1
Jan
2018

Tag 38 Waitomo bis Mangaokewa River (23 Kilometer)

Das neue Jahr ging ich eher ruhig an. Ich wollte weder einen neuen persönlichen Rekord an Tageskilometern noch an verbrachter Zeit auf dem Trail aufstellen, daher sind heute auch „nur“ 23 gelaufene Kilometer zusammengekommen. Ich lief mich damit heute quasi warm für die nächsten Tage, die sicher wieder etwas anstrengender werden würden…

Nachdem ich tags zuvor aufgrund des Jahreswechsels erst kurz nach 1 Uhr nachts ins Bett oder vielmehr meinen Schlafsack gekommen bin, bin ich erst gegen 8 Uhr aufgestanden. Ich war zwar schon einige Zeit früher wach, aber ein starker Regen prasselte unaufhörlich auf mein Zelt und meiner Motivation, mich frühzeitig aus diesem heraus zu bewegen, war das nicht gerade förderlich.

Das neue Jahr begann zumindest hier in Neuseeland also entgegen der letzten Wochen im vergangenen Jahr ziemlich feucht und laut der örtlichen Wettervorhersage sollte der Regen und die Nässe mich auch in den kommenden nächsten sieben Tagen beschäftigen. Ich bin gespannt, ob auf die neuseeländischen Wettervorhersagen genauso Verlass ist wie auf die Deutschen (haha!). Mittlerweile bin ich natürlich schlauer. Der Regen ließ bereits am Vormittag nach und wechselte in Nieselregen über. Seit dem heutigen Nachmittag ist es relativ trocken, wenn auch fortlaufend bewölkt. Nur vereinzelt gab es mal wieder Nieselregen. Mal schauen wie es morgen wird.

Mein Zelt habe ich nach kurzem Frühstück – abermals ungetoastetes Marmeladentoast – in einer kurzen Phase, in welcher der Regen etwas nachließ, heute komplett nass eingepackt. Bislang hatte ich das ja immer halbwegs vermeiden können, aber heute führte da kein Weg drumrum. Selbst die eingelegte Trockensession vor dem General Store und Café von Waitomo, in der Axel und ich noch gemeinsam mit Dan einen Kaffee am Morgen tranken, schaffte keine wirkliche Abhilfe. Egal. Ich hoffte darauf, dass ich es später trocknen können würde und am frühen Abend an der wilden Campsite am Mangaokewa River klappte das ja auch.

Axel und ich brachen erst gegen 10 Uhr in Richtung der etwa 17 Kilometer entfernten Kleinstadt Te Kuiti auf während Dan das Stück dorthin trampen wollte. Ich hatte meine kompletten Regensachen an und kam in der hügeligen Landschaft zwischen Te Kuiti und Waitomo doch ordentlich ins Schwitzen. Trotz des Bades, welches ich vor zwei Tagen in dem eiskalten Fluss genossen und wo ich meine Klamotten gewaschen hatte, würde ich sicher ziemlich froh sein, wenn ich mal wieder eine richtige Dusche bekomme. Vermutlich wird das aber erst nach dem mehrtägigen Timber Trail durch den Pureoa Forest Park, also in knapp einer Woche, der Fall sein.

Die Landschaft sah trotz des Regens und der tiefhängenden Wolken durchaus schön aus. Auch wenn es die meiste Zeit unseres Walks bis Te Kuiti meist nur nieselte, habe ich allerdings nur einige wenige Fotos geschossen. Ich wollte nach meiner in der Hitze der Sonne geschmorten Powerbank nicht auch noch meinen Fotoapparat aufgrund von Feuchtigkeit verlieren. Aber hier mal ein kurzer Eindruck:

Te Kuiti erreichten wir etwa gegen 14 Uhr. Ich bin direkt ins Warehouse, das ist so eine Art Billigmarkt, der neben Lebensmitteln und Haushaltszubehör auch einige Elektronikartikel im Sortiment führt. Und ich wurde fündig: ich besorgte mir zwei neue Powerbank, eine mit 10.000 mAh und eine weitere mit 10.400 mAh. Die freundliche Kassiererin stöpselte beide Powerbanks auch direkt nach dem Kauf für mich in eine Steckdose ein, damit ich diese nach meinen weiteren Einkäufen in Te Kuiti zumindest auch teilaufgeladen auf den Trail mitnehmen können würde.

Anschließend erledigten Axel und ich den Resupply für die nächsten sieben Tage (!). Tatsächlich sollten wir laut der Trailbeschreibung erst in geschlagenen sieben Tagen wieder die Möglichkeit haben uns mit Lebensmittel einzudecken. Insofern luden wir uns ganz schön voll. Mein Speiseplan für die nächsten sieben Tage sieht 9 Packungen Instantnudeln, 6 Packungen scharf gewürzten Thunfischs (Peri Peri – geiles Zeug!), 12 Wraps, 2 Gläser Erdnussbutter, 600 Gramm Cranberry-Nuss-Mischung, 8 Müsliriegel, 12 Instantkaffees, 2 Tüten Gummibären und 2 Tütensuppen vor. So voll geladen habe ich mich bislang tatsächlich noch nicht. Das Ganze wiegt um die 4,7 Kilo und macht meinen Rucksack deutlich schwerer. Ich bin echt froh, um jedes Gramm, dass ich davon die kommenden Tage wegessen werde. Angefangen habe ich mit den Gummibären und gleich ne ganze Tüte verputzt. Damit sind’s nur noch 4,6 kg an Vorräten!

Daneben habe ich tatsächlich noch eine kleine Packung Shampoo und Duschgel gefunden. Ich hatte meines in Kerikeri auf der Campsite vergessen und sofern ich seitdem die Gelegenheit zum Duschen hatte, mich immer mit Seife aus irgendeinem Seifenspender beholfen. Aber nen richtiges Shampoo ist dann doch was anderes. Dass die Duftnote Kirsch und Rose weniger ein Männershampoo darstellen sollte, ist mir gerade ziemlich wumpe. Hauptsache etwas um mich demnächst oder irgendwann mal vernünftig zu waschen.

In Te Kuiti trafen wir dann noch auf Dan, Annie und einen weiteren Hiker, dessen Name mir gerade doch tatsächlich entfallen ist. Ich werde ihn später hier einfügen, wenn ich ihn wiedersehe 😉 Wir aßen gemeinsam noch etwas bei einem spottengünstigen Take-Away. Ich hatte zwei Cheeseburger, die beinahe Whoppergröße ereichten, für sage und schreibe umgerechnet 3 €. Meine Erwartung an die Dinger war ziemlich niedrig, dafür waren sie dann überraschend gut.

Von Te Kuiti aus ging der Te Araroa dann auf den Mangaokewa River Track, den Axel und ich alleine begannen. Annie nebst Begleiter und Dann wollten bis zum Start des knapp 56 Kilometer entfernten Timber Trails, davon 19 Kilometer auf dem Flusstrack und 36 Kilometer auf der Straße, trampen während Axel und ich das laufen wollten. In den Kommentaren meiner Te Araroa-App war ziemlich grausiges zum Mangaokewa River Track zu lesen: „track is dangerous“, „one of the worst parts on the entire trail“, „track is an absolute nightmare“ usw.

Hmm… Ich bin ehrlich gesagt gespannt, was Axel und mich morgen noch erwartet. Wir haben bislang nur die ersten Kilometer des Tracks zurückgelegt, aber ehrlich gesagt, die waren richtig gut und schön. Der Track verlief zwar stellenweise sehr ausgesetzt über dem Fluss und es ging vereinzelt durch hohes Gras und dornige Brombeerbüsche, aber bislang war das ein im Gegensatz zu dem, was wir bislang erlebt hatten, sehr gut zu laufender Track. Das bisherige Stück des River Tracks lief meist mit schöner Aussicht auf den Fluss oder direkt daneben durch von hohen Felswänden umrahmten Graslandschaften und schöne Wald- und Buschabschnitte. Trotz dessen, dass es den Tag über immer wieder geregnet hatte, hielt sich der Matsch in Grenzen und An-und Abstiege erschienen uns bislang nicht gefährlich. Mir und auch Axel machte der Track unheimlich Spaß und zumindest bis jetzt kann ich bzw. können wir derartige Kommentare daher (noch) nicht nachvollziehen. Aber: man soll ja den Tag auch nicht vor dem Abend loben. Wir haben erst einen geringen Teil des Tracks geschafft und werden morgen sehen was noch auf uns zukommt im Verlaufe des Tracks.

Unsere Zelte haben wir am frühen Abend gegen 17:30 Uhrtraumhaft zwischen dem Fluss und hohen Felswänden gelegen auf Grasland aufgestellt. Die erste Portion Instantnudeln mit Thunfisch ist verdrückt und ein erster Instantkaffee ist auch getrunken. Damit verbleiben für morgen noch irgendwas zwischen 4,3 und 4,4 kg an zu tragenden Vorräten – vorausgesetzt die zweite Tüte Gummibären überlebt die Nacht 😉

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