3
Jan
2018

Tag 40 Waipa Valley bis Toi Toi Track (34 Kilometer)

Nein, es war natürlich kein „guter Vorsatz“ das Bloggen zum neuen Jahr aufzugeben… Ich habe schlichtweg hier in Neuseeland auf dem Te Araroa seit Tagen keinen Empfang, um meine bereits geschriebenen Blogartikel hochzuladen, mich bei meiner Familie und Freunden zu melden usw. Nun bin ich seit heute nachmittag auf dem Timber Trail angelangt, der in vier bis fünf Tagen durch den Pureora Forest Park führt. Ich schätze daher, dass ich auch diesen Blogartikel erst in vier bis fünf Tagen online stellen kann…

Nachdem am Vortag meine kompletten Sachen allesamt völlig durchgenässt von einem starken Regen waren, könnt ihr euch sicher vorstellen, dass ich am heutigen Morgen wenig Elan hatte, aus meinem Schlafsack zu kriechen. Ich würde mein nasses T-Shirt anziehen müssen, ebenso wie meine nasse Hose und dann würde ich in meine pitschnassen Socken und meine ebenso pitschnassen Schuhe schlüpfen müssen… Irgendwann gab ich die Illusion natürlich auf, dass diese Sachen, nachdem sie in der ganzen Nacht kein Stück getrocknet waren, sich wie von Zauberhand einer Selbsttrocknung unterziehen würden, und tat all das, was mich bislang vom Aufstehen abgehalten hatte. Da war es so um 7:30 Uhr. Hmm, Spaß hat es nicht gerade gemacht, das ganze nasse Zeug anzuziehen.

Bereits am Vorabend hatte ich mich nach einer Doppelportion Nudeln und dem Schreiben meines Blogartikels recht schnell in meinen Schlafsack verkrochen und irgendwie war mir danach, die nassen Sachen wieder auszuplünnen und wieder in selbigen zurückzugehen. Ich hatte noch ein weiteres Hörbuch gehört: „Unter der Windhose“ von Karl May, eine Old Shatterhand-Geschichte. Die Horrorhörspiele und -bücher, die ich an Sylvester übers WLAN des Cafe’s heruntergeladen hatte, wollte ich mir ja für den Timber Trail aufheben, wenn ich mehrere Nächte im Wald bin. Um 22 Uhr hatte ich gestern dann tief und fest geschlafen.

Nun stand ich da völlig durchnässt und erinnerte mich an die gemütliche Zeit in meinem Schlafsack und ein gutes Hörspiel zurück. Aber das half ja alles nichts und immerhin regnete es gerade nicht, also packte ich nach einem schnellen Frühstück meine übrigen nassen Sachen ein, um mich aufbruchbereit zu machen. Hose, Shirt, Socken und Schuhe waren ja nicht alles, was nass geworden war. Meine Regenhose und meine Regenjacke triefte ebenfalls vor Nässe, vom Zelt und Rucksack ganz zu schweigen. Zwar schien die Sonne langsam hervorzukommen, aber bis meine Sachen durchgetocknet wären, würde es sicher eine ganze Weile dauern und eine Pause benötigen, in der ich später alles zum Trocknen aufhängen würde.

Um 8:15 Uhr machte ich mich mit Axel auf den Weg. Für heute standen zunächst ganze 25 Kilometer Roadwalking bis zum Beginn den Pureora Forest Park an. Und die Sonne kam tatsächlich recht schnell heraus. Daneben blies ein trockener, angenehm warmer Wind. Ich versuchte das direkt auszunutzen und hängte zuerst meine Regenjacke und wenig später meine Regenhose außen an den Rucksack. Wenn es so blieb, würden im Verlaufe des Tages sicher auch meine Schuhe und Socken trocknen. Anfangs quitschte aus den Schuhen noch bei jedem Schritt Wasser.

Die kaum befahrene noch 14 Kilometer lange Schotterstraße, die wir durch die hier absolut dünn besiedelte, aber hübsch anzuschauende Farmlandschaft liefen, ließ sich gut an. Wir machten vielleicht fünf bis sechs Kilometer die Stunde.

Davon ab war der Hike abgesehen von einer Herde Jungbullen, die uns die Straße versperrten, recht ereignislos. An sich wollten wir an diesen vorbeigehen, aber keine Chance. Die an die vielleicht einhundert Tiere ließen sich von uns unbeabsichtigt die Straße hinauftreiben. Ein Umgehen war wegen all der Elektrozäune nicht möglich. Zwar gelangte ich mal an dem ein oder anderem Tier vorbei, irgendwann preschte es jedoch wieder an mir vorbei zu seiner Herde. Das kann ja was werden, wenn wir später auf den Highway treffen, dachte ich und überlegte bereits wie wir zuvor an den Tieren vorbeikommen könnten. Dann auf einmal machte die gesamte Herde fluchs kehrt und rannte wie verrückt in unsere Richtung. Stampede! Axel und ich fanden noch schnell Schutz an der Seite der Straße auf einer hohen Böschung, als auf einmal die hundert Bullen wie von der Tarantel gestochen an uns vorbeistürmten – gefolgt von einem hupenden Jeep und fünf lautstark bellenden Hunden…

Kurze Zeit später, die Sonne stand mittlerweile recht hoch am Himmel, machten wir eine längere Pause und nutzten diese auch, um unsere Zelte zum Trocknen aufzuhängen. Meine Klamotten, die ich anhatte, waren mittlerweile wieder vollständig trocken, ebenso meine Regensachen und mein Rucksack. Nur die Schuhe und Socken würden noch etwas brauchen.

Von der wenig befahrenen Schotterstraße, auf der ich übrigens ein weiteres Hörbuch namens „Flucht in die Unsterblichkeit“ über einen spanischen Conquistador namens Balboa gehört hatte, wechselten wir dann für weitere acht Kilometer auf einen eher wenig befahrenen Highway. Ich wollte dieses Stück trotz des wenigen Verkehrs recht schnell hinter mich bringen und gab daher trotz der schönen Landschaft etwas Gas. In der Ferne war etwas im Dunst liegend der 1.165 Meter hohe Pureora Summit zu erblicken. Seine Silhouette und der viele Tannenbewuchs in seinem hügeligen Vorland erinnerte mich irgendwie etwas an den Brocken und den Vorharz und somit schon irgendwie auch an meine Heimat. Ich fragte mich, wie es nun wäre, zuhause zu sein…

Nach den acht Kilometern auf Asphalt folgten weitere drei Kilometer auf der Straße bis zum Beginn des Timber Trail. Axel hatte ich etwas hinter mir zurückgelassen. Er kam eine knappe halbe Stunde nach mir an dem Autoparkplatz am Rande des Pureora Forest an. Ich war ziemlich platt gewesen bei meiner Ankunft und hatte erstmal etwas essen müssen. Als Axel ankam war ich fertig und an sich bereit weiterzumarschieren. Eine an meinem linken Fuß vom vielen Laufen auf der Straße und den kaputten Socken wundgescheuerte Stelle hatte ich zuvor noch mit einem Pflaster versorgt.

Da es anfing zu regnen, entschied Axel sich, sein Zelt neben dem Parkplatz am Anfang des Tracks aufzustellen. Ich wollte jedoch noch einige Kilometer machen, so dass sich unsere Wege erstmal trennten. Ich schätze aber, dass wir uns vermutlich morgen wiedersehen werden. Auf dem Timber Trail gibt es so gut wie kein Vorbeikommen aneinander.

Der Timber Trail ist ein Wander- sowie Mountainbikepfad, der auf 110 Kilometern durch den Pureora Forest Park führt. Das versprach insgesamt eine eher angenehme Wanderung auf weitestgehend unverwurzeltem weichem Waldboden mit mäßigen An- und Abstiegen zu werden. Und so lief es sich heute auch.

Der Wald selbst und die teils offene Vegetation, durch die der Trail mich heute noch führte, war schön anzuschauen und vielmehr noch zu hören, denn es gab solch eine Vielzahl an Vogellauten hier. Von pfeifenden Vögeln, solchen, die piepen, anderen die singen und auch welchen die Krächzen war alles zu hören. Manche eintönig, andere wiederum mehrtönig und melodisch. Kombinationen all dessen miteinander gab es natürlich auch. Irre Vogelwelt hier. Solch eine Vielfalt!

Der Trail führte mich auf neun Kilometern auf verschlungenen Wegen stetig bergan bis zu einer auf einer Höhe von etwa 780 Metern gelegenen kleinen Schutzhütte, die kurz vorm Anstieg auf den Pureora Summit liegt. Dieser kann über den Toi Toi Track von hier aus als Sidetrip zum Te Araroa begangen werden. Ich habe mich entschieden, für heute in diesem Shelter zu übernachten. Da es nur zwei einfache Bänke gibt, wird das sicher alles andere als bequem und vermutlich auch um einiges kälter als im Zelt. Dafür sitze ich aber im Trockenen und mein Zelt wird nicht nass. Seit ich hier bin, hat es schon mehrfach wieder wie verrückt geschüttet. Erbsengroße Tropfen prasselten hier zu Boden.

Morgen starte ich bei gutem Wetter vielleicht früh auf den Gipfel des Pureora und mache insoweit den Sidetrip. Nun aber zu einem Horrorhörspiel. Es ist bereits 21:30 Uhr und die Sonne ist auch bereits untergegangen. Nils alleine im Wald… 🙂

Zuvor aber noch ein paar weitere Fotos vom heutigen Tag:

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