24
Mrz
2018

Tag 120 Highland Creek Hut bis Roses Hut (10 Kilometer)

Weiter auf dem Trail… langsam weiterhin. Zehn Kilometer in knapp fünfeinhalb Stunden. Alles andere als ein kompletter Tag, aber das war okay. Ich genieße diese letzte herausfordernde Bergsektion des Te Araroa und die tollen Hütten auf dem Motatapu Track nochmal richtig und nehme dann ab morgen, so es das Wetter zulässt, wieder richtig Fahrt auf. Der Tag heute führte auf zwei großen An- und Abstiegen abermals hoch hinaus ins Gebirge. Im Gegensatz zu gestern hatte es trotz der gleichen Höhe jedoch deutlich weniger Schnee…

Nachdem gestern in der Highland Creek Hut nach Einbruch der Dunkelheit noch zwei nordwärts gehende Hiker angekommen waren und berichtet hatten, dass sie fast elf Stunden für die zehn Kilometer von der Roses Hut benötigt hatten, hatten Anna, Jelmer und ich uns am gestrigen Abend noch für einen frühen Start am heutigen Tag entschlossen. Mittlerweile wurde es erst deutlich später hell, aber so gegen 8 Uhr – das wäre kurz nach dem Sonnenaufgang – wollten wir aufbruchbereit sein. Tatsächlich kamen wir jedoch erst etwas später los. Wir starteten gegen 8:30 Uhr auf den Track zur Roses Hut.

Das Wetter war gut. Ein fast wolkenloser Himmel. Die Sonne würde uns nachher trotz des weiter oben erwarteten Schnees und der Kälte, gegen die wir jeden Morgen antrotzten, aufwärmen. Meine Nutella war heute morgen trotz der Hütte, in der ich übernachtet hatte, mal wieder gefroren und so verteilte ich mal wieder gefrorene Nutellabrocken auf meinem Frühstückswrap… Es war abermals richtig kalt und vor dem Start in die nassen Schuhe zu steigen kostete mich, sicher auch die anderen, schon einiges an Überwindung.

Direkt nach dem Start ging es richtig kräftezehrend und mit gefühlten Eisfüßen hinauf. Wir hatten auf einen ersten Grat zu steigen und auf die Grathöhe führte ein Track, der gefühlt fast senkrecht wie auf den Stufen einer steilen Treppe oder Leiter im Hang hinaufführte. Aber dieser richtig steile Part des Anstiegs war nur kurz.

Anschließend ging es über einen weiteren Grat und mehrere Anhöhen zwar weiterhin steil hinauf, aber dies war zumindest im Vergleich zu dem Anstieg zu Beginn deutlich weniger anspruchsvoll. Anna war ziemlich froh darüber. In dem steilen Part hatten sie doch tatsächlich Krämpfe geplagt.

Nach nicht ganz zwei Stunden, in denen wir auch in der Bergflanke zu einem anderen Grat übergewechselt und diesen weiter hinaufgefolgt waren, waren wir von der Highland Creek Hut in drei Kilometern etwa 400 Höhenmeter aufgestiegen. Ich befand mich mit den anderen nun wie am Vortag wieder auf deutlich über 1.200 Höhenmetern. Wir hatten heute jedoch so gut wie gar nicht mit Schnee zu kämpfen. Offenbar war ein großer Teil der gestern noch in dieser Höhe so dichten Schneedecke am gestrigen Nachmittag und Abend dahingeschmolzen. Dies verriet auch der Blick zurück auf den gestern passierten Jack Halls Saddle. Von einer Stelle im Aufstieg war dieser einsehbar und dort oben und auf dem hinabführenden Grat befand sich deutlich weniger Schnee als gestern noch zur selben Zeit. Das war gut für uns. Wir würden sicher nicht so eine lange Zeit zur Roses Hut benötigen wie ursprünglich eingeplant.

Kleinere Schneefelder und Schneereste befanden sich auf dieser Höhe nun hauptsächlich nur noch in den Nordflanken der Berge. Dort mussten wir zwar auch hindurch, aber weder mussten wir wie gestern eine Spur legen noch vorsichtigst durch den Schnee stapfen, jeden Schritt auf Halt prüfend. Der Track war teilweise aufgrund der Schneeschmelze eher matschig. Nach all den schwierigen Tracks auf dem Te Araroa bislang stellte dies mittlerweile jedoch trotz der Hänge, in denen wir uns bewegten, für mich weniger eine Herausforderung dar. Im späteren Abstieg eilte ich ein ganzes Stück vor den anderen voraus.

Die Sicht hier oben war abermals einfach nur lohnenswert, bis hinunter zum Motatapu River Valley. Einige Wolken waren aufgezogen, zogen jedoch teils schnell am Berg herauf und vorüber und rahmten so mitunter die Sicht ins Tal und das Panorama der Berge fantastisch ein. Wie ein Blick durch den Nebel in eine andere Welt.

Die folgenden zwei Kilometer ging es steil durch Tussock wieder auf 800 Höhenmeter hinab bis in ein kleines, von einem aus den Bergen strömenden Bachlauf durchflossenes Waldstück. Es war noch früh am Tag und irgendwie noch nicht die rechte Zeit fürs Lunch. Dieses wollten wir nach dem nächsten Anstieg auf einen der Hauptgrate des Knuckle Peak mit hoffentlich fantastischer Aussicht genießen.

Der schneebedeckte Gipfel des über 1.800 Meter hohen Berges lag dicht in Wolken verhüllt als wir den Aufstieg durch Tussock, zunächst in Serpentinen auf einen Nebengrat hinauf, angingen. Der Nebengrat selbst würde uns auf den Hauptgrat, abermals auf eine Höhe von über 1.200 Metern hinaufführen. Von hier würde dann über den Grat der Abstieg um abermals viele hundert Höhenmeter ins Motatapu River Valley und zur Roses Hut erfolgen.

Der Aufstieg verging überraschend schnell. Anna und ich hatten durchgezogen und die meiste Zeit des fortwährenden Anstiegs gequatscht. Jelmer kämpfte derweil etwas mit dem zweiten anstrengenden Anstieg des Tages, doch vielleicht zehn Minuten nach uns erreichte er auch den Hauptgrat. Mittagessen! Eigentlich… Wir waren dicht in Wolken gehüllt und ein kalter Wind zog auf. Kurzerhand entschieden wir uns um. Wir würden später in der Hütte was essen. Tja, so ohne Sicht, blieb uns nicht viel hier oben. Außer kurz den Smartphoneempfang zu checken 😉 Und siehe da, mitten in den Bergen hatten wir tatsächlich Empfang. Ich schickte eine kurze Nachricht in die Heimat, dass es mir gut geht. Dann ging es an den Abstieg. Es war zu kalt, um länger hier oben zu verweilen.

Der Abstieg über den Grat „entschädigte“ nochmal richtig für die weiter oben verpasste Sicht, denn nach etwa hundert Metern Abstieg rissen die Wolken auseinander und gewährten zur einen Seite den Blick durch das Tal bis hinunter zum Lake Wanaka und zur anderen Seite in ein weiteres, von den Bergen um den Knuckle Peak umrahmtes Flusstal.

Ich eilte im Abstieg abermals einiges vor Anna und Jelmer voraus und erreichte die im Motatapu River Valley auf etwa 700 Metern gelegene Roses Hut dann nach gut fünfeinhalb Stunden. Abermals eine recht neue und sehr schöne 12-Personenhütte mit Veranda, großen Panoramafenstern und Wassertank. Tatsächlich sind die Fern Burn Hut, die Highland Creek Hut und die Roses Hut alle gleich, nur vom Grundriss mal gespiegelt. Im Unterschied zu den bisherigen Hütten konnten wir die Roses Hut jedoch auch mal außerhalb des Schlafsacks genießen, denn es war hier am Nachmittag bei einigem Sonnenschein deutlich wärmer als zuvor in der Fern Burn und Highland Creek Hut.

An sich hätten wir noch über den Roses Saddle weiterlaufen und dann in der verlassenen Goldgräberstadt Macetown zelten können, aber wir hätten hierzu erneut auf fast 1.300 Meter aufsteigen müssen und einen langen Hike bis vermutlich 19 oder 20 Uhr gehabt. Wir würden nun morgen bis Macetown laufen und von dort aus vermutlich bis Arrowtown weiterhiken, denn nach dem heutigen Tag geht uns tatsächlich das Essen aus. Jelmer hilft uns bereits heute Abend mit etwas Quinoa aus. Supernett von ihm!

Meine Knie ließen mich den Tag übrigens weitestgehend schmerzfrei überstehen. Nur ab und an merkte ich, dass sie nicht zu 100 Prozent mitspielten. Aber mit den heutigen 99,9 Prozent war ich vollkommen zufrieden. Die beiden Restdays plus die beiden weniger langen Tage gestern und heute genügen hoffentlich, dass ich nun wieder mehr Fahrt aufnehmen kann.

Ansonsten gibt es noch zu berichten, dass es meine Tastatur vom Tablet zerlegt hat. Einige Buchstaben funktionieren nicht mehr, wenn ich diese anschlage. Vor einigen Tagen muss Feuchtigkeit dort hereingezogen sein und ich bekomme die Tasten nicht mehr zum Laufen. Aber lieber die Tastatur ist kaputt als das Tablet 😉

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