7
Dez
2017

Tag 13 Paihia bis Waikare Valley (31 Kilometer)

Den Tag nach dem Pausentag riß ich gleich mal wieder 31 Kilometer ab und fühle mich nach diesen auch weiterhin wohl. Die Erholung in Paihia hat offensichtlich gut getan. Nun zelte ich endlich wieder wild auf einer Wiese neben einem Fluss im Waikare Valley. Warum die heute gelaufenen Kilometer nicht gleich 31 Trailkilometer sind, verrate ich euch später im Artikel…

Der Morgen nach dem Pausentag begann entspannt. Ich habe erstmal noch mit Axel sowie dem am Vorabend noch in der Lodge angekommenen Guillaume das zur Verfügung gestellte einfache Frühstück genossen und dann ganz gemächlich meine Sachen und mein Zelt zusammengepackt. Als ich kurz vor Aufbruch nochmal in die Lodge stiefelte, um meine an der Steckdose hängenden Elektrogeräte – das sind übrigens echt viele… – zusammenzusuchen, traf ich tatsächlich auch noch auf Christian, den ich zuletzt in Auckland bei den letzten Vorbereitungen für den Te Araroa getroffen hatte. Verrückt. Er war ebenfalls noch am Vorabend angekommen, wir hatten uns jedoch nicht mehr gesehen. Ich bin am Abend noch mal mit Anna und Axel nach Paihia gegangen, wo wir im unbändigen Hunger mal wieder einige Portionen Pommes verdrückten. Axel hatte vorweg noch nen ziemlich merkwürdigen frittierten chinesischen Hotdog für umgerechnet weniger als zwei Euro, den er mit recht angewiedertem Gesichtsausdruck verspeiste. Keine Ahnung was er da gegessen hat. Ist vermutlich auch besser, das nicht zu hinterfragen.

Mit Christian tauschte ich ehe es um 8:30 Uhr losging noch kurz einige Trailstories aus. Wir sehen uns dann sicher die kommenden Tage wieder. Christian und Guillaume legen wie wir auch zuvor zunächst einen Pausentag in Paihia ein.

Zunächst ging es knapp 7 Kilometer über den Paihia to Opua Coastal Walkway. Ein traumhafter Start in den Tag. Der Track führte zunächst entlang der Küstenlinie in Richtung Haumi Bay. Bei Flut ist er vollständig überspült. Um diese Zeit war er aber noch begehbar. Wunderschön: der Walkway führte an einer Vielzahl kleiner Strände vorbei und auch auf einem Steg mitten durch Mangroven hindurch.

Nach der Haumi Bay ging es entlang der Klippen durch eine Vielzahl einsamer Buchten. Mit inklusive waren jede Menge traumhafter Ausblicke auf die Bay of Islands mit ihren unzähligen vor Anker liegenden Jachten und die Meerenge namens Veronica Channel, die vor dem Waikare Inlet liegt.

Es war mal wieder ein total sonniger Tag. Und die Luftfeuchtigkeit heute morgen war irgendwie gefühlt extrem hoch. Ich hatte mich schon geärgert, die lange Hose angezogen zu haben und wollte diese nach Erreichen von Opua eigentlich gegen die Shorts wechseln. Für den Rest des Tages blieb es dann aber doch bei meiner Wahl.

Opua erreichte ich dann schließlich nach knapp anderthalb Stunden gemeinsam mit Axel und Anna. Dort setzten wir mit der Autofähre über den Veronica Channel nach Okiato über. Damit verließen wir auch den eigentlichen Te Araroa-Track. Denn dieser führt mit dem Boot knappe 11 Kilometer südöstlich durch das Meerwasser des Waikare Inlet hin zu einem Punkt namens Waikare Landing.

Der eigentlich Track zum Laufen beginnt erst dort wieder. Kostenpunkt für das Boot zum Übersetzen: ca. 100 Neuseeländische Dollar. Wir hatten uns mit der 1 Dollar-Fähre nach Okiato für die günstigere, aber auch mühsamere Variante entschieden: denn von Okiato führt eine etwa 22 Kilometer lange Alternativroute auf einem kurzen, gut ausgebautem Bushtrack sowie auf endlosen Asphalt- und Schotterstraßen entlang des Inlet hin zum Waikare Landing.

Nach dem schönen Tourstart mit dem Coastal Walkway und dem anschließend auch sehr schönen Bushtrack folgten also gefühlt unzählige Kilometer Roadwalking über hügeliges Gelände und entlang einer Vielzahl an Mangrovensümpfen. Die Sonne brannte wie die letzten Trailtage gnadenlos und ließ die Luft über dem Asphalt flimmern. So sind wir stundenlang durch die Mittags- und Nachmittagshitze marschiert. Eine willkommene Abkühlung verschaffte da nur eine ab und an vom Meer herüberwehende leichte Brise, die auch den Geruch von Meer und Salzwasser mit sich trug.

Am Waikare Landing kam ich als erster von uns dreien an. Über eine staubige Schotterpiste ging es noch einige Kilometer in den Waikare Valley hinein bis an den Rand des Russel Forest. In diesen Wald würde es morgen hineingehen. Von unterwegs hatte man bereits einige Aussichten auf ihn.

Nachdem ich später am Waikare River neues Trinkwasser gefiltert und meine Wasservorräte komplett aufgefüllt hatte, schlug ich mein Zelt wenig später bei Trailkilometer 268 wunderschön gelegen auf einer Wiese vor einer Biegung des Flusses auf. Damit waren zwar 31 Kilometer gelaufen, aber nur knapp 20 Trailkilometer geschafft.

Kurze Zeit später erreichten auch Axel und Anna den Spot am Fluss. Während die beiden ihre Zelte aufstellten, sprang ich kurzerhand von der Böschung in das kühle Nass. In der Biegung hatte der Fluss dann eine Tiefe von knapp 2 Metern. Damit konnte man von der hohen Böschung aus schon ein paar Sprünge machen 🙂 Wahnsinnig erfrischend. Hier ist halt Sommer.

Das Abendessen ist mittlerweile auch vertilgt. Ich habe mich da an die schwersten, vermutlich aber auch leckersten Sachen in meinen Proviant herangemacht: es gab Tomaten-Basilikum-Reis mit einer Mischung aus Lachsstücken, getrockneten Tomaten und Oliven. Bislang das beste Trailfood, das ich hatte. Aber für den Trailalltag ist es dann doch nicht zu gebrauchen. Der vorgekochte Reis von Uncle Bens ist mit 250 Gamm schlichtweg zu schwer, um ihn für jeden Tag mitzunehmen.

So, nun werde ich noch ein wenig meine Wunden verarzten. Die vielen Tage mit nassen Füßen haben weiteren Tribut gefordert. Als ich heute Mittag meine Socken auszog, blutete es doch tatsächlich ein wenig zwischen den Zehen meines linken Fußes. Da hat sich glatt mal die Haut zwischen einigen Zehen bis aufs Fle… abgelöst. Zudem haben sich an meiner rechten Wade Brandblasen von der Sonne gebildet… naja, ich werde damit umgehen… irgendwie.

Weitere Fotos wie immer hier am Schluss 😉

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