströmte.

Der Track gewann anschließend wieder an Höhe mit fantastischer Aussicht auf eine kleine Lagune und fiel dann steil zur Torrent Bay hinab.

Nachdem ich durch das Torrent Bay Village, ein Stück Privatland mit vielleicht zweieinhalb dutzend Feriendomizilen mitten im Nationalpark, gelaufen war, gelangte ich um 17.30 Uhr an den Abzweig zu den Cleopatra’s Pools. Von dort war es nur noch ein kurzer Walk von vielleicht zehn Minuten bis zu den Pools. Dieser führte an der Seite des Torrent River, dessen Flußbett von riesigen Felsbrocken übersät war, stromaufwärts.

Die Pools bzw. vielmehr der eine große, gut zugängliche Pool war fantastisch anzusehen. Mit kristallklarem Wasser gefüllt wurde das Becken stetig von einem kleinem Wasserfall, der sich über eine Felsstufe ergoss, neu gefüllt. Hinter der Felsstufe rauschte das Wasser in einer im Fels geformten, etwa zehn Meter langen und vielleicht 60 cm breiten Rinne direkt in das Becken hinab. Was für eine geile Wasserrutsche, dachte ich.

Ich schoss zunächst einige Fotos. Dann kamen auch Foxy und Dylan. Dylan dachte ganz offensichtlich das gleiche wie ich. Also rein in das Wasser, das im Vergleich zum Meer gestern richtig frisch war. Von einem Felsen am Rande des Beckens sprangen wir in den Pool. Etwas unsanft kam ich wie Dylan zuvor auf den steinigen Grund des Beckens auf. Eine Wassertiefe von nicht ganz anderthalb Metern an der tiefsten Stelle bremst eben doch nicht jeden Sprung ab.

Anschließend kletterten wir an den Steinen zur der im Fels geformten Wasserrutsche. Kurzer prüfender Blick. Sah immerhin ziemlich unsanft aus, aber wofür ist der Te Araroa, wenn nicht um Neues auszuprobieren. Zunächst spülte es mich direkt an der Stelle, an der das Wasser über die Felsstufe in die Rinne rauschte, unter. Ich hatte ehrlich gesagt garnicht erwartet, dass es hier doch so tief war. Danach rutschte ich den Kanal im Felsen entlang und tauchte am anderen Ende im Becken unter. Geil! Das war insgesamt zwar ziemlich unsanft und ich holte mir von den Felswänden einige blaue Flecken ab, aber es machte Spaß. Also direkt noch ein paar Mal ehe ich begann wegen des kalten Wassers zu frieren.

Wir blieben hier knapp eine Stunde und brachen kurz vor 19 Uhr wieder auf. Foxy war schon zu ihrer Campsite an der Anchorage Bay unterwegs, wo sie wieder auf Karima treffen würde. Dylan und ich hatten noch knappe sechs Kilometer bis zum Observation Beach, den wir kurz vor Sonnenuntergang erreichten.

Ein perfekter Abschluss des Tages, denn die Campsite, die letztlich nur Platz für vielleicht zehn Zelte hatte, war direkt auf dem wunderschönen kleinen Strand mit fantastischer Aussicht auf die vorgelagerte Adele Island sowie Fishermans Island und bis hin zu den Marlborough Sounds.

Wir bauten unsere Zelte im Sand auf und aßen noch ehe wir in unsere Zelte gingen in der Abenddämmerung unser Abendessen. Ich langte trotz des Burgers am Mittag ziemlich zu und machte mir direkt die doppelte Portion meines Essens. Nach dem langen Tag war ich ziemlich hungrig gewesen bei Ankunft auf der Campsite.

Nun hab ich den Abel Tasman Great Walk fast komplett gelaufen und ich muss sagen, der Track ist wirklich atemberaubend schön und angenehm einfach zu hiken. In beinahe jeder Bucht hat es eine Campsite, von der eine schöner wie die andere ist. Für mich ist das hier definitiv einer der richtig schönen Flecken Neuseelands und ich kann jedem Neuseelandurlauber (und auch Te Araroa-Hiker als Sidetrip) den Besuch im Nationalpark empfehlen.

Vom heutigen Tag habe ich hier noch einen ganzen Schwung von Track-Impressionen:

You may also like

Tag 81 Middy Creek Hut bis Hacket’s Hut (19 Kilometer)
Tag 80 Pelorus Bridge Campground bis Middy Creek Hut (27 Kilometer)
Tag 79 Nelson / Havelock bis Pelorus Bridge Campground (21 Kilometer)
Tag 78 Abel Tasman Nationalpark bis Nelson (Off-Trail)

Leave a Reply