18
Dez
2017

Tag 24 Puhoi bis Stillwater (33 Kilometer)

Und was hast du so schönes im Urlaub gemacht? Ach, ich bin an kilometerlangen Highways und Schnellstraßen, die keinen wirklichen Seitenstreifen haben und deren Ränder von toten Vögeln und Possums gesäumt sind, im Gegenverkehr gelaufen. Ich liebte den Geruch frisch verbrannten Benzins und erfreute mich an den nah und schnell vorbeirauschenden Autos und insbesondere an vorbeidonnernden Trucks… Naja, soviel dazu. Davon ab hatte der Tag mit der Kayaktour über den Puhoi River und dem fantastischen Weg unterhalb der Klippen zwischen Waiwera und Orewa aber gut angefangen.

Ich hatte gut geschlafen und fühlte mich am heutigen Morgen daher ziemlich ausgeruht für die zunächst anstehende Kayaktour über den Puhoi River. Am Vortag hatte Axel am Nachmittag noch zu uns aufgeschlossen und wir haben den Abend dann gemütlich bei ein paar Bier vor unseren Zelten ausklingen lassen. Vorab hatte ich mir zudem noch ne Portion wahnsinnig leckerer Fish’n Chips gegönnt und eine Open Air Dusche neben dem Puhoi Tenniscourt machte den Abend und die Entspannung letztendlich perfekt.

Die Kayaktour selbst, die uns als offizieller Teil des Te Araroa auf dem Fluss auf acht Kilometern von Puhoi bis zur Mündung des Puhoi River in den Pazifik beim Wenderholm Regional Park brachte, hatte ich mit Anna, Elizabeth und Mckenzie bereits am Vortag gebucht. Axel wollte derweil über die Straße weitergehen. Um 8:30 Uhr fanden wir uns bei dem Vermieter unserer Kayaks ein. Nach kurzer Einweisung in den Flusslauf und die Ausstiegsstelle befanden wir uns gegen 9 Uhr bereits auf dem Wasser. Es war schön, an diesem Morgen zunächst einmal die Beine auszustrecken und einfach nur die Arme arbeiten zu lassen.

Landschaftlich war die Tour sehr schön. Es ging bei sonnigem Wetter auf dem zunächst bei Puhoi noch schmalen Flusslauf stromabwärts durch schöne Hügel- und Mangrovenlandschaften bis in die mehrere hundert Meter breite Flussmündung des Puhoi River. Diese erreichten wir nach etwa anderthalb Stunden. Unsere Rucksäcke wurden derweil vom Veranstalter zum Ausstiegspunkt transportiert, so dass wir unsere Ausrüstung dort wieder entgennehmen konnten.

Im Wenderholm Regional Park ging es dann nach kurzer Pause um 11 Uhr wieder zu Fuß auf den weiteren Trail – zunächst am historischen Couldrey House vorbei auf den gut ausgebauten Perimeter Track. Dieser führte nochmal durch wunderschönen und dichten subtropischen Dschungel auf eine Hügelkuppe an den Klippen hinauf, ehe dann der Abstieg zum südlich gelegenen Waiwera begann. Über den Waiwera River gelangten wir dann über die Waiwera Bridge.

In Waiwera angekommen war die Sonne dann dunklen Wolken und dem ersten richtigen Regen seit dem Raetea Forest gewichen. Da Anna und ich nach der Kayaktour beide hungrig waren, gönnten wir uns im Waiwera Minimart zunächst einen warmen Steak & Cheese Pie. Für 2,50 $ wahnsinnig günstig und geschmeckt hat er auch noch. Dennoch war unsere Motivation für den Rest des Tages irgendwie auf einem Tiefpunkt angelangt. Nach dem Start des weiteren Trails zu Fuß im Wenderholm Regional Park hatten wir bis 12 Uhr gerade mal erst zwei Kilometer geschafft. Ansich wollten wir am heutigen Tag jedoch noch bis kurz vor die Flussmündung des nach Wenderholm knapp 29 Kilometer entfernten Okura River gelangen.

Bei der etwa einen Kilometer breiten Querung des Okura River handelt es sich angeblich um eine der schwerer zu furtenden Flussmündungen auf der Nordinsel, die man ebenfalls nur bei Low Tide begehen kann. Hierzu würden wir allerdings erst die Low Tide am morgigen Nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr nützen können. Die Überquerung in der Nacht mit Stirnlampe hatten wir kurz angedacht, diese Idee dann aber doch wieder verworfen. So würden wir den Tag morgen eher etwas entspannt angehen lassen können. Ansich wollte ich erst in oder nach Auckland meinen zweiten Pausentag einlegen. Ich muss jedoch sagen, dass ich nach der guten Kondition vom Vortag heute irgendwie wieder in ein Loch fiel. Mit dem durch die Gezeiten bestimmten Kompromiss eines zumindest halben Pausentages am morgigen Tag kann ich mich daher gerade sehr gut anfreunden.

Von Waiwera aus konnten wir, da gerade die Low Tide einsetzte, statt einiger Roadwalkingkilometer an der Küste entlang auf den von der Ebbe freigegebenen Felsen bis nach Orewa gelangen. Dieser Walk war wirklich fantastisch, wenn auch schwierig zu begehen. Der Weg führte unterhalb der Klippenkante über muschelbesetzte Felsen und Steinplatten und über Strände aus Muschelscherben, in die man bei jedem Schritt tief einsackte. Zudem kamen wir an einigen kleineren Höhlen in den Klippen vorbei, die bei High Tide teilgeflutet sind.

Manchmal kam mir dieser Walk wie ein kleiner Irrgarten vor. Man suchte sich wirklich seinen Weg entlang der Felsen, über die Felsen, vorbei an ganzen toten Bäumen, die die Flut hier an die Küste und auf die Felsen getrieben hatte. Zudem versuchte man ständig kleinere und größere Becken aus Meerwasser, die in den von den Gezeiten geformten Felsen verblieben sind, zu umgehen.

Nach dem zwischenzeitlichen Motivationshoch aufgrund des schönen Walks unterhalb der Klippen, waren wir am Owera Beach wieder an dem Tiefpunkt angelangt, den wir bereits in Waiwera hatten. Mittlerweile war es knapp 14 Uhr und von den 29 Kilometern bis zur Flussmündung hatten wir bis jetzt ganze fünf Kilometer geschafft. Hinzu kam noch, dass man nun mit Orewa und einer bis zum Horizont bebauten Küstenlinie erstmals ein deutlich städtisches und besiedeltes Gebiet gelangte, dass nach den schönen Naturlandschaften der Northlands in meinen Augen nicht wirklich schön schien. Natürlich kann man darüber streiten. Wäre es in manchen Augen nicht schön, hätten nicht so viele Personen ihre Villen an die Küste und vor den Orewa Beach gesetzt, aber dem Vergleich mit der wundervollen Natur der weniger besiedelten Northlands hält dies in meinen Augen eben nicht stand.

Nach etwa vier Kilometern am Orewa Beach und einigen weiteren Kilometern auf einem Fußgänger- und Radweg entlang der Mündung des Orewa River gelangte ich dann nach Silverdale. Tja, da war er nun in noch krasserer Gestalt: der Perspektivwechsel. Eine grau bebaute Innenstadt mit nur wenigen Grünflächen, hektischer Verkehr auf mehrspurigen Straßen, typischer Stadtlärm, Gewerbe und Industrie und und und… Hmm… Naja, vermutlich werde ich einigen Tagen sehr froh sein, wenn ich die Vororte Aucklands und Auckland selbst hinter mich gebracht habe und wieder mehr Natur zu sehen bekomme. Denn eins merke ich jetzt schon: ein richtig schönes Laufen als Hiker ist das nicht. Aber: es ist ja auch ein Thru-Hike, d.h. ich durchlaufe halt komplett Neuseeland und beschränke mich nicht nur auf die Gebiete, die schön sind. Und bislang habe ich auch weiterhin den Anspruch, diese Gebiete zu laufen, um das ganze Land kennenzulernen. Einzig für die Strecke zwischen Auckland und Hamilton, die in vier Tagen mit wohl an die 100 Kilometer Roadwalking an dicht befahrenen Straßen entlangführt, überlege ich gerade, ein Bike zu mieten und das mit Rucksack in zwei Tagen abzufahren.

In Silverdale kauften Anna und ich noch für das Frühstück am nächsten Morgen ein Zehnerpack frische Eier und Speck. Unsere Motivation für morgen. Dann ging um 16 Uhr die Quälerei los. Etwa 11 Kilometer Roadwalking an dicht befahrenen Straßen mit engen, teils uneinsehbaren Kurven. Am Straßenrand jede Menge totgefahrener Vögel und Possums. Totgefahrene Hiker hab ich im Straßengraben zum Glück keine gesehen und ich hatte nicht die Absicht, der erste davon zu werden. Dennoch: das Ganze war stellenweise ziemlich grenzwertig. Bereits vor ein paar Tagen hatte ich geschrieben, dass ich das bislang schlimmste Stück Roadwalking hatte. Anna und ich waren beide einer Meinung die elf Kilometer hier haben das Ganze deutlich getoppt.

Um 18:30 Uhr kamen wir in Stillwater an der gleichnamigen Campsite an. Bis zum Fluss noch vier Kilometer. Doch wir konnten nicht mehr. Für heute ging wirklich nichts mehr. Also ab auf den Campingplatz, der sehr zu unserer Freude für Te Araroa-Hiker komplett umsonst ist. Peter, der Eigentümer der Campsite, gab jedem von uns sogar noch eine Duschmünze. Ein paar andere Camper versorgten uns mit neuen Wasserflaschen und Elizabeth und Mckenzie, die etwa eine Stunde nach uns kamen, brachten uns vom letzten Ort dann sogar noch eine asiatische Suppe und tiefgekühlte Bratokartoffeln mit. Total cool.

Tja, am Abend dann noch der Worstcase: mein Blogartikel – ja, dieser hier – war komplett fertig geschrieben. Ich habe keine Ahnung, welche Tastenkombination ich dann auf einmal völlig unfreiwillig gedrückt habe, aber auf einmal war alles gelöscht. Eine knappe Stunde Schreibarbeit für die Katz. Was habe ich innerlich geflucht… Aber hier ist er ja nun, der Artikel des heutigen Tages und hier sind auch einige weitere Fotos:

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