30
Dez
2017

Tag 36 Waitomo Forest bis Waitomo (17 Kilometer)

Heute war das erste Mal in Neuseeland, dass ich meine warme Polartecjacke angezogen habe. Das lag allerdings nicht an einem heftigen Temperatursturz, dichtem Schneetreiben oder eiskaltem Wind. Ganz im Gegenteil: die Sonne brannte wie gestern bereits den ganzen Tag lang wie verrückt und nach meinem persönlichen Empfinden wurde hier vermutlich ein Temperaturrekord gebrochen. Warum ich dennoch meine „Winterklamotte“ anzog und es heute auch nicht bis Te Kuiti geschafft habe, erzähle ich euch gleich…

So früh wie heute bin ich abgesehen von der einen in der Nacht mit Anna begonnenen Wanderung bislang noch nicht auf den Trail gestartet. Ich bin um kurz nach 5 Uhr aufgestanden, hab meine Sachen zusammengepackt und bereits um kurz nach 5:30 Uhr war ich noch vor dem Sonnenaufgang auf dem Trail. Ich wollte schlichtweg einem eventuellen Ärger mit dem Farmer aus dem Weg gehen, auf dessen Grund ich möglicherweise (ich war mir da nicht ganz sicher, ich war in einem winzigen Waldstück neben der Wiese) gezeltet hatte und der vermutlich am frühen Morgen nach seinen Tieren schauen würde.

Das frühe Loslaufen sicherte mir einen traumhaften Sonnenaufgang über den Hügeln Waikatos. Bis zum Waitomo Forest hatte ich nach noch einige wenige Kilometer und der aussichtsreiche Track führte mich daher zunächst mit mehreren An- und Abstiegen über die schöne Hügellandschaft. Stellenweise war der Track im hohen Gras und durch kleine Wälder gut zu laufen, an wiederum anderen Stellen musste ich mich schon etwas durch dichten Busch durchzwängen.

Nach einer Stunde legte ich auf einer Hügelkuppe eine erste Rast ein und frühstückte in Ruhe.

Frisch gestärkt ging es dann in den Waitomo Forest. Auf einem schönen schattigen Waldpfad ging es zunächst auf dem Grat des bewaldeten Hügels entlang. Der Track, der überwiegend auf wenig verwurzeltem Lehmboden verlief, war super zu gehen. Trotz einiger kleiner An- und Abstiege hatte ich ordentlich Tempo aufgenommen. Dann im etwas steileren Abstieg zu dem um einige hundert Höhenmeter tiefer liegenden Morakuarua Stream rutschte ich auf dem feuchten Lehmboden aus und machte einen richtigen Schwan. Ich flog voll auf meinen Hintern und rutschte den Track einige Meter weit hinunter. Während ich den Trekkingstock in meiner rechten Hand mit mir hinterherzog, flog der aus meiner linken Hand in hohem Bogen einige Meter weiter in die Luft, drehte sich vermutlich und landete irgendwo im dichten Buschwerk neben dem Track. Geil, dachte ich. Kurz aufgerappelt, mir selbst war nix passiert, aber es dauerte schon eine ganze Weile bis ich meinen grün-schwarz gefärbten und damit im Busch unheimlich gut getarnten Trekkingstock wiederfand.

Den weiteren Abstieg ging ich etwas vorsichtiger an. Aus Erfahrungen lernt man ja 😉 Am Morakuarua Stream füllte ich noch meine Wasservorräte, zog dann meine Schuhe aus und furtete den Fluss. Er hatte einiges an Strömung drauf, ging aber gerade mal bis zur Mitte meiner Waden, insoweit war das unkompliziert.

Nach dem Fluss ging es auf lehmigem Boden wieder durch den Wald hinauf. Ich fühlte mich heute gut in Form und hatte im Aufstieg wieder Tempo aufgenommen, so dass ich das Ende des Waldes bereits dreieinhalb Stunden nach Aufbruch erreicht hatte. Bis Waitomo, meinem ersten Tagesziel, waren es nur noch knapp vier Kilometer. Ich machte eine weitere Pause und checkte das erste Mal am Tag meine Position auf dem Trail über mein Smartphone. Ich hatte das Handy seit gestern Abend nicht mehr angehabt um die 20 % Restakku, die ich noch hatte, zu sparen. Seit dem Zusammenbruch meiner Powerbank am Vorabend, die vermutlich aufgrund der Sonne überhitzt und der darin enthaltene Bimetall-Regler geschmolzen war, war ich ohne Stromversorgung unterwegs und müsste dringend Ersatz finden.

Ich war überrascht, dass mir just in diesem Moment Axel schrieb. Er befand sich in Waitomo nur einige Kilometer voraus und hatte dort die letzte Nacht gezeltet. Wir verabredeten, dass wir uns gleich treffen und dann alles weitere für Sylvester sehen würden.

Über die Straße gelangte ich dann nach Waitomo. Auf dem Weg passierte ich die Waitomo Glowworm Caves, die ich mir gegebenenfalls anschauen wollte, aber zuerst würde ich mich mit Axel treffen.

In Waitomo angekommen, fand ich Axel im General Store und Café: ein gemütlicher kleiner Laden mit Sofas zum Sitzen, guten Burgern, freiem Wasser und vor allem, für mich gerade immens wichtig, jeder Menge verfügbarer Steckdosen 🙂

Ich plauderte mit Axel, den ich zuletzt ja vor Weihnachten gesehen hatte, bestellte mir einen wahnsinnig guten Lammburger mit karamelisierten Zwiebeln, Zwiebelringen und Käse darauf und entschied mich dann, nicht nach Te Kuiti weiterzulaufen, sondern bis Neujahr hier in Waitomo zu bleiben. Axel hatte eine gute Wildcampsite am Fluss mit Badestelle, nur einhundert Meter von dem örtlichen Campingsplatz ausgemacht und sich entschieden, ebenfalls den Jahreswechsel hier zu verbringen. Da fiel mir die Entscheidung leicht, zumal Te Kuiti nicht wirklich schön sein sollte und wir hier nebenan einen Pub haben, der am morgigen Sylvestertag geöffnet hat. Zudem hätte ich hier Gelegenheit endlich im Fluss zu baden und mich mal richtig zu waschen und am Nachmittag könnte ich noch die Glowworm Caves besichtigen. Damit war der Wandertag für mich schon um 10:30 Uhr wieder beendet, aber ich muss ehrlich sagen: es fühlte sich gut an. Ich hoffte nur bzw. tue dies immer noch, in Te Kuiti dann an Neujahr – die größeren Shops haben hier wohl offen – eine neue Powerbank zu finden. Meine lässt sich tatsächlich nicht mehr aufladen und vor dem Timber Trail, der zwei Tage nach Te Kuiti startet und auf fünf Tagen durch den riesigen Pureora Forest Park führt, brauche ich unbedingt eine neue.

Am frühen Nachmittag buchte ich mich nach dem Aufladen aller meiner elektronischen Geräte noch für die 17 Uhr-Tour durch die Caves ein, dann schlug ich mein Zelt neben dem vom Axel auf und ging endlich seit einigen Tagen mal wieder richtig baden und meine Klamotten waschen. Die Stelle hier am Fluss war unheimlich schön dafür. Das Wasser war zwar mit nur wenigen Grad Wassertemperatur eiskalt, da es direkt aus den Höhlen strömte, aber ich genoss das an diesem heißen Tag. Wahnsinnig gut. Da ich zudem zuvor noch meinen Bart etwas gestutzt hatte und mir nicht ständig meine Barthaare von der Oberlippe vor dem Mund hingen, fühlte ich mich doch glatt wieder wie ein Mensch 🙂

Anschließend ging ich die Waitomo Glowworm Caves besichtigen. Ich war sehr gespannt. Ich hatte zwar schon mal vereinzelt im Wald Glühwürmchen gesehen, aber das hier versprach ein ganz anderes Erlebnis zu werden, zumal man in den Höhlen auch mit einem Boot auf dem durch die Höhlen fließenden Fluss unter den Glühwürmern entlangfahren sollte.

Das Ganze dauerte nur eine knappe Stunde, aber es war ein wahnsinnig tolles Erlebnis. Die ersten Höhlenabschnitte, die aus Gängen und hohen Räumen mit jeder Menge Stalagmiten und Stalagtiten bestand, waren schonmal schön anzuschauen. Ich hatte schon einige Höhlen dieser Art gesehen, aber für mich ist dies dennoch immer etwas besonderes. Um die offene Frage aus der Einleitung zu diesem Artikel zu klären: hier legte ich dann auch meine warme Polartec-Jacke an 😉

Noch vor der Bootstour gab es dann einige der Glühwürmer zu sehen, die hier an der Höhlendecke haften und von dort aus feine klebrige „Fühler“ von vielleicht 5 bis 15 Zentimenter Länge herablassen, in denen sich durch das Licht angelockte Moskitos und Fliegen verfangen. So „angeln“ sich die Glühwürmer letztlich ihre Nahrung.

Anschließend ging es in völligem Dunkel und in völliger Stille auf das Boot und den unterirdischen Fluss. Bereits beim Anstieg leuchteten zahllose Glühwürmer wie Sterne an der Höhlendecke, manche nur leicht, andere wiederum stärker. Nach der ersten Flussbiegung in der Hölle war es dann richtig magisch. Man glitt unter tausenden von Glühwürmchen an der Höhlendecke hindurch. Das war unbeschreiblich. Es war wie unter einem Sternenhimmel hinwegzugleiten, die Sterne schienen jedoch zum Greifen nah. Dass das Ganze trotz vielleicht zwanzig Leuten im Boot in völliger Stille geschah, machte es noch umso eindrucksvoller.

Die Höhle verliess ich schließlich auf dem Boot, an der Stelle, an der der Fluss in den Berg und die Höhle strömt. Die Tour war insgesamt zwar sehr kurz und mit umgerechnet 30 € auch nicht gerade billig, aber diese wundervolle Welt da unten einmal gesehen zu haben, hat sich gelohnt. Leider durfte ich in der Höhle keine Fotos machen, aber ich habe mich einfach hiermit beholfen, um euch einen Eindruck vom Inneren der Höhle zu vermitteln 😉

Daneben gibt’s hier noch ein paar Bilder vom Tag:

0

You may also like

Meine Reise auf Neuseelands Te Araroa als Video – Part 2: Die Südinsel
Meine Reise auf Neuseelands Te Araroa als Video – Part 1: Die Nordinsel
Neuseeland nach dem Trail: Ben Lomond, Hobbingen und der Sprung vom Skytower in Auckland
Tag 138 Invercargill bis Bluff (40 Kilometer)

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.