17
Jan
2018

Tag 54 Jerusalem bis Downes Hut (29 Kilometer)

Am vierten Tag der Whanganui River Journey standen heute an sich ganze 42 Kilometer Paddeln an. Bereits am frühen Nachmittag aber haben wir den Paddeltag zugunsten der echt richtig schön gelegenen Downes Hut beendet. Damit verbleiben zwar, sofern wir morgen bis zum Holidaypark in Whanganui gelangen wollen, ganze 44 Kilometer für den morgigen Tag, aber das werden wir schon wuppen…

Heute morgen sind wir ungewöhnlich früh auf den Fluss gestartet. Bereits um 8 Uhr hatten wir unsere wasserdichten Tonnen im Kanu von Simone und Lyndon verpackt. Auf mein Kayak passte letztlich nur eine von den wasserdichten Tonnen. Den Rest brachten wir daher wie in den vergangenen Tagen im Kanu unter.

Am Vortag hatten wir mein Kayak noch das steile Ufer hinaufgezogen und dort an einem Baum vertaut, während wir das schwerere Kanu wiederum am Kayak festmachten. Eigentlich wollte ich über das völlig verschlammte Flussufer mit meinem Kayak wie auf einer Bootsrutsche die drei bis vier Meter in den Whanganui River hinabrutschen, aber irgendwie mißlang das. Es war zwar elendig schlammig – am Vortag steckte ich hier noch beim Ausladen der Boote bis zum Knie im Schlamm – aber mein Boot kam nicht so richtig ins Rutschen. Schade, das hätte bestimmt nen Heidenspaß gemacht. Dafür wurde ich direkt nach dem Start aber mit weiteren Wildwasserpassagen, die den heftigen Stromschnellen vom Vortag schon ziemlich nahe kamen, entschädigt. Ich hatte also dennoch meinen Spaß 😉

Die in den ersten drei Tagen auf dem Fluss sehr spektakuläre Landschaft hatte sich ja bereits gestern nach dem Verlassen des Nationalparks hinter Pipiriki gewandelt. Die steilen Felswände und der dichte Busch waren sanfter ansteigenden Flussufern, an denen immer wieder Bergziegen zu sehen waren, und teils von Busch bewachsenen, teils farmwirtschaftlich genutzten Hügeln gewichen. Zudem war der Flusslauf deutlich breiter als noch im Nationalpark selbst und das sollte auch heute den Tag über so bleiben.

Viele Te Araroa-Hiker finden die zwei bis drei Tage auf dem Fluss nach Pipiriki landschaftlich nicht mehr so reizvoll. Ich kann das im Vergleich zu den Tagen zuvor schon nachempfinden. Die Landschaft im Nationalpark war einfach deutlich spektakulärer. Dennoch war das auch hier weiterhin ein wahnsinnig schöner Trip und eine tolle Abwechslung vom Wandern – zumal die Alternative in weiteren Straßenkilometern bestanden hätte 😉

Nach drei Tagen beinahe besten Wetters schlug dieses heute etwas um. Es blies ein ordentlicher Wind auf dem Fluss und manches Mal versuchte ich auf dem breiten Flusslauf einfach gegen den Wind anzusteuern und zu verhindern, dass dieser meiner Kayak nach und nach dreht und quer zum Fluss stellt. Einige Male fing es auch an zu regnen. Dieser Regen hielt jedoch nicht lange an. Verwunderlich bei den teils richtig düsteren Wolken, die über uns hinwegzogen. Irgendwie hatten wir alle schon mit Gewitter und Starkregen gerechnet, aber da sind wir dann doch nochmal drum herum gekommen.

Nach viereinhalb Stunden hatten wir etwa 25 Kilometer auf dem Fluss zurückgelegt und machten an einem schönen Spot auf einer Steinbank am Flussufer eine Mittagspause.

Nach einer dreiviertel Stunde brachen wir dann wieder auf, paddelten vielleicht noch fünf Kilometer und kamen dann an der Downes Hut vorüber, einer einfachen Hütte des DOC mit fünf Betten, die hoch über dem Fluss gelegen war. Wir stoppten ansich nur um unsere Wasservorräte aus dem dortigen Regentank aufzufüllen. Als wir dann jedoch die einladende Hütte sahen, beschlossen wir kurzerhand hierzubleiben. Zwar müssten wir uns dafür morgen ordentlich ins Zeug legen, um bis nach Whanganui zu gelangen, aber wir würden vermutlich früh starten und zunächst die ersten 15 bis 20 Kilometer in Richtung Whanganui abreißen. Anschließend war der Fluss, der die letzten 25 bis 30 Kilometer in die Tasmanische See sehr flach verläuft, sehr gezeitenbestimmt und wir müssten, um nicht gegen die eingehende Flut ankämpfen zu müssen, ohnehin das auslaufende Hochwasser abwarten ehe wir die restlichen Kilometer bis Whanganui angehen können würden.

Damit beendeten wir unseren Paddeltag heute bereits vor 15 Uhr. Den Rest des Tages genossen wir die Hütte. Wir spielten Karten, kochten gemütlich aus unseren gesamten verbliebenen Vorräten, entzündeten ein Feuer im Kamin der Hütte und suchten die Mäuse, die sich die Hütte zu ihrem Heim gemacht hatten, zumindest für diese Nacht aus dieser zu vertreiben 😉

Morgen kommt dann der letzte Tag auf dem Fluss. Ich kann schon jetzt sagen, dass die Whanganui River Journey ein tolles Abenteuer war und eine gelungene Abwechslung von den vielen Wochen des Hikens zuvor. Zudem bin ich bei dem ganzen guten Essen, das ich bislang hier genossen habe, ziemlich sicher, dass meine Energiereserven wieder gefüllt und mein Akku fürs Hiken damit wieder aufgeladen ist.

Ansonsten muss ich mir noch was einfallen lassen für mein Zelt. Der subtropische Sturm auf dem Timber Trail hat meinem Zelt offensichtlich doch etwas zugesetzt. Ich hatte dieses auf relativ feuchtem Boden aufstellen müssen und der an sich wasserdichte Boden meines Zeltes hatte der hohen Wassersäule vom Boden aus nicht standgehalten. Seitdem habe ich beinahe jeden Morgen das Problem, dass sich Feuchtigkeit durch meinen Boden hindurchdrückt und der Zeltboden von innen ziemlich nass ist, aber auch alle Sachen, die darauf liegen. Isomatte, DryBags, Klamotten usw. Ich werde den Boden demnächst mal vernünftig reinigen und wieder imprägnieren müssen. Eventuell werde ich mir für die Südinsel auch noch ein Groundsheet – eine zusätzliche Bodenplane – besorgen.

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