22
Jan
2018

Tag 59 Kahutewara Stream bis Makahika (29 Kilometer)

Der heutige Tag war ein ziemlich harter und irgendwie auch ein Raetea-Forest-Revival. Zwar habe ich einige Kilometer mehr geschafft als seinerzeit im zweiten der Northland Forests, aber der Makahika Track hat mich dennoch mit dem subtropischen Regenwald durch den er führte und vor allem dem gesamten Schlamm auf dem Track mehr als an den Raetea Forest erinnert. Daneben war mit an die 25 Flussfurtungen heute abermals Wet-Feet-Day. Sowohl auf dem Makahika Track als auch auf dem vorhergehenden Burttons Track waren unzählige Flüsse und Bäche zu queren…

Haha, es ist trotz Regens in der Nacht keine Feuchtigkeit durch meinen Zeltboden durchgesickert. Als ich heute morgen aufwachte, musste ich erstmals seit dem Timber Trail nicht meinen gesamten Zeltboden, meine Isomatte und meine sonstigen Ausrüstungsgegenstände, die ich des nächtens im Zelt lagere, mit meinem Outdoorhandtuch trockenwischen. Meine Radikalbehandlung des Zeltbodens von innen wie von außen mit einer fast halben Dose Imprägniersprays hatte also Wirkung gezeigt.

Daneben habe ich endlich mal wieder volle acht Stunden Schlaf bekommen. Die vergangenen Tage hatte ich immer nur so um die sechs Stunden geschlafen, da ich bis spät in die Nacht noch meine Blogartikel geschrieben und mit Fotos versehen habe. Letztlich brauche ich pro Artikel ja doch so um die zwei bis drei Stunden und nach der Whanganui River Journey hatte ich meinen Blog auch über das Schreiben der Artikel selbst noch auf Stand zu bringen. Ihr seht, ich lege mich neben dem Hiken also auch noch anderweitig ins Zeug jeden Tag 😉 Da ich meinen Blogartikel vom gestrigen Tag schon gegen 22 Uhr fertig hatte, konnte ich nun endlich mal wieder einen längeren Schlaf genießen.

Das Prasseln des Regens auf mein Zelt hatte gerade aufgehört, als ich um 7 Uhr morgen aufstand und meine Sachen packte. Karima war ebenfalls gerade im Aufstehen und Zusammenpacken begriffen. Wir wollten die Regenpause direkt nutzen um mit einigermaßen trockener Ausrüstung auf den Trail zu kommen und das taten wir dann auch gegen 8 Uhr.

Zunächst liefen wir nur die restlichen drei Kilometer der stetig auf knapp 500 Höhenmeter ansteigenden Forststraße, auf der wir uns gestern zum Ende unseres Trailtages befunden hatten. Diese endete am Beginn des Burttons Track: einem etwa 15,5 Kilometer langen Track durch ursprünglichen Regenwald und Busch, der zunächst steil auf 170 Höhenmeter zum Tokomaru River hinabführte. Zuvor legten wir jedoch eine Frühstückspause ein, in der ich mir – ganz ungewöhnlich für mich – statt eines Wraps mal Instandnudeln gönnte.

Anschließend machten wir uns bei wieder einsetzendem Regen auf den Burttons Track, der anfangs ziemlich schlammig daherkam, im Abstieg glücklicherweise jedoch trocken verlief. Der Track war gerade zu Beginn wieder so ein wunderschön verwunscher Pfad durch subtropischen Regenwald, der aufgrund des Regenwetters und niedrig im Wald hängender Wolken sehr mystisch daherkam. Es machte mir Spaß hier zu laufen, auch wenn der steile Abstieg zum Tokomaru River ordentlich in die Knie ging. Bis zum Frühstück hatte ich mir irgendwie noch platt gefühlt – vermutlich von dem spät beendeten Wandertag gestern und der vielen Kilometer auf Asphalt- und Schotterstraßen – aber hier auf dem engen Pfad machte es mir wieder Freude zu laufen, auch wenn ich im steilen Abstieg und der hohen Luftfeuchtigkeit abermals wie verrückt ins Schwitzen geriet.

Unten am Fluss angekommen, folgte der Burttons Track dem Tokomaru River weitestgehend im Hang neben Fluss auf engem Pfad und in stetem Auf und Ab stromaufwärts. Kurze Passagen führten durch das Flussbett selbst stromaufwärts und durch kleinere Zuflüsse des Tokomaru River. Ich war ziemlich sicher, dass ich heute wohl keine trockenen Füße mehr bekommen würde.

Nach anderthalb Stunden auf dem Burttons Track erreichten wir gegen 10:45 Uhr die Burttons Whare Site. An dieser Stelle, völlig abgelegen im Regenwald, hatte der Namensgeber des Tracks, James Burtton, allein in seiner Hütte von 1908 bis 1941 gelebt und in dieser Zeit das auf der anderen Flussseite gelegene Land urbar gemacht und Farmwirtschaft betrieben. Im März 1941 verunglückte James Burtton dann nahe dieser Stelle, als die Brücke, die er über den Fluss errichtet hatte, zusammenstürzte und er acht Meter in die Tiefe auf die Felsen im Fluss fiel. Zwar erreichte er trotz seiner Verletzungen nach etwa 12 Stunden noch seine nächstgelegenen Nachbarn, er verstarb jedoch wenig später an seinen Verletzungen.

Von der Burttons Whare Site aus folgten wir dem Track weiter am Flusslauf entlang stromaufwärts im teils steilen Hang. Meist verlief der Track hier durch dichten Busch.

Zuweilen gelangten wir jedoch auch in kurze Abschnitte offenen Bewuchses. Hier führte der Track oftmals durch Ebenen voller Ginsterbüsche. Mein Todfeind. Wenn die Ginsterbüsche von einer Seite in den Track ragen, ist das ja noch okay. Irgendwie kann man sich trotz ausladendem Backpack dann meist noch an den stacheligen Gewächsen vorbeischmuggeln, aber wenn sowohl von links als auch von rechts der Stechginster in den Track ragt, gibt es kein Entkommen. Das war hier schon fast wie ein Ginsterwald und ich hab es echt gehasst…

Erst spät haben wir um 13 Uhr den Burttons Track, der insgesamt anspruchsvoller war als wir dachten, verlassen und gelangten auf die Tokomaru Valley Road, eine wenig befahrene 4WD-Straße. Im Schutze einer verlassenen und halb eingestürzten Scheune machten wir hier zu Beginn der Straße eine Mittagspause. In dieser hörte der Regen glücklicherweise auch erstmal auf.

Der Schotterstraße folgten wir dann auf den nächsten drei Kilometern an einem kleinen Stausee entlang bis zum Makahika Track, von dem aus es noch 15 Kilometer bis zu unserer geplanten Campsite waren. Ich eilte auf der Schotterstraße etwas voraus und habe Karima seitdem auch nicht mehr gesehen. Ich schätze sie hat ihr Zelt irgendwo auf dem Track aufgeschlagen während ich mich hier auf meiner Campsite am Ende des Tracks befinde.

Der Makahika Track, für den bis zur Campsite etwa sechs Stunden zu veranschlagen waren, führte abermals durch dichten Regenwald mit völlig bemoosten Bäumen und wahnsinnig schönen Grüntönen. Der Track stieg direkt für eine knappe halbe Stunde steil auf 500 Höhenmeter an, ehe er dann wieder auf verschlängeltem Pfad einige Höhenmeter in ein kleines ebenfalls dicht vom Regenwald bewachsenes Tal hin abfiel, wo der Blackwood Stream an mehreren Stellen zu furten war. An diesem füllte ich nochmal meine Wasserreserven, da laut Trailbeschreibung der Blackwood Stream für die nächste Zeit die letzte Wasserquelle sein sollte.

Anschließend stieg der Track über mehrere kleinere Kuppen bis auf knapp 700 Höhenmeter an. Das waren vom Blackwood Stream aus zwar nur knapp 250 Höhenmeter Differenz, aber durch das stete Auf und Ab auf dem Track, das verwurzelte Terrain, teils über dem Track liegende Bäume und vor allem durch Unmengen an knöcheltiefen Schlammlöchern, die dafür sorgten, dass ich ständig ausrutschte oder mit meinen Schuhen steckenblieb, war der Aufstieg mehr als erschwert und zog sich wahnsinnig in die Länge.

Ich kämpfte mich diesen Track tatsächlich ziemlich herauf und gelangte erst um 17:15 Uhr und damit drei Stunden nach meinem Start auf den Track um 14:15 Uhr auf den vom Trackstart nur 6,7 Kilometer entfernten, völlig wolkenverhangenen Gipfel. Es regnete ununterbrochen. Das hatte hier alles schon fast die Qualität vom Raetea Forest. Ich hatte keine Ahnung, ob ich es heute noch zu der geplanten Campsite, dem Makahika Outdoor Pursuits Centre in etwas über 8 Kilometern Entfernung schaffen würde bei diesen Konditionen. Zwar stand jetzt der Abstieg an – laut Höhenprofil ein extrem steiler – aber wenn sich der Track nicht wahnsinnig besserte, müsste ich den Abstieg total langsam angehen.

Glücklicherweise wurde der Track besser. Es war zwar ständig feucht und durch Moose, Steine,Wurzeln und das dichte Laub auf dem Boden des Regenwaldes ging der Abstieg langsam vonstatten, aber es hatte so gut wie keinen Schlamm mehr. Das vereinfachte den Abstieg sehr. Als ich knappe 400 Höhenmeter abgestiegen war, entfiel auch der steile Abstieg. Der Track verlief nun sanft abfallend durch den Regenwald. Ich pfiff mir noch einen Müsliriegel rein und dann gab ich Gas. Ich wollte unbedingt noch zur Campsite gelangen und ich schätzte, dass ich diese noch vor 20 Uhr erreichen könnte.

Über unzählige Flussfurtungen – ich schätze auf drei bis vier Kilometern standen hier an die 15 Furtungen durch kleinere Flüsse an – gelangte ich heraus aus dem Dickicht des Regenwaldes und in offeneres Gelände. Mittlerweile war es kurz vor 19 Uhr und ich hatte nur noch vier Kilometer bis zur Campsite. Es hatte aufgehört zu regnen und die Sonne ließ sich nochmal blicken. Da sah ich doch tatsächlich auf einem Stück grasiger Fläche Axel sitzen, der gegen 17 Uhr hier angekommen war und sein Zelt aufgeschlagen hatte. Ich beschloss mich dazuzugesellen. Ich war 11 Stunden auf den Beinen für 29 Kilometer und das reichte mir. Auf die an sich geplante Campsite konnte ich angesichts des schönen Platzes hier nahe dem Fluss, an dem ich meine Schuhe und Beine zunächst vom Schlamm befreite, verzichten.

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