25
Mrz
2018

Tag 121 Roses Hut bis Arrowtown (23 Kilometer)

Mit dem Roses Saddle und dem Big Hill Saddle standen heute die letzten beiden großen Climbs des Motatapu Alpine Track für mich an. Und nachdem in den frühen Morgenstunden zunächst noch eine dichte Wolkendecke über den Bergen lag, wurde es wenig später abermals ein traumhafter Tag mit Wahnsinnsaus- und Fernsichten. Ich hatte damit wirklich Glück. Die letzte große, richtig anspruchsvolle Bergsektion des Te Araroa war nochmal zum Genießen ehe ich sie mit meiner Ankunft in Arrowtown am frühen Abend abschloss. Gerade noch rechtzeitig, denn das Essen war mir mittlerweile ausgegangen und mein Rucksack so leicht wie noch nie zuvor…

Anna und ich wussten beide, dass wir es heute, egal bei welchen Konditionen, bis nach Arrowtown schaffen müssten. Nicht nur meine sondern auch ihre Essensvorräte waren ziemlich zur Neige gegangen und während Anna am frühen Morgen um 6:30 Uhr zum Frühstück einen aufgeweichtes kalten Brei aus den Resten ihres Müslis am Morgen aß, genehmigte ich mir meinen letzten Wrap mit Tiefkühlnutella, schüttete dann einige letzte mir verbliebene Nüsse und Mandeln in das Glas und kratzte diese mit den Nutellaresten heraus.

Wir hatten nun nur noch etwas Couscous, eine Portion Mashed Potatoes eine Packung Thunfisch. Wir wollten das alles zum Mittag zusammenschmeißen, um ein halbwegs vernünftiges Lunch zu bekommen. Zum Abendessen wollten wir dann im 23 Kilometer entfernten Arrowtown sein.

Abermals warteten mit dem Roses Saddle und dem Big Hill Saddle zwei größere An- und Abstiege auf uns. Entsprechend hatten wir uns vorgenommen, früh um 7.30 Uhr bereits auf dem Trail zu sein. Jelmer wollte nur bis zu der verlassenen Goldgräbersiedlung Macetown hiken, schloss sich unserem frühen Start in der Morgendämmerung aber an. Kurz nach der geplanten Zeit ließen wir die Roses Hut hinter uns und waren auch schon mittendrin im Anstieg auf den Roses Saddle.

Ich hatte heute morgen keine Ibuprofen genommen. Ich wollte zusehen, ob ich oder vielmehr meine Knie den Tag auch ohne Schmerzmittel überstehen. Kurze Zeit später bereute ich das bereits und warf mir später oben auf dem Sattel meine zwei in den letzten Tagen schon standardmäßig geschluckten Ibuprofen ein. Ich vermute mittlerweile, meine Knie werden mich bis Bluff noch beschäftigen… naja, hauptsache ich drifte nicht in die Schmerzmittelabhängikeit auf den letzten paar hundert Kilometern. Kleiner Spaß, ich werde es morgen erstmal wieder ohne versuchen 🙂

Der Anstieg auf den Sattel war weniger steil als gedacht. Zunächst… Nach einer guten halben Stunde ging es deutlich steiler am Berg hinauf, aber nach einer Stunde fortwährenden Aufstiegs hatten wir auch den steileren Part bewältigt, waren die gut 550 Meter aufgestiegen und blickten in das sich vor und hinter uns befindende Tal hinab. Wir waren damit recht schnell unterwegs, allerdings muss ich zugeben, dass unsere Rucksäcke nun, da sie um alles Essen befreit waren, auch kaum noch eine Last darstellten. Vermutlich wogen sie beide jeweils nur noch um die zehn Kilogramm.

Es war wieder mal eiskalt an diesem Morgen. Zwar war mir im Aufstieg gehörig warm geworden, aber irgendwie stoppte diese Wärme abrupt an meinen Knöcheln. Selbst im Abstieg über einen Berggrat hinunter zum Arrow River sollte ich meine Füße nicht wirklich warm laufen. Anna ging es ziemlich ähnlich, wenn nicht sogar noch schlimmer.

Naja, so richtig machte es da nun auch nichts mehr aus, dass wir uns statt für den weiteren Track bis zur verlassenen Goldgräbersiedlung Macetown im Hang zu laufen für das eiskalte Flussbett des Arrow River entschieden.

Das Wasser des Flusses allerdings war richtig kalt und bereits nach wenigen hundert Metern hatte es uns jegliches Gefühl aus den Füßen gesogen. Nur Jelmer schien irgendwie immun dagegen.

Nach gut einer Stunde, in der wir zwei Kilometer im Flussbett zurückgelegt hatten, machten wir eine Pause auf einer Steinbank. Raus aus den eisigen Schuhen und Socken. Erfrierungen an den Füßen wollten wir nicht gerade riskieren. Erst nach einer knappen halben Stunde war wieder etwas Gefühl in diese zurückgekehrt, so dass wir uns an die zweite Hälfte des River Tracks wagten.

Erstaunlicherweise ging das nun besser vonstatten. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass unsere Füße einfach instant wieder schockgefrostet wurden oder wir eine superheldenmäßige Kälteimmunität aufgebaut hatten, aber der zweite Teil durch den Fluss ging irgendwie besser von der Hand… oder von der Sohle…

Wir erreichten die Ruinen von Macetown, die teils inmitten von bereits in herbstlichen Farben leuchtenden Bäumen standen, nach einer weiteren Stunde. Viel zeugt allerdings nicht mehr von der einstigen Goldgräbersiedlung. Einige verlassene Minen und technische Geräte, die wir jedoch nicht passierten, zwei alte Steinhäuser bzw. -hütten, einige Steinmauern und Häuserruinen sowie von der einstigen Bevölkerung gepflanzte Obstbäume.

Gegründet wurde Macetown, nachdem man Gold in den Bergen hier gefunden hatte, 1863. Zeitweise lebten uns arbeiteten hier 200 Leute, doch als um 1900 nach und nach die Minen schlossen, verfiel auch die Siedlung. 1920, mit der Schließung der letzten Mine, wurde sie schließlich ganz aufgegeben.

Nach unserem Lunch, dass Anna und Jelmer noch um einige sehr leckere Birnen erweiterten, die sie von einem der alten Obstbäume gepflückt hatten, wanderten wir im Tal des Arrow River weiter gen Arrowtown. An einer Abzweigung verabschiedeten wir Jelmer. Wenige hundert Meter weiter sollte es eine Hütte haben, in der er gegebenenfalls übernachten könnte und dies wollte er ausnutzen. Anna und ich gingen stattdessen den Aufstieg zum Big Hill Saddle an. Nochmal 400 Meter rauf und das vorletzte Mal auf über 1.000 Metern auf dem Te Araroa.

Der Track auf den Big Hill Saddle, den wir in praller Sonne angingen, war irgendwie mühsam. Hohes Gras, stechendes Buschwerk, versteckte Löcher im Grund. Nun wusste ich auch, warum zwei Stunden für die zwei Kilometer auf den Sattel ausgeschrieben waren.

Ohne Pause kämpften wir uns hoch und schafften den Anstieg in einer Stunde. Und für eine der letzten höheren Höhen des Te Araroa bot sich uns tatsächlich nochmal eine tolle und besondere Aussicht, Richtung Süden bis hinunter zum Lake Hayes, auf Arrowtown und die fantastische Berglandschaft hier.

Der Abstieg von hier bis Arrowtown erfolgte weniger steil über viele Kilometer. Ein schöner Weg, der mal aussichtsreich eng am Hang und Felsen verlief, mal durch dichten Wald oder hoch gelegene Ebenen. Ich hätte das gerne mehr genossen, aber ich kämpfte immer mal wieder mit meinen Knien. Anna hingegen kämpfte noch schwerer. Sie hatte Probleme mit ihren Sohlen. Doch die Aussicht auf Pizza, Fish and Chips oder auch einen Burger hielt uns irgendwie aufrecht. Das ist sowieso das Thema unter uns Hikern in der Wildnis… Essen… möglichst kalorienreich… irgendwie nachvollziehbar oder? 🙂

Um 17 Uhr waren wir endlich in Arrowtown. Wow, was für ein niedliches Städtchen. Ehrlich gesagt neben dem als wirkliche Stadt kaum vergleichbarem Wellington war dies für mich das erste Städtchen bzw. Dorf, dass ich wirklich als hübsch bezeichnen kann. Schöne alte Stein- und Holzgebäude, die beinahe den Eindruck einer Stadt aus dem Wilden Westen vermittelten.

Auf der Suche nach einem günstigen Take-Away endeten wir schließlich im Grocery-Store und anschließend auf einem kleinen gepflegten Platz nahe des Zentrums. Fish and Chips bzw. ein Corndog und eine Literflasche Gingerbeer! Boah, aller Schmerz war mal wieder vergessen.

Wir hatten an sich vor noch an diesem Abend zum Lake Hayes weiterzuhiken und dort wild zu campen, aber offensichtlich sind Wildcamper dort gerade seit einiger Zeit sehr in der Diskussion. Seit zwei Monaten ist das Freedom Camping offensichtlich strikt untersagt und streng überwacht. So entschieden wir uns für den Holiday Park. Ich musste ohnehin meine gesamte Elektronik aufladen und wir könnten dann vielleicht morgen direkt aus Queenstown heraustrampen und den nächsten Track ohne einen Zwischenstop auf einem anderen Campingplatz mit Auflademöglichkeiten angehen. Queenstown und das vorübergehende Trailende des Te Araroa am Lake Wakatipu werden wir vermutlich am morgigen Nachmittag erreichen.

Jelmer erreichte den Campingplatz am Abend übrigens auch noch und buchte sich in eines der Häuser hier für eine Nacht ein. Die Eight Mile Hut, die auf den Karten verzeichnet war, gab es nicht mehr und da er kein Zelt dabei hatte, war er dann gezwungen, weiter Richtung Arrowtown zu laufen. Wir haben ihn nicht gesehen. Er schrieb allerdings Anna kurz. Ich hoffe er ärgert sich nicht allzu sehr darüber und hat den restlichen Hike dennoch genießen können.

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