3
Feb
2018
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Tag 71 Black Rock Shelter bis Okiwa Bay (29 Kilometer)

Tja, das war heute mal ein Tag, an dem ich mich echt etwas gequält habe. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass eine Erkältung im Anmarsch ist. Das erklärt wohl auch, warum ich gestern so stark gefroren hatte und das heute ebenfalls tat. Zudem kamen Kopf- und Gliederschmerzen hinzu. Die typischen Anzeichen halt. Um am Abend wenigstens eine heiße Dusche genießen zu können, bin ich heute dennoch die letzten 25 Kilometer des Queen Charlotte Tracks plus einige Roadwalkingkilometer bis zu einem größeren Zeltplatz gelaufen. Die schönen Aussichten auf dem Track konnte ich so jedoch leider nicht wirklich genießen…

Am Vorabend hatte ich dermaßen gefroren. Es war – so war aber nicht nur mein Eindruck – schweinekalt und so hatte ich mich wie Karima und Dylan früh in meinen Schlafsack zurückgezogen. Der war angenehm warm, so dass ich die Nacht nicht wirklich gefroren habe, allerdings trug ich darin auch einige zusätzliche Lagen an Klamotten. Die Nacht war trotz der angenehmen Wärme im Schlafsack dennoch sehr bescheiden. Ich wachte ziemlich häufig auf bzw. kam gar nicht erst zum Einschlafen. Zunächst hat uns ein Possum die erste Stunde der Nacht wachgehalten. Erst mit wilden Schreien mitten zwischen uns im Shelter, später turnte es dann im Gebälk des Shelters herum und versuchte an unsere Rucksäcke und Essensbeutel zu gelangen. Also wieder raus aus dem Schlafsack. Sofern das die Nacht nicht so lautstark weitergehen sollte, mussten wir irgendwie unsere Rucksäcke aufhängen. Mit einem der Dachbalken, um den wir jeweils unseren Hüftgurt des Rucksacks schlossen, klappte das ganz gut. Hauptsache es regnete nicht in der Nacht, denn unsere Rucksäcke hingen zumindest teilweise außerhalb der Überdachung des Shelters. Später waren es dann die lauten Weka-Rufe, die mich wach hielten, oder ich lag einfach nur total unbequem auf der Bank. Jedenfalls stand ich am Morgen abermals ziemlich gerädert auf. Es war immer noch schweinekalt oder zumindest fühlte es sich so für mich an. Bislang waren das hier mit Abstand die zwei kältesten Tage auf dem Te Araroa und als ich um 8:15 Uhr nach knappem Frühstück startete, wollte ich mich zunächst einfach nur warm laufen. Die Kälte war mir wie am Vorabend seit meinem Aufstehen wieder richtig in die Glieder gekrochen.

Bis zum Torea Sattel hatte ich zunächst vier Kilometer zu hiken. Die lief ich recht schnell ab. Der Track war unverändert gut und es ging die meiste Zeit bei schönen Aussichten bergab. Nur richtig warm werden wollte ich nicht. Zudem plagten mich Kopfschmerzen.

Erst nach sechs Kilometern im steilen Anstieg über die Shamrock Ridge wurde mir wärmer und ich verstaute sowohl meine Polartecjacke als auch meinen Hoodie im Rucksack. Oben angekommen auf der Shamrock Ridge, geriet ich dann schnell wieder ins Frieren. Also den Hoodie wieder raus und später die Polartecjacke. Dieses Wechselspiel vollzog sich heute mehrfach. Entweder war mir zu warm oder, das war wesentlich häufiger der Fall, ich begann schnell zu frieren.

Ich genoss ein wenig die Aussicht auf der Shamrock Ridge, ehe ich mich wieder an den Abstieg machte. Um mich herum regnete es und ich rechnete damit, selbst auch bald im Regen zu stehen und nass zu werden. Zu meiner Überraschung blieb es jedoch den ganzen Tag über trocken, dort wo ich lief.

Im Abstieg von der Shamrock Ridge haute es mich dann irgendwie komplett um. Anfangs war es noch gut gelaufen, ich hatte ordentlich Tempo auf dem Trail gemacht, aus irgendwelchen Gründen fühlte ich mich nun plötzlich elendig schwach und machte nur ein paar hundert Meter weiter an der nächsten Aussichtsstelle eine weitere Pause.

Ich bekam neben den Kopf- auch Gliederschmerzen, was mir völlig neu war. Meine Knie schmerzten im Abstieg und zu allem kam dieses Heiß-Kalt-Gefühl hinzu. Wunderbar, eine Erkältung so kurz vor den Richmond Ranges könnte ich ja nun gar nicht gebrauchen, denn das würde eine Zwangspause bedeuten. Den Track starten und dann gegebenenfalls, sollte es sich tatsächlich zu einer längeren Erkältung entwickeln, in einer der DOC-Hütten zu bleiben, um die Erkältung auszukurieren, wäre keine Option, denn ich müsste dafür zusätzliches Essen einplanen, für das in meinem Backpack schlichtweg kein Platz sein würde. Selbst so hatte ich für den an sich morgen beginnenden Pelorus River Track mit anschließenden Richmond Ranges Alpine Track Essen für neun bis elf Tage einzuplanen und zu tragen. Platz für noch mehr Essen war da schlichtweg nicht vorhanden. So wurde der an sich schöne Track, der weiterhin schöne Aussichten in die Marlborough Sounds bot, für mich zur ziemlichen Qual. Ich schleppte mich mit unzähligen Pausen den Track entlang und dachte die ganze Zeit nur daran, dass ich einfach nur auf der anvisierten Campsite mit Gelegenheit zu einer warmen Dusche ankommen will.

Ich begann die Kilometer zu zählen und selbst ein paar hundert Meter auf dem Track begannen sich endlos anzufühlen für mich. Ein Tag genussvolles Hiken sieht so jedenfalls nicht aus, auch wenn der Track seinerseits dafür alles mitbrachte: fantastische Aussichten von schönen an sich einfachen Wanderwegen, die insbesondere auch in der zweiten Hälfte des Trailtages nicht mal mehr sonderlich steil waren und mit nur geringen Höhenunterschieden durch schönen Wald führten.

Das Ende des Queen Charlotte Tracks in dem Örtchen Anikawa erreichte ich nach knapp 25 Kilometern gegen 15:30 Uhr. Nun nur noch vier Kilometer auf der Straße bis zum Zeltplatz. Eine Stunde später war ich da und was war ich froh über die heiße Dusche. Auch wenn ich direkt danach wieder zu frieren begann.

Mal sehen, wie es morgen weitergeht. So richtig kann ich das im Moment auch noch nicht sagen. Ich werde zunächst erstmal versuchen ins 13 Kilometer entfernte Havelock zu kommen: einem Hafenort am Pelorus Sound, der die letzte Resupplymöglichkeit vor dem Pelorus River Track und den Richmond Ranges darstellt. Gegebenenfalls werde ich hier ausharren müssen bis es mir besser geht. Gerade fühlt es sich jedenfalls nicht so an, als könnte ich morgen durchstarten…

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