10
Dez
2017

Tag 16 Sheltered Bay bis Nikau Bay (21 Kilometer)

Das war eine harte Nacht. Ich hab kaum und wenn doch dann richtig schlecht geschlafen. Kein Wunder, dass ich mich am Morgen dieses Tages ziemlich gerädert erst um 6:45 Uhr von meinem Schlafsack losgelöst habe und es mit 7:45 Uhr im Vergleich zum Vortag ja schon spät auf den Trail ging. Dabei hatte die Nacht so gut angefangen…

Es war sternenklar gewesen am Abend zuvor. Kein Dunst. Kein Fremdlicht. So sahen also die Abertausenden von Sternen auf der Südhalbkugel aus. Wunderschön. Noch lange habe ich einfach im offenen Zelt wach gelegen und von diesem traumhaften Platz an der Sheltered Bay an der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel hinaus aufs dunkle Meer und in die Sterne am Firmament geschaut. Sternschnuppen gucken. Die waren auch dabei. Wenn ich auch mehrere gesehen habe, so blieb doch stets nur ein Wunsch. Aber der ist natürlich privat und wird hier nicht verraten.

Warum ich dann trotzdem schlecht geschlafen habe. Gute Frage… vielleicht hat mich einfach das rauschende Meer wachgehalten. Viel wahrscheinlicher ist wohl aber der Umstand, dass ich, als ich mich dann tatsächlich schlafen gelegt habe, einfach keine bequeme Position zum Einschlafen oder auch zum Wiedereinschlafen gefunden habe. Bescheuert. Zumal ich beim Sternegucken noch so bequem gelegen hatte. Stattdessen habe ich mich dann ziemlich hin- und hergewälzt auf der schmalen Isomatte.

Nach dem Start um 7:45 Uhr lief ich mit Axel zunächst den kurzen Rest vom Whananaki Coastal Track. Danach gab es erstmal zwei Stunden Roadwalking über Asphalt und Schotter, weitestgehend entlang einer aussichtsreichen und kurvigen Küstenstraße, die auch in den kleinen Küstenort Matapouri hineinführte.

Anschließend führte der Trail auf den Matapouri Bush Track. Dieser war eigentlich geschlossen, mittels Umleitung jedoch für Te Araroa-Hiker, die den Trail von Nord nach Süd begehen, dann doch wieder erreichbar. Nur der Start verlief offensichtlich etwas anders als über den ursprünglichen Track. Die Umleitung führte erst über Farmland und dann über ein Rodungsgebiet bis hin zum Wald bzw Busch. Die ein zwei Kilometer durch das Abholzungsgebiet waren schon ziemlich karge Landschaft. Da heute Sonntag war, war aber kein Betrieb und die weitere Rodung zumindest bis morgen gestoppt. Morgen selbst würde vermutlich weiter mit schweren Maschinen dem Wald der Garaus gemacht werden.

Der Track im Forest selbst verlief über einen angenehm zu laufenden Trampelpfad mit mäßigen An- und Abstiegen. Dennoch kam mir ich hier im subtropischen Wald heute mächtig ins Schwitzen. Es war bereits früh am Morgen richtig warm geworden und die hohe Luftfeuchtigkeit im Wald tat ihr Übriges dazu.

In den neuseeländischen Wäldern werden vielerorts erhebliche Bemühungen unternommen, um die heimischen Kiwis zu schützen. Ihr könnt euch nicht vorstellen durch wieviele Schutzzonen für Kiwis ich mittlerweile auf den ersten – Moment, ich bin jetzt bei Trailkilometer 342 – gelaufen bin. Es waren wirklich unzählige. Dennoch habe ich bislang nicht einen dieser vermutlich äußerst scheuen und auch noch nachtaktiven, flugunfähigen Vögel zu Gesicht bekommen. Ich habe bislang so viele Vögel gesehen und noch mehr gehört. Bei den gesehenen waren z.B. Reiher, Fantails, Eisvögel, Pukekos, Austernfischer und Papageien dabei, aber vom Kiwi, dem Nationaltier Neuseelands, bislang leider keine Spur. Ich hoffe ich bekomme irgendwann noch einen zu Gesicht. in freier Natur versteht sich.

Später verlief der Track auf einer Forest Road und passierte dort auch einen wirklich gigantischen Kauri-Baum names Tane Moana. Wahnsinn. Und ich dachte die Kauri-Bäume, die ich bislang gesehen hatte, waren schon groß. Tane Moana toppte sie alle. Trotz Weitwinkelobjektiv habe ich diesen Baum mit einem Stammumfang von wahnsinnigen 11 Metern einfach nicht komplett draufbekommen aufs Bild. Gigantisch. Übrigens weiß ich mittlerweile, dass diese Bäume knapp 2000 Jahre alt werden.

Nach dem Matapouri Bush Track ging es auf der Straße einige Kilometer weiter in das Dorf Ngunguru. Versucht das mal auszusprechen 🙂 Nachdem ich mir hier eine Cola gegönnt hatte, traf ich hier auch wieder auf Anna und Axel sowie einige weitere Hiker.

Der Te Araroa führte dann mitten durch den hier an der Mündung in den Pazifik knapp 700 Meter breiten Ngunguru River hindurch. Also ab, Hose hochgekrempelt und durchgewatet. Quatsch, lasst euch nicht veräppeln von mir. Am Vortag hatten wir bereits ausgelotet, wie der River passiert werden kann und Kontakt mit James aufgenommen. James führt eine ganz einfache, aber sehr schöne Campsite namens Nikau Bay an der anderen Flussseite und er sorgt mit seinem kleinen Motorboot dafür, dass die Te Araroa-Hiker über den Fluss gelangen. Gegen 14 Uhr setzten wir mit James über und entschieden uns recht spontan die Nacht auf seiner Campsite zu bleiben. Mehrere Kilometer weiter zu gehen, hätte sich tatsächlich auch nicht gelohnt, da wir die beiden kommenden Etappen an das derzeit morgens einsetzende Niedrigwasser anpassen müssen. Morgen würden wir maximal 28 Kilometer bis zum Beginn der Taiharuru Estuary Route laufen können, um übermorgen bei Niedrigwasser dann die Route selbst begehen zu können. Diese führt letztlich an der Mündung des Taiharuru River auf knapp drei Kilometern über Sandbänke, durch den Fluss und das Meer selbst. Das wird sicher einer Riesenspaß. Nur die zuvor 27 morgigen Kilometer, davon 23 auf der Straße, versprechen statt Spannung eher brennende und schmerzende Füße.

Den Nachmittag nutzte ich mit Anna noch zum Open-Sea-Kayak-Fahren auf dem Ngunguru River. James bot uns an, eine Tour mit seinen Kayaks auf das Meer bzw. den Fluss zu machen und direkt in die Mangroven zu fahren. Tolles Erlebnis. Knapp anderthalb Stunden waren wir unterwegs.

Im Verlaufe des frühen Abends trafen dann später noch einige weitere Thru-Hiker, darunter auch Christian, an der Nikau Bay ein. Ich bin gespannt, ob wir uns morgen nachmittag vielleicht sogar alle am Beginn der Taiharuru Estuary Route wiederfinden und unsere Zelte dort gesammelt aufstellen, um dann in großer Gruppe am nächsten Morgen in die Fluten einzusteigen.

Hier noch ein paar weitere Bilder:

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