4
Jan
2018

Tag 41 Toi Toi Track bis Irgendwo im Pureora Forest (36 Kilometer)

1.000 Kilometer zu Fuß durch Neuseeland! Diese Marke habe ich heute geknackt. Damit hab ich ein Drittel des Te Araroa geschafft. Nun befinde ich mich abermals mit pitschnassen Schuhen irgendwo im Pureora Forrest auf dem Timber Trail kurz vor Kilometer 1.014 des Te Araroa Trails. Es war mal wieder ein ziemlich verregneter Tag, aber der Pureora Forest war auf weiten Strecken dennoch traumhaft schön. Richtig mystisch gar…

Mein Horrorhörbuch „Das öde Haus“, welches im am Vorabend in meiner Notunterkunft gehört hatte, war nur mäßig gruselig gewesen. Geschlafen hatte ich dennoch ganz besch… bescheiden. Eine ganze Armada an Moskitos suchte in meiner Nothütte ebenfalls Unterkunft und hat mich zwar nicht die ganze, aber zumindest die halbe Nacht lang wach gehalten. Heute morgen war ich entsprechend gerädert, aber auch ziemlich früh aufbruchbereit. Bereits um 7 Uhr befand ich mich auf dem Trail.

An sich hatte ich vor kurz nach meinem Schlafplatz vom Timber Trail abzuweichen und über den Toi Toi Track einen Sidetrip auf den 1165 Meter hohen Pureora Summit vorzunehmen. Nachdem ich am Morgen aufgestanden war, hatte ich mich jedoch ziemlich schnell gegen den Sidetrip entschieden. Das lag nicht daran, dass ich mich gerädert fühlte. Das hätte mich nicht abgehalten. Meine Hütte für die letzte Nacht lag jedoch bereits auf fast 800 Metern und ich befand mich mitten drin in dichten grauen Regenwolken, aus denen es zwar nicht unablässig goss, aber unentwegt nieselte. Eine Aussicht vom Pureora könnte ich mir damit ziemlich sicher sparen.

Mein Plan für heute sah vor, die einfache Campsite des DOC in 29 Kilometern zu erreichen. Falls es dort Duschen gäbe, würde ich dortbleiben. Meine letzte richtige Dusche hatte ich an Heiligabend in Rangiriri gehabt. Wobei, wenn man es genau nimmt, war das nur ein tröpfelnde Solardusche, also ein aufgehängter schwarzer Wassersack. Damit hatte ich meine letzte richtige Dusche tatsächlich sogar noch am Tag davor in Mercer genossen und ehrlich gesagt, wurde es langsam so richtig Zeit für eine echte und vor allem warme Dusche. Heute war immerhin bereits der 4. Januar und während all der Zeit hatte ich nur in einem Fluss bei Waitomo mal richtig baden können.

Der erste Part des Trails führte mich an der Flanke des Mount Pureora weiter hinauf bis auf eine Höhe von 980 Metern. Ich hatte mich richtig entschieden, auf die Besteigung des Gipfels zu verzichten. Denn es regnete weiterhin unentwegt und ich befand mich unverändert in den Wolken, die mystisch wie Nebelschwaden durch den Wald den Berg heraufzogen. Dennoch wurde ich nicht nass. Das Blätterdach des Waldes hielt das meiste vom Regen ab und nur vereinzelte tropfte es durch das Blattwerk auf mich darnieder.

Überhaupt kam der Wald hier mit den hindurchwabernden Wolken, all der Feuchtigkeit, den vollkommen bemoosten, oftmals völlig knorrigen und verdrehten hohen Bäumen, die nur wenig des ohnehin geringen Tageslichts durchließen, sehr mystisch und märchenhaft daher. In solchen Landschaften drängen sich die Vergleiche mit Herr der Ringe oder dem Hobbit ja förmlich auf. Ich fühlte mich stellenweise hier schon wie einer der Gefährten um Bilbo Beutlin bei deren Reise durch den Düsterwald.

Von den Aussichtspunkten, die es hier oben gab, war außer Wolken natürlich nichts zu sehen. An sich sollte man eine traumhafte Aussicht auf den Lake Taupo genießen, aber das war wohl der Preis für die mystische Szenerie, die sich mir bot. Und ich war gerne bereit, diesen zu zahlen. Dafür hatte ich hier oben ganz kurz Empfang mit dem Handy und konnte mich so kurz bei meiner Familie melden und mitteilen, dass es mir gut geht.

Au dem gemächlichen Abstieg in tierfliegendes Gelände, so um die 500 Höhenmeter, passierte ich zwei riesige schwankende Hängebrücken. Diese waren über zwei tiefe Schluchten gespannt. Toll!

Ab Mittag besserte sich das Wetter zwar, insgesamt blieb es aber weiterhin wechselhaft. Der Regen hatte weitestgehend zwar aufgehört, immer wieder fing es aber zwischendurch für kurze Augenblicke an zu schauern. Da der Wald hier deutlich offener war, stellte ich mehrfach in diesen Momenten unter großen Farnbäumen unter und blieb so weitestgehend trocken.

Dann nach knapp 22 Kilometern passierte ich sie um 13:11 Uhr: die 1.000 Kilometermarke des Te Araroa. Natürlich gab es eine solche nicht wirklich, aber dank meiner Te Araroa-App wusste ich ja genau, wo ich mich auf dem Trail befinde. 41 Tage war ich bis hierhin unterwegs gewesen. Wahnsinn! Ein verrücktes Gefühl. Da es wieder angefangen hatte zu regnen, suchte ich mir einige hundert Meter weiter einen halbwegs trockenen Platz und machte eine längere Pause während der meine Gedanken etwas hin- und herschweiften. 1.000 Kilometer und so vieles hatte ich erlebt. Und dennoch bislang nur ein Drittel des gesamten Trails. Was würde wohl noch alles auf mich zukommen auf den nächsten 2.000 Kilometern?

Nachdem ich meine Pause beendet hatte, machte ich mich im strömenden Regen auf den weiteren Weg zu der Campsite des DOC. Ich erreichte diese nach weiteren sieben Kilometern. Da es so stark regnete und der Regen innerhalb kürzerster Zeit dicke Pfützen und Rinnsäale auf dem Trail hinterließ, kam ich mit völlig durchnässten Schuhen an. Scheint irgendwie eine ziemlich feuchte Woche und ein ziemlich feuchtes Jahr 2018 zu werden für mich gerade. Ich hoffe das bessert sich demnächst.

Die Campsite bestand lediglich aus einer größeren Grünfläche mit drei Sheltern und einigen Plumpsklos darauf. Eine warme Dusche würde ich hier vergebens suchen, daher suchte ich anstatt erstmal Schutz vor dem Regen in einem der offenen Shelter. Dort traf ich ein nettes neuseeländisches Paar, welches den Timber Trail gerade mit dem Mountainbike fährt und die hier auf der Campsite zwischenübernachten. Ich unterhielt mich eine ganze Weile mit ihnen, kochte mir eine Portion Instantnudeln sowie einen Kaffee und wartete auf besseres Wetter. Irgendwie sah es aber schlecht aus. Es regnete schon seit drei Stunden unentwegt.

Gegen 17:15 Uhr konnte ich dann schließlich doch wieder aufbrechen. Es nieselte nur noch, also bin ich weiter. Ich hatte während der Pause den Plan gefasst, morgen möglichst bis zu der 43 Kilometer entfernten, freien Campsite kurz vor Ongarue und damit aus dem Wald heraus zu kommen. Dafür musste ich heute aber noch ein paar Kilometer machen. Frisch gestärkt passierte ich eine weitere große Hängebrücke und lief auf dem Timber Trail in anderthalb Stunden noch weitere sieben Kilometer. Damit verblieben für morgen noch 35 Kilometer. Das schien mir doch ein machbares Maß hier im Wald.

Um 18:45 Uhr – es nieselte immer noch und daneben hatte es mittlerweile ziemlich stark zu stürmen begonnen – baute ich mein Zelt im Wald auf knapp 600 Höhenmetern einigermaßen windgeschützt auf und machte mir eine weitere Portion Nudeln. Der Sturm hat derweil weiterhin ordentlich zugenommen. Es pfeift wie verrückt hier zwischen den hohen Bäumen. Ich hoffe, dass keiner von denen in der Nacht auf mein Zelt stürzt. Sehen bislang aber alle stabil aus. Ansonsten habe ich hier mit meiner Wildcampsite die richtige Location für ein weiteres Horrorhörbuch gefunden. Ich hoffe es wird gruseliger als das Letzte 😉

Davon ab habe ich mir heute mal meine Gedanken zum Whanganui River Journey gemacht. Der Te Araroa führt offiziell in irgendwas um die 250 Kilometern und damit wenige Tage nach dem Tongariro Alpine Crossing durch die höchsten Vulkanlandschaften der neuseeländischen Nordinsel für um die 160 Kilometer auf einer sechs- bis siebentägigen Kayaktour den Whanganui River stromabwärts. Dabei geht es meist durch subtropischen Busch bis hinunter zur Tasmanischen See nach Whanganui. Diese Reise muss frühzeitig geplant und organisiert werden. Ich werde bereits kurz nach dem Timber Trail eine Kayakvermietung auftun und das benötigte Essen für die Reise einkaufen müssen. Zudem brauche ich gegebenenfalls noch einen Partner oder eine Gruppe für die Tour, da man – einige Stromschnellen und vereinzeltes Kentern sind auf dem Fluss inklusive – diese Tour nicht alleine antreten darf. Als ich Axel gestern am frühen Nachmittag zuletzt gesehen hatte, war er persönlich noch unentschlossen, ob er die Tour auf dem Fluss mitmacht oder knappe 200 Kilometer Straße nach Whanganui läuft. Aber eventuell hole ich ja noch Elizabeth und Mckenzie ein, die nach Sylvester vermutlich einige der Roadwalkingabschnitte getrampt haben und nun vor mir auf dem Trail sein dürften.

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