12
Jan
2018

Tag 49 Fishers Track bis Retaruke (34 Kilometer)

Heute war „Bergziegentag“. Nein, damit meine ich weder einen offiziellen neuseeländischen Feiertag noch spielt das in irgendeiner Form auf das Höhenprofil oder gar auf meine Wenigkeit an. Es gab heute einfach schlicht jede Menge wilder Bergziegen auf dem Track zu sehen. Daneben war es heute eine recht ereignislose, wenn auch landschaftlich schöne Etappe in brütender Sommerhitze, bei der ich irgendwie doch weiter gelaufen bin als ich das zunächst wollte…

Ich bin heute morgen nach guter Nacht zur üblichen Zeit die letzten Tage, so gegen 6:45 Uhr, aufgestanden. Ein leichter Wind blies während die höhergelegenen Wolken draußen etwas schneller vorüberzogen. Es versprach insgesamt ein guter, trockener und sonniger Tag zu werden.

Am gestrigen Abend hatte ich endlich mal wieder mein letztes Hörbuch, Mary Shelley’s Frankenstein, ausgepackt und ich freute mich darauf, heute auf dem Rest des Fishers Track und bei der anschließenden langen Roadwalkingpassage auf wenig befahrenen Schotterstraßen bis Whakahoro dieses weiterzuhören. Tatsächlich hörte ich zwei weitere Kapitel dann schon direkt beim Frühstück. Statt meiner Wraps gab es abermals Brot mit Salami und Käse. Ich hatte von gestern noch einiges über und bei der Entscheidung zwischen Brot und Wraps entschied ich mich nach knappen anderthalb Monaten Wraps mit Erdnussbutter zum Frühstück verständlicherweise für das Brot und den Aufschnitt 😉

Aufgebrochen auf den restlichen Teil des Fishers Track bin ich gegen 8 Uhr. Direkt auf den ersten hundert Metern begegnete ich gleich mehreren wilden Bergziegen. Die scheuen Tiere machten sich zwar ziemlich schnell auf Sicht aus dem Staub und flohen den steilen Berghang entweder hinauf oder hinunter, aber diesmal hab ich doch tatsächlich welche mit meiner Kamera erwischt. Derartige Begegnungen sollten heute fast den ganzen Tag andauern. Alle paar Kilometer traf ich auf welche der Tiere.

Ansonsten war es ein schöner Track durch sattgrüne Landschaften mit schöner Aussicht auf die umliegenden Berge und ins Tal hinab.

An einem kleinen Wasserfall füllte ich nach wenigen Kilometern meine Wasservorräte komplett auf. Es versprach jetzt bereits am Morgen ein brütend heißer Sommertag zu werden und meine Te Araroa-App zeigte mir bis ins 45 Kilometer entfernte Whakahoro nicht eine Wasserquelle an. Der Blick auf die Karte verriet mir allerdings, dass ich mehrere Bach- und Flussläufe passieren würde, die allesamt in den Retarueheke River münden, welcher bei Whakahoro wiederum in den Whanganui River fließt. Insoweit sah ich der Hitze des Tages etwas gelassener entgegen. Ich müsste nicht zwangsläufig sparsam umgehen müssen mit dem Wasser.

Ungefähr nach sechs Kilometern machte ich am Ende des Fishers Track im Schatten eines Baumes eines längere Pause. Ab hier begann der lange Roadwalkingpart bis Whakahoro, weitestgehend auf Schotterstraßen, und ich rüstete mich zunächst nochmal mit einem Kaffee, einigen übrig gebliebenen Chips vom Vortag, ein paar Schokokeksen und einem Proteinriegel.

Die Schotterstraße führte dann auf weiten Teilen am Retaruke River entlang durch das hübsche Upper Retarueheke Tal zu einem knapp 15 Kilometer entfernten War Memorial und einer Straßenkreuzung. Hier war eine gute Gelegenheit für eine Mittagspause. Neben dem War Memorial für die Soldaten des 1. Weltkriegs, verschiedenen Infotafeln über das frühere Leben im Tal und naja, moderner Kunst, fand sich hier auch ein steinerner Picknicktisch. Und wenn sich irgendwo mal die Gelegenheit bietet, halbwegs bequem auf einer Bank sitzen und an einem Tisch essen zu können, kann ich das nicht auslassen. Vor allem nicht zur Mittagszeit. Es war mittlerweile 13:30 Uhr und ich aß ein paar weitere Käsesandwiches. Ja, ich hatte wirklich ein großes Stück Käse gekauft 😉 Ein kleiner Rest ist noch für morgen früh da.

Die Pause tat gut. Die Hitze des Tages hatte mir irgendwie schon etwas zugesetzt und der lange Roadwalkingpart zog sich einfach hin. Zudem gab es hier an der Straßenkreuzung Wasser, so dass ich mich richtig satt trinken konnte.

Von der Straßenkreuzung aus folgte ich anschließend der Straße ins noch 25 Kilometer entfernte Whakahoro. Eigentlich war mein Plan, nach fünf Kilometern das Zelt aufzuschlagen, aber während sich zur einen Seite der Straße entweder eine felserne Steilwand, absolut dichter Busch oder privates Weideland befand, war zur anderen Seite nur privates Weideland zu finden.

Die Nachmittagshitze war langsam unerträglich und mein Hörbuch hatte ich mittlerweile auch durch. Ich holte daher meine persönliche Motivationskeule zum Hiken heraus: den Soundtrack von Walter Mitty. Top-Film und fantastischer Soundtrack übrigens! Unbedingt schauen bzw. Anhören. Mit dem Soundtrack im Ohr machte ich noch glatt zwei weitere Stunden und neun Kilometer. Mein Zelt hab ich dann zwei Meter neben der bislang noch gar nicht befahrenen Straße auf einem kleinen Grünstreifen aufgebaut.

Die Etappe heute war gefühlt für mich eine dieser „Überbrückungsstraßenetappen“ zwischen schönen Tracks. Diese Etappen sind zwar meist landschaftlich auch sehr schön, aber richtige Tracks machen dann halt doch mehr Spaß. Da man auf richtigen Tracks auf jeden seiner Schritte achten muss, verliert man sich auch mehr im Erlebnis selbst und die Gedanken schweifen weniger ab. Ich persönlich komme zumindest bei den langen Straßenabschnitten wie heute stellenweise doch auch sehr ins Grübeln über die für mich zuletzt sehr bewegten Monate vor dem Hike.

Morgen wird für mich so entspannt, entspannter geht es kaum. Ich habe bis Whakohoro nun nur noch elf Kilometer zu laufen. Mal sehen, vielleicht breche ich richtig früh auf und werde dann dort im Blue Duck Café nicht nur ein tolles Lunch genießen sondern auch richtig gut frühstücken. Den Rest des Tages werde ich dann frei haben und kann mich mit Blick auf den Whanganui River schonmal auf die dann übermorgen beginnende Journey einstimmen.

Hier noch ein paar Bilder von heute:

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