23
Jan
2018
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Tag 60 Makahika bis Te Matawai Hut (23 Kilometer)

Heute ging es nach einigen Kilometern Hiking auf Straße und Weideland hinein in die 45 Kilometer lange Querung der Tararua Ranges, für die ich laut den Trailnotes bis zu wahnsinnige sechs Tage zu veranschlagen hatte. Alleine das zeugte schon mal von der Schwierigkeit der Gebirgskette. Und meine Fresse, die Tararua Ranges haben auch direkt am ersten Tag trotz wahnsinnig guten Wetters hart aufgeschlagen. Die Messlatte der härtesten Etappe meines Neuseelandabenteuers, die der Tag im Raetea Forest fast zu Beginn des Te Araroa hoch gesetzt hatte, wackelte hier am ersten Tag in den Ranges schon mächtig. Die Etappe war ein enormes Stück Arbeit und die Vervollständigung der Querung der neuseeländischen Nordinsel muss ich mir in den letzten Tagen vor Wellington offensichtlich mehr als hart erkämpfen…

Die vergangene Nacht hat es abermals ordentlich geregnet, aber so lange es tagsüber gutes Wetter bei meinem Einstieg in die Tararua Ranges geben sollte, war mir das recht egal. Ich stand um 7 Uhr auf. Zunächst frühstückte ich während es langsam aufhörte zu regnen notgedrungen zwei Tortillas statt Wraps. Woah, das war so gar nicht meins. Bislang dachte ich, dass Tortillas und Wraps so ziemlich dasselbe wären und so hatte ich beim letzten Einkauf nicht wirklich darauf geachtet, mir auch wirklich Wraps und eben keine Tortillas mitzunehmen, aber Tortillas sind im Vergleich zu Wraps total trocken und schmecken elendig fad. Ich hab mir die Dinger irgendwie ziemlich runtergewürgt. Richtig falten ließen sie sich zumindest diese Tortillas daneben auch nicht. Selbst eine Doppelportion Erdnussbutter vermochte die Dinger nicht zusammenzuhalten, als ich meinen Fruchtnussmix darauf streute und die Tortillas zu falten versuchte. Irgendwie zerbröselten die mir regelrecht beim Essen in der Hand.

Mein Zelt packte ich nach dem Frühstück ziemlich nass ein, aber es sah so aus, als würde die Wolkendecke in der nächsten Stunde aufreißen und die Sonne herauskommen. Ehe es also in die Ranges ging hätte ich vielleicht vorab die Gelegenheit das Zelt nochmal zu trocknen, um es dann für die nächsten Tage in meinen Rucksack zu verbannen. In den Ranges würde ich aller Voraussicht nach in einfachen Berghütten des DOC übernachten. Wenn ich Glück hatte, würde ich auch meine Schuhe einigermaßen trocken bekommen, denn heute morgen bin ich mal wieder in völlig nasse Schuhe und Socken hinein.

Gegen 8 Uhr machte ich mich mit Axel zunächst zu der Campsite auf, die ich am Vortag eigentlich noch erreichen wollte. Ich wollte hier nochmal die Wettervorhersage für den heutigen und die kommenden Tage erfragen, denn die Tararua Ranges waren bei Schlechtwetter mit ihrem extrem steilen An- und Abstiegen, ihren ausgesetzten Pfaden und schmalen Graten alles andere als ungefährlich.

Der Trail führte bis zur Campsite zunächst einige Kilometer über Weideland, in dem ich den Hinterlassenschaften der Kühe in einem aus der Ferne sicher merkwürdig ausschauenden Zickzackkurs auszuweichen versuchte. Anschließend ging es noch ein Stück auf einer Landstraße entlang.

In der Campsite angekommen, wurden Axel und ich direkt von der freundlichen Besitzerin auf einen Kaffee eingeladen. Zudem bot sie uns an, dass wir duschen gehen könnten, da wir jedoch ohnehin direkt nach dem Start in die Tararua Ranges völlig ins Schwitzen geraten würden, verzichteten wir darauf. Während ich den Kaffee genoss, mein Zelt zum Trocknen in der Sonne ausbreitete und über das WLAN der Campsite meine Blogartikel der vergangenen zwei Tage hochlud, traf ich nach und nach auch auf die anderen Te Araroa-Hiker hier auf der Campsite: Harry und Marry waren hier, ebenso Dan, einige weitere Hiker, die ich bislang noch nicht kannte, Hannes, den ich zuletzt in Mercer gesehen hatte, und auch Karima. Ich hatte gestern Abend schon gedacht, dass Karima womöglich auf dem Makahika Track falsch abgebogen wäre, aber sie hatte den Track verpasst und war dann bis zur Campsite getrampt.

Die Besitzerin der Campsite gab uns noch neben der gut ausschauenden Wetterorhersage für die nächsten zwei Tage einige Tipps für den heutigen Tag mit. Soweit möglich, sollten wir zur Te Matawai Hut gelangen und hierzu statt über den Waiopehu Track über den Gable End Ridge Track aufsteigen. Dieser war zwar genauso steil, sollte aber nur mäßig schlammig sein… Naja, nach den Erfahrungen am heutigen Nachmittag würde ich das nicht unterschreiben… Für morgen sollten wir zusehen, allenfalls bis zur Nichols Hut zu gelangen. Das wären zwar nur 12 Kilometer, aber wir müssten für diese Strecke ganze acht Stunden veranschlagen.

Um 10:30 Uhr brach ich von der Campsite auf. Die freundliche Besitzerin gab mir noch einen Apfel mit auf den Weg und dann machte ich mich mit Karima an die Aufholung der anderen. Denn Hannes, Harry, Mary und Dan sowie vier weitere Hiker waren bereits gestartet. Acht Stunden waren bis zur zweiten Hütte zu veranschlagen. Ich fühlte mich gut und hatte mir zum Ziel gesetzt, den Anstieg in sechs Stunden zu schaffen und gab daher direkt von Anfang an auf den ersten drei Straßenkilometern bis zum Einstieg in die Ranges Gas und überholte gleich sieben von den vor mir gestarteten.

Anfangs führte der Track in die Ranges noch über Farmland, dann ging es über einen teils stark ausgesetzten, aber glücklicherweise nur wenig schlammigen Pfad im Steilhang und im Busch voran. Ich passierte eine Hängebrücke über einen reißenden Fluss, dann gelangte ich gegen 12:30 Uhr zum Beginn des Gable End Ridge Track.

Ich machte eine kurze Pause, dann begann ich den Aufstieg durch den Busch auf den Grat. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich noch immer, dass ich die Hütte in sechs Stunden erreichen könnte, zumindest wenn ich mich nicht weiterhin wie in den letzten anderthalb Stunden ständig in Lianen verfing, die über den Track hingen und halbhoch darüber hinwegwuchsen.

Teilweise war der Aufstieg so steil, dass ich nur im Schneckentempo vorankam. Der Pfad führte weitestgehend an dem weit verzweigten Wurzelwerk der Bäume hinauf. Oftmals war das schon mehr Klettern als Wandern, aber es machte Spaß, auch wenn ich im Anstieg ziemlich keuchte, schnaufte und schwitzte.

Anderthalb Stunden nach Beginn des Tracks passierte ich zwei der Höhe von 985 Metern vorgelagerte Kuppen auf 666 und 670 Metern. Von diesen ging es jeweils hinab eine ziemlich matschige Senke ehe der Track dann wieder beschwerlich anstieg. Auf 700 Höhenmetern machte ich eine Pause und verabschiedete mich von meinem Ziel, die Hütte in sechs Stunden zu erreichen. Nicht machbar, nicht in diesem Terrain. Die vielen Anstiege und zwischenzeitlichen Abstiege, der vermehrte Matsch, das alpiner werdende Gelände mit Anstiegen im steilen Fels ließen mich dieses Ziel vergessen.

Der Karte nach verflachte der Track ab 900 Höhenmetern und lief im Auf und Ab über mehrere Bergkuppen fort. Ich dachte mit Blick auf die Karte noch, dass der Track dann einfacher werden dürfte, aber das war so ein Trugschluss. Es geriet zur völligen Schlammschlacht. Zudem lagen unzählige Bäume und große Büsche über dem Track, die oftmals umständlich umklettert, überklettert oder drunter durchgekrochen werden musste. Selbst 100 Meter Strecke wurden hier zur Herausforderung und es waren noch ganze vier Kilometer bis zur Te Matawai Hut. Daneben wurde die Vegetation deutlich weniger dicht, es wurde mehr und mehr alpiner und hier oben gab es einige fantastische Aussichten auf die Tararua Ranges mit ihren teils wolkenverhangenen Gipfeln.

Um 16 Uhr erreichte ich ihn endlich: den mit 985 Metern für heute höchsten Punkt in den Ranges. Es war eine fantastische Aussicht von hier oben. Ich verweilte nur kurz und dann machte ich mich von hier aus an den Abstieg auf 690 Höhenmeter, der wieder steil hinab in den Busch auf den Butchers Saddle führte, um von dort aus dann wieder 200 Höhenmeter bis zur vielleicht noch zwei Stunden entfernten Hütte anzusteigen.

Der Ab- und Wiederaufstieg war teils wahnsinnig steil und ich hatte auf jeden Schritt zu achten. 300 Höhenmeter im Abstieg und 200 Höhenmeter im Aufstieg mögen nicht so viel klingen, aber in diesem schlammigen, feuchten, alpinen Terrain sowie mit den schwer zu begehenden Pfaden im Busch, die oftmals keinen wirklichen Weg, nicht mal einen Trampelpfad darstellen, sondern bei denen jeder zweite Meter auf dem Track zur Kletterpartie unter, über oder durch den Busch verkommt, war das richtig harte Arbeit.

Einen Teil des Weges lief ich mit Tobias, einem Australier, der ebenfalls den Te Araroa läuft, und den ich hier erstmals getroffen habe. Netter Typ. Ich schätze wir werden uns die nächsten Tage öfters über den Weg laufen. Daneben lernte ich heute auf dem Trail noch einige weitere Hiker, darunter die Deutschen Heiner und Stef, kennen.

Um 17:45 Uhr erreichte ich nach einem Schlußspurt endlich die Te Matawai Hut, in der ich total überraschend auch auf Elizabeth, Mckenzie, Rob und Damian traf, die hier einen Pausentag eingelegt hatten. Die Hütte selbst war ziemlich einfach, wenn nicht gar etwas runtergekommen, aber nach dem harten Tag heute war sie das beste, was mir passieren konnte. Als ich ankam, trank ich erstmal nen guten Liter Wasser weg. Ich hatte kurz nach dem höchsten Punkt des heutigen Tages kein Wasser mehr und so hatte ich erstmal meinen Durst zu stillen.

Anschließend befreite ich mich und meine Schuhe einigermaßen vom Schlamm. Meine Schuhe hatten ziemlich gelitten am heutigen Tag und waren an mehreren Stellen wieder aufgerissen. Mit Zahnseide und Nadel versuchte ich das notdürftig zu flicken. Wenigstens ein paar Tage müssten die Schuhe noch halten und mich über die Ranges bringen. Die flacheren Etappen nach Wellington könnte ich notfalls in meinen Sandalen zurücklegen, aber für die Tararua Ranges waren diese definitiv keine Option.

Die Hütte wurde abends noch richtig voll. Letztlich waren wir hier ganze 15 Hiker und irgendwie war es schon eine richtige Hikerparty im Gebirge hier, da insgesamt so viele Hiker miteinander bekannt waren. Morgen geht es dann auf eine heftige Etappe, die mich bis auf knapp 1.400 Höhenmeter hinaufführt.

Heute hab ich unzählige Fotos geschossen. Hier sind noch ein paar:

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