23
Dez
2017

Tag 29 Paparimu bis Mercer (26 Kilometer)

Neuseelands Straßen und Tracks, unendliche Weiten. Wir schreiben (noch) das Jahr 2017. Dies sind die Abenteuer eines blauen Osprey Exos Rucksacks, der ein Fassungsvermögen von 58 Litern hat und mit seinem Packesel namens Nils fünf Monate unterwegs ist, um fremdes Land zu erforschen, andere Kulturen und Regionen. Viele tausend Kilometer von Deutschland entfernt dringt der blaue Osprey Exos in Landschaften vor, die sein Packesel nie zuvor gesehen hat… Na wer hat’s erkannt? Okay, ich geb zu nach über zweieinhalb Wochen ununterbrochenem Laufen und vier Tagen Roadwalking tiltet neben meinem Körper langsam auch mein Kopf…

Vorweg gleich noch zur Einleitung: nein ich bin und ich war nie ein Trekkie. Aber die Einleitung von Raumschiff Enterprise ist mir dennoch bekannt und umgemünzt passt sie doch ganz gut 😉

Trotz aller Farmgeräusche hatte ich die Nacht gut geschlafen und fühlte mich heute morgen fit für den heutigen Tag, der zunächst weitere 15 Kilometer auf der Straße vorsah und in der zweiten Hälfte des Tages endlich wieder Tracks beinhaltete. Selbst der kleine Jungbulle, der zumindest bis zu meinem Einschlafen total unruhig und lautstark unterwegs war, konnte mich nicht vom Einschlafen abhalten. Aufgestanden bin ich dann heute morgen mit 5:30 Uhr recht früh. Dies aber auch, da ein gutes Dutzend Hähne ab etwa 5 Uhr den anbrechenden Tag recht lautstark begüßte. Losgekommen bin ich mit etwa 8 Uhr dennoch recht spät, da mein Zelt mal wieder trocknen musste und ich Benjamin am Morgen noch geholfen hatte ein paar schwere Sachen in seinen Van zu laden. Cora war so nett, mich mit ihrem Quad bis zu genau dem Punkt zu fahren, an dem sie und Benjamin mich am Vorabend aufgelesen hatten. Zudem gab sie mir als zusätzliche Trailverpflegung für den heutigen Tag noch sechs gekochte Eier mit. Perfekt. Drei davon wickelte ich mir direkt in der ersten Pause in einen Wrap ein und genoss ein zusätzliches Frühstück.

Es war einer schöner Tag zum Laufen heute. Die Sonne brannte zwar wieder darnieder und es war auch ziemlich warm, aber ich genoss das. Heute sah man hier in den Farmlands im Landesinnern, wie lange es nicht geregnet haben musste. Die Landschaft erschien mir im Vergleich zu den vielen gesehenen, vom Gras sattgrün leuchtenden Hügeln überwiegend schon etwas verdorrt und meist eher in blass-bräunlichen Tönen gehalten. Die Farmer warten hier schon bereits seit Wochen auf richtigen Regen. Selbst die Flüsse führen hier zumeist nur noch wenig Wasser.

Auf der Straße erreichte ich dann recht bald ein weiteres Etappenziel meines Walks: ich verliess die Region Auckland und gelangte in die Region Waikato. Waikato werde ich nun in den nächsten vermutlich zwei Wochen durchlaufen. Es wird durch einige Wälder gehen, durch die größere Stadt Hamilton und in deutlich höhere Lagen und Vulkanlandschaften beim Tongariro Crossing. Dort werde ich dann bei gutem Wetter auch meinen ersten Sidetrip vom Trail vornehmen. Ich plane hier den über 2000 Meter hohen Mount Ngauruhoe zu besteigen, der auch bekannt ist als Schicksalsberg aus den Herr der Ringe-Filmen.

Das Roadwalking schloss ansonsten heute mit einem wahren Highlight ab: Wandern auf dem State Highway No. 2. Glücklicherweise nur 500 Meter. Erfahrung gemacht, gedanklich abgehakt, brauche ich nicht wieder…

Vom State Highway 2 ging es dann unter einer Autobahnbrücke durch auf den Mangatawhiri River Track. Endlich. Das Roadwalking würde nun deutlich weniger werden. Ich freute mich auf das Laufen auf einem Track. Dann las ich in der Te Araroa-App, dass der River Track in grausigem Zustand und nur mühsam zu begehen sein sollte. Gut, bei dem Zustieg über eine Autobahn kann ich mir das mit dem grausigen Zustand gut vorstellen, dachte ich. Familien mit Kindern laufen das sicher nicht als Sonntagnachmittagsspaziergang und vermutlich bewegen sich hier andere Personen als Te Araroa-Hiker auch eher selten. Aber ich würde ja gleich meine eigenen Erfahrungen machen.

Ich machte im Schatten unter der Autobahnbrücke noch eine längere Pause mit einem meiner Erdnussbutter-Nuss-Frucht-Wraps und einem Karamell Latte Machiato aus der Tüte, dann ging ich den Track an. Bis zum Örtchen Mercer und bis zum vorhin noch angedachten Restday waren es nur noch elf Kilometer.

Der Track war aus meiner Sicht entgegen der Kommentare völlig in Ordnung. Mir machte das hiken hier auf jeden Fall Spaß. Weitestgehend ging es dem lau des Mangatawhiri Flusses folgend über Weiderland auf einem Deich entlang. Stellenweise war das Gras schulterhoch und da dieses auch hier natürlich blühte, löste es bei mir direkt wieder all diese Heuschnupfensymptome aus, die es nun mal hat. Aber damit ich klar, solange ich nicht mehr auf der Straße laufen musste. Um eine Kuhherde auf dem Deich machte ich einen großen Bogen als ich sah, dass inmitten dieser ein prächtiger Bulle stand und mich direkt auf Sicht anstarrte. Den Tretminen, die die Kühe entlang des Tacks hinterlassen hatten, konnte ich ebenfalls gut ausweichen. Alles gut also. Ein eher einfacher, entspannter Walk in neuseeländischem Farmland.

Die letzten vier Kilometer des Tages führten dann auf Schotter und durch einen hübschen Waldpfad bis nach Mercer. Am Nachmittag war ich echt froh, dort angekommen zu sein.

Meine beabsichtigte Unterkunft war das Pudge’s Place, eine örtliche Bar mit Motel, die Te Araroa-Hiker für umsonst im Garten campen lässt. Total cool. Ehe ich dort war, fing mich Maria, eine Mitarbeiterin der Bar, schon auf der Straße ab und brachte mich zur Bar. Mein Zelt schlug ich hinten im Garten auf, dann gönnte ich mir eine Dusche. Anschließend suchte ich die Bar auf, in der ich auch Heiligabend verbringen wollte. Ich wollte ja schließlich einen Restday einlegen. Schnell eine Pizza und ein dunkles Bier bestellt und die Idee des Restday verworfen. Das Pudge’s Place ist super als Partylocation und für den einen heutigen Abend hier, aber da ich es Weihnachten dann doch eher etwas traditionell-gemütlich mag und im keine 30 Kilometer entfernten Rangihiri offensichtlich ein hübscher und vor allem schön weihnachtlich dekorierter Pub mit echtem Tannenbaum steht, laufe ich morgen noch dahin. Elizabeth und Mckenzie, die am Abend noch hier ankamen, trafen dieselbe Entscheidung. Sylvester wär hier super gewesen, aber Weihnachten dann doch nicht.

Den Abend genoss ich dann natürlich trotzdem. Hier lief eine nette Karaoke-Party. Ich hatte Pizza, Bier und Cola. So sah das übrigens beim Schreiben dieses Blogartikels aus:

Und hier nun mal wieder ein paar weitere Fotos:

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