21
Jun
2018

Tag 4 Choquequirao Trek nach Machu Picchu – Aufstieg in die Inkastadt: Wir haben Choquequirao erreicht!

Die Ruinenstadt von Choquequirao. Wir haben sie erreicht. Nach und nach geht es Christian besser und wir sind froh, den Trek nicht abgebrochen zu haben. Es ist ein Wahnsinnserlebnis hier oben zu sein und die Magie der vergessenen Inkastadt, die sich auf über 3.000 Metern Höhe im Dschungel der Anden befindet, zu erleben…

Holla, gerade mal 1.000 Meter höher und schon ist es wieder richtig frisch in der Nacht. Ich hab zwar nicht gefroren, aber mich letzte Nacht doch ziemlich in meinen Schlafsack zurückgezogen.

Irgendwann um 6:30 Uhr bin ich dann aufgestanden. Christian hat noch seelenruhig gepennt, stand aber ne halbe Stunde später, während ich bereits frühstückte, auch auf.

Das Beste: Christian fühlte sich deutlich besser. Wir gingen den weiteren Aufstieg nach Choquequirao also an und so wie es derzeit ausschaut werden wir den Trek auch nach Machu Picchu fortsetzen. Die verlorene Zeit werden wir vermutlich nicht aufholen können, aber wir werden es versuchen, sofern es Christian weiterhin besser geht. Bislang sind sind wir einen Tag in Rückstand. Ansich könnten wir darauf verzichten, diesen einen Tag aufzuholen. Wir haben ja immerhin fast zwei Monate in Südamerika. Doch haben wir bereits für den 26.06 zwei ziemlich teure Tickets für Machu Picchu besorgt, die verfallen würden, sofern wir nicht rechtzeitig vor Ort sind.

Nun aber zum heutigen Trail: wie gestern ging es steil in Serpentinen die Felswand weiter hinauf. Diese Größe der Berge und Felswände und ebenso die Abgründe, die sich beim Blick in die Tiefe auftun, sind hier schon irre. Schaut man alleine bereits die Felswand hinauf, die wir gestern und heute hinaufstiegen, glaubt man von unten zunächst nicht, dass sich in dieser steilen Wand doch tatsächlich ein Pfad hochschlängelt, der dann auch noch von Eseln und Mullis begangen werden kann. Von unten scheint es zunächst so als könnten Teile der Wand allenfalls erklettert werden.

Um 8:15 Uhr brachen wir auf. Offensichtlich kommen wir auch langsam in Form. Denn wir überholten im Aufstieg auf dem Trek, der nun nun durch dichten, grünen Regenwald führte, nicht nur ein paar geführte Wanderer mit ihren Tagesrucksäcken, sondern knackten auch die 2 Stunden, die es bis ins 600 Meter höher gelegenene Marampata sein sollten. Nach einer Stunde und 15 Minuten war ich oben, Christian brauchte nur wenige Minuten länger. Wir waren beide also recht schnell unterwegs. Das machte uns doch Hoffnung für die kommenden, deutlich anstrengenderen Etappen.

Viele behaupten schon vom Trek nach Choquequirao er wäre eine einzige Qual. Keine flache Passage. Entweder geht es steil hinauf oder steil hinunter, so dass die Knie bereits nach wenigen Stunden schmerzen. Hinzu kommen Höhenkrankheit, unzählige Moskitostiche und eine schier endlos brennende Sonne…

Nun, im Vergleich zu dem was uns noch erwartet, ist der Aufstieg nach Choquequirao vermutlich der einfachere Part. Bereits morgen soll es knapp 1.600 Meter rauf-, und etwa 1.400 Höhenmeter runtergehen. Also an einem Tag in etwa das Programm, das für den ansich zweitägigen Trek nach Choquequirao vorgesehen ist. Sonne, Moskitos, Höhenkrankheit… All das wird uns zudem auch künftig begleiten. Aber ich bin guter Dinge.

Nach den ziemlich ruhigen Wochen in Deutschland zwischen Neuseeland und Peru ging ich für mich zunächst noch davon aus, dass ich alles an Kondition verloren hätte. Immerhin hatte ich von einer Mountainbiketour im Harz abgesehen gut sechs Wochen lang keinen Sport gemacht, um meine Knie zu schonen. Doch heute lief es richtig gut. Ebenso bei Christian und daher blicke ich gerade durchaus optimistisch nach vorn.

Kurz vor dem kleinen Bergdorf Marampata, welches eine Ansammlung von vielleicht zwei Dutzend Lehmhütten mit unzähligen freilaufenden Tieren dazwischen darstellt, versuchte mir übrigens ein sehr netter Peruaner auf Spanisch zu vermitteln, dass der steile Part des Anstiegs gleich vorüber ist und ich Marampata hinter einer der nächsten Biegungen des Pfades erreichen werde. Meine Spanischkenntnisse belaufen sich allerdings fast auf Null, was hier in Peru, vermutlich aber auch in vielen anderen Teilen Südamerikas ein Riesenproblem ist, denn Englisch versteht hier tatsächlich kaum jemand. Selbst in den touristischen Regionen ist eine Verständigung auf Englisch selten möglich.

Gut, dass Christian Spanisch ganz gut drauf hat. Da Christian hinter mir war, half mir das bei dem Peruaner natürlich nicht weiter. Nach knapp zehn Minuten – ja so geduldig war der Peruaner mit mir dann doch – erahnte ich aber zumindest, was er mir zu sagen versuchte.

Oben bei Marampata kam dann auch die Sonne heraus. Bislang waren wir teilweise im Schatten aufgestiegen, wofür wir ziemlich dankbar waren. Ohne die vielen Schattenpassagen wäre der Aufstieg vermutlich deutlich kräftezehrender geworden.

Von Marampata aus konnten wir am Berghang in der Ferne auch bereits die etwas höher gelegenen Ruinen der Inkastadt Choquequirao sehen, was in der Quechua-Sprache übrigens soviel wie „Die Wiege des Goldes“ bedeutet.

Ehe wir uns in die Ruinenstadt selbst aufmachten legten wir in Marampata eine kurze Pause ein. An einem der Kioske – hier auf dem Trek versucht sich jeder der Bauern mit einem kleinen Geschäft für die Choquequirao-Touristen ein wenig dazuzuverdienen – ergänzten wir unsere Vorräte.

Der weitere Weg zwischen Marampata und Choquequirao sollte eine knappe Stunde dauern und nur einige wenige hundert Meter höher führen. Klang einfach, aber tatsächlich verlief der Track dann doch anstrengender als gedacht – im steten Auf und Ab auf knapp 3.000 Metern Höhe an der Flanke des Berges entlang. Die Aussicht auf die Ruinen Choquequiraos und die vielen Inkaterassen unterhalb der eigentlichen Stadt sowie in den Canyon hinab war dafür aber unglaublich schön und aller Mühe wert.

Der Eintritt nach Choquequirao kostete uns 60 Soles. Das entspricht ungefähr 15 €. Dafür konnten wir aber auch umsonst auf einem Zeltplatz im Dschungel nahe der Ruinenstadt schlafen. Wir bauten hier zunächst das Zelt auf und aßen etwas zu Mittag: Kartoffelbrei mit Thunfisch… naja, irgendwas müssen wir ja essen. Erst nach dem Lunch stiegen wir dann zu den Ruinen auf.

Angelegt ist Choquequirao in der typischen Terassenbauweise der Inka. Um einen hoch gelegenen zentralen Platz sind Tempel und Regierungsgebäude, sowie Wohnhäuser der Aristokraten angeordnet. In weiteren Bezirken befinden sich Wohnanlagen der übrigen Bevölkerung sowie auch die typischen Inkaterassen, auf denen Coca, Mais und auch Weizen angebaut wurde.

Aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Aufbau und Architektur wird Choquequirao übrigend auch als „Schwesterstadt von Machu Picchu“ bezeichnet.

Der große Vorteil von Choquequirao: aufgrund der Abgelegenheit der Anlage hat sie im Vergleich zu Machu Picchu nur eine verschwind geringe Besucherzahl. Wir selbst erkundeten beinahe jeden Trakt der Anlage vollkommen alleine. Nur ein Mal trafen wir in der weitläufigen Anlage überhaupt auf andere Besucher. Die Magie der alten Ruinenstadt hatten wir damit so gut wie für uns allein. Ich bin sicher, dass dies am Ende unseres Treks in Machu Picchu sicher anders sein wird. Immerhin wird Machu Picchu von 2.500 bis 5.000 Besuchern pro Tag aufgesucht. Choquequirao erreicht diese Zahl ungefähr im Jahr.

Die ganze Anlage ist immens groß, insgesamt knapp 1.800 Hektar, wovon gerade mal 30 bis 40 Prozent ausgegraben sind. Der Rest liegt noch im dichten Dschungel des Berghangs verborgen, den sich die Inka für den Bau ihrer Stadt ausgesucht hatten. Faszinierend und total überwältigend.

In diesen Ruinen zu stehen vermittelte uns erst erst einen Eindruck von der Größe dieser Stadt. Die Terrassenanlagen, die vielen Plätze und Gebäude, die Tempelanlagen, Wasserkanäle usw. Und zu alledem diese Wahnsinnsaussicht in alle vier Himmelsrichtungen. Schroffe und schneebedeckte Berge zu der einen Seite, von Regenwald überwucherte zu der anderen, die wahnsinnigen Tiefblicke in den Apurimac Canyon, immerhin eine der tiefsten Schluchten der Erde, zu zwei Seiten. Wir waren echt sprachlos. All das wurde direkt in den Berg und an die Kanten steilster Hänge, die um die 2.000 Meter abfallen, gebaut.

Vermutet wird übrigens, dass die Anlage im 15. Jahrhundert erbaut wurde und unter dem legendären Inkaherrscher Pachacútec zum wichtigen Kontrollpunkt für den Zugang ins Vilcamba-Dreieck wurde. Zudem war sie aller Wahrscheinlichkeit nach kulturelles und religiöses Zentrum der gesamten Region. Auch als Bindeglied auf halber Strecke zwischen dem Amazonasgebiet und der Hauptstadt der Inka, Cusco, war die Anlage vermutlich von Bedeutung.

Nach drei Stunden Erkundung der Inkastadt – und dabei hatten wir bei weitem noch nicht alles gesehen – machten wir uns auf den Rückweg zum Zeltplatz. Es wurde bereits dunkel. Wir entschieden uns aber dazu morgen bereits früh zu starten und noch vor Sonnenaufgang nochmal zu den Ruinen hinaufzugehen. Dies bietet sich bereits an, da wir die Ruinen für den weiteren Trek nach Machu Picchu nochmal queren und über den Choquequirao Pass, der oberhalb der Stadt liegt, gehen müssen.

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