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Mrz
2018
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Tag 123 Queenstown / Twelve Mile Delta Campground bis Routeburn North Branch (8 Kilometer)

Am heutigen Tag gilt es ein riesengroßes Dankeschön an zwei ganz fantastische Trailangels auszusprechen: Reece und Gordon aus Hawaii. Die beiden haben Anna und mich nicht nur im Regen an der Twelve Mile Delta aufgelesen und bis ins 40 Kilometer entfernte Glenorchy mitgenommen, sie haben uns später auch noch bei Mrs. Woolly’s Café auf Mocchachino und Scones eingeladen, uns mit Früchten und Schokolade versorgt und uns am Nachmittag direkt nochmal aufgelesen, um uns zum weitere 20 Kilometer entfernten Start des Routeburn Great Walk zu bringen. Auf diesem haben wir dann am Nachmittag nach den schweren Regenfällen des Vormittags noch einige Kilometer hiken können ehe wir auf einem Sidetrail im engen Tal des Routeburn North Branch River, umgeben von hohen Bergen mit Wasserfällen und Gletschern, unsere Zelte aufschlugen…

Nach der Entscheidung des Vortages, nur einen Teil des Routeburn Great Walk am heutigen Tag anzugehen, ließ sich der Tag entspannt angehen. Ich hatte seit langer Zeit mal wieder bis nach 7 Uhr geschlafen und dann anschließend gemütlich mit Anna draußen an einem Picknicktisch auf dem Twelve Mile Delta Campground gefrühstückt. Es war irgendwann so zwischen 8:30 Uhr und 9 Uhr als wir dann unsere Zelte einpackten. Gerade noch rechtzeitig, denn kurze Zeit später zog es die bislang noch in den Bergen hängenden dunklen Wolken über den Lake Wakatipu und es begann zu regnen.

Unser Plan sah vor bis Glenorchy, einem Dorf am Nordende des Lake Wakatipu, zu trampen, um von dort aus über weitere Hitchhikes zum Trailhead des Routeburn Great Walk zu gelangen. Große Chancen rechneten wir uns dabei im Regen nicht aus. Doch wir hatten abermals solch ein Glück. Wir standen vielleicht gerade zehn Minuten an der Queenstown-Glenorchy-Road als neben uns Reece und Gordon aus Hawaii hielten und uns anboten, uns bis nach Glenorchy mitzunehmen.

Die beiden waren im Urlaub in Neuseeland und nun zum Ende ihres Urlaubs noch für drei Tage in Queenstown. Wir waren so dankbar, dass sie uns im Regen mitnahmen. Gordon meinte nur, dass er selbst auch wahnsinnig froh wäre, wenn ihn jemand in diesem Regen aufgelesen hätte 🙂

Auf der Fahrt unterhielten wir uns viel. Über unseren Trail, aber auch über Reece’s und Gordon’s Urlaub hier in Neuseeland. Als uns die beiden dann in Glenorchy vor Mrs. Woolly’s General Store & Café absetzten, sprachen wir noch davon, dass wir uns vielleicht später nochmal sehen würden. Denn Reece und Gordon wollten später nach einem kurzen Trip mit dem Auto in die Berglandschaft womöglich selbst nochmal in dem einfachen Café einkehren. Und unser Plan war es, das schlechte Wetter erstmal hier im Café bzw. davor – es gab letztlich nur ein paar Sitzplätze draußen, diese jedoch überdacht – auszusitzen.

Es regnete immer heftiger. Der angekündigte Starkregen war nun auch hier im weiten Tal angekommen. Und hatten wir vor einer Stunde wenigstens noch die Schemen der Berge jenseits des Lake Wakatipu erkennen können, verschleierte die dichte Wolkendecke nun jedwede Sicht. Gegen 13 Uhr jedoch sollte es etwas aufklaren. So zumindest die Wettervorhersage, die Reece während der Fahrt noch abgerufen hatte.

Anna und ich suchten erstmal Schutz vor dem Regen in Mrs. Woolly’s General Store. Ein richtig hübscher Laden, der nicht einfach lieblos im Regal aneinandergereihte Lebensmittel anbot. Der Store war in einem Stil aus Shabby Chic, Vintage und altem Kaufmannsladen eingerichtet und bot in seinem Sortiment neben ausgesuchten und schön präsentierten Lebensmitteln, darunter vor allem selbstgemachte Pie’s, Kuchen, Honig, Kekse und andere Süßigkeiten, auch eine Vielzahl an anderen Dingen wie Büchern über Neuseeland, stilvollen Dekoartikeln, Produkten aus Merinowolle usw.

Wir bestellten uns zunächst zwei Cappuccino nebst einem Scone für Anna und einem Schokoladenkuchen für mich. Damit setzten wir uns draußen unter die großzügige und windgeschützte Überdachung. Kalt war es glücklicherweise nicht.

Während Anna sich mit Blick auf meinen nur einen Dollar teureren Large-Size-Cappuccino noch etwas ärgerte, dass sie sich nur einen halb so groß ausschauenden Regular-Size-Becher bestellt hatte, gesellte sich Erna, die ich bereits draußen vor dem Store kennengelernt hatte, zu uns. Eine holländische Neuserlandreisende, die heute noch auf den Greenstone-Caples-Track starten wollte. Wir unterhielten uns eine Weile. Zudem schrieb ich noch einige Zeit an meinem Blogartikel vom gestrigen Tag. Ein Aufbrechen kam auch danach immer noch nicht in Frage. Der Regen ließ und ließ nicht nach.

Schließlich kamen tatsächlich noch Reece und Gordon zu uns an den Tisch. Die beiden waren relativ schnell wieder in dem Regen umgekehrt. Es hatte einfach keine Sicht bei dem Wetter.

Sie luden uns noch auf einen Mocchachino und Scones ein und nach alledem schenkten sie uns auch noch etwas Obst und Schokolade. Derweil unterhielten wir uns gut. Nicht nur über unseren Trail, sondern vor allem auch über die vorherigen Neuseelandreisen von Reese, über die Alaskaurlaube der beiden einschließlich der Begegnung mit einem Grizzly, über Gordon’s Liebe zum Meer, sein interessantes Berufsleben und über ihre Heimat Hawaii.

Nach allem, was Reece und Gordon an diesem Tag bereits für uns getan hatten, brachten sie uns schließlich auch noch zum 20 Kilometer entfernten Trailstart des Routeburn Tracks. Wir hatten uns an sich schon vor einer Weile voneinander verabschiedet. Anna und ich hatten dann als sich das Wetter besserte unsere Rucksäcke geschultert und uns zur Straße, die in Richtung des Routeburn Trailheads führt, aufgemacht. Da der Startpunkt des Trails am Ende einer Sackgasse im Nirgendwo liegt, rechneten wir nicht damit, schnell eine Gelegenheit zur Mitfahrt zu bekommen. Doch plötzlich hielten überraschend abermals Reece und Gordon neben uns und brachten uns direkt zum Trail. Wahnsinn.

Es war unheimlich schön die beiden zu treffen. Ganz wundervolle, liebe Menschen. Anna und ich würden uns beide freuen, sie vielleicht wirklich mal auf Hawaii wiederzusehen. Falls ihr das lest, Reece und Gordon: habt ganz vielen lieben Dank für alles!

Der Routeburn Track selbst beginnt am Anfang eines engen Tales, durch das ganz besonders am heutigen Tage nach den schweren Regenfällen regelrechte Wassermassen hinabdonnerten. Beeindruckende Wasserfälle strömten von den steilen Berghängen teils direkt neben dem Trail herunter, der stetig ansteigend durch moosigen Wald bis in die Routeburn Flats verlief: einer Hochebene auf knapp über 700 Metern.

Wir folgten dem Track für etwa sieben Kilometer bis zur Routeburn Flats Hut. Dort querten wir den Routeburn River vor dessen Zusammenfluss mit dem Routeburn North Branch River, um auf den Sidetrail in das enge Tal des North Branch River zu gelangen. Am Vormittag noch hätten wir diese Flussfurtung nicht wagen können. Der Fluss war dort dermaßen angeschwollen, dass ein großer Teil der Routeburn Flats unter Wasser stand. In dem einfachen Pfad, dem wir nach der Flussfurtung nun durch die Tussockebene in das North Branch River Valley folgten, stand teils noch immer bis zur Mitte unserer Waden das Wasser.

Nach einem guten Kilometer schlugen wir an einer höher gelegenen Stelle im Tal, umgeben von schroffen Gipfeln über 2.000 Meter, in deren Hängen sich kleine Hängegletscher befanden und große Wasserfälle zu Tal donnerten, unsere Zelte auf. Gerade noch rechtzeitig ehe der leichte Nieselregen, der eingesetzt hatte, stärker wurde und wir uns für den Abend in unsere Zelte und Schlafsäcke zurückzogen.

Ich hoffe, dass am morgigen Tag das Wetter besser ist. Es wäre schön, wenn wir den Great Walk so richtig genießen können und auch vom Harris Saddle den 1.515 Meter hohen Conical Hill noch besteigen können. Das wäre dann quasi der Sidetrip vom Sidetrip 😉

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