16
Jan
2018

Tag 53 Teke Kainga bis Jerusalem (32 Kilometer)

Tag 3 der Whanganui River Journey führte nochmals im Whanganui Nationalpark durch fantastische Landschaften mit meist steilen Felswänden zu beiden Flussufern. Daneben gab es auch die bislang größten und reißerischsten Stromschnellen und Wildwasser auf dem Fluss zu bewältigen. Ich rechnete einige Male damit, dass mich die Wellen von meinem Kayak runterspülen oder dieses umreißen würden. Letztlich ging für mich dann aber nochmal alles gut aus, während es Simone und Lyndon gleich zweimal am heutigen Tag umgerissen hat…

Das einige Bier und der Cider am Vorabend haben mich offensichtlich für die Nacht ziemlich tiefenentspannt. Ich bin erst um 7 Uhr am Morgen aufgewacht, schaute auf mein Handy, um die Zeit zu checken und bin dann ziemlich schnell aufgestanden. Ich rechnete damit, dass Simone und Lyndon schon nahezu aufbruchbereit waren, aber weit gefehlt. Während Lyndon gerade einen Kaffee aufsetzte, war Simone doch tatsächlich noch in ihrem Zelt. Entsprechend sind wir nach abermals ausgiebigem Frühstück daher auch erst sehr spät gegen 8:45 Uhr auf den Fluss gestartet.

Daryl, der Betreiber unserer kleinen Campsite auf der rechten Seite des Flussufers, half uns noch mit seinem Quad alle unsere wasserdichten Fässer zu unseren Booten hinunterzubringen. Perfekt. Wir mussten nicht schleppen, während drüben auf dem Zeltplatz auf der anderen Seite des Flusses die Paddler alle ihre Tonnen selbst trugen. Und dafür durften sie auch noch mehr bezahlen als wir, hatten am Vortag keine Dusche genossen und mit großer Wahrscheinlichkeit auch weder Cider noch Bier. Alles richtig gemacht also… Wobei, wenn ich an die Plumpsklos auf unserer Campsite denke, waren die auf der anderen Seite vermutlich doch besser. Was sowas angeht bin ich ja durchaus hart im Nehmen, aber das waren so ziemlich die versifftesten Plumpsklos, die ich je gesehen habe… Ich habe heute leider kein Foto davon für euch 😉

Die Fahrt auf dem Fluss war abermals wahnsinnig schön. Besonders dann, wenn zu beiden Seiten des Flusses die steinernen teils bemoosten Felswände beinahe senkrecht 30 bis 50 Meter in den Himmel ragten und darüber sich dann der dichte subtropische Busch ausbreitete, war das eine sagenhafte Szenerie. Traumhaft hier durch diese Schlucht mit dem Kayak durchgleiten zu können. Die steilen Felswände wurden nur ab und an unterbrochen durch kleinere und größere Zuflüsse und Wasserfälle, die sich ihrerseits tief in den Berg hineingegraben hatten und bei deren Passieren man wahnsinnig schöne Ausblicke in eng eingeschnittene Spalten im Fels und weitere kleinere Schluchten erblicken konnte.

Nach einigen kleineren Stromschnellen im ersten Teil des heutigen Tages erreichten wir nach ungefähr zwölf Kilometern die bislang größten Stromschnellen auf der Whanganui River Journey. Diese waren schon von weitem zu hören und Lyndon, Simone und ich witzelten noch darüber, wen von uns es nun legen würde. Dann paddelte ich mit dem Kayak voran.

Das laute Getöse aus der Ferne sprach tatsächlich für heftige Stromschnellen. Ich wurde von der Strömung nur so in das Wildwasser hineingerissen und versuchte in den Wellen irgendwie halbwegs Kurs zu halten, damit ich mich bloß nicht mit meinem auf Kayak auf die Seite drehe.

Mein Kayak ging über einen Wellenberg hinüber, nur um in den nächsten hinab einzutauchen. Dann plötzlich riß es mich in einige Stromschnellen hinein, deren Wellen sich des hohen Wasserdrucks wegen bis zu einen Meter hoch auftürmten. Ich war ziemlich sicher, dass es mich nun vom Kayak reißen würde, aber irgendwie blieb ich doch tatsächlich darauf, wenn ich auch pitschnass geworden war. Die Wellen waren mir letztlich eine um die andere direkt gegen die Brust geklatscht.

Ich war gespannt wie Simone und Lyndon diese Stelle meistern würden und blickte mich um. Kurze Zeit später sah ich nur noch, wie es ihr Kanu auf die Seite drehte und beide aus dem Boot geschleudert wurden. Glücklicherweise war aber weiter nichts passiert.

Nach und nach trieben sie auf eine Steinbank zu, an der sich schon einige der Kanupaddler versammelt hatten. Wir zogen das Kanu an Land, schöpften das Wasser daraus und drehten es dann auf die Seite, so dass der Rest des Wassers darin ablaufen konnte. Dann entschlossen wir uns zu einer Pause. Auf die Erfahrung erstmal Weingummi und Schokolade 😉 Unsere Fässer hatten alles heile überstanden und wir hatten sie offensichtlich gut mit dem Kanu verzurrt, den nicht eines davon war auf den Fluss gelangt.

Während unserer Pause kamen vier weitere Boote den Whanganui River hinunter. Ich meinte noch spaßeshalber zu Lyndon und Simone, dass die Chancen hier zu kentern sicher bei 50:50 stehen. Tatsächlich kenterten von den vier Booten, die kamen, dann auch zwei Stück. Wir halfen noch dabei diese irgendwie an Land zu bringen, dann machten wir uns auf den Weg in das nächste Wildwasser.

Vielleicht gerade mal 500 Meter weiter führte uns der Whanganui River in einer Linkskurve direkt in heftigen Stromschnellen auf eine senkrechte Felswand zu, um kurz vor dieser dann an dieser vorbeizugleiten. Simone und Lyndon lagen hinter mir und so lag es an mir, den Weg auszukundschaften.

Ich fuhr mitten in die Stromschnellen hinein und machte mich schon bereit, mit ordentlichen Paddelschlägen und Bremsmanövern mein Kayak noch bevor es auf die Steilwand trifft, nach links weiter mit der Strömung umzuschwenken. Da erblickte ich jedoch einen riesigen, in der Breite vielleicht 3 Meter umfassenden Felsbrocken, der mitten in der Strömung lag und von oben keineswegs einzusehen war. Ein Teil der Strömung umlief den Felsen links, was mir der sichere Weg erschien. Der andere Teil umspülte den Felsen rechtsseitig und lief dann direkt auf die nur wenige Meter hinter dem Fels liegende Steilwand zu. Ich probierte gar nicht erst in den linken Strömungsarm zu gelangen. Das hätte ich gegen die Wellen ankämpfend niemals geschafft ohne gegen den Felsbrocken zu knallen. Also machte ich mich bereit, mein Kayak so weit wie möglich rumzureißen, nachdem ich an dem Felsbrocken vorbeigerauscht war. Das klappte so halbwegs. Ich knallte dennoch recht stark in die Felswand. Glücklicherweise blieb ich jedoch auf dem Kayak und nur kurze Zeit später befand ich mich getragen von der rauschenden Strömung auch schon weiter flussabwärts an einer Stelle, an der sich der Fluss etwas verbreiterte und langsamer floß.

Ich hoffte noch, dass Simone und Lyndon mit ihrem Kanu nicht den Weg einschlagen würden, den ich genommen hatte. Doch tatsächlich wussten sie weder von dem Felsbrocken, noch davon wie es mich in die Wand geschleudert hatte. Sie sahen von weiter oben auf dem Fluss nur, wie ich nach dem Wildwasser im Kayak sitzend auf dem Fluss paddelte und entschieden sich daher mir zu folgen und selbigen Weg einzuschlagen.

Es krachte die beiden genauso in die Felswand wie mich zuvor. Im Gegensatz zu meinem Kayak drehte sich ihr Kanu jedoch komplett um und die beiden waren wieder im Wasser. Nach etwa 15 Minuten trieben sie auf eine Steinbank zu, wo wir das Kanu abermals vom Wasser entleerten und dann unsere Reise fortsetzten.

Lyndon begann nun zur Vorbereitung auf die nächsten größeren Stromschnellen die Flussbeschreibung des Whanganui River, die uns der Verleih unserer Boote zu Verfügung gestellt hatte, zu studieren und tatsächlich wurde hier doch direkt vor dem dicken Felsbrocken in der Strömung bei Niedrigwasser gewarnt und eine Passage deutlich weiter links empfohlen… Tja… Naja… war ja nix passiert 😉

An derselben Stelle hat es von unserer ukrainischen und russischen Bekannten dann übrigens kurze Zeit später ein Kanu komplett zerlegt. Sie trafen den Felsblock in den Stromschnellen wohl relativ mittig. Das Kanu drehte sich auf die Seite und wickelte sich quasi von der Strömung gehalten um den Felsen, bis es dem Wasserdruck nicht mehr standhalten konnte und zerbarst. Verletzt wurde glücklicherweise keiner, aber die beiden Paddler und ihre wasserdichten Tonnen trieben wohl auf dem Fluss und wurden später dann von einem der Jetboats, die hier ab und an auf dem Fluss vekehren, aufgesammelt.

Gegen 12:30 Uhr erreichten wir nach etwa 22 Kilometern trotz einiger weiterer wilder Strömungen ohne weiteres Kentern die Anlegestelle bei Pipiriki. Schade eigentlich. Solange es nicht an der Steilwand passiert wäre, hätte ich sicher meinen Spaß beim Kentern gehabt 😉 Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Hier in Pipiriki steigen für gewöhnlich die meisten der Flusswanderer aus, da Pipiriki auch das Ende des Nationalparks und der sehr spektakulären Landschaften des Whanganui River bedeutet. Hiernach würde sich der Fluss deutlich verbreitern und die Landschaft sollte zwar noch schön, aber nicht mehr so atemberaubend daherkommen wie weiter stromaufwärts.

Wir selbst machten in Pipiriki nur eine längere Pause und brachen dann gegen 13:30 Uhr nach einem ordentlichen Lunch wieder auf. Ab nun an würden wir bis Whanganui hinunter vermutlich wirklich die einzigen Paddler auf dem Fluss sein, denn diesen Flussabschnitt paddelten in der Regel tatsächlich nur die Te Araroa-Hiker. Und von diesen waren wir zumindest in dieser Sektion des Flusses die einzigen. Alle anderen Paddler, die wir in den vergangenen Tagen unterwegs ab und an getroffen hatten, waren erwartungsgemäß in Pipiriki ausgestiegen.

Alsbald veränderte sich die Landschaft zu beiden Flussufern tatsächlich enorm. Der Fluss gewann deutlich an Breite. Ich schätzte ihn so auf das Doppelte der Breite, die er noch in den engen Schluchten des Nationalparks hatte. Daneben erschien der Fluss insgesamt „weicher“ in die Landschaft eingebettet. Die Steilhänge und Felswände hatte es nur noch vereinzelt. Meist lief das eine Flussufer immer relativ sanft in den Fluss hin aus. Zudem wurde das Land links und rechts am Fluss hier teilweise schon zur Farmwirtschaft genutzt.

Gegen 16 Uhr am Nachmittag erreichten wir schließlich den kleinen Ort Jerusalem. An sich wollten wir hier bei einigen Nonnen, die die Te Araroa-Hiker für umsonst bei sich zelten ließen, unterkommen, aber da diese sich in einer Woche des Schweigens und stiller Andacht befanden, war dies nicht möglich. Wir konnten unsere Zelte aber im Garten vor einem kleinen Shop und TakeAway aufstellen.

Die Annehmlichkeiten von Shop und TakeAway ließ ich mir direkt nicht entgehen: neben dem ansich geplanten Abendessen von Nudeln mit Bolognesesauce gab es im Verlaufe von Nachmittag und Abend allein für mich noch zwei Liter Limonade, HotDogs, Pommes mit Knoblauchbutter, Chicken Nuggets, zwei Eis, Chips, Schokolade usw. Ihr seht, ich lasse nicht aus, um einige von meinen verlorenen Kilos wieder reinzuholen. Ich hoffe in Whanganui gibt es irgendwo eine Waage, damit ich eine Erfolgskontrolle machen kann 😉

Später am Nachmittag habe ich noch meinen Blog gepflegt und die hübsche kleine Kirche von Jerusalem neben dem Convent besichtigt. Den Abend haben wir dann noch mit weiterem Cider beim Kartenspielen verbracht. Für morgen stehen dem Plan nach ganze 42 Kilometer auf dem Programm. Wir werden sicher früh aufstehen.

So, zum Abschluss dieses Artikels gibt es endlich mal wieder einen ganzen Schwung an Bildern und einen Dank an Simone: Thanks Simone for some great pictures of me. You are awesome!

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