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Jul
2018
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Tag 5 Ausangate Circuit – Im Schneetreiben über den Jampa Pass und zum gefühlt vorgezogenen Abschluss des Ausangate Circuit in Pacchanta

Der heutige Tag war wahnsinnig wechselhaft. Nach Tagen des strahlend blauen Himmels zog es sich heute früh komplett zu und wir begannen unseren Aufstieg zum Jampa Pass, dem letzten hohen Pass des Ausangate Circuit, im Schneetreiben. Auf der anderen Seite des Passes erwartete uns dann wieder deutlich besseres Wetter und bis zum gefühlsmäßigen vorgezogenen Abschluss des Ausangate Circuit im Dorf Pacchanta noch mal fantastische Bergpanoramen und -kulissen. Señor Caminante begleitete uns in der ersten Tageshälfte noch, muss sich später am Tag jedoch anderen Hikern angeschlossen haben…

Atemlos durch die Nacht… Ich schätze jeder von euch kennt den Schlagerhit von Helene Fischer. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass der Titel hier in Peru doch eine ganz andere Interpretation erfahren kann. Denn in der vergangenen Nacht – wir schliefen vielleicht so auf 4.700 Metern – habe ich in der dünnen Luft echt etwas nach Atem gerungen. Merkwürdig, denn die Tage zuvor hatte ich kein Problem damit. Vermutlich lag es daran, dass ich mich aufgrund der Kälte noch mehr in den Schlafsack zurückgezogen habe und dies das Gefühl der Atemnot etwas verstärkt hat. Jedenfalls bin ich öfters in der Nacht aufgewacht und hatte das Gefühl nicht genügend Luft zu bekommen. Blöde Situation, denn nen Rezept dagegen gab’s ja nicht.

Señor Caminante hat die Nacht übrigens bei mir auf der Seite im Vorzelt geschlafen. Offensichtlich hat er sich ziemlich wohlgefühlt, denn oftmals hab ich durchs Innenzelt gespürt wie er sich gestreckt und ausgetreten hat.

Unser Zeltplatz auf einer kleinen Anhöhe umgeben vom Sumpf sorgte natürlich dafür, dass heute morgen unser ganzes Zelt wieder schockgefrostetet war. Glücklicherweise lässt sich eine leichte Eis- und Schneeschicht vom Zelt jedoch bedeutend besser entfernen als richtige Nässe vom Morgentau. Das Eis kann man weitestgehend einfach vom Zelt schütteln. Señor Caminante verstand das natürlich als Spiel und wollte beherzt in die Zeltplane beißen, die wir ausschüttelten.

Die ganzen vergangenen Tage hat es fast immer einen strahlend blauen Himmel und nur vereinzelt einige Wolkenfetzen gehabt. Entsprechend rechneten wir natürlich damit, dass dies heute auch so sein würde und die Sonne kurz nach ihrem Aufgehen die eisige Kälte der Nacht vertreiben würde. Doch heute zogen von Norden doch tatsächlich dichte graue Wolken über die Berge zu uns heran, die alsbald den gesamten Himmel bedeckt hatten und aus denen es zu schneien begann. Die drei Lagen Kleidung, die wir für gewöhnlich um diese Zeit ablegten, blieben damit erstmal über dem T-Shirt. Die Kälte blieb…

Hatten wir die ersten Höhenmeter des Tages noch eine einigermaßen gute Sicht wurde die Wolkenschicht, in der wir liefen, auch nach und nach dichter und der Wind trieb uns immer mehr Schneegeriesel entgegen.

Die Landschaft hier im Aufstieg zum Sattel, den wir an der südlichen Flanke eines Berges vornahmen, wirkte im Nebel der Wolken und durch die leichte, teilweise Schneedecke, die sich bildete, auf einmal ganz anders als das, was wir zuvor gesehen und durchwandert hatten.

Nach knapp anderthalb Stunden hatten wir die Passhöhe erreicht. Und welch ein Glück wir hatten, denn während die Wolkendecke links und rechts der Passhöhe noch immer dicht war und kaum einen Blick auf die Berge des Nevado Puca Punta und Nevado Maria Huamanitata freigab, war die Sicht doch oben auf dem Pass in jene Richtung, in die wir liefen, und in jenes Tal, in das wir nun hinabsteigen würden, frei.

Was für ein Ausblick! Und Yes, wir hatten den letzten hohen Pass des Ausangate Circuit geschafft!

Die Landschaft im Abstieg an schroffen, teilvergletscherten Bergen entlang, mit Aussicht auf unzählige Seen und Lagunen sowie auf die teils gräsernen, teils felsigen Ebenen des Andenhochlands war noch mal ein richtiges Highlight. Irgendwie wirkte die Landschaft hier auch wieder anders als in den Tagen zuvor und der Trek dadurch unheimlich abwechslungsreich.

Auf gut ausgebautem und recht breitem Weg liefen wir von der Passhöhe viele Kilometer an der östlichen Seite des Ausangate Gebirgszugs entlang. Die Sonne war nun herausgekommen und hatten all die Kälte, die wir noch in der Nacht und während des Aufstiegs zu spüren bekamen, vertrieben.

Wir wanderten Stunde um Stunde durch diese traumhafte Landschaft weiter. Nur einmal legten wir eine kurze Pause ein, um an einem Bachlauf neues Trinkwasser zu filtern. Hier sagen wir auch Señor Caminante das letzte Mal. Ich vermute, dass er entweder mit der geführten Tour der Kanadier weitergelaufen ist oder ein paar Hikern aus England, Holland und Spanien, die wir im Aufstieg noch getroffen hatten.

Der Pfad auf dieser Seite des Ausangate führte wieder in jene große, leicht abfallende Hochebene hinein, auf welcher wir vor fünf Tagen zum Ausangate aufgestiegen waren. Während die Landschaft südlich des Ausangate von hohen Bergen und tief eingeschnittenen Tälern geprägt ist, liegt nördlich – die Richtung in welcher wir gerade unterwegs waren – eine recht weite Ebene, die sich leicht abfallend bis nach Tinki hinunterzieht.

Der Blick zurück sah übrigens so aus:

Gegen 13 Uhr erreichten wir bereits unser Etappenziel für heute, den Ort Pacchanta. Von hier aus würden der Ausangate Circuit für uns morgen in weiteren knapp 10 Kilometern auf einer staubigen und eher unspektakulären Fahrstraße zurück nach Tinki führen. Vom Gefühl her war der Trek damit für uns beendet. Zumindest würden wir für morgen keine Highlights und auch keine großen Anstrengungen mehr erwarten.

Wir beschlossen den Rest des Nachmittags und Tages richtig entspannt anzugehen. Nach den Strapazen der letzten fünf Tage – Hitze, Kälte, Höhe – kosteten wir die paar Annehmlichkeiten, die der kleine Ort Pacchanta uns bot, so richtig aus.

Zunächst buchten wir uns in ein Hostel ein. Eine wahnsinnige einfache Unterkunft mit einer spannend-steilen Treppenkonstruktion zu unserem Zimmer. 10 Soles, umgerechnet also knapp 2,50 € haben wir dafür pro Person bezahlt. Dann gönnten wir uns im einzigen Restaurant des Ortes ein großes Alpacasteak mit
Pommes, Reis und Salat.

Eine Riesenportion 😉 Als wir endlich satt waren, ging es dann für anderthalb Stunden in die heißen Quellen von Pacchanta. Drei „Wasserbecken“, in die heißes Thermalwasser lief. Oh man, das war so angenehm. Entspannung pur für die Muskeln.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit die vielen Fotos, die ich auf dem Trek geschossen hatte, auszusortieren und welche für den Blog herauszusuchen. Tatsächlich hatte ich das an keinem der Abende auf dem Trail bislang geschafft. Es war abends einfach zu kalt, als dass ich mich damit beschäftigen konnte und wollte. Nach dem Entspannungsprogramm am heutigen Nachmittag und mit vollem Magen, ließ sich das dann doch viel einfacher an 😉

Am Abend gönnten wir uns übrigens noch eine Pizza. Japp genau, eines dieser Gerichte, auf dass zumindest ich auf Trail am meisten und am schnellsten Japp habe. Das kleine Restaurant von Pacchanta hatte extra für uns noch mal seine Pforten an diesem Abend geöffnet…

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