6
Jan
2018

Tag 43 Ongarue bis Taumarunui (30 Kilometer)

Nach dem subtropischen Sturm mit dem ganzen Starkregen war heute mal ein Tag zum etwas Durchatmen. Nein, kein Pausentag, aber heute zeigte sich endlich mal wieder die Sonne und die gelaufenen 30 Kilometer waren reine Straßenkilometer und insoweit zwar nicht immer schön, aber einfach und schnell zu laufen. Nur meine Füße geben nach fünf Tagen Nässe langsam den Geist auf. Die letzten Kilometer kam ich heute nur noch humpelnd voran, da ich mir durch das Gesamtpaket aus ununterbrochen nassen Füßen, ebenso nassen Schuhen, der Beltung beim Hiken und meinen löchrigen Söcken mir beide Füße wund gelaufen habe. Daher habe ich auch noch keine richtige Ahnung, wie es die nächsten Tage weitergehen wird…

Als ich heute morgen um kurz nach 6 Uhr im Shelter aufwachte, prasselte – wie sollte es auch anders sein – mal wieder der Regen gegen das Dach. Aber das hielt entgegen meiner ersten Erwartungen gar nicht so lange an. Die Wolkendecke schien bereits beim ersten Blick nach draußen nicht mehr ganz so dicht zu sein wie die vergangenen Tage und auch wenn ich um 7:45 Uhr mal wieder im Regen loslief, hörte dieser bereits nach wenigen Kilometern auf und nach und für kurze Zeit ließ sich gar die Sonne blicken.

Ich war echt froh. Meine Sachen waren noch immer alle nass. Wie hätte im Shelter oder im Zelt die Nächte davor auch irgendwas so richtig trocknen sollen bei dieser Luftfeuchtigkeit hier. Wenn es nun aber heute trocken blieb, so würden meine Schuhe und all meine anderen nassen Sachen womöglich am Ende des Tages trocken sein. Vor allem hoffte ich neben meinen Schuhen darauf, dass meine elektonischen Geräte und vor allem meine Kamera wieder mitspielte. Das Kameragehäuse und meine beiden Objektive hatten richtig Feuchtigkeit gezogen, so dass zu Beginn des Tages auch weiterhin nicht ans Fotografieren zu denken war. Aber bereits gegen Mittag gab sich das glücklicherweise. Die Sonne gewann im Verlaufe des Mittags die Oberhand über die Regenwolken und vertrieb nach und nach die Feuchtigkeit aus meiner Kamera und allen übrigen Sachen. Vor allem aber: sie schien ab dem Nachmittag unentwegt und auch bis zum Ende des Tages weiter.

Ich fühlte mich ganz gut heute morgen. Nur knappe 30 Kilometer Straße bis zum Ort Taumarunui standen an. Der meiste Teil davon führte über eine wenig befahrene Schotterstraße neben einer Eisenbahnstrecke durch das Hügelland vor den Bergen des Pureora Forest Park, den ich in den vergangenen drei Tagen unter teils ziemlich widrigen Bedingungen durchquert hatte.

Die Strecke war insbesondere im ersten Teil sehr schön. Sie führte mich an einer Vielzahl von Schaffarmen entlang. Etwa nach der Hälfte der Strecke bis Taumarunui holte ich die eine Viertelstunde vor mir gestartete Simone ein. Im Rasen neben der Straße machten wir eine kurze Rast mit zweitem Frühstück. Dann ging es weiter. Ich vermutete, dass wir etwa gegen 13 Uhr bereits Taumarunui erreichen würden.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichten wir den Ort auch um diese Zeit. Die letzten fünf bis sechs Kilometer waren allerdings grässlich gewesen. Meine Füße schmerzten. Wieder mal forderte die durchgehende Nässe und Belastung des Wanderns mit nassen Füßen ihren Tribut. Ich hatte mir beide Füße an mehreren Stellen wund gelaufen. Mein großer Fehler dann: ich zog in Taumarunui die Schuhe und Socken aus. Die Socken, die beide nun mehrere große Löcher an Hacken und Sohle aufwiesen, haute ich direkt in die Tonne und holte mein einziges noch vorhandenes, weitestgehend bislang ungenutztes Paar Socken heraus. Nachdem ich mir diese und meine Schuhe wieder übergezogen hatte, ging ich im New World Supermarkt einkaufen. Meine Füße brannten wie verrückt und ich humpelte durch den Supermarkt. Vermutlich hätte ich die Schuhe nicht ausziehen dürfen. Dann wäre mir dieses Problem erst am Abend begegnet.
So erledigte ich unter etwas brennenden Schmerzen meine Einkäufe für die nächsten Tage. Auf den vergangenen schweren Etappen hatte ich beinahe alles aufgegessen. Obwohl ich statt geplanter sieben Tage für die Strecke zwischen Te Kuiti und Taumarunui nur fünf Tage gebraucht hatte, beliefen sich meine Vorräte nur noch auf in paar Portionen Kaffee, eine Tomatensuppe, zwei Wraps und ein wenig Erdnussbutter. Ich erledigte daher direkt einen Großeinkauf für die nächsten fünf bis sechs Tage. Anschließend besorgten Simone und ich uns im örtlichen Takeaway eine Portion Fish and Chips. Lecker! Überraschend stieß Dan noch zu uns, der seit zwei Tagen hier auf besseres Wetter wartete und morgen versuchen wollte, in Richtung Tongariro zu trampen.

Mein Sockenproblem – ich hatte ja nur noch ein Paar – ließ sich dann auch lösen. In dem kleinen örtlichen Outdoorladen fand ich eine bescheidene Auwahl an teuren Trekkingsocken. Für Männer hatten sie zwar keine mehr in meiner Größe, aber ich schätze zwischen Männer- und Frauensocken gibt es eh nur einen farblichen Unterschied. Daher nicht wundern, wenn ich auf künftigen Fotos gegebenenfalls mal lilane Trekkingsocken anhaben sollte. Das ist aus der Not geboren und nicht von mir so beabsichtigt 😉

Mit Simone und Dan wanderte ich dann mit deutlich schwererem Rucksack zu einem vier Kilometer südlich von Taumarunui gelegenen Organisator für die Whanganui River Journey, die nach den Vulkanlandschaften des Tongariro Crossing auf mich wartete. Stand heute Abend werde ich die sechstägige Tour vermutlich ab dem 14. Januar mit Simone und einem guten Freund von ihr antreten. Morgen früh werden wir die Buchungen dafür erledigen, unsere Sicherheitseinweisung erhalten und ich werde auch schon mal direkt meine Einkäufe für die Tour machen und beim Veranstalter deponieren.

Mein Zelt konnte ich direkt bei dem Kayakverleih aufschlagen. Hier traf ich auch auf eine Vielzahl anderer Hiker, u.a. Elizabeth, Mckenzie und Chris. Allesamt saßen sie wegen des subtropischen Sturms der vergangenen Tage hier in Taumarunui fest und konnten weder das Tongariro Crossing noch die Kayaktour antreten. Sie alle würden die Riversektion des Trails vermutlich ab morgen in Angriff nehmen und den Hike durch die Vulkanlandschaften des Tongaririo später nachholen. Ich würde mein Glück jedoch versuchen und dabei vermutlich auch wieder auf Axel treffen, der sich, wie er mir schrieb, im einige Kilometer entfernten Holiday Camppark eingebucht hat. Simone plant zunächst einen Pausentag einzulegen und wird dann vermutlich bis zum 14. Januar auf mich aufholen. Ich wollte im Tongarirogebirge ohnehin länger bleiben, um einige Gipfel zu besteigen. Sie würde also genügend Zeit haben.

Tja, ansonsten versorge ich meine wunden Füße gerade mit ordentlich Bepanthen. Ich hoffe das hilft. Ich will morgen unbedingt weiter. Bis zum Beginn des Tongariro Crossing – einem der Highlights des gesamten Trails – habe ich noch 70 Kilometer vor mir. Die will ich in den nächsten zwei Tagen unbedingt ablaufen, damit ich, sollte das Wetter umschlagen, notfalls einen Tag Pause vor dem Anstieg ins Gebirge machen und auf besseres Wetter hoffen kann. Die Vorhersage für die nächsten Tage ist etwas durchwachsen. Die kommenden beiden Tage soll das Wetter ganz gut sein, danach könnte es umschlagen. Ich hoffe nicht, dass dies der Fall sein wird. Drückt mal alle Daumen für 1. gutes Wetter und 2. dafür, dass ich überhaupt laufen kann morgen ohne zu humpeln 😉

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