26
Mrz
2018

Tag 122 Arrowtown bis Queenstown / Twelve Mile Delta Campground (34 Kilometer)

Puh, das war ein unerwartet anstrengender Tag, bei dem ich mich irgendwie sogar an einen der… hmm… ich nenn es mal unschönsten Tage der Nordinsel erinnert sah: Hiken auf wenig schönen Tracks und entlang von Schnellstraßen durch Baustellen, lärmende Industrie- und Gewerbegebiete sowie am Flughafen vorbei. Japp, ich sah mich irgendwie zurückversetzt an die Etappe hinter Aucklands Stadtzentrum. Nur war ich diesmal nicht knapp hinter Auckland sondern auf dem Weg nach Queenstown. Aber der Tag hatte definitiv auch gutes: der schöne Walk aus Arrowtown heraus, ein nicht minder schöner Lakeside Walk nach Queenstown, gutes Essen und zum Schluß ein fantastischer Kiwi namens Justin brachten einen mehr als versöhnlichen Abschluss mit dem Tag…

Schlechter Schlaf, Kälte, ein regennasses Zelt. All das dämpfte meine Motivation am Morgen um 6:15 Uhr aufzustehen doch beträchtlich. Aber es half nichts. Anna und ich wollten um 7:30 Uhr bereits durchstarten, um möglichst am Nachmittag noch von Queenstown bis zum Start des Routeburn Tracks zu hitchhiken. Also pellte ich mich um 6.30 Uhr etwas widerwillig dann doch aus meinem Schlafsack, packte mein Zelt und meine Klamotten recht zügig zusammen und fand mich bereits 20 Minuten später zum Frühstück in der kleinen Küche der Campsite ein. Aus dem Grocery-Store von Arrowtown hatte ich mir am Vorabend fürs Frühstück noch eine Banane und ein belegtes Baguette mitgenommen und dieses vertilgte ich nun beides während ich mich mit einem Australier unterhielt, der zum Fischen nach Neuseeland gekommen war. Anna kam kurze Zeit später auch dazu.

Bis Queenstown lagen 29 Kilometer auf dem Wakatipu Track vor uns. Laut Trailbeschreibung handelte es sich hierbei um einen einfach zu laufenden Mix aus Walking und Bike-Track, Walkway und etwas Roadwalking. Mit dem frühen Start, den wir auch so gut wie einhalten konnten, planten wir trotz Resupply in dem Städtchen Frankton gegen 15 Uhr in Queenstown anzukommen. Da haben wir uns mal gehörig vertan. Irgendwie kam heute vieles anders als gedacht.

Der Start war noch total angenehm: frische kalte Morgenluft, ein ziemlich leerer und entsprechend leichter Rucksack, ein nach dem Aufstehen doch noch aufgefundener Batzen an Motivation und ein wahnsinnig gutes Croissant vom Bäcker in Arrowtown.

Auf dem Queenstown Cycle Trail verliessen wir die Stadt. Entlang den gepflegten Grünanlagen eines Golfplatzes hikten wir auf Straßen und dem breiten Walking und Bike-Track durch eine unerwartet hübsche, sehr gepflegte Landschaft vor den Toren Arrowtowns. Wir passierten viele kleine, vermutlich teure Ferienresorts und schöne, gepflegte Häuser mit ihren Gartenanlagen.

Von einigen Obstbäumen pflückten wir am Wegesrand zwei saure, aber gute Äpfel. Ein kleiner Snack für zwischendurch ehe wir zum Lake Hayes gelangten. Dorthin hatten wir an sich nur noch einen Kilometer zu laufen aber irgendwie verquatschten wir uns so richtig und verliefen uns das erste Mal auf dem Trail nicht nur für wenige hundert Meter sondern gleich für mehrere Kilometer. Wir waren schlichtweg dem Queenstown Cycle Trail statt dem Te Araroa gefolgt. Tja, was nun…? Wir kehrten um. Wir wollten schließlich alles laufen. Also nochmal eine halbe Stunde zurück und dann ab zum Lake Hayes. Der sollte immerhin auch wunderschön sein. Unser Tagespensum erhöhte sich damit aber einfach mal um fünf Kilometer.

Hübsch war er, der Lake Hayes. Definitiv. Aber bei diesem grauem Wetter heute kam die Schönheit dieses Sees, im Nahen umringt von kleinen Hügeln und in der Ferne von hohen Bergen, nicht so richtig zur Geltung. Schade.

Anschließend hikten wir zunächst durch ein Wohngebiet, schnappten uns die nächsten zwei, diesmal süßen Äpfel von einem über einen Zaun ragenden Baum, und gelangten zum Kawarau River.

Ich weiß nicht, was heute los war. Aber wir waren nicht gut unterwegs. Die Füße schmerzten auf dem Track, der aus grobem Schotter mit vielen mittelgroßen Steinen bestand und unsere Motivation war irgendwie alles andere als auf einem Hoch. Das besserte sich auch nicht je weiter wir auf dem Track voranschritten, denn dieser wurde nicht wirklich schöner.

Es ging nach dem Weg am Fluss in einem gefühlt die Tageskilometer unnötig ausdehnenden Zickzack Richtung Queenstown. Zunächst durch eine Baustelle, dann über weitere Straßen, am vielbefahrenen Highway entlang und dann mitten durch ein kleines, aber umso lärmerfüllteres Industrie- und Gewerbegebiet. Über uns der Lärm startender und landender Flugzeuge vom Queenstown Airport. Das erinnerte mich doch alles sehr an dieses Stück Te Araroa hinter Auckland, bei dem ich doch ziemlich geflucht habe und meine Motivation sich auf einem bislang vermutlich unerreichten Tiefpunkt befand.

Um 13:30 Uhr gelangten wir endlich in Frankton, einer kleinen Stadt vor Queenstown, an. Hier wollten wir Lunch machen und unseren Resupply im örtlichen Countdown für die nächsten sieben bis acht Tage bis Te Anau erledigen.

Wir waren ziemlich hinüber, humpelten beinahe eher vor uns hin als das wir hikten. Nach dem schönen Start auf dem Track am Morgen war es die letzten fünfzehn Kilometer irgendwie kein schönes Laufen mehr. Vor allem nicht nach diesen fantastischen Bergsektionen zuletzt. Wir setzten aber all unsere Hoffnung darein, dass uns ein vernünftiges Lunch wieder aufbauen und für die nächsten Kilometer stärken würde.

Eine Unmenge an Hikern hatte mir zuletzt von diesem Wahnsinnsangebot bei Dominos erzählt: ausgewählte Pizzen in normaler Größe für den ultimativen Tiefpreis von nur 5 Dollar das Stück. Das sind umgerechnet gerade mal 3 Euro. Und hier hatten sie einen Dominos. Yeesss! Wir fackelten nicht lange und gönnten uns für umgerechnet gerade mal 10 Euro zwei Pizzen, ein Käseknoblauchbrot und eine 1,5 Literflasche Pepsi. Wow, war das gut! So gut und günstig hatten wir wohl noch nie in Neuseeland gegessen. Hoffentlich gibt es in Te Anau an unserem vermutlich letzten Restday auf dem Te Araroa auch einen Dominos.

Derweil machten wir die genauere Planung für den weiteren Trail. Ab Queenstown im Südosten des Lake Wakatipu ist der Te Araroa offiziell ein drittes und letztes Mal unterbrochen. Der Lake ist nach dem Rakaia und dem Rangitata River eine der Hazard Zones. Der Trail endet in Queenstown und führt offiziell dann erst am nordwestlichen Ende des Sees beim Greenstone Carpark weiter. Der gefährlichen, engen und sich am See entlangwindenden Straße zwei Tage lang zu Fuß zu folgen war keine Option. Statt eines der teuren Busunternehmen zu nutzen, die etwa 85 Dollar und damit über 50 € für den Transport verlangen, wollten wir trampen und als Sidetrip den Routeburn Great Walk und den Caples Track auf zusätzlichen etwa 62 Kilometern hiken. Am Ende des Caples Track würden wir dann kurz vor den Greenstone Carpark und damit zum offiziellen Fortführungspunkt des Te Araroa gelangen. Wir würden damit also so gut wie nichts vom Te Araroa auslassen und einen ganzen Batzen zusätzlicher Kilometer auf hoffentlich schönen Tracks zurücklegen 😉

Für den 32 Kilometer langen Routeburn Great Walk, der offiziell drei Tage benötigt, müssten wir an sich eine Campsite oder Hütte vorwegbuchen. Wir planten zu diesem Zeitpunkt jedoch noch, diese Kilometer an einem Tag zu laufen und dann irgendwo auf dem Caples Track zu zelten.

So schön unsere Überlegungen waren, laut Vorhersage sollte uns das Wetter in unsere Karten spielen. Denn für morgen war auf dem Routeburn Track ein heftiges Gewitter angekündigt nebst Starkregen. Wir überlegten hin und her. Dann beschlossen wir erstmal ins noch neun Kilometer entfernte Queenstown zu gelangen und irgendwie zum Trailhead des Routeburn Great Walk zu trampen. Wir würden morgen früh entscheiden wie es weitergeht. Notfalls würden wir halt einen Tag irgendwo im Zelt festhängen und den Great Walk später beginnen.
Nach all diesen Überlegungen und der geilen Pizza – ich hatte übrigens eine mit Salami, roten Zwiebeln und Barbequesauce – litten wir anschließend zunächst beim Walk in den Countdown Supermarkt weiter. Denn auch das ging trotz Pause und gutem Essen irgendwie nur humpelnd.

Wir resupplyten hier für die nächsten acht Tage. Für Ostern haben wir uns übrigens eine Überraschung überlegt und besorgt. Die Kassiererin war etwas verwundert über meinen Einkauf, schmunzelte aber, als ich ihr erklärte, was ich damit vorhätte. Lasst euch überraschen…

Erst spät kamen wir wieder auf den Track. Wir hatten uns erst beim Dominos viel Zeit gelassen und anschließend brauchte Anna ungewöhnlich lange im Supermarkt. Ich dachte schon sie wäre in einen Kaufrausch verfallen 😉 Es war mittlerweile schon fast 17 Uhr und sie selbst war irgendwie alles andere als zufrieden mit der späten Zeit aufgrund ihres Einkaufs, aber ich fand das okay. Heute lief eh alles etwas anders als gedacht.

Unseren Plan, heute noch zum Routeburn Trailhead zu gelangen, verwarfen wir während des weiteren Hikes. Der Trailhead lag ziemlich abgelegen und im Dunkeln würde uns vermutlich weder jemand auflesen noch uns hinaus in die Wildnis bringen. In unserer Verfassung zu diesem Zeitpunkt überlegten wir zeitweilig sogar, ob wir nicht einfach in Frankton zelten sollten. Der Rucksack wog nun nach dem Einkauf wieder schwer und irgendwie kamen wir anfangs gar nicht mehr in Schwung. Aber wir bissen uns durch. Wenn der Tag mit einer teuren Campsite in Frankton geendet hätte, wären wir nicht wirklich zufrieden gewesen.

Nach den ersten zwei Kilometern legte sich unser schleppendes Vorankommen. Eigenartigerweise waren wir nun mit dem schweren Rucksack schneller unterwegs als zuvor mit dem leichten, um jegliches Essen befreiten Rucksack. Vielleicht lag es aber auch am Track. Statt durch Baustellen, kleine Gewerbe- und Industriegebiete und entlang von Asphaltstraßen liefen wir nun auf einem schönem Weg neben dem Lake Wakatipu den Frankton Arm bis Queenstown entlang.

Über die hübschen Queenstown Gardens gelangten wir nach nicht ganz zwei Stunden seit unserem Aufbruch aus Frankton ins Zentrum von Queenstown und an die Promenade am Seeufer. Wow, eine schön gelegene Stadt mit sehr gepflegten und hübschen Häusern. Allerdings unheimlich touristisch und entsprechend belebt, selbst in der Abendstunde, in der wir hier ankamen. Ohne Frage, Queenstown ist das Zentrum der gesamten Umgebung. Eine Unmenge an Café’s, Bars und Pubs gruppiert sich hier an der Seepromenade und um den Hafen herum. Ein Straßenkünstler zog eine Vielzahl an Touristen in seinen Bann.

Wir waren verdammt glücklich unser Tagesziel doch noch erreicht zu haben. Wenn wir nun Glück hätten, würden wir einen Hitchhike aus Queenstown heraus zu einer günstigen oder freien Campsite erhalten. Eine weitere Nacht auf einem Holiday Park wollten wir uns nicht gönnen. Dafür belohnten wir uns lieber mit einem teuren, aber großen Eis bevor wir versuchten zu trampen.

Wir sollten Glück haben. Eine Vielzahl an Autos passierte uns zunächst ohne jegliche Beachtung, dann jedoch stoppte Justin, ein Kiwi, und nahm uns bis zur Twelve Mile Delta Campsite des DOC mit. Wahnsinnig freundlich von ihm, denn die Fahrt zum Campground bedeutete für ihn nach seinem späten Feierabend einen totalen Umweg. Eigentlich wohnte er schließlich nur ein paar Kilometer außerhalb von Queenstown in Fernhill. So hatten wir richtig Glück und konnten unsere Zelte sogar noch in der Abenddämmerung kurz vor der Dunkelheit aufbauen.

Am Abend hatte ich seit langer Zeit mal wieder einige Moskitos im Zelt, aber so langsam werden die kleinen Plagegeister vermutlich inaktiv aufgrund der Kälte. Zumindest machten sie keine Anstalten mich zu attackieren. Meine übliche Ersttaktik des Wilden-Um-Sich-Schlagens erübrigte sich damit und ich sollte einen richtig ruhigen, guten Schlaf bekommen. Meine Schlafenszeit war übrigens mal wieder spät, so um kurz vor Mitternacht. Ich hatte noch meinen Blogartikel vom gestrigen Tag fertiggestellt 😉

Unsere Planung für den Routeburn Great Walk haben wir nun übrigens so aufgestellt, dass wir mit dem Track morgen nach dem für die ersten Tageshälfte vorhergesagten Schlechtwetter am Nachmittag beginnen und einfach auf einem Sidetrail abseits des Great Walk unsere Zelte wild aufschlagen. Den Hauptteil des Tracks würden wir dann übermorgen bei hoffentlich besserem Wetter laufen. Für diesen Tag ist zwar kein Sonnenschein angekündigt, aber zumindest soll es trocken bleiben.

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