26
Jan
2018
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Tag 63 Parawai Lodge Hut bis Waikanae (24 Kilometer)

Oha, die drei harten Tage in den Tararua Ranges haben mich etwas zerlegt. Am gestrigen Abend war ich noch voller Motivation für den kommenden heutigen Tag mit einer weiteren Bergetappe im Tararua Forest Park. Ich wollte schließlich bis nach Waikanae gelangen, etwas vernünftiges zu essen bekommen und bestenfalls auch nen eisgekühltes Bier oder ne eisgekühlte Cola. Als ich heute morgen aufstand bekam ich jedoch jeden einzigen Muskel meines Körpers zu spüren und das wog irgendwie schwerer wie meine Motivation…

Nach dem Aufwachen gegen 7 Uhr morgens konnte ich mich tatsächlich eine Zeit lang nur humpelnd fortbewegen. Das hatte ich nun schon länger nicht mehr auf dem Trail erlebt. Jeder Muskel und jede Faser meines Körpers schien angesichts der weiteren Bergetappe über den 812 Meter hohen Pukeatua Mountain auf dem Pukeatua Track in Streik getreten zu sein. Dabei hatte ich mich gestern abermals mit Magnesium vollgepumpt. Ohne Magnesium hätt ich wahrscheinlich nicht mal humpeln können…

Ich war ziemlich sicher, dass ich heute auf dem Trail sicher eine ganze Weile länger brauchen würde, um in den richtigen Tritt zu kommen und meine Motivation vom Vorabend war vollends verflogen. Ehrlich gesagt war ich ziemlich demotiviert für den heutigen Tag, zumal mit den vielen kleinen Kuppen vor dem eigentlichen Summit sicher wieder an die 1.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen sein würden und irgendwie erwartete ich ein ähnlich schwieriges Terrain wie in den drei Tagen in den Ranges zuvor.

Völlig erledigt frühstückte ich meine letzten zwei Tortillas und mixte mir einen Proteindrink. Ich hoffte ab morgen endlich wieder was anderes zum Frühstücken zu bekommen. Richtiges deutsches Brot wäre toll, aber ich würde notfalls auch mit den Sandwichscheiben, die es hier immer gab, vorlieb nehmen 😉

Gestartet bin ich dann gegen 8 Uhr. Nachdem das einige hundert Meter vermutlich ziemlich fies anzuschauen war wie ich mich da mit dem Rucksack so fortbewegte, kam ich nach und nach dann doch halbwegs in Tritt. Meine Muskeln wärmten auf und irgendwie kam auch meine Motiviation zurück, zumal ich kurz vor dem Start noch mit den anderen über das ganze tolle Essen sinniert hatte, welches wir uns in der Stadt gönnen könnten.

Nach ein paar ersten Straßenkilometern in bereits brennend heißer Sonne ging es auf dem Pukeatua Track zunächst in einem Anstieg von einem Kilometer Länge 300 Höhenmeter steil hinauf auf den Nordostgrat des Pukeatua. Der Track war insoweit ganz „gut“ zu laufen, da er nicht von quer liegenden Bäumen usw. versperrt war. Gar nicht zu vergleichen mit dem, was ich in den vergangenen Tagen gewandert war. Dennoch spürte ich bei der Steile des Anstiegs jeden Muskel in meinen Waden, meinen Oberschenkeln und selbst meinen Armen. Zudem war der Anstieg – es war trotz der frühen Zeit am Morgen bereits unglaublich warm – zur Abwechslung wieder richtig schweißtreibend 😉

Gott, was war ich durch, als ich endlich auf dem Grat angekommen war. Ich zog mein Shirt aus, band meine Haare erstmals zum Zopf (ein kurzer zwar, aber mittlerweile sind sie lang genug) und versuchte etwas abzukühlen. Ich war wieder pitschnass. Verzweifelt hatte mein Körper versucht runterzukühlen, was nicht runterzukühlen ging. Was freute ich mich auf eine Dusche nachher… Wenn ich Glück hätte könnte ich mit den anderen kurz vor Waikanae in einer alten Kirche unterkommen und dort sogar duschen und meine Wäsche waschen.

Nach dem deftigen Anstieg und meiner Pause stieg der Track zwar weiterhin fortlaufend an, aber dies deutlich weniger steil. Die nächsten vielleicht 400 Höhenmeter bis hinauf auf den Gipfel verteilten sich immerhin auf etwa 5 Kilometer Track. Dieser war im Vergleich zu den Ranges wirklich leicht zu hiken. Zwar war der Waldpfad nun deutlich verwurzelter als im Anstieg und einige quer liegende Bäume erschwerten zuweilen das Vorankommen, aber ich schätzte, dass ich hier auf dem Track mit irgendwas um die drei Kilometer die Stunde vorankam. Das war deutlich schneller als in den Ranges.

Um 10:45 Uhr erreichte ich den Gipfel des Mount Pukeatua. Verrückt, mit mir befanden sich mit Heiner, Stef, Karima sowie Michael und Nadine, die ich am Vorabend in der Parawai Lodge kennengelernt hatte, doch tatsächlich nur Deutsche auf dem Gipfel… Irgendwie bestätigte das meinen Eindruck, dass auf dem Te Araroa ziemlich viele Deutsche unterwegs sind 😉

Nach einer dreiviertel Stunde Pause machte ich mich an den Abstieg. Vom Gipfel waren es noch etwa sechs Kilometer bis zur Straße und von dort aus knapp über zehn Roadwalkingkilometer bis Waikanae. Auf halber Strecke sollte noch ein gemütliches, ziemliches rustikales Farmhauscafé liegen. Ich wollte da unbedingt einkehren und gab vom Gipfel weg etwas Gas. Der Track blieb in der guten Kondition und so kam ich richtig schnell voran. Zunächst erfolgte der Abstieg durch subtropischen Busch, später dann durch Tannenwald bis ein kleiner Fluss zu furten war. Ich erfrischte mich hier kurz und passierte dann am Trailende eine Hängebrücke, die mich auf die Straße nach Waikanae brachte.

Wie sollte es auch anders sein: die Sonne brannte, der Asphalt flimmerte… Roadwalking at it’s best! Aber immerhin wehte ab und an ein lauer Wind und für einige Augenblicke des Roadwalkings schob sich gar mal eine der Wolken vor die Sonne und spendete den von mir erhofften Schatten. Dennoch war ich wahnsinnig froh nach den ersten sechs Kilometern auf der Straße gegen kurz vor 15 Uhr das Farmhauscafé mit seiner komplett im Schatten liegenden Terrasse zu erreichen.

Ich bestellte bei der freundlichen älteren Besitzerin einen sehr guten hausgemachen Chicken and Apricot Pie mit Pommes und Salat und einer zweiten eiskalten Coke. Die erste hatte ich direkt bei Ankunft ausgetrunken. Die anderen kamen etwa eine Stunde nach mir an dem total rustikalen, aber gemütlichen Café an und schlugen sich ihrerseits die Bäuche voll. Ich bestellte mir derweil noch einen Eiskaffee und machte mich an die Auswahl der Fotos aus den Tararua Ranges.

Dann machte ich mich um 17:15 Uhr wieder auf die Straße. Bis zur Unterkunft, der alten Kirche, waren es noch knapp vier Kilometer auf der Straße. Trotz meines vollen Magens waren diese schnell abgelaufen. Es lief sich gut nach der langen Pause und tatsächlich hätte ich auch noch weiterlaufen können. Andererseits war ich froh über die Dusche, die Möglichkeit meine Wäsche waschen und meine ganzen elektronischen Geräte wieder aufladen zu können.

Zusammen mit den anderen blieb ich noch ziemlich lange wach. Irgendwie schien keiner von uns so recht müde. Wir quatschten noch lange bis in die Nacht, schrieben an unseren Blogs oder Tagebüchern, tauschten Fotos von den vergangenen Tagen aus usw. Ich selbst ging tatsächlich erst kurz vor Mitternacht ins Bett. Dieses befand sich tatsächlich in einer alten Kirche…

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