30
Jun
2018
2

Tag 2 Ausangate Circuit – Über den Arapa Pass zu den Lagunen um Hatun Pucacocha und dann abseits vom Circuit nach Ananpata

Ein wahnsinnig anstrengender Tag! Der Tag ging echt an die Substanz. Höhe, Kälte und nicht zuletzt unser schweres Gepäck setzten uns stark zu. Doch die Aussichten, die wir genießen durften, war alle Anstrengung und auch den Kopfschmerz, den wir hier nun in unserem Hochlager auf knapp 4.800 Metern über dem Meeresspiegel abseits vom eigentlichen Trail haben, wert…

Woah, die Nacht auf knapp 4.400 Metern Höhe in Upis war echt eisig kalt. Ich hatte einen Großteil meiner Klamotten im Schlafsack an, zudem hatte ich das zusätzlich wärmende Schlafsackinlet. Dennoch war die Nacht echt kalt. Es war nicht, dass ich unentwegt fror, aber es fröstelte mich zumindest die ganze Nacht. Und Christian ging es ganz genauso.

Die Temperaturen dürften auf etwa -10 bis -15 Grad in der Nacht abgefallen sein. Am nächsten Morgen war das Zelt komplett gefroren und in dem gestern noch mühsam gefilterten Wasser in unseren Wasserflaschen schwammen Eisklumpen.

Naja, ich wollte ja schon immer wissen wie es sich anfühlt, in einem Gefrierfach zu schlafen. Nun bin ich auch um diese Erfahrung reicher und werde sie in den kommenden Nächten direkt noch ein paar mal wiederholen. So gut hat es mir halt gefallen… Quuuuuaaaaaatsch. Das ist natürlich alles andere als angenehm, aber das auszuhalten eröffnet nunmal ganz andere Möglichkeiten, wie z.B. diesen bislang echt schönen Trek zu begehen 😉

Am gestrigen Nachmittag und Abend hatten sich in dem winzigen Bergdörfchen Upis übrigens insgesamt vier geführte Gruppen eingefunden. Das volle Programm: Mulis, Muliführer und Aufbauhelfer, Köche, Guides usw. Teils mit riesigen Expeditionszelten… Wir waren abermals die einzigen, die sich der Herausforderung stellten, diesen Trek ohne all diese Annehmlichkeiten zu begehen oder zumindest es zu versuchen.

Um 8 Uhr sind wir dann am heutigen Morgen losgekommen. Wir reihten uns damit in die Mitte der geführten Gruppen ein. Zwei von den Gruppen waren bereits gestartet, zwei weitere harrten noch auf der Campsite aus.

Die Sonne stand zwischenzeitlich etwas höher am Himmel und wir konnten uns endlich eines großen Teils der ganzen warmen Klamotte entledigen. Es ist echt verrückt wie warm es hier tagsüber in der Sonne ist und welch brutale Kälte einen nachts erwartet.

Auf dem Trek ging es zunächst immer weiter auf die beeindruckend vergletscherte Nordflanke des Ausangate zu ehe der Trek dann Richtung Südwesten einschlug, um einen ersten Bogen um das Gebirgsmassiv zu beschreiben und auf den Arapa Pass zuzusteuern, der immerhin eine beachtliche Höhe von 4.850 Metern aufweist.

Die Vegetation rund um den Ausangate wurde karger und karger. Das recht vertrocknet scheinende Gras wuchs nur noch wenig in die Höhe. Vor allem dominierten nun Fels und Geröll die Szenerie. Selten stand mal ein Büschel Tussockgras in der Lamdschaft und wenn auch meist nur dort, wo der Grund im Tale oder einer Senke etwas moorig wurde.

Je höher wir stiegen desto felsiger wurde allerdings das Terrain. Große Felsbrocken säumten nun oftmals unseren Weg, der auch immer näher an die vergletscherte Flanke des Ausangate heranführte.

Der Weg zum Arapa Pass war klar erkennbar. Dass der Anstieg gerade auf dem letzten Teilstück knackig sein würde, ebenso. Doch irgendwann hatten wir uns und unsere Rucksäcke auf die Passhöhe, auf der viele Steinmännchen standen, hochgewuchtet. Schnaufend zwar, aber wir waren oben. Und dabei hatten wir sogar eine der vor uns gestarteten geführten Gruppen überholt.

Auf der Passhöhe zeigte sich richtig unerwartet eine völlig andere Landschaft. Beinahe wüstenähnlich kam das hier oben zunächst daher.

Ich fühlte mich noch gut nach dem ersten Pass. Eine kurze Verschnaufpause, mehr hatte ich nicht gebraucht, um mich dann wieder motiviert an den Abstieg von der Passhöhe zu machen.

Dieser verlief zunächst gemächlich und erst später, als der Pfad weiter um den Ausangate herum einen Bogen nach Südosten beschrieb, ging es steiler bergab.

An grasenden Alpaca- und Schafherden vorbei gelangten wir zu den ersten von vielen Lagunen, die wir im Verlaufe des Tages passieren sollten. Die Alpacas schauten oftmals ziemlich drollig drein als wir sie passierten. Mag aber vielleicht auch an dem Lied gelegen haben, dass ich vor mich hinpfiff: „You’re my heart, you’re my soul“ von Modern Talking 😉

Um das klarzustellen: NEIN, ich bin kein Modern-Talking-Fan. Ich höre das weder zuhause noch im Auto oder beim Joggen und ich singe das vor allem auch nicht unter der Dusche. Das Lied hängt mir gerade einfach als Ohrwurm drin seit die Dorfdisco von La Playa auf dem Choquequirao Trek nach Machu Picchu damit unser Zelt beschallt hat…

Nach gut drei Stunden machten wir an einem Bachlauf übrigens eine erste längere Pause. Mein Ohrwurm war zwischenzeitlich aufs erste verschwunden und wir stärkten uns mit ein paar Müsliriegeln. Zudem füllten wir noch unsere Wasservorräte. Unmengen von Fliegen sorgten letztlich dafür, dass wir unsere Pause nicht zu lang ausdehnten 😉

Die Landschaft war atemberaubend schön und wurde von Biegung zu Biegung schöner. Die Berge wurden regelrecht farbig hier in verschiedenen Schattierungen von Grün und Rot. Die Lagunen, die wir passierten wiesen kristallklares Wasser auf und der Ausangate, an dessen noch deutlicher als die Nordflanke vergletscherter Südwestflanke wir nun direkt entlangliefen war einfach nur atemberaubend anzusehen.

Gegen 13 Uhr legten wir mit spektakulärem Blick auf die Lagune Hatun Pocacocha und die Eis- und Felsmassen des Ausangate dahinter eine längere Mittagspause ein. Eine Wahnsinnsaussicht war das hier! Total zum Genießen.

Zudem entschieden wir uns dazu unseren Trip auszudehnen. Wir würden den Ausangate Circuit nach dem Lunch verlassen und über einen knapp 5.000 Meter hohen Pass in das Tal von Anantapata hinabsteigen. Hier würden wir übernachten, um dann am kommenden Morgen über einen weiteren Pass auf über 5.000 Metern zum Rainbow Mountain zu hiken – lasst euch überraschen. Der Name ist hier offensichtlich Programm, wenn man den vielen Fotos im Netz Glauben schenken darf. Morgen Abend würden wir unseren Sidetrip dann beenden, indem wir den Circuit bei der Lagune Ausangate wieder aufnehmen.

Nach dem Mittag gingen wir den Aufstieg zum zweiten Pass des Tages an. Ich sah ich mich doch wieder stark an meine Hochtourenrunde in den Alpen vor drei Jahren erinnert. Von unserem auf halber Höhe gelegenen Lunchspot hochblickend war ich fest der Überzeugung in weniger als einer halben Stunde wäre ich da oben… jahaaaa, auf Meereshöhe vielleicht. Aber nicht auf knapp 5.000 Metern. Ich brauchte einfach mal deutlich über ne Stunde. Und dabei war ich ansich noch recht flott unterwegs…

Der Anstieg zum zweiten Pass war für diese Höhe und mit dem Gepäck einfach unglaublich steil und kräftezehrend. Das war richtiges Hochkämpfen hier. Aber das war es auch wert. Der Blick zurück auf den Ausangate und die Lagunen – teils entlang von merkwürdigen Steinformationen, die wir im Aufstieg passierten – war schon spektakulär, aber dass uns zur anderen Seite des Passes ein völlig anderer, aber ebenso atemberaubender Blick erwarten würde, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir hatten eine solche Fernsicht in ein weites grünes Tal, an dessen Seiten sich grün und rot gefärbte Berge in den Himmel erhoben. Unglaublich.

Lange blieben wir nicht, um die tolle Aus- und Fernsicht zu genießen. Ein eiskalter Wind zog von den Gletschermassen des Ausangate kommend über den Pass hinweg, auf dem wir standen. Übrigens nicht alleine. Eine der geführten Gruppen, diese mit mehreren Kanadiern, unternahm ebenfalls den Sidetrip zum Rainbow Mountain.

Gemeinsam mit den Kanadiern stiegen wir von der Passhöhe ab. Durch eine Rinne im Berg, die knöcheltief von Schnee bedeckt war, gelangten wir einige hundert Höhenmeter tiefer in das Tal von Anantapata.

Wir querten im Talgrund abermals eine Herde von Alpacas uns begannen dann den Aufstieg zu dem Pass, der uns am nächsten Morgen zum Rainbow Mountain führen sollte. Etwa auf 4.800 Metern schlugen wir hier im Tal nahe einer unbewirtschafteten Lodge unser Zelt neben denen der geführten Tour auf.

Es war mittlerweile schon früher Abend. Wir sahen nur noch zu, dass wir an einem Bachlauf neues Wasser filterten und schnell etwas zu essen kochten. Unter unsere Instantnudeln mit Thunfisch mixten wir dabei ne übelst scharfe Fertigsauce. Böser Fehler! Ich mag zwar scharf und auch gerne mal richrig scharf, aber das war einfach nur höllisch scharf…

Nach dem Essen zogen wir uns aufgrund der Kälte direkt ins Zelt zurück. Mal sehen, ob wir auf dieser Höhe genug Schlaf finden. Wir beide haben leichte Kopfschmerzen. Ich hoffe, dass diese morgen verschwunden sind. Davon abgesehen geht es uns gut. Christian schien zwischenzeitlich sehr hinüber heute, aber bei der Höhe ist das auch kaum verwunderlich.

Ansonsten noch was Neues aus der Kategorie „Äußerliche Veränderungen auf Tour“: heute ist mir doch glatt aufgefallen, dass meine Haare von der Sonneneinstrahlung hier nach und nach immer blonder werden. Mittlerweile sind sie so lang, dass mir ständig irgendwelche blonden Strähnen ins Gesicht hängen, bei denen ich mich zunächst gefragt habe, von wem die wohl stammen… dauerte ein paar Sekunden, bis ich realisiert hatte, dass diese blonden Haarsträhnen offenbar meine eigenen sind… So, da seid ihr nun also auch up-to-date 😉

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