18
Jan
2018

Tag 55 Downes Hut bis Whanganui Holiday Park (44 Kilometer)

Heute ging es auf dem Whanganui River auf ganzen 44 Kilometern bis hinunter in die Stadt Whanganui an der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel. Und erstmals hatten wir auf diesem tollen Trip auf dem Fluss neben einem frisch wehenden Wind auch mit jeder Menge Regen zu kämpfen. Glücklicherweise war es aber einigermaßen warm. So war ich zwar den ganzen Tag über ziemlich durchnässt, fror aber – abgesehen von den Pausen, die wir zwischendurch einlegten, nicht…

Ich hatte eine superangenehme Nacht und einen echt guten Schlaf in der Downes Hut. Draußen prasselte der Regen gegen die Hütte, während ich drinnen auf einer richtigen Matratze im Trockenen lag. Woah, das fühlte sich gut an 🙂

Am Morgen bin ich dann gegen 6:30 Uhr aufgestanden. Wir wollten heute einigermaßen früh auf den Fluss kommen. Immerhin standen für uns ganze 44 Kilometer zum Paddeln an und das würde für uns die bislang längste Etappe auf dem Fluss werden. So starteten wir tatsächlich auch noch vor 8 Uhr auf den Fluss.

Draußen war es ziemlich windig und bewölkt. Immer wieder regnete es und anfangs gelangte ich doch echt ein wenig ins frösteln, zumal ich nach der ersten Stromschnelle des Tages auch wieder komplett durchnässt war. Nach den ersten zwei Kilometern des Tages hatte ich mich doch aber irgendwie „warmgepaddelt“ und es war trotz der nassen Klamotten total angenehm über den Fluss, auf den die Regentropfen darniederprasselten, zu gleiten.

Wir gaben ziemlich Gas heute und ließen uns im Gegensatz zu den Vortagen so gut wie garnicht vom Fluss treiben, sondern paddelten die ganze Zeit über. Die vielen Kilometer, die bis Whanganui anstanden, waren der eine Grund dafür. Daneben hielt uns das Paddeln im Regen schlichtweg auch einfach warm und vermutlich waren wir das Paddeln nun an Tag 5 der River Journey auch einfach mehr gewohnt. So machten wir in den ersten zwei Stunden doch glatt 16 Kilometer. Hier befanden wir uns ungefähr an der Stelle, ab der bis Whanganui äußerst flach verlaufende Fluss durch die Gezeiten mitbestimmt war. Derzeit lief das Hochwasser noch ein und da wir nicht umständlich gegen dieses anpaddeln wollten, legten wir eine Pause ein.

Simone hatte in einer ihrer Trailapps ein Café ausgemacht, welches sich an der Straße neben dem Whanganui River befinden sollte. Wir landeten unsere Boote daher unten am Flussufer und gingen die Böschung zur Straße hinauf. Statt auf die Straße und zum Café zu gelangen, standen wir jedoch mitten auf der Schafweide eines Farmers zwischen den wild blökenden Tieren.

Der Farmer fragte uns, wo wir denn herkamen. Als wir antworten, dass wir das Café suchen würden, teilte er uns mit, dass dieses etwa vier bis fünf Kilometer weiter stromaufwärts liegen würde. Damit hatten wir das Café offensichtlich verpasst. Auf Kaffee und Scones mit Butter und Marmelade mussten wir dennoch nicht verzichten. Der Farmer und seine Frau luden uns direkt zu Kaffee und Scones in ihr schönes Farmhaus ein. Wir verbrachten hier doch glatt über eine Stunde ehe wir uns im strömenden Regen dann wieder aufmachten, den Fluss weiter hinabzupaddeln.

Das Hochwasser hatte zwischenzeitlich seinen höchsten Stand erreicht und so sollte es für uns nun, dachten wir zumindest, ein leichtes sein, mit der nach und nach auslaufenden Flut bis nach Whanganui zu gelangen. Tja, naja, irgendwie hatten wir uns da wohl etwas vorgemacht. Der Flusslauf war ab hier dermaßen breit und flach, so dass wir das Gefühl hatten, hier gab es nun gar keine Strömung mehr. Zudem mäanderte der Fluss nach einigen Schleifen meist nicht mehr kurvenreich durch die Landschaft, sondern verlief oftmals in deutlich längeren Abschnitten von mehreren Kilometern komplett gerade, was uns das Gefühl vermittelte, so richtig langsam voranzukommen. Zwischenzeitlich hatten wir oftmals das Gefühl, vielleicht eine falsche Information über Low und High Tide erhalten zu haben, und dass wir tatsächlich gerade gegen das einlaufende Hochwasser ankämpften.

Nach weiteren zehn Kilometern machten wir gegen 13:30 Uhr abermals eine Pause und hatten im strömenden Regen Lunch. Ich hatte vier Wraps mit Corned Beef. Würg, das tue ich mir nicht nochmal an. Das war irgendwie wie Hundefutter im Wrap. Aber immerhin hatte ich damit knapp 80 Gramm Protein zu mir genommen.

Die Pause beendeten wir dann frühzeitig. Der Wind und die durchnässten Klamotten sorgten in ihrer Kombination dafür, dass wir froren, daher brachen wir schnell wieder auf den Fluss auf und paddelten uns warm ehe wir gänzlich auskühlten.

Die restlichen 18 Kilometer verliefen meist in völlig geraden und langen Flussabschnitten. Der Flusslauf wurde noch breiter als zuvor und nach und nach kamen die ersten Häuser vor Whanganui in Sicht. Zudem waren wir nicht mehr alleine auf dem Fluss. Einige Sportruderer kamen uns hier entgegen.

Die letzten fünf Kilometer war ich einfach nur noch platt und groggy. Wir kämpften gegen den Wind an, der uns hier erstmal von der See entgegenblies. Der Regen hatte glücklicherweise nachgelassen.

Vor der Bootsrampe zum Holiday Park selbst gönnte ich mir dann vom Kayak den Sprung in den Fluss. Ich hatte die Tour ohne Kentern bzw. ohne vom Kayak gespült zu werden überstanden. Das wollte ich mir jedoch nicht nehmen lassen und erschien mir als guter Abschluss für die Tour 😉 Ich musste danach nur zusehen, dass ich mein Kayak recht schnell wieder abfing. Wind und Strömung sorgten dann doch dafür, dass es ziemlich schnell abdriftete 🙂

Am Holiday Park angekommen, entleerten wir die Boote und wasserdichten Tonnen. Ich packte meine gesamte Ausrüstung wieder in den Rucksack. Endlich hatte alles wieder seinen gewohnten Platz. Das war schon ziemlich ungewohnt in den letzten fünf Tagen. Irgendwie war ich mit der neuen Ordnung nicht so richtig klargekommen und mehrfach habe ich doch tatsächlich bestimmte Ausrüstungsgegenstände gesucht, weil ich diese nicht mehr zwangsläufig in den üblichen DryBags verstaut hatte.

Während Simone und Lyndon für Fish and Chips nach Whanganui hineinliefen, genoss ich nach dem Aufbau meines Zeltes die Annehmlichkeiten des Holiday Parks: ein Eis, eine frische Dusche, eine Wäsche meiner Klamotten, Wifi, ein Telefonat mit meiner Familie, die sich schon Sorgen machte usw.

Dann traf ich auf einige andere Te Araroa-Hiker. Harry und Marry befanden sich hier, ebenso Karima sowie Dan aus Hawaii. Sie planten die knapp 110 Straßenkilometer, die für die nächsten drei bis vier Tage anstanden, morgen mit dem Rad zurückzulegen und fragten mich, ob ich mich ihnen noch anschließen wollte. Ich hatte das selbst schon überlegt, war aber nicht sicher, ob ich alleine eine Bike mieten können wüde. Die meisten Bikeverleiher bieten Einwegmieten nur für größere Gruppen an und so war dies an sich die perfekte Gelegenheit. Ich schaute mir nochmal die Strecke für die nächsten Tage an: 110 Kilometer, davon knapp 8 Kilometer an einem Strand. Der Rest verlief tatsächlich fast nur auf stark befahrenen Straßen und dem Highway. Die Kommentare hierzu waren durchweg negativ. Letztlich entschied ich mich, so wir das zusätzliche Bike am morgigen Tag noch organisiert bekämen, mit den vieren zu fahren. Zwar würde das für mich erstmal einen Bruch von meiner Maxime bedeuten, jeden Schritt zu gehen, aber ich wollte mir ernsthaft in den nächsten drei Tagen und vor den heftigen Tararua Ranges nicht die Füße kaputtlaufen. Zudem war es für mich ein guter Kompromiss, die Kilometer dennoch mit meiner eigenen Muskelkraft zurückzulegen.

Am Abend genoss ich mit den anderen ein wahnsinnig tolles Essen. Sie hatten jede Menge Free Food beim örtlichen Countdown Supermarkt bekommen, u.a. einen zehn Kilo schweren Schinken, und, da sie wussten, dass ich heute die Kayaktour beenden würde, auch einiges für mich mit organisiert. Wahnsinnig lieb von allen!

Dann spielte ich mit Simone und Lyndon zum Abschluss unserer fantastischen Tour noch bis spät in die Nacht Karten, aß jede Menge Chips und Schokolade und trank einige Cider. Im Gegensatz zu den vorherigen Abenden war ich diesmal beim Kartenspiel sogar in der Gewinnerspur 😉 Erst spät kroch ich gegen 1 Uhr nachts in meinen Schlafsack.

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