17
Dez
2017
7

Tag 23 Kraack Hill bis Puhoi (25 Kilometer)

Heute schlug ich mich mit wiedererstarkter Fitness auf einer Vielzahl kleinerer Tracks, unterbrochen durch einige Kilometer Roadwalking, über die letzten kleineren Berge vor Neuseelands Hauptstadt Auckland und durch schulterhoch blühende Gräser auf grünen Hügeln bis kurz vor die Küste an den kleinen Ort Puhoi durch…

Nach einem überraschend gutem Schlaf in der Nacht bin ich nach dem allmorgendlichen Wraps und dem ebenso allmorgendlichen Zelttrocknen um 8 Uhr bei bereits strahlendem Sonnenschein auf den Trail gestartet. Ich fühlte mich gut genug, heute etwas durchzustarten und die 25 Kilometer bis Puhoi in relativ kurzer Zeit zu knacken, auch wenn ich nicht genau wusste, was das eigentlich bedeuten sollte. Im besten Fall würde ich bei dem hügeligen Gelände an die fünf Kilometer die Stunde herankommen. Wenn die vor mir liegenden Hügel, Berge und vor allem Forest-Tracks aber dem entsprachen, was gestern im Dome Forest zu laufen war, würde ich mit einer deutlich langsameren Geschwindigkeit vorankommen. Da ich mich wie gesagt gut fühlte, etwas Gas zu geben, und auch auf dem Trail heute etwas für mich alleine sein wollte, nahm ich gleich zu Anfang ziemlich Tempo auf. Die 10-Kilometermarke des Tages hatte ich später bereits nach einer Stunde und 45 Minuten geknackt und war damit, wie ich fand, ganz gut im Rennen.

Den Kraack Hill hatten Anna, Mckenzie, Elizabeth und ich ja bereits gestern noch erklommen, so dass es anfangs auf dem Trail zunächst mit schönem Fernblick in einem weitestgehend unschönen gerodeten Wald und über eine Schotterstraße auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter ins Tal ging. Dort waren zunächst einige Viehweiden mit abermals scheuen Schafen zu queren und einige blühende Gräserwiesen.

Die blühenden Gräser gingen mir knapp bis zur Schulter. Wie ich da so durchlief, hab ich natürlich Unmengen an Pollen aufgewirbelt. Sofort bekam ich wieder Niesanfälle und mein Nase begann zu schnupfen. Insgesamt fühlte ich mich aber weiter gut, mein zügiges Tempo aufrecht zu erhalten. Dennoch nervte der offensichtliche Heuschnupfen etwas. In Deutschland hab ich das einmal im späten Frühjahr für etwa zwei Wochen. Vermutlich blühen hier ja gerade so ziemlich dieselben Gräser. Das Gute daran: in zwei Wochen dürfte ich auch hier in Neuseeland davon befreit sein 😉

Nach einer kurzen Passage aus Asphalt, ging es über eine fortstwirtschaftlich genutzte Schotterstraße auf der anderen Talseite wieder zum Anstieg über einige kleinere Kuppen auf den Moirs Hill und die dort gelegene Radiostation hinauf. Der Gipfel, der ungefähr bei Tageskilometer 15 lag erreichte ich um kurz vor 11 Uhr. Da ich mich weiterhin fit fühlte, hielt ich mich nicht lange auf dem Gipfel auf, sondern begann den Abstieg durch einen Wald und Busch-Track. Weitestgehend war das bislang heute ein angenehm einfacher Walk, auch wenn er nochmal einige Steigungen aufwies. 

Auf einem der Straßenabschnitte, die die einzelnen Tracks heute miteinander verbanden, überholte ich dann noch Olli und Babette, die ich beide am Vortag an der Aussichtsplattform im Dome Forest kennengelernt hatte. Wenig später kam auch das erste Mal von einer Hügelkuppe aus wieder die Pazifikküste in Sicht.

Über den Dunns Ridge Track, der schöne Aussichten in die sattgrüne Hügellandschaft bot, ging es dann weiter. Zunächst durch ein kleines Waldstück, dann über eine Farmwiese, dann über eine Schotterstraße und dann… auf gefühlten 10 Kilometern erneut durch schulterhoch blühende Gräser zwischen einem Elektrozaun auf der einen Seite und 3 Meter entfernt Stacheldraht auf der anderen Seite. Was zur Hölle…

Gesamt war das tatsächlich nur ein Kilometer, aber diese blühenden Gräser drohten mir echt das Genick zu brechen. Niesanfälle, absolutes Schniefen usw. Da hab ich mich echt durchgekämpft. Niesen und Schnupfen blieben mir tatsächlich auch noch einige Kilometer erhalten. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Pollen ich selbst nach dem Ausstieg aus den Gräsern noch mir mir rumtrug. Alleine meine Arme waren mit unzähligene Gräserpollen bedeckt. Wenn der Puhoi River, an dem ich mich hier gerade befinde, hier in Puhoi selbst nicht so matschig aussehen würde, würde ich doch glatt reinspringen.

Ehe es über eine Hängebrücke über den Puhoi River auf den gleichnamigen Track ging, streichelte ich noch ein paar neugierige Lämmer. Der River Track selbst führte statt direkt am Fluß mit kurzen Auf- und Abstiegen an der Flanke des Berges entlang durch einen richtig schönen schattigen Wald. Für mich das schönste Stück Track heute. Der Weg war zudem gut ausgebaut. Unterwegs hatte ich noch ein nettes Gespräch mit einem Einheimischen.

Angekommen bin ich in Puhoi dann um 13:45 Uhr. Allerdings hatte ich heute auch so gut wie keine Pausen gemacht. Jetzt habe ich mir gerade hier im Grocery Store ein Eis geholt und sitze ich zum Schreiben dieses Artikels hier im angenehm kühlen Schatten auf einer Bank mit Tisch vor dem Store. Und der bei mir sehr beliebt gewordene Liter eisgekühlten Orangensafts steht auch bereits neben mir.

Ansich würde ich heute gerne noch weiterlaufen, aber der Te Araroa Trail verläuft ab Puhoi mit dem Kayak offiziell über den Puhoi River bis zu dessen Mündung ins Meer. Das geht nur bei auslaufendem Hochwasser und dieses gibt es erst morgen wieder. Insofern heißt es Warten. Dafür gibt es dann aber für die ersten acht morgigen Kilometer erstmal eine Entlastung für die Beine 😉

Anna ist auch gerade angekommen. Wenn Sie ihren Resupply erledigt hat, gehen wir sicher mal zum Verleiher der Kayaks für die ersten acht Kilometer morgen auf dem Puhoi River. Den Rest des Tages werde ich sicher entspannt angehen lassen: eventuell gibt’s am Abend nochmal Fish n Chips und das ein oder andere Bier. Zudem ruft die Open Air Dusche neben dem Puhoi Tenniscourt nach mir…

Was den sonstigen Ausblick angeht: mit der heutigen Etappe habe ich die letzten Berge vor Auckland erstmal hinter mir gelassen. Bis Auckland folgt der Te Araroa Trail von hier aus weitestgehend erstmal der Küstenlinie in meist flachem bis maximal hügeligem Gelände. Dabei geht es durch eine Vielzahl kleinerer Städte und Vororte Aucklands und natürlich auch wieder an einigen Stränden entlang. So richtig bergig wird es dann erst wieder deutlich nach Auckland. Dann gelange ich auch langsam in vulkanische Gebiete.

So und nun noch ein paar weitere Fotos von meinem Trailtag:

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